Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2000

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Die Träger des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2000

Der Sonderpreis Kleindenkmale wurde 2000 in vier gleichwertige Preise geteilt. Damit sollen herausragende Leistungen auf dem Gebiet der Dokumentation und Bemühungen um die Erhaltung und Renovierung von Kleindenkmalen honoriert werden. Und wie beim Kulturlandschaftspreis 2000 fiel es auch hier nicht leicht, sich für vier Preisträger zu entscheiden, - zahlreiche andere Bewerber hätten ebenfalls eine Anerkennung verdient!

Weitere Informationen zum Thema Kleindenkmale finden Sie unter Denkmale erhalten.

Erfassung, Wiedererrichtung und Rekonstruktion von Kleindenkmalen auf Horber Gemarkung

Kleindenkmalfreunde Horb und Umgebung (Landkreis Freudenstadt)

große Schülergruppe im Park

Heinz Schmid mit einer Schülergruppe bei einem Lehrgang im "Steinernen Geschichtsgarten".

Heinz Schmid aus Horb ist ein landesweit bekannter Kleindenkmalfreund. Er hat zusammen mit den "Kleindenkmalfreunden Horb und Umgebung", einer Gruppe von rund einem Dutzend engagierter Personen, gleich zwei Bewerbungen eingereicht: Zum einen zeigen die Unterlagen den Werdegang der Gruppe seit 1986. Von 19 Gemarkungen der Stadt Horb sind zwischenzeitlich in 11 Gemarkungen alle Markungsgrenzsteine minutiös erfasst und in Kartenausschnitten, Fotos, Skizzen und Beschreibungen genauestens dokumentiert worden. Eine unsägliche Fleißarbeit, die zu mehreren Dutzend Leitzordnern Material geführt hat. Das Ergebnis der genauen Bestandsaufnahme ist der Stadtverwaltung bekannt, und man kann davon ausgehen, dass in Horb und Umgebung kein Grenzstein abhanden kommen kann, ohne dass dies nicht alsbald bemerkt wird. In diesem Zusammenhang wurden auch abgebrochene Grenzsteine wieder zusammengefügt, umgesunkene neu aufgestellt und besonders wertvolle durch Duplikate ersetzt. Sofern ein Verbleib am ursprünglichen Ort nicht möglich war, erfolgte eine Aufstellung im Horber "Steinernen Geschichtsgarten" auf dem Kreuzkapellenberg.

Die zweite Bewerbung betrifft das Empfinger Sühnekreuz, das 40 Jahre verschollen war und durch unermüdliches Suchen schließlich, wenn auch als Bruchstück, wieder gefunden werden konnte. 1999 wurde ein von einem Steinmetz nachgefertigtes Exemplar an historischer Stätte wieder aufgestellt und das Original-Fragment an der Außenwand der katholischen Kirche in Empfingen befestigt.

Die langjährigen Bemühungen der "Kleindenkmalfreunde Horb und Umgebung" mit ihrem "Motor" Heinz Schmid können als beispielhaft angesehen werden für ehrenamtliches Engagement auf einem Feld der Kulturarbeit, das von manchem vielleicht etwas belächelt werden mag, das aber für die Aufrechterhaltung unserer Kultur von nicht zu unterschätzendem Wert ist.

Dokumentation, Wiedererrichtung und Restaurierung von Feld- und Wegekreuzen

Katholische Arbeiterbewegung Deggingen (Landkreis Göppingen)

In Deggingen (Landkreis Göppingen) und Umgebung gibt es eine größere Anzahl von feld- und Wegekreuzen. Auf 33 Kreuze ist die Katholische Arbeitnehmerbewegung KAB bei einer Erhebung 1982 gekommen, die man damals in einem Bildbericht erfasst und dem Bürgermeisteramt übergeben hatte. In den zwei Jahrzehnten seitdem war man keineswegs untätig, und so konnte man der neuerlichen Bilddokumentation 1998 folgende Bilanz voranstellen: Zwei Kreuze, die in früheren Jahren entfernt worden waren, neu errichtet, drei umfassend saniert, sieben handwerklich überholt, zum Beispiel neu gestrichen oder mit neuem Schutzdach versehen, fünf weitere Kreuze bei Straßenbauarbeiten versetzt oder auf sonstige Weise betreut.

Zu allen Kreuzen existiert nun ein ausführlicher Erhebungsbogen, der auch auf die Überlieferung und die geschichtlichen Zusammenhänge eingeht. Schließlich wurde durch entsprechende Öffentlichkeitsarbeit dafür Sorge getragen, dass die Feld- und Wegekreuze im Bewusstsein der Bevölkerung erhalten bleiben, so beispielsweise durch die Weihe der neu aufgestellten und grundlegend renovierten Kreuze im Rahmen von Gottesdiensten.

Restaurierung und Neugestaltung von Bildstöcken sowie die Sanierung einer Kapelle.

Obst-, Gartenbau- und Landschaftsverein Inneringen (Gemeinde Hettingen, Landkreis Sigmaringen)

verwitterte Säule aus Kalkstein

Steinerne Bildsäule bei Inneringen vor der Renovierung.

Eigentlich hätte sich der Obst-, Garten- und Landschaftsverein Inneringen (Gemeinde Hettingen, Landkreis Sigmaringen) auch um den Kulturlandschaftspreis bewerben können, denn sein Engagement geht weit über die Erhaltung von Kleindenkmalen hinaus. Die Chronik des 1908 gegründeten Vereins verkündet zahllose Initiativen zum Schutz von Natur und Landschaft.

Hier seien aber besonders die Arbeiten im Zusammenhang mit Kleindenkmalen gewürdigt: Der Bildstock St. Wendelin am Ortsausgang nach Ittenhausen wurde nach historischem Vorbild restauriert, nur noch Bruchstücke waren vorhanden. Die fachkundige - im übrigen mit dem Landesdenkmalamt abgestimmte - Restaurierung erforderte manche Mühe. Der Bildstock St. Franziskus wurde von privater Seite gestiftet und von einer ortsansässigen Künstlerin gestaltet; der Verein schuf die umgebende Grünanlage mit freistehenden Linden und einer Sitzbank. Die Bergkapelle hat der Verein im Lauf mehrerer Jahre grundlegend renoviert, angefangen vom Dach über den Außenverputz bis hin zur Nepomukfigur. Das Beispiel zeigt, dass ein Verein neben mehreren anderen Aktivitäten auch auf dem Feld der Kleindenkmalpflege Bedeutendes leisten kann, wenn er Kleindenkmale in seinen ganzheitlichen Denkansatz zur Pflege und Gestaltung einer Gemarkung gebührend berücksichtigt.

Renovierung einer Kapelle aus dem 17. Jahrhundert

Familie Bentele aus Heggelbach (Stadt Leutkirch, Landkreis Ravensburg)

Die kleine, offene Wegkapelle in Heggelbach, das zur Ortschaft Herlazhofen und zur Stadt Leutkirch (Landkreis Ravensburg) gehört, stammt aus der Zeit um 1700. Sie war bis vor wenigen Jahren in keinem guten Zustand und führte ein Schattendasein zwischen Gartenzäunen. Familie Paul Bentele hat sich dieses eingetragenen Denkmals liebevoll angenommen und es in mühseliger Arbeit renoviert. Herr Bentele ist Landwirt und Gipser, und so hat er die Kapelle eigenhändig hergerichtet. Selbst das Gesims wurde handwerklich einwandfrei restauriert. Das marode Dach hat Herr Bentele originalgetreu repariert. Fehlende handgeformte Ziegel wurden vom Dach eines alten Feldschuppens besorgt. Das Kreuz auf dem Dach hat Sohn Peter, gelernter Flaschner, rekonstruiert. Die Figur des gegeißelten Heilands ist von einem Kirchenrestaurator fachkundig neu gefasst worden.

Ohne jegliche finanzielle Hilfe hat die ganze Familie Bentele in vielen Arbeitsstunden die Kapelle zu einem Schmuckstück des Orts hergerichtet - ein Einsatz für ein Kleindenkmal, der alles andere als selbstverständlich ist!

Hinweise

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern.