Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2001

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2001

Der Sonderpreis Kleindenkmale wurde 2001 in vier gleichwertige Preise geteilt. Damit wurden erneut herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Dokumentation und Bemühungen um die Erhaltung und Renovierung von Kleindenkmalen honoriert. Und wie beim Kulturlandschaftspreis 2001 fiel es nicht leicht, sich angesichts der vielen preiswürdigen Bewerber für vier Preisträger zu entscheiden!

Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten.

Erfassung historischer Grenzsteine

Winfried Schweikart in Korntal (Kreis Ludwigsburg)

Preisträger mit Messlatte an einem Grenzstein im Wald

Winfried Schweikart aus Korntal beim Maßnehmen. Er kennt alle Grenzsteine in den Wäldern im Nordwesten von Stuttgart.

Seit 1995 hat Winfried Schweikart aus Korntal (Landkreis Ludwigsburg) sämtliche Grenzsteine der Stuttgarter Stadtteile Zuffenhausen und Weilimdorf und der Stadt Korntal-Münchingen dokumentiert.

Wie interessant die Erforschung von Markungs-Grenzsteinen sein kann, beweisen die drei CD-ROMs, auf denen die Früchte der Dokumentation festgehalten sind: Über 250 ausgefüllte Erhebungsbögen nach dem Muster der Gesellschaft zur Erforschung und Erhaltung von Kleindenkmalen, 25 Flurkarten mit genauesten Eintragungen und rund 1.100 Fotos von allen Grenzsteinen, jeweils Vorder- und Rückseite, Wappen, Zeichen und Standort. Diese auf modernem Medium festgehaltenen Daten und Bilder hat Schweikart der Stadt, dem Landesdenkmalamt, dem Forstamt und anderen Institutionen zukommen lassen - jeweils mit der Bitte, auf diese Kleindenkmale ein Auge zu haben.

Hin und wieder fand Winfried Schweikart auch defekte Steine, Grenzsteine, die herausgerissen waren und irgendwo im Gebüsch lagen. Da ruhte er nicht, bis die Steine wieder an Ort und Stelle standen, exakt eingemessen und fachmännisch repariert. Markung für Markung Im Norden von Stuttgart will Winfried Schweikart in den nächsten Jahren bearbeiten. Zur Arbeit in Wald und Feldflur kommt auch Archivarbeit, denn zu jedem Stein werden die Geschichte erforscht, die Besitzverhältnisse und die Rechtsbedeutung dokumentiert.

Sicherung eines Bierkellers als Winterquartier für Fledermäuse

Schwäbischer Albverein Ortsgruppe Gerstetten (Kreis Heidenheim)

Natur-Bierkeller sind heute kaum mehr in Mode: Edelstahltanks mit elektrischer Kühlung sind leichter zu handhaben. Wo es noch erhaltene Bierkeller - möglichst in freier Landschaft - gibt, da erwachen sie aus einem Dornröschenschlaf und werden zur gern besuchten Attraktion. In Gerstetten (Landkreis Heidenheim) haben zwar nicht durstige Wanderer, aber immerhin Fledermäuse einen Nutzen von einem wiederhergestellten alten Bierkeller.

Vom "Hirschwirtskeller" südlich des Orts an der alten Heldenfinger Straße im Saum des Waldes "Auf der Mauer" wusste man 1995 nur noch die ungefähre Lage, wie sie in alten Flurkarten eingezeichnet war. 1869 war der Bier- und Eiskeller samt einem Sommerausschank genehmigt und gebaut worden. Hundert Jahre später war der Treppenabgang verschüttet und erst 1995 von heimat- und naturkundlich interessierten Mitgliedern der Ortsgruppe Gerstetten des Schwäbischen Albvereins wieder gefunden und freigelegt worden.

Seit 1996 wurde an der Renovierung des Kellers beharrlich gearbeitet: Zunächst haben ehrenamtliche Kräfte in aufwändiger Handarbeit den alten Abgang freigelegt, worauf man erstmals wieder den Keller begehen und sich überzeugen konnte, dass der rund vier Meter hohe, 14 Meter lange und fünf Meter breite Raum mitsamt dem Gewölbe statisch einwandfrei die Zeiten überdauert hat. Nach den ersten Sicherungsarbeiten wurde das eingebrochene Gewölbe über dem Treppenabgang fachgerecht mit Ziegelsteinen neu aufgemauert, ein Fundament gelegt und ein kleines Häuschen mit einer für Fledermäuse durchlässigen Stahltür über den Treppenabgang gebaut.

Ein kleines Kulturdenkmal, an das sich nur noch ältere Einheimische erinnert hatten und das als verloren gelten musste, ist durch den Einsatz engagierter Natur- und Heimatschützer gerettet worden eine vorbildliche Initiative, die sicher auch andernorts Nachahmer finden könnte, denn renovierungsbedürftige Reste von Bierkellern und anderen Kleindenkmalen in der freien Flur und im Wald gab und gibt es zuhauf!

Pflege und Restaurierung von Feldkreuzen, Bildstöcken und anderen Kleindenkmalen.

Andreas Saupp in Hayingen (Kreis Reutlingen)

Der Maler an einem Feldkreuz

Samstagnachmittag bei Hayingen: Malermeister Andreas Saupp renoviert ein Feldkreuz in ehrenamtlicher Arbeit.

Malermeister Andreas Saupp aus Hayingen (Landkreis Reutlingen) hat einen Betrieb wie andere Handwerker auch, setzt seine Kenntnisse und Fähigkeiten darüber hinaus aber auch ehrenamtlich bei der Restaurierung von Kleindenkmalen ein. Samstags kann man ihn irgendwo in freier Feldflur oder im Wald vor einem Denkstein, einem Bildstock oder einem Feldkreuz knien oder hoch auf der Leiter stehen sehen, wo er mit feinem Pinsel Inschriften nachzieht, Kreuze mit Rostschutz versieht oder an Heiligenfiguren Blattgold aufbringt. Ein volles Fotoalbum zeugt von seinen jahrelangen umfangreichen, selbstlosen Aktivitäten!

Dutzende von Kleindenkmalen, meist "herrenlos" in freier Landschaft stehend, verdanken ihm ein ansehnliches Aussehen: Andreas Saupp schaut auf Spaziergängen laufend nach "seinen Schützlingen", und wenn es an etwas fehlt, dann legt er Hand an: Die Arbeiten reichen vom Wiederherstellen der Inschriften über die Renovierung von Figuren bis hin zum Verputzen und Kolorieren von massiv gemauerten Bildstöcken, die altershalber bröckelten. Diese Arbeiten denkmalpflegerisch einwandfrei auszuführen, verlangt handwerkliches Geschick und große Sachkunde.

Ärgerlich, und das nicht nur für ihn, ist Vandalismus, der auch vor Feldkreuzen und Bildstöcken in ländlicher Gegend nicht halt macht: Zweimal in 20 Jahren hatte Andreas Saupp zwei Bildstöcke bereits hergerichtet, als sie im Februar 1998 teilweise zerstört und ihrer Figuren beraubt worden sind. Also machte er sich ein drittes Mal an die Arbeit, ergänzte die verloren gegangenen Teile und setzte wieder alles instand.

Pflege und Restaurierung von Feldkreuzen

Stefan Leuthold in Bodnegg (Kreis Ravensburg)

Einer, der an keinem Kleindenkmal vorbeikommt, ohne nach dem Rechten zu sehen, ist Stefan Leuthold aus Bodnegg (Landkreis Ravensburg). 75 Jahre ist er alt; seine Liebe und Leidenschaft zu Weg- und Feldkreuzen hat er erst vor etwa vier Jahren entdeckt, als er für ein Fotorätsel der Gemeindebücherei die Idee hatte, die Kleindenkmale der Gemeindemarkung als Rätselobjekte vorzuschlagen. Er fand bei seiner Erkundungstour 33 Feldkreuze, die er alle fotografierte. Dabei fiel ihm auf, dass etliche in einem recht desolaten Zustand seien.

Zwischenzeitlich sind es 72 Feldkreuze in der Gemeinde Bodnegg, die selbst in den abgelegensten Winkeln der Gemarkung ausfindig gemacht und fotografisch dokumentiert wurden. Acht weitere Kreuze, allesamt in Privatbesitz, hat er in den letzten drei Jahren renoviert. Neben vielen Stunden Arbeitszeit hat er einiges an Eigenkapital investiert, da die Eigentümer meist nur wenig Interesse an diesen kleinen Kulturdenkmalen zeigten. Ein großer Teil der 72 Feldkreuze ist in schlechtem Zustand, und der Kleindenkmalfreund hat sich vorgenommen, nach seinen Möglichkeiten eines um das andere in einen ansehnlichen Zustand zu bringen. Egal, ob Stein oder Eisen, ob hohes hölzernes Feldkreuz oder eisernes Kreuz auf Steinsockel - er hat die richtigen Werkzeuge, versteht damit umzugehen und fachkundig gute Arbeit zu leisten.

Stefan Leuthold beweist, dass eine Einzelperson sehr wohl viel zuwege bringen kann. Nicht Man sollte mal ... heißt es bei ihm, vielmehr packt er die Probleme an und hat damit, wie man an den genannten Zahlen sieht, Erfolg. Sein Engagement für die Kulturlandschaft ist eine Auszeichnung wert!

Hinweise

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern.