Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2002

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2002

Der 1999 erstmals als Sonderpreis Kleindenkmale ausgelobte Preis für Bemühungen um Kleindenkmale mausert sich mehr und mehr zu einem Dauerthema: Was bis vor einigen Jahren als Betätigungsfeld einiger weniger begeisterungsfähiger "Sonderlinge" galt, ist geradezu modern geworden. Im ganzen Land nimmt die Zahl der Freunde von Kleindenkmalen zu, alles Leute, die mit großem Eifer Kleindenkmale dokumentieren und nach dem Rechten schauen! Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten.

Wir stellen Ihnen die Preisträger des Sonderpreises Kleindenkmale - in der Reihenfolge von Norden nach Süden - kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen sind in der 'Schwäbischen Heimat' 2002/4 abgedruckt sowie in einem Sonderdruck enthalten.

Schwäbischer Albverein, Ortsgruppe Öhringen (Hohenlohekreis)

Für den Rundwanderweg "Kelternrunde" einen Erinnerungsweg zu alten Öhringer Kelternplätzen.

Blick auf eine Sandsteintreppe im Weinberg

Mauern und Staffeln in Obstwiesenlandschaft - letzte Erinnerung an früheren Weinbau

Bis etwa 1870 war das Gebiet zwischen Öhringen und Pfedelbach durchweg Weinbaugegend. Die Flurkarte aus dem Jahr 1828 zeigt eine Weinbergparzelle neben der anderen! Noch etwas zeigt die alte Flurkarte: fünf Keltern, verstreut in der Weinberglandschaft, meist an Weggabelungen. Bis vor wenigen Jahren erinnerte an den alten Kelterplätzen nichts mehr an die Bauwerke, nicht ein einziger Fundamentstein oder Ähnliches. Im Jahr 2000 hat die Ortsgruppe Öhringen des Schwäbischen Albvereins unter Anleitung durch ihren zweiten Vorsitzenden Horst-Eckardt Kropp an diesen Kelterplätzen Gedenksteine mit den Namen der jeweiligen Keltern aufgestellt.
Damit aber nicht genug. Eine 'Keltern-Runde', ein ausgeschilderter Wanderweg, beginnt in der Stadt, wo noch verschiedene Kellereingänge von der Weinbau-Vergangenheit zeugen, und führt hinaus durch die heutige Obstwiesenlandschaft an den Kelterplätzen vorbei. Eine gut aufgemachte Broschüre erläutert die geschichtlichen Hintergründe und das, was es am Wegesrand zu sehen gibt. Das dritte Projekt schloss sich unmittelbar an: Einige wenige alte Trockenmauern finden sich entlang der alten Weinbergwege, eine davon, aus prächtigen, schön behauenen Sandsteinen gesetzt, drohte einzustürzen. Das Ausbessern der Mauer und das teilweise Neusetzen war ebenso mühevoll wie das Freilegen alter Treppenstufen an anderen Stellen.

Oberlin-Schule in Fichtenau (Kreis Schwäbisch Hall)

Für die Erfassung und Dokumentation alter Postwege und die Restaurierung von Kleindenkmalen (OberAmtsGränzStöke, OrtsTafelStöke und WegWeiserStöke)

Kleindenkmale bieten oft einen guten Zugang zur Heimatgeschichte und auch zur «großen Geschichte». Rektor Walter Reile von der Oberlin-Schule Fichtenau (Lkr. Schwäbisch Hall) und Klassenlehrer Ludwig Horn haben die Initiative ergriffen. Die württembergischen und bayerischen Hoheitszeichen, die in manchen Ortschaften entlang der heutigen Ländergrenze bis heute stehen bleiben durften, eignen sich gut dazu, Schülern die frühere Kleinstaaterei und das Wesen und die Wirkung von Grenzen zu vermitteln.

Lehrer und Schüler haben sich zunächst den 'OberAmtsGränzStöken', 'OrtsTafelStöken' und den 'WegWeiserStöken' des Landkreises gewidmet. Diese Art von Kleindenkmalen sind Schrifttafeln der öffentlichen Verwaltung, die in einer groß angelegten Aktion um 1880 in zahlreichen Orten an genormten gusseisernen Säulen angebracht worden waren. Zunächst wurden die Kleindenkmale anhand alter Landkarten ausfindig gemacht. Dann wurden die einzelnen Objekte dokumentiert und fotografiert sowie Standort und Erhaltungszustand notiert. Auch das archivmäßige Speichern der erhobenen Daten und des Bildmaterials gehört zum Projekt. Schüler müssen lernen, ein Thema so aufzubereiten, dass die Erhebungen später gefunden, gelesen und nachvollzogen werden können. In der Zukunft sollen einige Denkmale restauriert und an ihrem ursprünglichen Platz wieder aufgestellt werden.

Erfolgsmeldung: Wie's an der Oberlin-Schule weiterging?

Helmut Marstaller aus Braunsbach-Geislingen (Kreis Schwäbisch Hall)

Für die Erforschung und Dokumentation von Sühnekreuzen seit 15 Jahren.

Helmut Marstaller beim Ausmähen eines Steinkreuzes und eines Bildstocks

Helmut Marstaller beim Ausmähen eines Steinkreuzes und eines Bildstocks

Seit 1984 nimmt sich Helmut Marstaller aus Braunsbach-Geislingen im Kreis Schwäbisch Hall der Steinkreuze des Landkreises an. Es entstand so eine Sammlung von Bildmaterial, vor allem aber auch von Hinweisen auf die Entstehungsgeschichte und die überlieferten Sagen und Legenden, die weit über das bis dahin Bekannte hinausging. Dabei kamen auch neue Erkenntnisse und Interpretationen zu Tage. Sein Wissen gibt Helmut Marstaller in einem sorgfältig ausgearbeiteten Diavortrag weiter, den er bereits über 40-mal gehalten hat. Das Wissen um die Steinkreuze, vor allem auch um deren Bedeutung für die Kulturgeschichte, konnte so in den letzten Jahren erheblich ausgeweitet werden. Es hat sich auch als zweckmäßig erwiesen, wenn möglichst viele Personen immer wieder nach den Steinkreuzen schauen, um dem bis vor etlichen Jahren leider nicht seltenen Diebstahl und dem spurlosen Verschwinden bei Straßenverbreiterungen usw. vorzubeugen.

Marstaller legt aber auch selbst Hand an: nicht an die Steinkreuze selbst, aber an den Bewuchs, der sie gelegentlich zu umschlingen und ins Abseits zu drängen droht. Ständige Kontrolle und intensive Beschäftigung mit Kleindenkmalen, hin und wieder mal auch eine Pflegemaßnahme - das ist es, was einen engagierten Kleindenkmalfreund auszeichnet. Helmut Marstaller ist einer von denen, und es wäre erfreulich, wenn es im ganzen Land und für alle Kleindenkmal-Kategorien noch viele weitere solche Personen gäbe.

Karl Dengler aus Horb (Kreis Freudenstadt)

Für die Dokumentation und digitale Erfassung der Kleindenkmale in Horb-Betra und Horb-Isenburg

Karl Dengler hat im Frühjahr 2001 sämtliche Markungs-Grenzsteine der Gemarkungen Betra und Isenburg erfasst. Mit der Flurkarte ist er durch Wald und Feld marschiert und hat jeden Grenzstein - soweit noch vorhanden - auf einem vorgegebenen Erhebungsbogen der GEEK (Gesellschaft zur Erforschung und Erhaltung von Kleindenkmalen in Baden-Württemberg e.V.) festgehalten. In der Reinfassung sind Fotos und Kartenausschnitt in den Erhebungsbogen eingescannt, die Koordinaten erhoben und genaue Grenzsteinbeschreibung (Maße, Aussehen, Beschriftung, Zustand etc.) gefertigt. Weit über 200 Grenzsteine waren auf Gemarkung Betra zu dokumentieren, 130 auf Gemarkung Isenburg. Das ganze Werk ist perfekt gegliedert und sauber dargestellt; der Computer kann bei dieser Arbeit bekanntlich eine wesentliche Hilfestellung sein.

Dengler hat 'so nebenher' auch gleich zwei Dutzend Feldkreuze und Bildstöcke dokumentiert - inklusive Abschrift von Inschriften und Erhebung genauer Maße, die wichtig werden können, wenn einmal Beschädigungen repariert werden müssen. Forstamtsleiter Dieter Zuleger, der die Preisvergabe an Karl DengIer vorgeschlagen hat, schreibt: Diese Dokumentation ist für das Staatliche Forstamt eine ganz erhebliche Hilfe bei der Durchführung von Holzernte- und Holzrückearbeiten, da gezielt auf die Kleindenkmale Rücksicht genommen werden kann. Sie ist aber auch für alle anderen Dienststellen, Heimatforscher, Schulen etc. eine hervorragende Arbeitsgrundlage und eine wertvolle Voraussetzung für den Schutz dieser Kleindenkmale und eine entsprechende Bewusstseinsbildung.

Helmut Flemming aus Tuttlingen (Kreis Tuttlingen)

Für die Aufzeichnung von über 3000 Kleindenkmalen (Grenzsteine und Sühnekreuze) der Gemarkung Tuttlingen und Nachbargemarkungen.

Der Preisträger präsentiert einen Grenzstein

Helmut Flemming mit einem seiner "Schützlinge". Gelegentliche Kontrolle ist der beste Schutz.

Auch Helmut Flemming aus Tuttlingen jagt den Grenzsteinen und anderen Kleindenkmalen nach und arbeitet Dokumentationen aus. Die Grenzsteine werden, soweit sie sich nicht gut fotografieren lassen, gezeichnet, Maßskizzen gefertigt, die Inschriften liebevoll mit Tuschestift gezeichnet. Der Qualität der Dokumentation tut dies keinen Abbruch - sie ist genau so gut verwertbar und verwendbar wie die oben genannte digitale Version. Die Zahl von über 3.000 erfassten Grenzsteinen ist kaum zu glauben, aber wahr: Flemming ist im ganzen Landkreis unterwegs und hat nicht nur die Gemarkung der Kreisstadt selbst, sondern auch die der Teilorte und zahlreicher weiterer Gemeinden ringsum dokumentiert. Die Ordner füllen nicht nur Dokumente zu Grenzsteinen, sondern auch zu Bildstöcken und Feldkreuzen, zu Inschriftentafeln und Gedenksteinen.

Helmut Flemming ist einer von den Kleindenkmalfreunden, die mit Herz und Seele bei der Sache sind und die die Kleindenkmale gleichsam zum Lebensinhalt gemacht haben. Seit etwa 1985 betreibt er dieses Hobby, und hin und wieder kontrolliert er die erhobenen Grenzsteine auch, um festzustellen, ob sie noch alle da sind. Auf zahlreichen Exkursionen zeigt er darüber hinaus unterschiedlichsten Gruppen die Grenzverläufe und referiert dabei sachkundig nicht nur über die Steine selbst und deren Inschriften, sondern auch über die geschichtlichen Zusammenhänge und Hintergründe.

Franz Zembrot aus Bad Waldsee (Kreis Ravensburg) stellvertretend für das Straßenbauamt Ravensburg, das Kloster Reute, die Baufirmen Schmid und Kirchhoff-Heine und das Forstamt Bad Waldsee

Für die Restaurierung des bekannten Bildstocks "Gute Beth".

Blick auf den restaurierten barocken Bildstock im Wald

Die 'Gute Beth' zwischen Baindt und Bad Waldsee erstrahlt wieder in neuem Glanz.

Die 'Gute Beth' beim Egelsee an der B 30 zwischen Baindt und Bad Waldsee nordöstlich von Ravensburg ist ein in der weiteren Umgebung bekanntes Kleindenkmal. Der neuerdings wieder auffallende Bildstock ist ein Orientierungspunkt, eine 'Landmarke'. Elisabeth Achler, besser bekannt unter dem Namen 'Gute Beth', wurde vor etwa 600 Jahren in Bad Waldsee geboren und in jugendlichen Jahren als Franziskanerterziarin eingekleidet; 1420 soll sie gestorben sein, 1767 wurde sie selig gesprochen. Der Bildstock soll von einem Waldarbeiter gesetzt worden sein, nachdem er von einer Horde Wildschweinen bedrängt und nach dem Anrufen der «Guten Beth» von der Gefahr erlöst worden sei. Die 110 cm große Holzfigur des Bildstockes, über deren Alter sich die Kunstexperten nicht einig sein, wurde 1967 entnommen.

2001 wurden der ziemlich in die Jahre gekommene Bildstock sowie die Außenanlage grundlegend erneuert. Auch konnte vom Kloster Reute eine neue, 80 cm hohe Figur der 'Guten Beth' zur Verfügung gestellt werden, so dass der Bildstock wieder komplett ist. Weiß leuchtend erblickt ihn nun jeder Autofahrer im Vorüberfahren auf der neuen Straße. Die Sanierungsmaßnahme ist ein Beispiel dafür, was Partner gemeinsam zuwege bringen können. Ende April 2002 wurden Figur und Bildstock unter stattlicher Beteiligung der Öffentlichkeit in einer würdigen Feier neu geweiht.

(Verkürzte Fassung eines Textes von Reinhard Wolf; Bilder: Horn, Dieterich, Sgier, Stanger, privat)

Hinweise

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern.