Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises und des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2012

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises und des 'Sonderpreises Kleindenkmale' 2012

Mit Herz und Hand für die Kulturlandschaft

Schafe auf der Weide

Jahrelanges Engagement, Kenntnisreichtum und reichlich körperliche Arbeit stecken in den sieben Projekten, die dieses Jahr 2012 mit dem Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbunds und des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und einem Preisgeld von 10.500 Euro ausgezeichnet wurden. Zusätzlich erhielten zwei Denkmalfreunde einen Sonderpreis für die Erhaltung von Kleindenkmalen sowie jeweils 500 Euro.

Zum 22. Mal hatten der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg den Kulturlandschaftspreis ausgelobt, um Privatpersonen, Initiativen und Vereine auszuzeichnen, die sich mit Einfallsreichtum und Engagement um unsere Kulturlandschaft kümmern. Wieder war es eine schöne Überraschung, wie groß der Fundus an Ideen und Initiativen im Land ist. Die Auswahl unter den Bewerbungen fällt dabei nicht leicht. Besonders erfreute in diesem Jahr die Erfahrung, wie intensiv in ganz Württemberg und Hohenzollern das Engagement für die jeweils eigene Kulturlandschaft betrieben wird. Gab es in früheren Ausschreibungen immer mal wieder landschaftliche Schwerpunkte, aus denen verstärkt Bewerbungen kamen, zeichnete sich in den letzten Jahren ab, dass sich die Bewerbungen gleichmäßiger auf das ganze schwäbische Land verteilen. So repräsentiert in diesem Jahr die Verteilung der Preisträger die ganze Vielfalt heimischer Kulturlandschaften! Vielleicht ist dies ja auch ein Beleg dafür, dass der Kulturlandschaftspreis flächendeckend als attraktiver Ansporn wahrgenommen wird. Dann jedenfalls wäre sein Zweck erfüllt – das Bewusstsein für die Vielfalt und Schönheit unserer Kulturlandschaften in der öffentlichen Wahrnehmung zu fördern und die Notwendigkeit in Erinnerung zu rufen, sich für deren Erhaltung zu engagieren.

Feldkreuze, Kapellen und eine Mühle

Den Sonderpreis Kleindenkmale erhalten in diesem Jahr zwei Privatpersonen, die sich um sehr unterschiedliche Kleindenkmale verdient gemacht haben.

Auf einer separaten Seite finden Sie einen Bericht über die Veranstaltung in Obersulm mit zahlreichen Bildern.

Die Preisträger 2012 (von Nord nach Süd)

Sonderpreis Kleindenkmale

NABU Ortsgruppe, 74182 Obersulm (Kreis Heilbronn)

Pflege des Naturdenkmals Wolfsklinge in Obersulm und Erhalt der Orchideenflora, Nistkastenprogramme, Amphibienbetreuung, Pflege von Streuobst und Trockenhängen, Errichtung einer Trockenmauer in einem Weinberg.

Personen an einem steilen Hang

Nachdem die Bewirtschaftung der steilen Wolfsklinge bei Obersulm aufgegeben worden war, nahm sich die NABU-Ortsgruppe Obersulm 1981 dem Kleinod an und sicherte durch Pflegemaßnahmen die Standorte seltener Orchideen.

Den Artenreichtum in der Wolfsklinge gerettet

Mitten in der großflächigen Weinbaulandschaft von Obersulm im Kreis Heilbronn weckt der Gewannname Wolfsklinge Erinnerungen an Wildnis und urtümliche Natur. Doch weit gefehlt! Mögen einst tatsächlich Wölfe in diesem steilen Geländeeinschnitt eines ihrer letzten Verstecke im württembergischen Unterland gehabt haben, so lange die Obersulmener zurückdenken können jedenfalls war die Wolfsklinge immer ein wichtiger Teil ihrer Kulturlandschaft. Für den Weinbau viel zu steil, wurde hier Streuobst angebaut und gesundes, kräuterreiches Heu geerntet. Mit der rasanten Intensivierung des Weinanbaus aber konnten solche arbeitsintensiven landwirtschaftlichen Nebenflächen nicht mithalten. Sie wurden unrentabel und aufgegeben. Wie so viele extensiv bewirtschaftete Elemente älterer Kulturlandschaften fiel auch die Wolfsklinge brach, verbuschte und sollte im Zuge der Rebflurbereinigung der 1980er-Jahre sogar verfüllt werden. Eine wissenschaftliche Untersuchung, die sich mit der Flora um Obersulm befasste und 1978 in einer Naturschutz-Fachzeitschrift erschien, war wohl der Anlass, dass der Wolfsklinge dieses Schicksal erspart blieb. Sie zeigte auf, welche Schätze an Arten der Trockenrasen und Halbtrockenrasen dort verloren zu gehen drohten. Orchideen – vom Eiförmigen Zweiblatt (Listera ovata) bis zum Helmknabenkraut (Orchis militaris), Karthäusernelke (Dianthus catusianorum) oder Großen Ehrenpreis (Veronica teucrium). Die seltenen Pflanzen sowie die zahllosen Insekten-, Spinnen- und Vogelarten belegten, wie wichtig die Wolfsklinge im Besonderen und solche extensiven Kulturlandschaftsteile im Allgemeinen als Rückzugsstandorte für die charakteristische Vegetation und die Lebensgemeinschaften der württembergischen Keuperlandschaft sind.

Angesichts dieser Bedeutung wurden die Verfüllungspläne aufgegeben, 1986 erfolgte die Unterschutzstellung der Wolfsklinge als flächenhaftes Naturdenkmal. Aber ihre eigentliche Rettung, nämlich das Zurückdrängen der Verbuschung und die jährliche Pflege der Hänge, das verdanken Obersulm und wir alle der NABU-Ortsgruppe Obersulm. Seit 1981, seit 31 Jahren und dem ersten Jahr ihres Bestehens, kümmern sich deren Mitglieder um die 2,5 ha große Fläche. Sie mähen (wo es möglich ist maschinell, überwiegend aber per Hand), sie drängen das immer wieder vordringende Schlehengebüsch zurück, schaffen das Mähgut die steilen Hänge hinauf und pflegen die erhaltenen Baumveteranen aus der Zeit der Streuobstnutzung. Daneben hat die Ortsgruppe noch etliche andere Biotope der Gemarkung in Landschaftspflege, widmet sich mit Nistkastenprogrammen der Förderung verschiedener Vogelarten und betreut Amphibienleiteinrichtungen.

Helmut Mager, 71665 Vaihingen/Enz (Kreis Ludwigsburg)

Jahrzehnte langes Engagement fur die Kulturlandschaft; Mostobst- und Nistkastenaktionen, Hornissen- und Fledermausschutz, Aufrichtung von Trockenmauern, Pflege von Magerrasen, Pflanzung von 24 Hochstammen auf extensiv bewirtschafteter Streuobstwiese (Lebenswerk).

Jugendliche mit Werkzeugen

Helmut Mager aus Vaihingen hat das Talent, seine Begeisterung für die Landschaftspflege an Jugendliche weiterzugeben – hier beim Bau einer Trockenmauer in Kleiningersheim.

Ein umtriebiger Naturschutzwart des Albvereins

Immer wieder wird bei der Auswahl der Preisträger in der Jury die Frage thematisiert: Zeichnen wir eigentlich das jeweilige Projekt oder zeichnen wir eher die engagierten Kulturlandschaftsschützer aus? Die Antwort: In aller Regel lässt sich das gar nicht trennen. Es geht sowohl um die Besonderheit des Einzelprojektes wie gleichzeitig um das eindrucksvolle Engagement der Bewerber. In diesem Jahr nun haben wir einen Preisträger, bei dem keine einzelne Initiative im Vordergrund steht, nicht der aktive Einsatz für die Erhaltung eines bemerkenswerten Landschaftsteiles, sondern das beeindruckende Engagement einer außergewöhnlichen Person, die sich seit Jahrzehnten für eine kaum noch zu überschauende Vielzahl von Themen und Projekten aus dem Bereich des Kulturlandschaftsschutzes einsetzt. Wären wir bei der Oskarverleihung in Hollywood, dann würden wir bei diesem Preis wohl vom «Oskar für das Lebenswerk» sprechen.

Beim Schwäbischen Albverein spielen Naturschutz und Landschaftspflege eine große Rolle. Dies kommt auch darin zum Ausdruck, dass jede Ortsgruppe für diese Aufgabe einen eigenen Naturschutzwart bestellt. Unter diesen Naturschutzwarten gibt es eine ganze Reihe Aktiver, deren ehrenamtliche Arbeit für unsere Kulturlandschaften von großer Bedeutung ist. Immer wieder wurden daher Projekte mit dem Kulturlandschaftspreis ausgezeichnet, die von Ortsgruppen des Albvereins getragen waren. Helmut Mager aber, der langjährige Naturschutzwart der Ortsgruppe Sachsenheim, ist schon «ein Besonderer».

Jugendliche mit einer Leiter an einem Mast

Unterschlupf für seltene Höhlenbewohner: Auf Initiative von Helmut Mager wurden über 200 Nistkästen für Hornissen, Feldermäuse und Vögel angebracht.

Seit Jahrzehnten hat er sich für den Landschafts- und Naturschutz in verschiedensten Funktionen und Ämtern engagiert. Beim Albverein, beim NABU, beim Stadtjugendring von Bietigheim-Bissingen, als Artenschutzberater für Hornissen und Fledermäuse bei der Stadt Vaihingen. In all diesen Funktionen hat er es verstanden, nach und nach ein Netzwerk aufzubauen aus Helfern und Mitstreitern, mit denen er zusammenarbeiten kann, wenn es darum geht, etwas für die Erhaltung von Kulturlandschaft und Natur in seinem Umfeld zu tun. Zu diesen Mitstreitern in jeweils wechselnder Zahl gehören neben seiner Lebensgefährtin Sybille Rätzer Mitglieder verschiedener Gruppierungen und Arbeitsgemeinschaften des Albvereins, Schulen und Kindergärten, Jugendliche aus dem Täter- Opfer-Ausgleichsprogramm des Landratsamtes bis hin zu Naturschutzbehörden und kommunalen Umweltverantwortlichen. Und natürlich Medienvertreter. 20 Jahre als Gaupressewart beim Albverein haben Helmut Mager Übung gewinnen lassen in der alten Weisheit: Tu Gutes und rede drüber!

Es kann nur eine kleine Auswahl sein, die die Vielzahl seiner Aktivitäten beleuchten soll:

Schäfereibetrieb Helmut Allmendinger, 73105 Dürnau (Kreis Göppingen)

Schäfer mit Hund und Herde

Landschaftspfleger auf zwei und vier Beinen: Mensch und Tiere zusammen erhalten die charakteristischen Streuobstwiesen der Albvorlandschaft bei Dürnau. Helmut Allmendinger mit Hund und Herde.

Beweidung und Pflege naturschutzwichtiger Halbtrockenrasen und Streuobstwiesen im Kreis Göppingen.

Erhaltung der Wacholderheiden durch die Schäferei

Seit 30 Jahren betreibt Helmut Allmendinger im Nebenerwerb einen Schafzuchtbetrieb mit rund 260 Mutterschafen mit einer Betriebsfläche von circa 65 Hektar. Die Beweidungsflächen befinden sich auf den Gemarkungen von Dürnau und Gruibingen.

Im Oberen Filstal, im Herzen der mittleren Kuppenalb, prägen Wacholderheiden und Magerrasen die Landschaft. Oft an Hängen gelegen, bestimmen sie weithin sichtbar das Landschaftsbild, sind aber gleichzeitig auch die Garanten für eine ökologisch intakte Kulturlandschaft, für die Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten sowie Grundlage für den dortigen Tourismus. Es sind Landschaftsteile, einst durch Wanderschäferei entstanden, die wegen ihrer ökologischen Bedeutung zum Europäischen Naturerbe gehören und als Bestandteil des europäischen Netzwerkes Natura 2000 an die EU gemeldet worden sind. Mit dieser Meldung haben sich Deutschland und Baden-Württemberg verpflichtet, diese Kulturlandschaft zu erhalten und zu fördern. In Zeiten, in denen Wanderschäfer längst Seltenheitswert haben, ist dies aber gar nicht so einfach. Und so haben über Jahrzehnte hinweg auch im Oberen Filstal Pflegetrupps der Naturschutzverwaltung versucht, wenigstens die wichtigsten Flächen mit maschineller Landschaftspflege offen zu halten und das Fortschreiten der Sukzession zu verhindern.

Dass dies keine Lösung auf Dauer sein kann, leuchtet ein. Doch wie können Lösungen für dieses Dilemma aussehen? Helmut Allmendinger in Dürnau, damals Haupterwerbslandwirt mit einem Rinder- und Zuchtsauenbetrieb, hat vor 30 Jahren den Mut gehabt, einen Weg zu suchen, der ihm und seinem Betrieb eine wirtschaftliche Grundlage geben und gleichzeitig die Erhaltung der landschaftsprägenden Magerrasen sicherstellen sollte. Damals hat er auf einen Nebenerwerbsbetrieb mit Schafhaltung umgestellt – nicht als Wanderschäfer, sondern mit stationärer Hütehaltung und Koppelbeweidung. Dies bedeutet weniger Betreuungsaufwand und die Möglichkeit, einem Haupterwerb nachzugehen. Andererseits aber kann Koppelhaltung zu empfindlichen Veränderungen in der ökologischen Struktur hochwertiger Magerrasen führen, wenn sie nicht mit naturschützerischen Belangen abgestimmt wird. In guter und vertrauensvoller Zusammenarbeit zwischen dem für den Naturschutz zuständigen Landratsamt und dem Betrieb Allmendinger konnten solche Probleme ausgeräumt und gelöst werden.

Seit 1995 beweidet die Schäferei Allmendinger im Rahmen von Landschaftspflegeverträgen, in denen die Beweidungsbedingungen mit den Naturschutzerfordernissen synchronisiert werden, in Gruibingen 15 ha als Naturschutzgebiet und Naturdenkmale geschützte Halbtrockenrasen, auf Gemarkung Dürnau etwa 20 ha Streuobstwiesen. Auf den von ihm beweideten Streuobstwiesen setzt er überdies Baumpflege- und Entbuschungsmaßnahmen um und übernimmt anschließend die Dauerpflege der Flächen in Form einer Umtriebsweide. Heute leistet der Betrieb Allmendinger einen erheblichen Beitrag bei der Offenhaltung und Entwicklung der Magerrasen und Wacholderheiden und damit zur Sicherung der typischen Kulturlandschaft im Oberen Filstal. Die gute Idee und der Mut, sein Betriebskonzept so erfolgreich umzusetzen, sind beispielhaft dafür, wie auch überkommene Kulturlandschaften mit modernen Konzepten weiterentwickelt und rentabel bewirtschaftet werden können.

Reinhold Vollmer, 72108 Rottenburg (Kreis Tübingen)

Entbuschung und Pflege von Steillagenweinbergen in Rottenburg, Aufrichtung von Trockenmauern und Rebpflanzung.

Detail eines Weinbergs mit Blühpflanzen

Eine der Rottenburger Steillagen, die Ihren Erhalt Reinhold Vollmer verdanken.

Trockenmauern prägen die Weinbaulandschaft

Kulturlandschaft am Oberen Neckar bedeutet wahrscheinlich schon seit der Römerzeit, in größerem Umfang aber sicher seit dem Mittelalter auch Weinbaulandschaft. Die steilen, süd- oder südwestexponierten Einhänge in das Neckar- und Ammertal rund um Tübingen und Rottenburg bieten auf den Kalksandsteinschichten des Keupers gute Voraussetzungen für einen Weinbau, der ganz erheblich zum Charakter der Landschaft beiträgt. Terrassierte Hänge mit Trockenmauern aus gefügten Sandsteinen waren notwendige Grundlage für eine Bewirtschaftung der Steillagen und prägen noch heute malerisch das Landschaftsbild – Rebflurbereinigungen haben sich für die kleinen Wengertflächen zum Glück nicht gelohnt. Aus diesem Grunde ist der Weinbau auch ganz überwiegend Liebhaberei und höchstens Nebenerwerb geblieben, zahlreiche Besenwirtschaften zeugen jedes Jahr im Winterhalbjahr davon.

Doch die mangelnde Wirtschaftlichkeit, welche die schöne Struktur des Steillagenanbaus bewahrte, hat auch eine bedauerliche Seite. Unter dem zunehmenden Druck der Arbeitswelt im Alltag haben in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts viele Feierabendwinzer die mühevolle Arbeit im Berg aufgegeben und ihren Wengert brachfallen lassen. Auf Flächen, auf denen vor Jahrzehnten noch Rebstöcke standen, sind die Trockenmauern verfallen, Schlehengebüsch oder Wald haben sich angesiedelt. Reinhold Vollmer wohnt in Rottenburg. An der extrem steilen Südflanke der Porta Suevica, der sogenannten Schwäbischen Pforte als dem geologischen Durchbruch des Neckars durch den Muschelkalk, präsentieren sich Trockenmauern, die in ihrer Mächtigkeit und Höhe wohl zu den eindrucksvollsten Beispielen am Oberen Neckar gehören. Aber angesichts dieser schwierigen Bedingungen wurden gerade auch hier etliche Wengertgrundstücke sich selbst überlassen und verfielen. Im Jahr 1999 erwarb Reinhold Vollmer ein solches Grundstück – er wollte es wissen! Vier Jahre Arbeit hat er investiert, Schlehen, Brombeeren und Waldreben gerodet, mit einem Materiallift von der weit entfernten Hangkrone das Baumaterial herab transportiert und die hohen Mauern wieder instandgesetzt. 2004 schließlich konnte er wieder Reben anpflanzen und treibt seither den Weinberg um.

Doch schon nach wenigen Jahren wurde deutlich, dass das Nachbargrundstück, das als letztes und einziges am Hang ebenfalls brach lag und völlig zugewuchert war, durch Schattenwurf und überhängende Brombeerruten seinen Weinberg beeinträchtigte. Als sich der Nachbar verkaufsbereit zeigte, erwarb er 2010 kurzerhand auch dieses Grundstück und machte sich noch einmal an die Arbeit. Im vergangenen Jahr hat er erneut gerodet, die mächtigen Mauern instandgesetzt und auch diesen Wengert mit Reben bepflanzt. Und wenn man heute auf der darunterliegenden Straße, der Remmingsheimer Steige, durch die Schwäbische Pforte ins Gäu hinauf fährt, dann präsentiert sich diese Landschaftspartie, die ja eigentlich ein Naturereignis darstellt, wieder als intakte Kultur- und Weinbaulandschaft, wie sie unsere Vorfahren vor Jahrhunderten geschaffen haben.

Annette u. Torsten Sellenthin, 72531 Hohenstein-Bernloch (Kreis Reutlingen)

Landschaftspflege auf der Alb mit einer Schaf- und Ziegenherde, naturnahe Tierhaltung, Produktion hochwertiger Fleischprodukte.

Schäfer und Frau mit den Tieren

Gruppenbild für die Erhaltung der Wacholderheiden auf der Reutlinger Alb: Annette und Torsten Sellenthin mit ihrer Herde und den Altdeutschen Schäferhunden Ayla und Alwin. Alle zusammen garantieren die Produktion kulinarischer Spitzenprodukte.

Hohensteiner Weidelamm

Das Dilemma ist seit Jahrzehnten bekannt. Wir brauchen Schäferinnen und Schäfer, Schafe und Ziegen, wenn wir unsere traditionellen Weidelandschaften, die Wacholderheiden und andere Magerrasen für die Zukunft bewahren wollen. Andererseits ist die große Zeit der Wanderschäferei, die solche Weidelandschaften hervorgebracht hat, definitiv vorbei. Da kommen viele Dinge als Ursache zusammen. Es fehlen in unserer eng besiedelten Landschaft die einstigen Triebwege zu den Winterweiden und es findet sich kaum noch Bereitschaft zu einem solchen Wanderleben. Diese klassische Schäferei mit ihren bemerkenswerten Produkten erscheint kaum noch rentabel. Darum stimmt es hoffnungsvoll, jedes Jahr wieder unter den Bewerbungen um den Kulturlandschaftspreis auch Schäfereien zu finden, die trotz oder gerade gegen diese schlechten Voraussetzungen ein Betriebskonzept entwickelt haben, das in die Zukunft weist und beides ermöglicht: dem Schäfereibetrieb ein zumindest einigermaßen sicheres Auskommen zu ermöglichen und einen ganz wichtigen Beitrag zur Erhaltung unserer Kulturlandschaft zu leisten.

Annette und Torsten Sellenthin sind den Weg der Premium-Produktion gegangen. Mit ihren Tieren – etwa 120 Mutterschafen, 25 Ziegen, ihren altdeutschen Hütehunden und einem normannischen Esel – produzieren sie unter ihrem Markenlogo Hohensteiner Weidelamm zertifizierte Bio-Produkte, seit wenigen Monaten in Demeterqualität. Damit finden sie ihren Markt in einem gehobenen und gesuchten Segment, neben der regionalen Direktvermarktung zum Beispiel auch auf der Speisekarte des ersten und einzigen Bio-Hotels in Baden-Württemberg, in Ehestetten mitten im Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Natürlich ist das Biosphärengebiet als touristisches Zugpferd ein Pluspunkt für die Rentabilität des Betriebes, der auch dazu beiträgt, die Idee des Biosphärengebietes umzusetzen – nämlich Leben und Wirtschaften im Einklang mit Landschaft und Natur.

Doch warum sind die Produkte der Familie Sellenthin Bioprodukte und was macht sie so besonders hochwertig? Neben manchem anderen vor allem eines: Die Weidegründe der Herde sind ausschließlich Wacholderheiden auf der Reutlinger Alb mit ihrer kräuterreichen, gesunden Vegetation. Die 63 ha Weidefläche verteilen sich auf 15 meist hängige und unter Naturschutz stehende Heiden, die in enger Absprache und im Vertragsverhältnis mit der Naturschutzverwaltung zweimal jährlich beweidet werden. Gekoppelt wird in mobilen Weidezäunen, die jedes Mal auf- und abgebaut werden. Das Winterfutter liefern etwa 7 ha zusätzliche Magerrasen, die sich ebenfalls durch eine kräuterreiche und gesunde Vegetation auszeichnen. Auf Zufütterung mit Kraftfutter wird verzichtet; auch die Lämmer bleiben so lange bei den Müttern, dass nicht zugefüttert werden muss. So wachsen sie zwar langsamer heran, aber in entsprechender Qualität! Ihr Konzept, nämlich die Landschaft der Schwäbischen Alb mit Tieren zu pflegen und zu erhalten, vermittelt Familie Sellenthin immer wieder auch Gruppen, Schulen und anderen Interessenten, für die sie Führungen nach dem Motto Einen Tag unterwegs mit dem Schäfer anbieten.

Kinderregenwald-Team der Edith-Stein-Schule, 88212 Ravensburg (Kreis Ravensburg)

Pflanzen von über 1.500 Streuobstbäumen in 52 Pflanzaktionen, Vergrößerung der Streuobstwiesenflächen im Kreis Ravensburg. Zahlreiche weitere naturbezogene Aktionen.

Kinder und Jugendliche mit Luftballons

Verwantwortung für den Regenwald in Mittelamerika und die heimische Kulturlandschaft in Oberschwaben: Schüler und Schülerinnen der Edith-Stein-Schule sammeln Geld für globale Naturschutzprojekte und pflanzen Bäume vor der eigenen Haustüre.

Global denken – lokal handeln!

So lautete die Handlungsaufforderung des Umweltgipfels von Rio de Janeiro an uns alle. Global gedacht ist das Ziel, das sich das Regenwaldteam der Edith-Stein-Schule in Ravensburg damals im Jahr der Weltkonferenz, vor über 20 Jahren also, gesetzt hat – nämlich Regenwald in Costa Rica und Ecuador zu kaufen und dadurch dauerhaft zu schützen. Hintergrund sind die Anliegen von Klimaschutz und Artenschutz, die durch Raubbau und Rodung von Regenwald global gefährdet sind. Über 80.000 Euro haben die Schülerinnen und Schüler seitdem für diesen Zweck gesammelt und in einem Regenwaldschutzgebiet investiert. Ein wirklich schönes Ergebnis! Es wird ergänzt durch verschiedene Aktionen, die die Schüler rund um das Thema durchgeführt haben wie Ausstellungen, Mal- und Modellierwettbewerbe, Infostände und Vorträge. Doch lassen sich über dieses global gedachte Ziel auch weitergehend Umweltbewusstsein, der Naturschutzgedanke im Allgemeinen und unsere Verantwortlichkeit für Natur und Landschaft vermitteln. Und genau dies haben die Organisatoren des Regenwaldteams getan und in lokales Handeln umgesetzt. Sie haben den Bogen geschlagen vom Regenwald und seinen Wohlfahrtsleistungen hinsichtlich Klimaschutz, Artenvielfalt und landschaftlicher Schönheit hin zu dem Landschaftselement, das solche Leistungen im konkreten Lebensumfeld der Schüler erbringt – zum Hochstamm-Streuobstbau im Landkreis Ravensburg. Seit 1996 haben die Schüler des Regenwaldteams weit über 1.500 Hochstamm-Obstbäume im Landkreis gepflanzt.

Finanziert vom Umweltfonds der Kreissparkasse Ravensburg werden die Bäume von den Schülerinnen und Schülern dort gepflanzt und den Flächeneigentümern zur Verfügung gestellt, wo interessierte Besitzer ihre Streuobstbestände ergänzen oder vergrößern wollen. Auf diese Weise sind in aller Regel auch ein fachgerechter Baumschnitt und die dauerhafte Pflege der Bäume gesichert. Über 1.500 Bäume, das bedeutet einen merkbaren Zuwachs für dieses landschaftsästhetisch und ökologisch so wichtige Element der Ravensburger Kulturlandschaft. Und ein leckerer, ohne Verwendung von Pestiziden erzeugter Apfelsaft entsteht dabei obendrein auch noch!

Käsküche Isny, Evelyn Wild, 88316 Isny im Allgäu (Kreis Ravensburg)

Allgauer Biosennerei auf der Grundlage nachhaltiger Landwirtschaft mit naturnaher Tierhaltung, extensiver Grünland-Bewirtschaftung und Landschaftspflege.

Kinder und Erwachsene auf und hinter einem gropßen Heuwagen

Ein Signal gegen die industrialisierte Milchverarbeitung: Die Milchlieferanten der Käsküche Isny verzichten auf Kraftfutter, sömmern ihr Vieh und garantieren eine artgerechte Tierhaltung.

Revitalisierung der Allgäuer Almwirtschaft

Wem von uns fallen bei den Stichworten Allgäu und Käse nicht sofort Kuhglockenläuten und glückliche Kühe auf saftigen Bergweiden ein? Das war wohl früher auch einmal richtig so, und von den Milchund Käseverpackungen schaut uns dieses Bild herkömmlicher Voralpen-Kulturlandschaft auch immer noch entgegen. Befasst man sich aber näher mit dem Thema, dann lernt man Stichwörter wie Silagewirtschaft, Kraftfutter, Stallhaltung oder hornloses Vieh kennen. Moderne, intensive Milchproduktion in der Konkurrenz mit dem Weltmarkt kann mit blumenbunten Almweiden kaum noch etwas anfangen. Almen sind ohnehin meist schon aufgeforstet. Verfüttert wird an enthornte Rinder im Laufstall Silage aus fetten Löwenzahnwiesen im Tal. Überkommene Landschaftsstrukturen gehen verloren, Kulturlandschaft verändert sich. Ist dies zwingend oder geht es auch anders?

Die Käsküche in Isny und ihre Milchlieferanten zeigen seit 14 Jahren, dass es auch heute noch anders geht und das sogar ausgesprochen auskömmlich! 1998 wurde die Idee zu dem Projekt geboren, als eine Großmolkerei der Region kein Interesse mehr an eigenständigen Produktlinien aus Milch hatte, die nach ökologischen Kriterien produziert war. Dann machet mir den Käs' selbsch, sagten sich die betroffenen Bioland- und Demeter-Landwirte, taten sich mit der gelernten Landwirtin Evelyn Wild zusammen und planten das, was heute zu einem Vorzeigebetrieb geworden ist hinsichtlich der Produktion von hochwertigen Milchprodukten im Einklang mit Landschaft und Natur. Weil die Idee gut war, wurde sie von der Bundesstiftung Umwelt und aus dem Naturschutzprogramm PLENUM des Landes als eines der ersten PLENUM-Projekte überhaupt gefördert. Es war ein erfolgreicher Weg! 800.000 Liter Milch werden heute jährlich zu 65.000 kg Emmentaler, Bergkäse, Butter, Quark und Joghurt verarbeitet. Das Konzept und vor allem auch die Käse sind mehrfach preisgekrönt, z.B. vom NABU, von der Bodensee-Agenda, als beste Produkte im Landkreis und von der Zeitschrift FEINSCHMECKER als eine der besten Käsereien in Deutschland.

Aber worin besteht nun die Besonderheit der Isnyer Käsküche und warum ist sie in diesem Jahr Preisträgerin des Kulturlandschaftspreises geworden? Weil sich die Art und Weise, wie diese Käse produziert werden, konkret in der Kulturlandschaft niederschlägt! Gemeinsam mit der Käsküche haben sich die beteiligten sieben milchliefernden Landwirtschaftsbetriebe nämlich verpflichtet, so zu wirtschaften, dass ihre Arbeit und die Milch- und Käseproduktion im Einklang mit der Allgäuer Natur erfolgen und dazu beitragen, die Vielfalt der reizvollen Kulturlandschaft, ihre Biodiversität und ihre landschaftliche Schönheit zu fördern. Ein Naturschutzberater unterstützt die Betriebe dabei; für jeden Betrieb und seine Flächen gibt es ein detailliertes Naturschutzkonzept.

sieben Frauen im Kreis um einen Käse liegend

Mit Spaß und Vergnügen für artgerechte Tierhaltung, Landschaftspflege und hochwertige Lebensmittel: Rund um den leckeren Allgäuer Käse dreht sich in Isny die Arbeit der Frauen aus der Käsküche.

Artgerechte Tierhaltung, extensive Bewirtschaftung von mindestens zehn Prozent der Wirtschaftsflächen, Landschaftspflegemaßnahmen, die von der Käsküche zusätzlich honoriert werden, Weidehaltung vom Frühjahr bis zum Spätherbst, Verzicht auf Kraftfutter, das Ziel, nur Milch von hörnertragenden Kühen zu verarbeiten und eine schonende Milchverarbeitung lassen einen Käse reifen, der aufgrund seiner Qualität einen Mehrwert erzeugt und einen Mehrerlös möglich macht. Der kommt den Landwirten in Form des bundesweit höchsten Milchpreises zugute.

Und draußen in der Landschaft rund um Isny? Die Aufforstungswelle der 1980er- und 1990er-Jahre auf den Almen und Hangwiesen rund um die Adelegg ist gestoppt, dort weidet heute wieder Jung- und Milchvieh. Auch der Schwund von Kleinstrukturen, von Hecken, Rainen, nassen Streuwiesen und anderen Landschaftselementen ist zum Stillstand gekommen. Den Besuchern präsentiert sich eine intakte Kulturlandschaft, in der zu wandern Freude macht – für Isny und seinen Fremdenverkehr ein ganz wichtiger Faktor! Und Untersuchungen belegen schließlich eindeutig, dass die konsequent auf diese Weise bewirtschafteten Weiden und Wiesen der an der Käsküche beteiligten Landwirte eine deutlich größere Artenvielfalt an Pflanzen und Tieren als Vergleichsflächen im Umfeld aufweisen.

Sonderpreis Kleindenkmale

Franz Schmid, 88529 Zwiefalten-Gauingen (Kreis Reutlingen)

Buchprojekt »Religiöse Kleindenkmäler in und um Zwiefalten«.

ein Mann repariert ein Feldkreuz

Franz Schmid engagiert sich rund um Zwiefalten für die Dokumentation und Erhaltung religiöser Kleindenkmale.

Franz Schmid saniert religiöse Kleindenkmale und wirbt für ihre Erhaltung

Umgetrieben hatte ihn das schon seit langen Jahren – beobachten zu müssen, wie die Zeugen früherer Volksfrömmigkeit auf der Schwäbischen Alb rund um Zwiefalten, die Feldkreuze, Wegkreuze und Wegkapellen, in der zunehmenden Hektik der modernen Zeit aus der Wahrnehmung der Menschen geraten waren. Und mit der schwindenden Beachtung fanden sich auch seltener Mitbürger, die sich um solche Kleindenkmale kümmerten. Ihr Verfall setzte ein, hier langsam, dort schneller. Doch nicht nur der Verfall, sondern auch die Tatsache, dass mit diesem obendrein die Botschaft dieser religiösen Zeugnisse dauerhaft aus dem Bewusstsein der Bevölkerung schwand, war für Franz Schmid der eigentliche Anlass, aktiv zu werden. Er wollte diesen Prozess zumindest in seinem näheren Umfeld aufhalten!

Begonnen hat er 2009 mit einem sehr zeitgemäßen Ansatz, nämlich der Internetpräsenz auf der Homepage der Gemeinde. Eine Onlinekarte, auf der alle ihm bekannten und von ihm recherchierten Standorte religiöser Kleindenkmale in Zwiefalten dargestellt waren, hat das Interesse in der Bevölkerung geweckt; plötzlich fanden die Denkmale wieder Beachtung. Doch das war nur der Anfang. Der Wunsch wurde laut, die Objekte doch auch in einem Buch zu würdigen. Franz Schmid ging daran. Aber nun wollten einige Eigentümer der Objekte doch nicht mit einer Abbildung in einem Buch vertreten sein, auf dem der Verfall ins Auge springt. Franz Schmid kümmerte sich um Spenden und Fördergelder für Restaurierungsmaßnahmen, um die Kontakte zu Handwerkern, zu Denkmalschutz und anderen Behörden.

Ein großes Projekt ist so daraus erwachsen, und Franz Schmid hat nicht nur das Management, sondern in großem Umfang auch die Umsetzung übernommen. Er hat den gewünschten Dokumentationsbildband geschrieben und über 400 Mal verkauft – das Geld ist in die Restaurierung von Denkmalen geflossen. Er hat ein zweites Buch als Wanderführer zu den einzelnen Objekten geschrieben und seine Daten in die Erfassung der Kleindenkmale im Landkreis eingebracht. Vor allem aber hat er durch beharrliche Überzeugungsarbeit in dem von ihm selbst geknüpften Netzwerk aus Eigentümern, Ämtern, Vereinen und Interessierten das notwendige Geld besorgt und Verantwortliche dazu gebracht, zahlreiche Objekte zu sanieren, zu restaurieren und in neuem Glanz erstehen zu lassen. Dass er dabei in erheblichem Umfang auch eigene Mittel und Eigenleistungen eingebracht hat, rundet das Bild ab.

Martin Ludwig, 88515 Langenenslingen (Kreis Biberach)

Wiederaufbau und Erhalt des Sägekanals sowie des Wasserrads an der Langenenslinger Sägemühle am Sandhof.

ein Mann mit Meterstab an einem Wasserlauf

Martin Ludwig vermisst die schadhaften Betonteile am Zulauf zum restaurierten Wasserrad der Sägemühle am Sandhof in Langenenslingen.

Nutzung der Wasserkraft bei Langenenslingen

Martin Ludwig ist mit dem Rauschen des Wassers aufgewachsen, das vom Mühlkanal zurück in die Langwatte stürzt, dort, wo sie am Sandhof und der alten Sägemühle westlich von Langenenslingen entlang fließt. Und schon als Kind hat ihn das oberschlächtige Mühlrad fasziniert, das – für die Gegend am Fuß der Schwäbischen Alb eigentlich ganz untypisch – diese Mühle einst angetrieben hatte. In Funktion allerdings war es schon damals, als seine Eltern den Hof gekauft hatten, nicht mehr. 1936 gebaut, war die Anlage nur noch Zeuge einer bewegten Vergangenheit, in der in den 1940er-Jahren vor allem Rüstungsgüter, nämlich Bretter für Munitionskisten, gesägt wurden. Und reparaturbedürftig war es überdies. Dieses Mühlrad irgendwann wieder in Funktion zu setzen, war und blieb Martin Ludwigs Kindheitstraum. Fast vierzig Jahre später – Herr Ludwig lebt heute mit seiner eigenen Familie immer noch auf dem Sandhof – hat er sich diesen Traum erfüllt.

Inzwischen hatten die Jahre an der ganzen Anlage zusätzliche Spuren hinterlassen. Sie war in einem desolaten Zustand – der Mühlkanal undicht, durchzogen von einem Netz von Haarrissen, durch Rostsprengungen und eingedrungene Baumwurzeln. Und das Wasserrad, in einer ebenfalls ungewöhnlichen Materialwahl aus Eichenholz und Stahl gefertigt, lief unrund, mit nur noch zwölf der ursprünglich 32 Schaufeln und in vollkommen verschlissenen hölzernen Lagern. Zusammen mit seiner Familie und unterstützt von einigen handwerklich begabten Freunden machte sich Martin Ludwig ans Werk. In seinem ursprünglichen Beruf als Steinmetz hatte er gelernt, auch denkmalpflegerische Belange einzubeziehen. Anregungen holten sich die Ludwigs aus dem Schwarzwald und aus dem Allgäu, wo es ähnliche Anlagen öfter gibt. In mühevoller, sehr aufwendiger Handarbeit haben sie den Mühlkanal saniert, oxidierte Eisen gereinigt, Risse mit Kunstharzen verfüllt und versiegelt, Fehlstellen mit Mörtel und Beton repariert und zum Schluss mit einer Dichtschlämme überzogen. Das Wasserrad musste für die Restaurierungsarbeiten bis auf den Radkranz abgebaut werden. Dann wurden neue Lager angefertigt und eingebaut, die Radschaufeln gereinigt, ausgebessert, neu versiegelt und auf den erneuerten Mantel der Trommel aufmontiert.

Drei Jahre hat Familie Ludwig gebraucht und nun läuft die Anlage wieder so, wie sie einst von ihren Erbauern gedacht war. Durch eine feine Regulierung des Fallenstocks wird sichergestellt, dass das Rad läuft und trotzdem die Durchgängigkeit des Baches für Fische und Kleinlebewesen gewahrt ist. Was jetzt noch aussteht – und Herr Ludwig denkt schon lange darüber nach –, ist die Nutzung der Bewegungsenergie der Anlage, damit das Rad wieder eine Funktion erhält.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern

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