Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2014

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2014

Die Arbeit auf der Streuobstwiese steigert Naturverständnis und Gemeinschaftsgefühl

Schafe auf der Weide

Angehende Forstwirte und Verwaltungsfachleute des Landratsamtes Göppingen sind die ersten Preisträger des neu ausgelobten Jugend-Kulturlandschaftspreises. Gemeinsam haben bereits mehrere Azubi-Jahrgänge eine Streuobstwiese gepflegt, dabei wertvollen Lebensraum für Pflanzen und Tiere erhalten und gleichzeitig viel über diese traditionelle Bewirtschaftungsform gelernt und weitergegeben. Weitere sechs Preisträger aus ganz Württemberg kümmern sich liebevoll und engagiert um Steillagenweinberge, Heckenlandschaften, eine historische Anlage von Maulbeerbäumen zur Seidenproduktion und artenreiche Wiesen.

Der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg als Auslober haben im 24. Jahr den traditionsreichen Kulturlandschaftspreis erstmals um einen speziellen Jugendpreis ergänzt. Damit wollen wir das Engagement junger Menschen für den Wert und die Schönheit traditioneller Kulturlandschaften belohnen und das Verständnis für die Zusammenhänge fördern, sagt Dr. Volker Kracht, der Vorsitzende der Expertenjury. Die ersten Preisträger des Jugend-Kulturlandschaftspreises entsprechen genau dieser Absicht: Seit 2011 haben Auszubildende des Landratsamtes Göppingen eine Streuobstwiese reaktiviert, aufkommende Büsche und Brombeeren beseitigt, die Bäume gepflegt und eine Patenschaft für den Gartenrotschwanz übernommen. Angehende Forstleute erklären dabei ihren Altersgenossen aus der Verwaltung ökologische und technische Zusammenhänge ihrer Arbeit.

Belohnt werden die sieben Preisträger des Kulturlandschaftspreises und eines Sonderpreises Kleindenkmale mit einem Preisgeld von insgesamt 11.000 Euro, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt. Insgesamt 40 Initiativen hatten sich um den Kulturlandschaftspreis 2014 beworben.

Landschaft als Kulturgut verstehen

Der bereits zum 24. Mal vergebene Preis belohnt Privatpersonen, Vereine und andere Initiativen, die sich um den Erhalt typischer Kulturlandschaften in Württemberg und den angrenzenden Regionen verdient machen. Gleich zwei Preisträger in diesem Jahr, in Kirchheim am Neckar und in Korb im Rems-Murr-Kreis, sanieren und bewirtschaften in mühevoller Handarbeit für die Region typische Steillagenweinhänge. Ebenfalls im Rems-Murr-Kreis angesiedelt ist die kulturhistorisch interessante Aktion des Obst- und Gartenbauvereins Leutenbach. Die Ehrenamtlichen betreuen und erweiterten einen 1942 gepflanzten Hain aus Maulbeerbäumen. Die Blätter des hierzulande seltenen Baumes waren einst in Kriegszeiten als Futter für Seidenraupen gedacht, aus deren Kokons Seide für Fallschirme gesponnen werden sollte. Gleich zwei Preisträger aus dem Kreis Tuttlingen haben den Kampf gegen die zunehmende Verbuschung und Bewaldung ihrer Gemarkung aufgenommen. Aufkommende Rosen, Schlehen und Waldbäume werden regelmäßig beseitigt und so alte Waldränder und Wiesenstandorte wieder sichtbar gemacht. Dass damit gleichzeitig Lebensraum für seltene Pflanzen und Tiere gesichert wird, ist mehr als nur ein positiver Nebenaspekt. Dies gilt auch für eine ausgezeichnete Initiative des NABU Gerstetten im Landkreis Heidenheim, wo seit vielen Jahrzehnten gemeindeeigene und private Streuobstwiesen gepflegt und mit Nachpflanzungen, Nachzucht, Schnitt- und Sensenkursen in die Zukunft dieser Landschaft investiert wird.

Bildstöcke als Geschichtenerzähler

Der Sonderpreis Kleindenkmale geht dieses Jahr nach Erlenmoos im Kreis Biberach. Der heute 81jährige Franz Xaver Wiest widmet sich seit Jahren dem Erhalt dieser Zeitzeugen am Wegesrand. Viele der religiösen Denkmale erzählen ihre Geschichte jetzt wieder in neuem Glanz.

Festveranstaltung

Überreicht werden alle Preise am 14. Oktober 2014 in der Schlosshalle in 78573 Wurmlingen (Kreis Tuttlingen) von Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, Ministerialdirektor Wolfgang Reimer, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, und Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbunds.

Falls sie an der Preisveleihung teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte verbindlich mit Ihrer vollen Adresse an unter shb[a]kulturlandschaftspreis.de.

Jugend-Kulturlandschaftspreis

Die Preisträger 2014 (von Nord nach Süd)

Sonderpreis Kleindenkmale

Jugend-Kulturlandschaftspreis

Auszubildende des Landratsamts, 73033 Göppingen

Projekt "Soziales Lernen" - eine Streuobstpatenschaft mit umfangreichen Pflegemaßnahmen.

Jugendliche räumen Gestrüpp weg

2011 riefen die Auszubildenden das Projekt »Soziales Lernen und Streuobstpatenschaft« ins Leben. Neben der Durchführung ökologisch sinnvoller Pflegearbeiten besteht das Ziel des Projekts darin, dass die Forstwirt-Azubis dem übrigen, aus ganz unterschiedlichen Ausbildungsgängen stammenden Verwaltungsnachwuchs Einblick ökologisches Denken und praktische Landschaftspflege geben und sie dafür sensibilisieren. Die gemeinsamen umfangreichen Pflegmaßnahmen in den artenreichen Streuobstbeständen dienen auch dem Vogelschutz.

Kulturlandschaftspreis

Schutzgemeinschaft Kirchheimer Steillagen e.V., 74366 Kirchheim am Neckar (Kreis Ludwigsburg)

Menschen im steilen Weinberg reparieren Mauern

Umfassende Instandsetzung und Pflege der terrassierten Steillagen am Neckar zum Erhalt des typischen Landschaftsbildes.

Dem Erhalt des traditionellen Kulturlandschaftsbild es entlang des Neckars zwischen Stuttgart und Heilbronn hat sich der gemeinnützige Verein seit 2011 verschrieben. Durch Sanierung und Wiederaufbau von über 300 Quadratmetern Weinbergmauern und steilen Treppen so rgen Weingärtner, Genossenschaftskellerei und Gemeindemitglieder nicht nur für deren Erhalt, sondern fördern gleichzeitig Biodiversität sowie Landschaftspflege. Dass artenreicher Lebensraum und charakteristische Kulturlandschaft dauerhaft bewahrt bleiben, ist das Verdienst von über 40 Mitgliedern. Schließlich hat der Verein eine Weinterrasse mit spektakulärem Ausblick und Informationstafeln hoch über dem Fluss errichtet und leistet so seinen Beitrag dazu, dass die Bedeutung der Steillagenmauern im Bewusstsein der Öffentlichkeit lebendig bleibt.

Corinna und Albert Micha Ruckh, 71404 Korb (Rems-Murr-Kreis)

Ziegen im verwilderten Weinberg

Wiederaufbau und ökologische Bewirtschaftung von brachliegenden historischen Weinberg-Steillagen im Remstal.

Lange lagen die Weinberge in Korb-Kleinheppach, die sich ursprünglich im Besitz des württembergischen Hofes befunden hatten, brach. Ihre steile Lage machte sie im Zuge der Rebflurbereinigung unwirtschaftlich. Doch was zunächst wie ein Verlust aussah, wurde zu einem Gewinn für die Kulturlandschaft: 2008 begann Familie Ruckh mit Unterstützung von Ziegen, die Flächen zu roden und reparierte Mauern und Treppen in mühseliger Handarbeit. Seit 2009 bepflanzten sie die Terrassen mit 4500 Stöcken klassischer Rebsorten. Die Arbeit im Wengert erfolgt nach ökologischen EU-Richtlinien mit geringem Einsatz an Spritzmitteln und ohne Maschineneinsatz. Auch eine üppig wachsende, artenreiche Begleitflora sorgt für optimale Qualität des Weines. Ein schönes Beispiel, wie Nützen und Schützen in der Kulturlandschaft zusammen gehen können!

Obst- und Gartenbauverein Leutenbach e.V., 71397 Leutenbach (Rems-Murr-Kreis)

Bäume auf einem kleinen Hügel im Frühjahr

Pflege und Erhalt des Leutenbacher Maulbeerhains, eine 1940 als Nahrungsquelle für Seidenraupen gepflanzte Baumgruppe.

Der aus acht schwarzen und zwei weißen Maulbeerbäum en bestehende Hain am Rande Leutenbachs wurde 1942 im Rahmen der »Aktion Maulbeerbäume« von Volksschülern und ihrem Lehrer gepflanzt. Die Blätter waren als Futter für Seidenraupen gedacht, aus deren Kokons Naturseide für Fallschirme gewonnen werden sollte. Auch wenn diese Bäume hierzulande selten sind, sind sie als Zeugnisse der Geschichtsbezogenheit der Entwicklung unserer heimischen Kulturlandschaft ein ausgezeichnetes Beispiel. Darum ist es ein Gewinn, dass der Obst- und Gartenbauverein vor einigen Jahren die Patenschaft und damit die Pflege und Erhalt des Maulbeerhaines übernahm. Zugleich sorgte der Verein jüngst auch für die Nachpflanzung von zehn weiteren Bäumen und damit für die langfristige Sicherung dieser kulturlandschaftlichen Besonderheit.

Thomas und Friedrich Junginger, NABU Gerstetten, 89547 Gerstetten (Kreis Heidenheim)

Kinder bei der Apfelernte

Streuobstpflege, Durchführung von Lehrgängen, Naturschutzarbeit unter Einbeziehung von Kindern.

Die umfassende Pflege gemeindeeigener wie privater Streuobstbestände haben sich Thomas und Friedrich Junginger seit vielen Jahrzehnten zur Aufgabe gemacht. Zusätzlich sorgen sie auch für Nachpflanzungen, Nachzucht und veranstalten Schnitt- und Sensenkurse . Überwiegend handelt es sich um alte Obstsorten. Der Ertrag wird als Tafelobst angeboten oder als Saft verkauft. Das Wiesenblumen-Gras wird als hochwertiges Tierfutter verwertet. Intensiv ist die NABU-Kindergruppe in Pflege, Ernte und Naturschutzarbeit eingebunden. Streuobstführungen runden das Engagement der Jungingers ab. Als nächste Aufgabe haben sie sich die Einrichtung eines Obstsorten-Lehrgartens vorgenommen, mit dem sie ihr Wissen weitertragen wollen.

LQN-Projektgruppe »Dorfverschönerung«, 78582 Balgheim (Kreis Tuttlingen)

Bank am Waldrand

Projekt "Panoramaweg" mit der Freilegung und Offenhaltung der Waldrand-Landschaft durch Begehbarmachung eines historischen Bewirtschaftungsweges.

Mit dem Projekt »Panoramaweg« im Rahmen des Projektes „Lebensqualität durch Nähe“ (LQN) setzt sich die Gruppe, verstärkt durch eine große Zahl ehrenamtlicher Helfer, dafür ein, dass ein historischer Wirtschaftsweg wieder reaktiviert und als Wanderweg in die heutige Kulturlandschaft integriert werden konnte. Zu diesem Zweck wurde der ursprüngliche südliche Waldrand Balgheims freigelegt und dazu Hecken und Bäume in Abstimmung mit der Naturschutzbehörde beseitigt. Auf den Wiesen und an den „neuen“ (alten) Waldrändern zeigt sich nun eine erstaunliche Artenvielfalt. Der Blick geht wieder bis zu den Alpen. Mit der Freilegung des Weges wurde zugleich ein Stück früheren Wirtschaftens, das sich bis an den Waldsaum erstreckte, wieder erfahrbar.

Schwäbischer Albverein Ortsgruppe, 78573 Wurmlingen (Kreis Tuttlingen)

zwei Männer im Gestrüpp

Langjährige Landschaftspflegeaktionen, insbesondere Hecken- und Rainpflege, teils unter Einbeziehung von Schulklassen.

Mit ihrer jährlichen Hecken- und Rainpflege hat es sich die SAV-Gruppe zum Ziel gesetzt, die örtliche Kulturlandschaft mit den beeindruckenden und landschaftsprägenden Heckenrainen zu pflegen und zu erhalten. Jedes Jahr widmen sich die Helfer einem anderen Teil der Gemarkung. Das Zurückdrängen von Rosen, Schlehen und eingeschleppten, nichtheimischen Sträuchern sorgt zugleich für neuen Lebensraum heckenbewohnender Tierarten. Ein später Pflegezeitpunkt gewährleistet, dass keine Nester brütender Vögel zerstört werden. Durch seine nachhaltigen Aktivitäten hat der Albverein Wurmlingen zugleich für eine hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung für ihre eigene Landschaft und den Sinn solcher Pflegemaßnahmen gesorgt.

Sonderpreis Kleindenkmale

Franz Xaver Wiest, 88416 Erlenmoos (Kreis Biberach)

Mann zeigt auf ein Feldkreuz

Restaurierung und Sanierung zahlreicher Bildstöcke in der Gemeinde Erlenmoos.

Mittlerweile 81jährig hat Franz Xaver Wiest in den vergangenen Jahren zahlreiche Bildstöcke in seiner Gemeinde restauriert und saniert. Mit großem Engagement widmet er sich den vielen Kleindenkmalen aus Stein und Metall und sorgt – gemeinsam mit einigen fleißigen Helfern – dafür, dass sie als bedeutende Zeugnisse unserer Kulturlandschaft erhalten bleiben und ihre Geschichten auch weiterhin erzählen können.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern

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