Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2005

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2005

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten. Lesen Sie auch mehr über die Hauptpreisträger des Kulturlandschaftspreises 2005.

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Sonderpreises Kleindenkmale 2005 kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen sind in der 'Schwäbischen Heimat' 2005/4 abgedruckt sowie in einem Sonderdruck enthalten.

Die Preisträger 2005

Heimatverein Dittigheim e.V. in Tauberbischofsheim (Main-Tauber-Kreis)
Erhaltungsmaßnahmen für Kleindenkmale

Gerade im ländlichen Raum spiegelt sich örtliche Geschichte in den häufig zahlreich vorhandenen Kleindenkmalen wieder, in den Gedenk- und Informationstafeln zu einzelnen Ereignissen, in den Feldkreuzen oder Bildstöcken. Und darum werden diese Zeugnisse weltlicher oder religiöser Ereignisse vor Ort auch als lebendiges Vermächtnis, als Tradition begriffen, die aufrecht zu erhalten Aufgabe der jeweils lebenden Generation ist. Diese Zielsetzung - die überlieferten Zeugnisse zu sichern und zu pflegen und die Tradition mit neuen Zeitzeugen fortzusetzen - hat sich der Heimatverein Dittigheim e.V. aus Tauberbischofsheim-Dittigheim 1992 in seiner Satzung vorgegeben.

In manchen Jahren haben sie sich gemeinsam einem Objekt gewidmet, in anderen Jahren ging es um drei bis vier teilweise anspruchsvolle Objekte gleichzeitig, deren Instandsetzung sich die Dittigheimer vorgenommen hatten. Das Spektrum der Aufgaben reicht von der Restaurierung und Sicherung historischer Gebäudeteile über die Restaurierung und Neupositionierung einer historischen Grabplatte bis zu der Renovation der zahlreichen Bildstöcke und Feldkapellen auf der Gemarkung, wobei immer wieder auch Teile, Figuren oder Reliefe neu gegossen bzw. angefertigt werden mussten. Besonders zu nennen ist die enge Abstimmung, die der Verein bei seinen Arbeiten mit den Fachleuten der Denkmalschutzverwaltung sucht.

Lotte und Werner Hertle in Aalen (Ostalbkreis)
Dokumentation von Sühne- und Gedenkkreuzen

Unter der Vielfalt von Kleindenkmalen, die wie besonders in den ländlichen Bereichen unseres Landes in immer noch großer Zahl finden, nehmen die mittelalterlichen Sühne- und Gedenkkreuze einen besonderen Platz ein. Sie sind in aller Regel Zeugen, die von ganz konkreten Ereignissen erzählen - von Mord und Totschlag bis hin zu weltgeschichtlichen Ereignissen, immer aber auch von einer Weltsicht, die vom christlichen Glauben geprägt ist. Dieses Geschichtsbuch der eigenen Heimat nicht in Vergessenheit geraten zu lassen und es für Andere lesbar zu machen, steckt hinter der Arbeit von Lotte und Werner Hertle aus Aalen.

Steinkreuz

Ein eingemauertes Steinkreuz.

Über 15 Jahre haben sie sich mit den Sühne- und Gedenkkreuzen ihrer weiteren Heimat, des Ostalbkreises, beschäftigt. 45 Kreuze sind im Landkreis bekannt und mehr oder weniger gut dokumentiert. Lotte und Werner Hertle haben sich dieses Kulturerbes systematisch angenommen und nach standardisierten, wissenschaftlichen Kriterien ein Inventar der Kreuze erstellt. Es ist ein Inventar, das als Ergebnis fundierter Forschungsarbeit nicht nur die Beschreibung aller Kreuze enthält, sondern dazu eine Einführung, in der die verschiedenartigen Gedächtnisstätten unserer Kulturlandschaft, von den Kapellen bis zu den unterschiedlichen Kreuzen, typische Steinkreuzformen, ihre Zeichen und Inschriften ebenso wie die hinter der Aufstellung solcher Steine stehenden Beweggründe erläutert und dem Leser nahegebracht werden. Es ist ein Buch - interessant und spannend zu lesen - und das nicht nur für Fachleute!

Mit diesem Inventar wollen Lotte und Werner Hertle erklärtermaßen die Bedeutung heimatgeschichtlicher Zeugnisse fördern und gleichzeitig das historische Bewusstsein insbesondere bei der Jugend wecken. Dafür ist das vorliegende Büchlein in Sprache und Stil ganz ausgezeichnet geeignet.

Bürger von Tübingen-Kilchberg (Kreis Tübingen)
Sanierung eines Obstschützenhäuschens

Ein besonderes Beispiel ist die Bewerbung, mit der die Bürger von Tübingen-Kilchberg von ihrer eigenen Ortsvorsteherin für eine Auszeichnung vorgeschlagen wurden. Kilchberg hat sicherlich eine interessante Geschichte, als württembergische Gemeinde über Jahrhunderte direkt an einer Kulturgrenze, nämlich an der Grenze zur vorderösterreichischen Grafschaft Hohenberg gelegen. Oberhalb der Streuobstwiesen, die sich vom Rand des Rammerts hinunter zur Ortslage und zum Neckartal ziehen, steht ein Obstschützenhäuschen. Es ist ein Zeuge vergangener Zeiten, als der Feld- und Obstschütz von hier aus die Starenschwärme und andere Vögel vertrieb, die mit den Kilchbergern um ihr Obst konkurrierten. Lange Jahre schon war es dem Verfall preisgegeben, ihm fast schon zum Opfer gefallen. Es ist kein einfacher Unterstand, sondern ein festes Häuschen mit doppeltem Mauerwerk und Tonnengewölbe.

Haus aus Stein

Nach der Renovierung steht das Haus wieder felsenfest.

Zu Beginn des Jahres 2004 war das Obstschützenhäuschen eine Ruine. Ein Naturschutzwart des Schwäbischen Albvereins wandte sich an die heutige Ortsvorsteherin und bat um Hilfe. Und ausgehend von einem Antrag im Ortschaftsrat begann nun eine Rettungsaktion für das Obstschützenhäuschen, bei der sich quer durch die Kilchberger Bürgerschaft Ortschaftsräte, Vereinsvorstände, die Feuerwehr und fachkundige Bürger zusammenfanden. Einige Rentner konnten die ganze Woche an der Arbeit, an den Freitagen dann fanden sich regelmäßig viele Helfer zu Arbeiteinsätzen ein. Zwischen Juli und November 2004 entstand das Obstschützenhäuschen neu, die Bausubstanz fachgerecht erneuert, die Außenanlagen behutsam und mit Gefühl für die Umgebung restauriert und innen liebevoll so ausgebaut, dass es heute als Treffpunkt für mannigfaltige Aktivitäten geeignet ist. Heute erzählt das restaurierte Gebäude auch den Jungen und den Kilchberger Neubürgern wieder von der Tätigkeit der Feld- und Obstschützen.

Schwarzwaldverein Bad Rippoldsau (Kreis Freudenstadt)
Erfassung von Kleindenkmalen auf der Gemarkung

Mit Elan, großem Fleiß und viel Liebe zum Detail hat sich der Schwarzwaldverein Bad Rippoldsau um die Kleindenkmale seiner Gemarkung gekümmert, hat seine Arbeit mit Fotos und Abschriften von Texten dokumentiert und sich über die Hintergründe und die Geschichte der Objekte kundig gemacht. Und da kommen spannende Geschichten zusammen, die vergangene Zeiten farbig und lebendig werden lassen. Es ist erstaunlich, welche Vielfalt von Kleindenkmalen existiert. Von den Bildstöcken, Denk- und Gedenksteinen bis zu Grabsteinen, Feldkreuzen und Grenzpfählen sind es Formen von Geschichtszeugen, die allgemein geläufig sind. Aber in einem traditionsreichen Kurort wie Bad Rippoldsau im Schwarzwald finden sich auch Kleindenkmale anderer Art, die an berühmte Kurgäste erinnern sollen oder von ihnen selbst zur Erinnerung gestiftet wurden.

Steinbank im Wald

Die Kurt-Giss-Gedächtnis-Bank.

So sind einige steinerne Gedächtnisbänke in der eingereichten Dokumentation enthalten, die den Kurgast an Wanderwegen und exponierten Stellen zum Verweilen einladen. Darunter befinden sich Bänke von überraschender Größe wie etwa die halbrunde, mehrfach unterteilte und mit einer Büste des Dichters gekrönte Scheffelbank. Für dieses lebendige Geschichts- und Geschichtenbuch ihrer Heimatgemeinde, festgemacht an den Kleindenkmalen der Gemarkung hat die Jury einen der diesjährigen Sonderpreise Kleindenkmale des Kulturlandschaftspreises verliehen.

Hinweise

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern.