Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2003

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2003

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten.

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Sonderpreises Kleindenkmale 2003 kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen sind in der 'Schwäbischen Heimat' 2003/4 abgedruckt sowie in einem Sonderdruck enthalten.

Alois Higler aus Ellenberg (Ostalbkreis)

Für die Dokumentation der Kleindenkmale von Ellenberg und Ellwangen mit Umland.

Alois Higler beim Erfassen eines MArien-Bildstockes

Alois Higler bei der "Arbeit"

Dass er immer mal wieder einen Bildstock, ein Feldkreuz oder ein anderes Kleindenkmal plötzlich nicht mehr wiederfand, war der Grund, warum Alois Higler 1998 damit begann, sich systematisch um die Kleindenkmale seiner Heimatgemeinde Ellenberg bei Ellwangen zu kümmern. Akribisch ging er daran, alle erreichbaren Kleindenkmale aufzusuchen und zu fotografieren. Die Sammlung von Fotografien zu dieser Dokumentation ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser systematischen Suche. Aber sein Ziel war weiter gesteckt: Es sollte nicht bei der bloßen Dokumentation bleiben. Alois Higler versucht auch, etwas über die Umstände und die Gründe in Erfahrung zu bringen, die Anlass waren, das jeweilige Denkmal aufzustellen. In seiner Sammlung finden sich alte Sagen und historische Ereignisse, wie die Erinnerung an Seuchen oder Katastrophen, derer mit dem Denkmal gedacht wird, oder auch persönliche Schicksale, die Anlass zur Errichtung von Gedenksteinen waren.

Er lässt es aber nicht nur mit Erfassung und Dokumentation bewenden. Wo immer er auf Objekte mit bedenklichem Erhaltungszustand stößt, engagiert er sich dafür, Mittel und Wege aufzutun, diesen Zustand zu verbessern. So konnte Alois Higler einige Eigentümer von Feldkreuzen oder Bildstöcken dafür gewinnen, ihre Kleindenkmale zu restaurieren. Dabei hat er durchaus auch selber bei der Restaurierung mitgearbeitet.

Vereinigte Zünfte aus Munderkingen (Alb-Donau-Kreis)

Für die Renovierung der barocken Kapelle "Oißakäppelel" am Frauenberg

Als 1862 in Württemberg die traditionsreichen Handwerkszünfte aufgelöst wurden, waren die Zunftmitglieder in der ehedem vorderösterreichischen Donaustadt Munderkingen bedeutende Traditionen, wie die gemeinsamen Prozessionen oder die Teilnahme an den Beerdigungen der Zunftbrüder nicht einfach über Bord werfen. Sie gründeten daher die Vereinigten Zünfte. Neben der Pflege jahrhundertealter kirchlicher Traditionen hat sich der Verein schon früh der Pflege des heimatlichen Brauchtums verschrieben und auch für die zahlreichen Kulturdenkmale in Munderkingen - insbesondere durch Dokumentation und Restaurierung der Kleindenkmale - Verantwortung übernommen.

2003 abgeschlossen wurde die Freilegung und Komplettsanierung einer Wallfahrtskapelle, des im Volksmund sogenannten "Oißa-Käppele" am historischen Pilgerweg nach Marchtal. Vollkommen eingewachsen und seit fast 50 Jahren dem langsamen Verfall preisgegeben stand die kleine barocke Kapelle auf einem Felsvorsprung oberhalb der Donau. 1958 hatte sie der damalige Ortspfarrer zumauern lassen, nachdem sie sich zum Ziel als abergläubisch empfundener Bräuche entwickelt hatte. Wer mit seinem mitgebrachten Besen betend die Kapelle umrundete und dann den Besen im Innenraum zurückließ, der sollte von seinen Furunkeln (schwäbisch "Oißa") geheilt werden. Seitdem die Kapelle zugemauert war, ist sie in Vergessenheit geraten.

Die barocke Kapelle vor der Sanierung: zugemauert und umwuchert

Das "Oißa-Käppele" im verwahrlosten Zustand.

Mit der Fachkunde der verschiedenen unter den Zunftbrüdern vertretenen Gewerke und mit Liebe zum historischen Detail nahm sich der Verein der selbst gestellten Aufgabe an. Die Kapelle wurde vom Pflanzenwuchs befreit, gereinigt, die Wände wurden trockengelegt, neu verputzt und gestrichen. Dachaufbau, Dacheindeckung und Regenwasserrinnen mussten vollständig ersetzt werden. Der zugemauerte Eingang wurde geöffnet und der Innenraum neu gestaltet. Die noch vorhandenen Reliefs an der Außenwand wurden ausgebessert und detailgetreu neu bemalt. Schließlich stellte das Kloster Untermarchtal die Statue einer Lourdes-Madonna aus ihrem Besitz zur Verfügung. Schließlich haben die vereinigten Zünfte auch das direkte Umfeld der Kapelle neu gestaltet.
(verkürzte Fassung eines Textes von Volker Kracht)

Hinweise

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern.