Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2011

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2011

Unermüdliche Arbeit für kultivierte Flächen

Schafe auf der Weide

Wer sich in Württemberg, Hohenzollern und den angrenzenden Regionen um den Erhalt von Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Trockenmauern und anderen landschaftsprägenden Elementen verdient macht, kann einen Preis erhalten - den Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. In diesem Jahr wurden acht Initiativen und Vereine ausgezeichnet. Ein Sonderpreis belohnt zusätzlich zwei Aktivitäten, bei denen Kleindenkmale wieder hergerichtet wurden. Für den zum 21. Mal ausgeschriebenen Preis stehen nun die Träger des Hauptpreises sowie des Sonderpreises Kleindenkmale fest. Insgesamt 41 Privatpersonen, Initiativen und Vereine hatten sich beworben. Belohnt werden die Gewinner des Kulturlandschaftspreises mit einem Preisgeld von je € 1.500, bzw. insgesamt € 13.000, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt.

Es gehört zu den Erfahrungen, die wir alle, wenn wir mit offenen Augen durch die Landschaft gehen, schon seit Jahrzehnten überall im Lande machen: Wiesen- und Heidelandschaften, vor allem in steilen Hanglagen, verbuschen und verwandeln sich in Wald, Streuobstwiesen leiden unter mangelnder Pflege, gewohnte Landschaftsbilder gehen verloren – zuerst schleichend und unauffällig, aber irgendwann haben sie sich dann grundlegend geändert. Dass mit dieser Veränderung des Landschaftsbildes auch eine drastische Verarmung der biologischen Vielfalt, der in und von der jeweiligen Landschaft lebenden Tier- und Pflanzenwelt einhergeht, sieht man vielleicht nicht auf den ersten Blick, ist aber unausweichlich.

Überall ist die Ursache dieselbe: von der Natur nicht so begünstigte Flächen, seien sie steil, mager, trocken oder feucht, wurden zwar herkömmlich mit hohem Arbeitsaufwand, aber unterdurchschnittlichem Ertrag bewirtschaftet. Für einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb ist das unwirtschaftlich, solche Flächen rechnen sich in aller Regel nicht. Die Folge ist fast unausweichlich, sie fallen aus der Nutzung, verbrachen und gehen als Bestandteil der Kulturlandschaft verloren. Dass sich dieses Thema im Jahr 2011 wie ein roter Faden durch nahezu alle Projekte von Einzelpersonen, Familien und Gruppen zieht, die sich um den Kulturlandschaftspreis beworben haben, hat aus Sicht der Jury noch einmal deutlich unterstrichen, wie wichtig der Kulturlandschaftspreis ist. Schafft er doch öffentliche Wahrnehmung und öffentliches Bewusstsein für das Thema.

Feierstunde

Überreicht wurden alle Preise bei einer Festveranstaltung am 19. Oktober 2011, in den Pfullinger Hallen von Peter Schneider (MdL), Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, und Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbunds.

Sonderpreis Kleindenkmale

Den Sonderpreis Kleindenkmale erhalten in diesem Jahr zwei Initiativen, die dem traditionellen Material Gusseisen zugetan sind. Die Restaurierung von zwei Brunnensäulen in Belsenberg bei Künzelsau und die bereits seit Jahren andauernde Restaurierung und Wiederaufstellung von 77 historischen Orts- und Oberamtstafeln, Truppenteiltafeln, Wegweisern und Grenzstöcken war der Jury in diesem Jahr eine besondere Anerkennung und ein Preisgeld von jeweils € 500 wert. Auch dieser Geldpreis wird von der Sparkassenstiftung Umweltschutz getragen.

Die Preisträger 2011 (von Nord nach Süd)

Schäferei Desselberger in Löwenstein (Kreis Heilbronn)

Schäferei Mirsini und Tobias Desselberger, 74245 Löwenstein

Beweidung von 35 ha Feucht-, Mager- und Streuobstwiesen mit 150 Schwarzkopfschafen und 20 Ziegen in und um das Landschaftsschutzgebiet Oberes Sulmtal.

Schafe im Winter

Vierbeinige Landschaftspfleger sind das ganze Jahr im "Dienst".

Im Oberen Sulmtal begann in den frühen 1990er-Jahren das Bild des frei hinter seiner mittelalterlichen Stadtmauer ins Tal blickenden Städtchens Löwenstein von Wald verdeckt zu werden. Mangelnde Pflege machte aber genauso den zahlreichen Streuobstwiesen und Heideflächen rund um Löwenstein und Obersulm zu schaffen. Dass diese Landschaft als Kulturlandschaft unter Landschaftsschutz gestellt ist, konnte dagegen nichts ausrichten, wenn Bewirtschaftung und Pflege fehlten.

Manchmal gibt ein Zufall den Anstoß: Die zwei Ziegen, die Tobias Desselberger 1990 zum Geburtstag geschenkt bekommen hatte, vermehrten sich so schnell, dass er sich schon bald Gedanken um deren Futtergrundlage machen musste und froh war, von Bekannten gebeten zu werden, mit seinen Tieren doch deren zuwachsende Wiesen zu beweiden.

Aus diesen Anfängen hat sich der heutige Schäferei- und Landschaftspflegebetrieb Desselberger entwickelt. Mit seinen inzwischen 20 Ziegen und 150 Mutterschafen ist der Betrieb aus der Pflege des Oberen Sulmtales und des dortigen Landschaftsschutzgebietes »Oberes Sulmtal mit Randhöhen« gar nicht mehr wegzudenken. 35 Hektar Heiden, Hangwiesen, Feuchtwiesen und vor allem Streuwiesen sind in der Pflege der Schäferei Desselberger. Teils im Auftrag der Gemeinde, teils im Vertrag auf Naturschutzflächen setzen Desselbergers ein sehr detailliertes Beweidungs- und Pflegekonzept um, das die Offenhaltung der Landschaft bei gleichzeitiger Förderung der Artenvielfalt zum Ziel hat.

Zu den ausgesprochenen Besonderheiten des Betriebes aber gehört die Pflege der Streuobstwiesen in Löwenstein. Ein Schäfer, der sich als Baumwart ausbilden lässt, um den fachgerechten Schnitt und die Pflege der von ihm beweideten Streuobstwiesen übernehmen zu können, das ist etwas wirklich Besonderes. So bieten Mirsini und Tobias Desselberger ein ganzheitliches Konzept zur Sicherung ihrer Kulturlandschaft.

Erzeugergemeinschaft Hohenloher Höfe (Kreis Schwäbisch Hall / Hohenlohekreis)

Erzeugergemeinschaft Hohenloher Höfe, Herr Gerhard Walter, 74535 Mainhardt-Geiselhardt

Ökologischen Anbau alter Getreidesorten unter Verwendung des Hackstriegels zur Unkrautbekämpfung. Anlage von blütenreichen Randstreifen. Die Gemeinschaft hat 60 Mitglieder und arbeitet mit drei Vertragsmühlen und 25 Vertragsbäckereien.

Traktor auf dem Feld

Unkrautbekämpfung ohne Chemie.

Seit 1990 arbeitet die Erzeugergemeinschaft Hohenloher Höfe mit dem Ziel, in sensibler, umweltschonender Landwirtschaft gutes Brotgetreide zu erzeugen. Der Anbau, die Weiterverarbeitung und die Vermarktung von diesem Getreide finden in engen regionalen Kreisläufen statt. Zielsetzung ist der Aufbau einer umweltverträglichen und nachhaltigen Landwirtschaft in Zusammenarbeit mit regional ansässigen Mühlen und Bäckereien.

Was heißt das in der Praxis? Angebaut werden alte Dinkel- und Weizensorten. Sie sind zwar nicht so ertragreich wie modernes Hochleistungsgetreide, dafür aber so robust, dass sie ohne jegliche Spritzmittel heranwachsen können. Ein größerer Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen lässt mit viel Licht und Luft ein gesundes Kleinklima zwischen den Halmen entstehen und schafft Platz, um aufkommende Unkräuter mechanisch mit dem Hackstriegel zu bekämpfen. Um die Äcker, entlang von Wegen und gegenüber anders bewirtschafteten Grundstücken sind breite Blühstreifen angelegt, mit blütenreichen Einsaaten von gelben Lupinen, Sonnenblumen, Phacelia und Borretsch bis zu Ackerwildkräutern wie Kornblume, Ackerrittersporn und Klatschmohn.

Auf diese Weise produzieren die Anbauflächen beides: gesundes Brotgetreide und Lebensraum für eine große Vielfalt an Insekten, für Bodenbrüter wie Lerche und Rebhuhn und nach der Ernte schließlich ein reiches Rast- und Futterangebot für Zugvögel im Herbst.

Mit der Weiterverarbeitung und Vermarktung in Vertragsmühlen und Bäckereien vor Ort hat die Erzeugergemeinschaft regionale Wirtschaftskreisläufe aufgebaut, die beispielhaft das Wesen von Kulturlandschaft in ihren ökologischen wie auch ihren sozioökonomischen Aspekten aufzeigen. 1990 mit 19 Gründungsmitgliedern in Hohenlohe begonnen, hat sich die Erzeugergemeinschaft mit inzwischen 60 Mitgliedern, drei Vertragsmühlen und 25 Vertragsbäckereien auf zwei weitere Landschaften im Bottwartal und im Rems-Murrkreis ausgedehnt.

Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen eG in Vaihingen/Enz (Enzkreis / Kreis Ludwigsburg)

Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen eG, Herr Bertram Haak, 71665 Vaihingen/Enz

Steile Weinbergtreppe

Dieser Steillagenweinberg der Genossenschaftskellerei Rosswag-Mühlhausen prägt die Landschaft.

Steillagenweinbau in der Rosswager Halde. Bewirtschaftung von 40 Hektar Terrassenweinbergen und Erhaltung von 35 km Trockenmauern an der Enzschleife zwischen Rosswag und Mühlhausen.

Den Wengertern im Mittleren Enztal hat die Natur keine Wahl gelassen: die ertragreichen und leicht zu bewirtschaftenden Flächen im Talgrund waren seit dem Mittelalter für den Getreideanbau als Grundversorgung notwendig. So musste der Weinbau in die arbeitsintensiven und schwierig zu bearbeitenden Muschelkalk-Talhänge ausweichen. Es ist kaum vorstellbar, wie mühevoll es gewesen sein muss, dort ein dichtes System von Terrassen, untergliedert von Trockenmauern und «Stäffele» aus Muschelkalk, anzulegen.

Die südexponierte und sonnenbeschienene Lage im Steilhang ermöglicht Temperaturen von bis zu 80° C am Boden, die von den Muschelkalkmauern gespeichert und während der Nacht wieder freigegeben werden – hervorragende Voraussetzung für ganz besondere Weine.

Viele der im Mittelalter angelegten Terrassen sind mit dem Einbruch des Weinbaus im 30-jährigen Krieg verloren gegangen. Doch mit der «Roßwager Halde» hat eine solche Steillage bis heute überlebt – und tut dies weiterhin dank des Engagements der örtlichen Weinbauern. 40 Hektar Steillagenterrassen mit 35 km Trockenmauern umfasst die «Roßwager Halde», ein herausragendes Stück Kulturlandschaft, mit dem sich die Genossenschaftskellerei Roßwag-Mühlhausen um den diesjährigen Kulturlandschaftspreis beworben hat.

Seit über 60 Jahren schon steht diese Landschaft unter Landschaftsschutz, doch ohne Bewirtschaftung, d. h. ohne das Engagement der Roßwager Weinbauern, hätte sie keine Zukunft. Weder für den Weinbau, noch für die Vielfalt als Lebensraum einer ganz charakteristischen Fauna und Flora bliebe diese Kulturlandschaft ohne den enormen Arbeitsaufwand der Wengerter erhalten.

Doch Trockenmauern haben eine Lebensdauer von kaum mehr als 50 Jahren – dann müssen sie saniert, mit neuen Steinen neu gesetzt werden, eine mühevolle und mit hohen Kosten verbundene Arbeit.

Mit einem Bündel von Ideen und Maßnahmen versuchen die Roßwager Weinbauern darum, die Erhaltung ihrer Halde wirtschaftlich zu machen. Der «Lemberger 401» von 2010 als Premiumprodukt mit einem erhöhten Preis, benannt nach den 401 Stufen, die man vom Talgrund bis zur Hangkrone steigen muss, ist ein Beispiel für diese Ideen.

Botanischer Arbeitskreis in Stuttgart (Landeshauptstadt Stuttgart)

Botanischer Arbeitskreis, Herr Dr. Hellmut Wagner, 70597 Stuttgart

Naturschutzprojekt Weinbergsflora in Stuttgart. Maßnahmen zur Ansiedlung ursprünglicher Begleitflora in Stuttgarter Reblagen.

blühende Pflanzen zwischen den Rebstöcken

Die einst im Weinberg typische Begleitflora hält nun wieder Einzug in die Kulturlandschaft.

Es ist kaum 50 Jahre her, da gehörten so eindrucksvolle Terrassenlandschaften wie im Enztal auch zum typischen Landschaftsbild der Stuttgarter Neckarvororte. Beginnend in den 1960er-Jahren hat sich das jedoch nach und nach geändert. Was Generationen von Wengertern gebaut und seit dem Mittelalter in mühevoller Arbeit unterhalten hatten, wurde im Zuge der Fortschrittsgläubigkeit dieser Jahre mit schwerem Gerät beseitigt und in maschinengerechte Flurstücke mit neuem Wegenetz verwandelt. Rebflurbereinigung hieß das Zauberwort, das – wenn man die Maßnahmenkosten in der Rechnung außen vorlässt – zu mehr Wirtschaftlichkeit und natürlich zu Erleichterungen bei der Bewirtschaftung der Flächen führt. Gleichzeitig allerdings ging damit die Vielfalt unterschiedlicher Lebensräume verloren und die Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt, die zum Mäuerlesweinberg dazugehören, reduzierte sich drastisch.

In Stuttgart hat sich vor etwa sechs Jahren eine Reihe engagierter Bürgerinnen und Bürger zugunsten dieser Kulturlandschaft zusammengetan, um die Entwicklung aufzuhalten und behutsam umzukehren. Es waren Winzer und Winzerinnen, ehrenamtliche Pflanzenkundler und Helfer aus Naturschutzverbänden, im Naturschutz engagierte Bürger, Vertreter der Bezirksbeiräte und der Stadtverwaltung sowie als Trägerorganisation die professionellen und Amateurbotaniker des Botanischen Arbeitskreises Stuttgart.

Sie haben sich, wie sie selbst schreiben, zum Ziel gesetzt, Wildpflanzen und alte Kulturpflanzen der Weinberge, die durch die Rebflurbereinigung und eine veränderte, z. T. intensivere Bewirtschaftung zurückgegangen sind, zu fördern, wieder anzusiedeln und damit die Weinbergslandschaft als Kulturlandschaft, Erlebnisraum und als Lebensraum für eine typische Flora und Fauna zu erhalten bzw. aufzuwerten.

Sie haben dabei einen ganzheitlichen Ansatz gewählt, der zum Einen die hohen wissenschaftlichen Anforderungen an ein solches Ansiedlungsprojekt berücksichtigt, soll es denn zum Erfolg führen und nicht etwa zu einer Verfälschung der ursprünglichen und standortgemäßen Flora beitragen. Aber gleichermaßen sind auch die Anforderungen des Weinbaus und die Ansprüche an eine vielfältige Kulturlandschaft in ihrem Projekt repräsentiert. Mit finanzieller Unterstützung der Landesbank, der Stadt Stuttgart und viel ehrenamtlicher Hilfe konnten seit 2005 auf insgesamt 53 Weinbaugrundstücken in sieben Stuttgarter Bezirken Maßnahmen umgesetzt werden. Das reicht von der Begrünung von Trockenmauerköpfen, von Wegzwickeln und Böschungen über die standortgemäße Einsaat von Rebgassen und Rebzeilen-Enden bis zur Bepflanzung von Weinbergstaffeln und der Anlage von Lesesteinhaufen.

Aber auch Beratung der Winzer hinsichtlich für die Flora förderlicher Bewirtschaftungsweisen und eine umfangreiche Öffentlichkeitsarbeit gehörten dazu. Mit Infotafeln, einem Faltblatt, Begehungen, Führungen,Veranstaltungen und einer guten Pressearbeit haben die Aktiven Interesse für ihre Ziele und ihr Projekt geweckt. Insgesamt über 40 Pflanzenarten der Weinbaubegleitflora wie Weinbergtulpe, Schwertlilie, Milchstern, Fetthenne und Traubenhyazinthe haben ihren neuen und eigentlich alten Lebensraum angenommen und breiten sich unter der sachkundigen Pflege der Winzer in ihrem angestammten Revier wieder aus. Damit bieten sie auch erneut Lebensgrundlage für Tierarten, die traditionell in diesen Lebensraum gehörten, aber weitgehend verschwunden waren.

DRK Bergwacht (Kreis Reutlingen)

DRK Bergwacht Württemberg, Herr Dr. Siegfried Hahn, 72525 Münsingen

Erstpflege der Kuppe des Georgenbergs und Bau von vier Trockenmauern mit einer Länge von 70 m, gemeinsam mit dem Schwäbischen Albverein Pfullingen, dem Forstrevier und dem Bauhof der Stadt Pfullingen.

Trockenmauer im Weinberg

70 Meter Trockenmauern wurden wieder aufgerichtet.

Der Georgenberg (602 m) ist eine Landmarke. Zwischen Reutlingen und Pfullingen direkt vor der Blauen Mauer des Albtraufes gelegen, ist er als ein Relikt des tertiären «Schwäbischen Vulkans» ein weithin sichtbarer Zeuge der Erdgeschichte. Mindestens seit der kleinen Warmzeit im Mittelalter waren die Hänge mit Trockenmauern terrassiert und zum Weinanbau genutzt.

Mit dem 30-jährigen Krieg und der klimatischen Verschlechterung seit etwa dem 15. Jahrhundert wurde der Weinbau aufgegeben und die terrassierten Hänge des Georgenberges nach und nach in Streuobstwiesen umgewandelt. Der Berg wurde seit dieser Periode im 18. und 19. Jahrhundert zu einem beliebten Ausflugs- und Ausblicksziel. Aber auch die weitere Nutzungsgeschichte ist typisch für so viele Beispiele dieser Weinbau-Folgelandschaften.

Streuobst, noch dazu in solcher Hanglage, ist schon lange nicht mehr wirtschaftlich und so kam es wie an vielen Orten auch am Georgenberg. Die oberen Berghänge wurden nicht mehr bewirtschaftet und die Sukzession setzte ein. Trockenmauern, Staffeln und Wege verfielen, die Wiesen verbuschten und auch die typischen Tier- und Pflanzenarten der sonnenexponierten Wiesenhänge verschwanden nach und nach.

2005 begannen die Senioren der Bergwacht Pfullingen und die Mitglieder der Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins mit großem Elan und vielen hundert Stunden harter Arbeit damit, der Kuppe des Georgenberges ihr früheres Aussehen zurückzugeben. Sie haben Bäume und Sträucher gerodet, die gute Fernsicht und die alten Sichtbeziehungen wiederhergestellt. Sie haben noch vorhandene Trockenmauern – oder deren Reste – freigelegt, Terrassen und Wege ausgegraben. Mit dem Pfullinger Schäfer und der Beweidung durch seine Schafe und Ziegen konnte dann ein Weg gefunden werden, dieses «neue» Stück Kulturlandschaft dauerhaft offen zu halten und die Halbtrockenrasen wieder so zu pflegen, dass sich die dafür doch so charakteristische Tier- und Pflanzenvielfalt wieder ansiedeln und ausbreiten kann.

Aber die Senioren von der Bergwacht-Bereitschaft Pfullingen hatten noch mehr vor. Mit finanzieller und organisatorischer Unterstützung von Stadt und Landesverwaltung begannen sie 2009 entsprechend der ursprünglichen Idee mit ihrem Projekt, auf einer Teilfläche der Bergkuppe auch die frühere Nutzung, nämlich Weinanbau, wieder erlebbar zu machen, denn schließlich ist nachweislich bis nach dem Zweiten Weltkrieg auf kleinen Flächen noch Wein angebaut worden. Es war spektakulär! Nicht mehr wie im Mittelalter mit Zugtieren und Wagen, sondern mit dem Hubschrauber wurden die Steinblöcke, die man zur Ergänzung der Weinbergmauern brauchte, auf die Bergkuppe geflogen. Und auch ein Minibagger gelangte auf diesem Wege nach oben.

Insgesamt drei, mit 70 m fachgerecht errichteter Trockenmauer terrassierte Rebflächen haben sie bis zum Frühjahr dieses Jahres wieder neu erstehen lassen. So zeigt sich der Georgenberg heute in seinem oberen Teil wieder so offen, wie es die rund um den Berg lebenden Menschen über viele Jahrhunderte kannten.

Obst- und Gartenbauverein Nehren e.V. (Kreis Tübingen)

Obst- und Gartenbauverein Nehren e.V., Herr Norbert Saur, 72147 Nehren

Pflege und Erhaltung von ca. 7.000 Obstbäumen im Nehrener Kirschenfeld. Betreuung der Natur AG in der Kirschenfeldschule und Durchführung von Schnittkursen und Pflanzaktionen.

Obstbäume mit reifen Früchten

Rund 7.000 Bäume werden vom Obst- und Gartenbauverein Nehren gepflegt.

Streuobst prägt die Landschaft in weiten Teilen unseres Landes und gehört im ländlichen Raum zu den charakteristischen Landschaftselementen. Die Wohlfahrtswirkungen der typischen Streuobstgürtel um unsere Siedlungen sind gar nicht zu überschätzen und reichen von der Beeinflussung des örtlichen Klimas über die Förderung einer gut vernetzten Biodiversität bis zur idealen landschaftsoptischen Einbindung unserer Dörfer und Siedlungen. 7000 Obstbäume aber in einem geschlossenen Bestand, das ist auch bei uns eine Besonderheit, die Bewunderung erzeugt. Wer im Frühjahr einmal Gelegenheit hat, durch das Steinlachtal in Richtung Tübingen oder Balingen zu fahren, kann diese 7000 Obstbäume in der Blüte erleben. Das Nehrener Kirschenfeld ist eine Berühmtheit in der Region und ein zentraler Teil der Kulturlandschaft des Steilachtales.

Doch wie wir nur zu gut wissen: Jeder Streuobstbestand – und sei er noch so prachtvoll – ist abhängig von guter Pflege, Bewirtschaftung und ständiger Erneuerung, soll er überdauern. Mit dem Obst- und Gartenbauverein Nehren haben wir einen besonderen Preisträger, dessen Anliegen es ist, sein eigenes Engagement für die Kulturlandschaft weiterzugeben an die nächste Generation.

Es ist eine echte Kooperation des Vereins mit der – wie soll sie anders heißen? – örtlichen Kirschenfeldschule, in der sowohl die Pflege der Obstwiesen und damit die Erhaltung von Artenreichtum und landschaftlicher Schönheit vorangebracht, als auch dafür gesorgt wird, dass die Generationen der Kinder und Enkel sich ebenfalls um «ihr» Kirschenfeld kümmern. Mit der praktischen Demonstration und Anwendung von im Unterricht erworbenem Wissen wird das Interesse der Schulkinder geweckt und gefördert. Das reicht von konkreten Übungen zu den ökologischen Ansprüchen der Lebewesen in der Streuobstwiese, von Fledermaus und Feuersalamander bis zur Honigbiene über einen Besuch bei der Imkerin bis zu Lehreinheiten im Unterricht, die mit der Pflanzung von Obstbäumen oder einer Allee aus Exemplaren der «Bäume des Jahres» enden. Einige Klassen der Schule haben Patenbäume im Lehrgarten des Vereins, an denen sie die Entwicklung im Jahreslauf von der Knospe bis zur Frucht verfolgen können.

Alle zwei Jahre feiert der Verein zur Zeit der Obstblüte unter der Schirmherrschaft der Gemeinde das Nehrener Kirschblütenfest. Rund um den Lehrgarten gibt es dann ein gemeinsames Angebot mehrerer Vereine mit Bewirtung, Vogelführungen, Kutschfahrten und vielem mehr. Vor allem aber lässt sich das Kirschenfeld in der Blüte erleben.

NABU Gruppe in Dunningen (Kreis Rottweil)

NABU Gruppe, Herr Roland Fischinger, 78655 Dunningen

Betreuung von 23 ha Feucht- und Halbtrockenrasenflächen. Wiedervernässung von 2,5 ha Feuchtwiesen im Seedorfer Wald. Aufstellung eines Landschaftspflegekonzepts für das Naturschutzgebiet Steinbühl, Erwerb von 1,7 ha naturschutzwichtiger Grundstücke und Abschluss von Patenschaftsverträgen.

Blumenwiese

Eine schöne Wildblumenwiese mit Margeriten, Glockenblumen und anderen Blütenpflanzen.

Kulturlandschaft lebt davon, dass Kultur und Natur sich verzahnen, dass die Kultur – die menschliche Nutzung – eine daran angepasste, charakteristische Naturausstattung nicht nur zulässt, sondern sogar fördert. Fällt die Nutzung fort oder wird sie so intensiviert, dass Natur und ökologische Werte verloren gehen, verschwindet auch Kulturlandschaft im genannten Sinne. Diesen Vorgang, diesen Verlust, im Landschaftsschutzgebiet «Steinbühl» zu beobachten, war für die damals noch kleine NABU-Gruppe Dunningen im Jahr 2000 der Auslöser, sich für die Erhaltung der charakteristischen Heckenlandschaft im Gewann Steinbühl zu engagieren. Flachgründig, «steinreich» und weit weg vom Dorf gelegen, war der Steinbühl (Nomen est Omen) von alters her sehr extensiv bewirtschaftet gewesen. Zwischen hangparallelen Lesesteinriegeln, die eine leichte Terrassierung zur Folge hatten und an vielen Stellen von Hecken überwachsen waren, entstanden über Jahrhunderte ein- bis zweimähdige, magere und blumenbunte Wiesen.

Dort, wo der Boden es zuließ, wurde immer mal wieder auch Ackerbau betrieben oder versucht. Angepasst an diese Nutzung waren diese Grenzertragsflächen aber Lebensraum für die bunte Vielfalt magerer Halbtrockenrasen mit Karthäusernelken, Glockenblumen und Margeriten, für Insekten, Reptilien und die reiche Vogelwelt, wie sie für Heckenlandschaften so typisch ist. Seit den 1980er-Jahren aber und – vielleicht auch im Blick auf die ins Auge gefasste Flurneuordnung – verstärkt seit Ende der 1990er-Jahre wurden immer mehr Teilflächen intensiviert, auch umgebrochen, und verschwanden Hecken. Damit aber auch die Rebhühner, es ging der Lebensraum für Insekten und Heckenbrüter verloren.

Nach und nach haben die Mitglieder der Dunninger NABU-Ortsgruppe ihre Aktivitäten auf den gesamten Steinbühl ausgeweitet, haben eine Konzeption für das Gebiet entwickelt und Partner gesucht. Zwei Landwirte konnten sie gewinnen, die inzwischen im Rahmen des Vertragsnaturschutzes etliche Grundstücke nach den Vorstellungen der Pflegekonzeption bewirtschaften. Aber auch der Verein ist gewachsen, von anfänglich 27 auf heute 260 Mitglieder in den drei Ortsteilen von Dunningen. Und so können die Aktiven immer mit einer großen Zahl von Helfern rechnen, wenn es darum geht, die auf inzwischen drei Hektar angewachsenen Eigentumsflächen der Ortsgruppe zu pflegen, neue Lesesteinriegel zu begründen und Benjeshecken zur Initiierung neuer Heckenstreifen anzulegen.

Für die Zukunft ist auch daran gedacht, einzelne Parzellen in herkömmlicher Weise ackerbaulich zu nutzen – ohne Pestizide, sodass das Samenreservoir der Ackerbegleitflora, die im flachen Boden noch schlummert, sich erneut entfalten kann. Doch über den Steinbühl hinaus hat der Verein inzwischen die ganze Gemarkung im Blick. Mit der Pflege, Optimierung und Vernetzung der noch vorhandenen Trocken- und Feuchtbiotope und mit der Neuschaffung von Trittsteinen für Amphibien und Vögel versuchen sie, dem Faktor Natur wieder ein stärkeres Gewicht in der Kulturlandschaft ihrer Gemeinde zu geben, um Kultur und Natur erneut ausreichend zu verzahnen.

Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe in Obernheim (Zollernalbkreis)

Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe, Herr Werner Moser, 72364 Obernheim

Wiederherstellung der Schafweiden Bergwasen, Katzenbuckel, Fohlen, Steinbruch und Talhalde. Pflege des Quellgebiets Neubrünnle, der Heide am Burgbühl und einer Doline auf der Gemarkung Wanne.

Traktor beseitigt Gestrüpp

Um die traditionelle Kulturlandschaft zu erhalten, muss auch mal schwereres Gerät ran.

Es ist die typische Landschaft des Großen Heubergs, der verkarsteten Hochfläche auf der Südwestalb, mit ihrem kühlen und rauen Klima. Bewaldete Kuppen und dazwischen weite Wiesen- und Ackerlandschaften, immer wieder durchbrochen von großen und kleinen Flächen, auf denen herkömmliche Landwirtschaft nicht lohnt, lässt der hoch anstehende Kalkuntergrund eine Bodenbearbeitung doch gar nicht zu. Genau dies aber sind die Flächen, die das Bild dieser Landschaft prägen und zu einem Kerngebiet des Naturparks Obere Donau gemacht haben. Wacholderheiden, Baumwiesen, Halbtrockenrasen, Steinriegel und Feldgehölze sind es, aber auch sie Teil der Kulturlandschaft und herkömmlich genutzt als Einmähder oder Schafweide.

Gerade das aber sind Nutzungsweisen, die in einer produktionsorientierten Landwirtschaft schwerlich noch ihren Platz finden. Weil solche Flächen aber den besonderen Reiz dieser Landschaft ausmachen, haben sich die Obernheimer Mitglieder des Albvereins ehrenamtlich daran gemacht, dieses Netz extensiver Kulturlandschaftselemente wieder herzustellen und dauerhaft zu pflegen. Teilweise in steilem Gelände haben die Männer und Frauen vom Albverein verloren gegangene Freiflächen zurückerobert, mit schwerem Gerät, mit Motorsäge und Freischneider, vor allem aber mit der Hand. Sie haben Gehölze und Gebüsch gerodet, Obst- und Weidbäume wieder freigestellt und in Form gebracht, verbuschte Wiesen gemäht und abgeräumt. Anschließend haben sie sukzessive eine Fläche nach der anderen in Dauerpflege übernommen.

Wo es möglich war, sind die Flächen wieder dem Schäfer als Weidefläche übertragen worden. Am Burgbühl allerdings war das mangels eines Triebweges bisher nicht möglich. Und so pflegen die Albvereinler diese markante Kuppe ihrer Landschaft nun selbst Jahr um Jahr, kompostieren das Mähgut und bringen den fertigen Kompost als Dünger wieder in den Kreislauf zurück.

Etwa 26.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden haben die Aktiven in diesen zehn Jahren aufgebracht und in dieser Zeit etwa 15 bis 20 Hektar ihrer Heimatgemarkung wieder zu dem gemacht, was sie traditionell waren.

Die naturbetonten, extensiven Elemente ihrer Landschaft, die dafür verantwortlich sind, dass auch in der Obernheimer Kulturlandschaft Kultur und Natur, Ökonomie und Ökologie weiterhin verzahnt sind.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern