Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2004

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2004

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten.

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Sonderpreises Kleindenkmale 2004 kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen sind in der 'Schwäbischen Heimat' 2004/4 abgedruckt sowie in einem Sonderdruck enthalten.

Die Preisträger 2004

Heimatverein Winterbach e.V. in Winterbach (Rems-Murr-Kreis)
Die örtliche Trinkwasserquelle: Denkmal einer wechselvollen Geschichte

Das renovierte Pumpenhaus inmitten von Bäumen

Das renovierte Pumpenhaus

Die Weiherbrunnenquelle in Winterbach im Rems-Murr-Kreis ist seit bald 200 Jahren gefasst und hat in wechselnder Gestalt der Trink- und Brauchwasserversorgung gedient. Aber seit sich auch Winterbach 1973 an eine zentrale Trinkwasserversorgung anschloss, wurde die Quelle nicht mehr genutzt. Seitdem läuft das Wasser über einen kleinen Bachlauf einem als Naturdenkmal ausgewiesenen Feuchtbiotop zu. Die ganze Anlage mit der in den Boden gebauten kellerartigen Quellfassung, dem einstigen Pumphäuschen und dem Auslaufbauwerk, nun ohne Funktion, waren samt der Außenanlage dem Verfall preisgegeben. Von Gebüsch überwuchert, mit undichtem Dach und einem weitgehend zusammengebrochenen Auslaufbereich ließ sich vor wenigen Jahren kaum noch erkennen, um was es sich da handelte.

Dass mit der Anlage aber auch ihre heimatgeschichtliche Bedeutung als "Denkmal" der Winterbacher Wasser-Geschichte verloren ging, ließ einige im Arbeitskreis Museum des Heimatvereins organisierte Winterbacher nicht ruhen. Engagiert und fachkundig machten sie sich während der vergangenen zwei Jahre an die Arbeit. Unterstützt durch die Gemeinde als der Eigentümerin haben sie die Anlage und ihre Umgebung renoviert, in Teilen restauriert und wieder so hergerichtet, dass sie heute eine neue Bestimmung gefunden hat. Nun sind es Schul- und Kindergartenkinder, die diesen Platz gerne nutzen, um etwas über Trinkwasser und auch Gewässer zu lernen.

Konrad Kugelart in Ellwangen/Jagst (Ostalbkreis)
Dokumentation von Kleindenkmalen

Von schmiedeeisernen Auslegern an Gaststätten oder Handwerksbetrieben über Sühnekreuze, Bildstöcke an einsamen Waldwegen bis zu Heiligenstatuen an städtischen Häusern reicht die Palette der über 400 Objekte, die Konrad Kugelart seit 1985 in der Stadt Ellwangen und im Ostalbkreis erhoben und mit mehr als 500 Fotografien dokumentiert hat. Allerdings hat er sich mit der ehemaligen Fürstprobstei Ellwangen auch einen Wirkungsbereich gewählt, in dem gerade die Heiligen- und Madonnenstatuen in außergewöhnlich großer Zahl vorhanden sind. Aber es sind nicht nur Fotos: "Geschichte und Geschichten" nennt er seine Dokumentation im Untertitel. Geschichtliches und Histörchen - eben alles, was er in Gesprächen, Zeitungen und Archiven zu den einzelnen Objekten finden konnte, ist übersichtlich zusammengestellt.

Über seine Arbeiten hat auch die Tagespresse immer wieder berichtet und Interesse auch bei manchem Eigentümer solcher Kleinodien geweckt. Etliche Kleindenkmale haben davon schon profitiert: Wieder ins Blickfeld geraten, wurden sie renoviert oder neu aufgerichtet. Damit seine Funde und Ergebnisse aber nicht nur in der Schublade bleiben müssen, sondern für jedermann zugänglich werden, hat Konrad Kugelart jüngst einen Bildstockführer veröffentlicht, der den Weg zu seinen Funden weist.

Schwäbischer Albverein - Oberer Donau Gau (Kreis Sigmaringen)
Erfolgreicher Abschluss der Kleindenkmal-Erfassung im Kreis Sigmaringen - Engagement war der Schlüssel zum Erfolg

Ein hölzernes Kruzifix

Ein hölzernes Kruzifix mit Geißelwerkzeugen.

Die von Herbst 2001 bis Frühjahr 2004 durchgeführte Erfassung und Dokumentation von Kleindenkmalen im Kreis Sigmaringen durch den Obere-Donau-Gau des Schwäbischen Albvereins war eine der ersten Erfassungen im Rahmen der landesweiten Aktion Kleindenkmale. Es waren in erster Linie Mitglieder des Schwäbischen Albvereins, die sich als ehrenamtliche Erfasser schulen und anleiten ließen und das Projekt dann in 25 Gemeinden mit ca. 130 Teilorten vor Ort umgesetzt haben. Sie hatten ein schwieriges, aber hochinteressantes Gebiet zu bearbeiten. Denn im heutigen Kreis Sigmaringen treffen etliche ehemalige Herrschafts- und Territoriumsgrenzen zusammen, die sich in Grenzsteinen und anderen Kleindenkmalen dokumentieren. Diese Befunde richtig zu interpretieren, ist nicht immer einfach. Dass sie diese Erfassung dennoch in landesweit vorbildlicher Weise erfolgreich fertiggestellt haben, ist vor allem dem Organisationstalent und dem hohen persönlichen Engagement des Projektkoordinators Willi Rößler aus Sigmaringen zu verdanken.

Der Erfolg - das Erfassungsergebnis - spricht für sich: die kreisweite Erfassung und Dokumentation von 1722 Kleindenkmalen und 1048 Landesgrenzsteinen sind der landesgeschichtliche Ertrag. Mit diesem Kataster ist die Grundlage geschaffen für die bleibende Sicherung und den dauerhaften Erhalt dieses kulturellen Erbes.

Schüler der Grund- und Hauptschule Döchtbühl in Bad Waldsee (Kreis Ravensburg)
Kleindenkmale als Prüfungsprojekt in der Schule

Dass vier Schüler für ihre Hauptschul-Abschlussprüfung im Fach Religion die Erfassung und Dokumentation von Feldkreuzen als Projekt wählen, ist ausgesprochen ungewöhnlich. Man ist aber beeindruckt, mit wie viel Interesse und Elan sie die Erfassung durchgeführt und deren zeitgemäße Computerpräsentation erstellt haben.

Die Landschaft des Haistergau war das Untersuchungsgebiet, in dem Christian Maucher, Christian Hinder, Matthias Covic und Florian Eisele, Schüler der Döchtbühlschule in Bad Waldsee, auf eine Anregung ihres Religionslehrers Rudi Martin hin alle 30 Feldkreuze erfasst, dokumentiert und nach ihrem Entstehungshintergrund auch klassifiziert haben. Darüber hinaus haben sie auch interessante Informationen zum allgemeinen kulturellen Hintergrund von Feldkreuzen zusammengetragen. Die Dokumentation ist interessant und sehenswert. Die Vier hatten mehrfach Gelegenheit, ihre Powerpoint-Präsentation öffentlich vorzuführen. Für einige Eigentümer war die Dokumentation sogar Anlass, sich um ihr Feldkreuz und seinen Zustand zu kümmern. Erste Kreuze wurden bereits restauriert.

Hans Offenwanger in Grünkraut (Kreis Ravensburg)
Von der Erfassung bis zur Sanierung - ein Profi im Ehrenamt

Der Preisträger vor einem Feldkreuz

Hans Offenwanger hat in Grünkraut alle Kleindenkmale erfasst und - wenn nötig - saniert.

Als Hans Offenwanger aus Grünkraut im Jahre 2002 daran ging, sich um die Kleindenkmale seiner Heimatgemeinde zu kümmern, ging es ihm nicht nur darum, die Objekte zu erfassen und zu dokumentieren. Als langjähriger Ortsbaumeister nutzte er den Kontakt zur Gemeinde und holte sich deren Unterstützung für sein Vorhaben, das von der Erfassung bis - soweit erforderlich - zur detaillierten Finanzierung und Sanierung jedes Kleindenkmals reichte.

41 Objekte hat er im Jahr 2002 erfasst. In Interviews, Gesprächen, Bücherei- und Vorlesungsbesuchen sammelte er akribisch alle erreichbaren Daten zu deren Entstehungsgeschichte, Eigentumsverhältnissen oder kaum lesbaren Inschriften und Abbildungen. Eine detailtreue Skizze mit Maßangaben, ein Lageplan und eine Fotodokumentation vervollständigten die Dokumentationsmappen zu jedem Kleindenkmal. Mit diesem hervorragenden Material als Grundlage gewann Herr Offenwanger dann den Landkreis und die Gemeinde zu einer finanziellen Beteiligung an einem Sanierungskonzept, das die Kostenbeteiligung der Eigentümer an der Sanierung auf ein Drittel der Kosten reduzierte. In einem genauen Zeitplan bis 2005 werden die Sanierungen derzeit durchgeführt. Auch hier ist Herr Offenwanger wieder derjenige, der die Arbeiten der Beteiligten koordiniert und überwacht, der in Standortfragen und bei Eigenleistungen berät. Und schließlich zeichnet er auch verantwortlich für die nochmalige Dokumentation nach Abschluss der Sanierung.

Diethard Nowak in Meersburg (Bodenseekreis)
Dokumentation von Kleindenkmalen, Führungen und die Herausgabe von Broschüren und Büchern

Schon vor vielen Jahren übernahm Diethard Nowak in seiner Wahlheimat Meersburg ehrenamtliche Stadtführungen, thematische Führungen in Kirchen und Kapellen sowie geführte Wanderungen in das Umland, bei denen er sich eine profunde Kenntnis der kulturgeschichtlichen Zeugnisse in Meersburg erwerben konnte. Und immer schon hat er die Teilnehmer seiner Veranstaltungen nicht nach Hause gehen lassen wollen, ohne ihnen etwas Schriftliches zum jeweiligen Thema an die Hand zu geben. So hat er im Laufe der Jahre eine ganze Reihe von Büchern und Broschüren geschrieben und im Selbstverlag herausgegeben, ganz überwiegend zu kulturgeschichtlichen Themen und Einzelobjekten. Mit seiner neuesten Publikation: "Kleindenkmale in den Meersburger Landen - Wegkreuze, Heiligenfiguren, Gedenkstätten, Grenzsteine...", die er 2003 im Selbstverlag herausgebracht hat, hat sich Diethard Nowak um den Sonderpreis Kleindenkmale beworben.

Diethard Nowak ist echter Heimatforscher geworden. Er hat über die Entstehung dieser wichtigen Zeugen der Geschichte und Kultur geforscht, hat Zeitzeugen und Archive befragt, einführende Kapitel an den Anfang gestellt und dann die Kleindenkmale auf insgesamt 191 Seiten abgebildet und beschrieben. Trotz dieses Umfangs ist es ein Büchlein, das leicht in der Hand liegt und für den neugierigen Besucher gemacht ist!

Hinweise

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern.