Kulturlandschaftspreis hilft Gränzstöken auf die Beine

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Kulturlandschaftspreis hilft Gränzstöken auf die Beine

Öffentliche Anerkennung und eine finanzielle Unterstützung sollen Ehrenamtliche ermutigen, ihre Aktivitäten zum Schutz und Weiterentwicklung der Kulturlandschaft und der Kleindenkmale in Württemberg und Hohenzollern sowie der angrenzenden Regionen fortzusetzen und zu intensivieren. Das ist der Gedanke, der hinter dem Kulturlandschaftspreis steht, der gemeinsam vom Schwäbischen Heimatbund, dem Sparkassenverband Baden-Württemberg und der Sparkassenstiftung Umweltschutz verliehen wird. Dass das Konzept aufgeht, zeigt sich zum Beispiel bei den Schülern der Oberlin-Schule in Fichtenau im Landkreis Schwäbisch Hall.

Gruppenfoto der Projektgruppe

Schüler haben die Wegweisertafeln restauriert und die originale Farbgebung wieder hergestellt. Stolz präsentieren sie ihre Arbeit gemeinsam mit ihren Lehrern und dem Rektor ihrer Schule.

Zur Erinnerung: 2002 wurden die Schüler der Förderschule und ihr Lehrer Ludwig Horn mit dem Sonderpreis Kleindenkmale des Kulturlandschaftspreises ausgezeichnet. Unterstützt von Rektor Walter Reile ermittelten die Schüler anhand alter Landkarten die Standorte von ehemaligen GränzStöken im Landkreis Schwäbisch Hall. Die OberAmtsGränzStöke, OrtsTafelStöke und WegWeiserStöke sind genormte, gusseiserne Säulen mit Schrifttafeln, die im Königreich Württemberg von 1825 bis 1918 aufgestellt worden waren. Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Ende des Königreichs Württemberg verschwanden diese historischen Wegweiser nach und nach aus- den Orts und Landschaftsbildern. Die nicht verschrottet wurden kamen auf Bühnen oder in Kellerräume der Rathäuser und Landratsämter oder auch in Privatbesitz. Die Schülerinnen und Schüler haben noch erhaltene Säulen und Tafeln aufgespürt und das Thema so aufbereitet, dass ihre Arbeit später einmal nachvollziehbar ist.

In einem weiteren Schritt sollten Möglichkeiten geprüft werden, abgebaute und eingelagerte Tafeln an ihren ursprünglichen Standort zurückzuversetzen. Zudem sollten einige der bis dahin aufgefundenen 16 Gränzstöke nach und nach repariert und mit einer den historischen Vorgaben entsprechenden Bemalung versehen werden. Rot-schwarz sollten sie sein, wie die Farben Württembergs und die Uniformen der Soldatenuniformen zu Zeiten Wilhelms I. Seit 2002 wurden weitere sechs Wegweiser aufgespürt. Sie befanden sich in einem sehr schlechten Zustand und bedürfen einer dringenden Restaurierung. Wie alle bisher gefundenen Objekte entspricht auch ihre Farbgebung nicht den historischen Vorgaben.

Dank der finanziellen Unterstützung durch das Preisgeld von 500 Euro des Sonderpreises sowie durch die Hilfe der Stiftung Kulturelle Jugendarbeit und der Stiftung Brandenburger Tor konnten zwischenzeitlich die finanziellen Bedingungen für die Fortführung des Projektes gesichert werden. Ein PKW-Anhänger mit Stromaggregat und alle notwendigen Werkzeuge sind nun vorhanden. Für die Fortführung der Arbeiten am Projekt wird heute außer Fahrtkosten nur noch Arbeitsmaterial wie Schleifmaterial, Farbe, Lösungsmittel, Klebeband, Pinsel, Gewindeschrauben, Bleche, etc. benötigt, das mit etwa 600 Euro pro Jahr zu Buche schlägt. Die Sparkassenstiftung Umweltschutz und der Projektetat der Schule decken diese laufenden Kosten.

Die Intention, ein Projekt dieser Art gerade an einer Förderschule anzusiedeln, schildert Ludwig Horn so: Kleindenkmale bieten einen guten Zugang zur Heimatgeschichte und auch zur Geschichte allgemein. Die in unserer Region noch zahlreich vorhandenen, württembergischen Hoheitszeichen bieten durch ihre überschaubaren Dimensionen und ihren prägenden Charakter in Verbindung mit der auch heute noch nutzbaren Funktionalität beste Voraussetzungen für ein erfolgreiches Projekt, mit dem sich die Schüler auch langfristig identifizieren können.

Im Projekt Gränzstöke steht aber nicht nur der geschichtliche Hintergrund zur Erforschung bereit. Die Beschäftigung mit den historischen Wegweisern ist auch in andere Schulfächer mit eingebunden. Gefragt sind vor allem handwerkliche und künstlerische Fähigkeiten sowie Mathematik, Deutsch, Geografie und Informatik. Diese gelungene Fächerkombination macht die Gränzstöke zu einem nahezu idealen Arbeitsfeld, das sich für problembehaftete Jugendliche sehr gut eignet. Mittlerweile haben sich weitere Lehrkräfte der Oberlin-Schule mit dem Gränzstöke-Virus infiziert und sorgen mit ihrem Engagement für eine breite Basis.

Die Arbeit in den Jahren seit der Preisverleihung im Jahr 2002 kann sich denn auch sehen lassen: Bislang wurden fünf Stöke teilweise aufwändig restauriert und an ihren historischen Standort zurück gebracht oder in die Obhut des Stadtmuseums Kirchberg/Jagst und des Freilandmuseums Wackershofen gegeben. Vorher mussten die Schülerinnen und Schüler aber zuerst Rost und Schmutz entfernen, Risse in den Sockeln und Schildern schweißen, Verbindungsschrauben ersetzen, Einschusslöcher beseitigen und das Metall für die anschließende, dem Original entsprechende Lackierung vorbereiten. Teilweise wurden moderne Schilder durch nachgebaute Originaltafeln ersetzt. Dabei erhielt das Projekt und seine Teilnehmer tatkräftige Unterstützung durch die gewerblich-technische Schule in Person von Gewerbelehrer Karl-Heinz Rau. Wie geplant förderte und forderte die Ermittlung und die Restaurierung der Gränzstöke von den Schülern die unterschiedlichsten Fähigkeiten: handwerkliches Geschick, Organisationstalent sowie mathematische und geografische Kenntnisse. Und das alles vor einem historischen Hintergrund, der nicht nur den Schülerinnen und Schülern der Oberlin-Schule in Fichtenau, sondern allen Bürgern des Landkreises einen Gewinn gebracht hat.

Zu diesem Gewinn hat der Kulturlandschaftspreis und der Sonderpreis Kleindenkmale des Schwäbischen Heimatbunds und des Sparkassenverbands Baden-Württemberg einen Teil beigetragen und damit die Ziele der Auslober ein weiteres Mal erreicht. Ohne das Engagement der Fichtenauer Schülerinnen und Schüler sowie ihres Lehrers Ludwig Horn wären aber alle Motivationsbemühungen vergebens gewesen. Denn nur durch ihre Arbeit und ihren Ideenreichtum war dieses vorbildliche Projekt überhaupt möglich.

(Volker Lehmkuhl)