Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2010

. . . . . .

Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2010

Kulturlandschaft durch Mensch und Tier geschützt!

Schafe auf der Weide

Wer sich in Württemberg, Hohenzollern und den angrenzenden Regionen um den Erhalt von Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Trockenmauern und anderen landschaftsprägenden Elementen verdient macht, kann einen Preis erhalten - den Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes und des Sparkassenverbandes Baden-Württemberg. In diesem Jahr wurden sieben Privatpersonen, Vereine, Initiativen und Landwirte ausgezeichnet. Ein Sonderpreis belohnt zusätzlich Aktivitäten, bei denen Kleindenkmale wieder hergerichtet wurden. Für den zum 20. Mal ausgeschriebenen Preis stehen nun die Träger des Hauptpreises sowie des Sonderpreises Kleindenkmale fest. Belohnt werden die Gewinner des Kulturlandschaftspreises mit einem Preisgeld von insgesamt 12.500 Euro, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt.

Die Reihe der Preisträger zieht sich von Werbach im Main-Tauber-Kreis im Norden bis nach Langenenslingen im Landkreis Biberach im Süden des württembergischen Landesteils, für den der Preis ausgeschrieben ist, und zeigt, wie typisch aber auch wie bedroht Streuobstwiesen und Heiden nach wie vor sind. Strukturwandel, Flächenverbrauch und gesellschaftliche Veränderungen üben unvermindert einen enormen Druck auf diese optisch prägenden und ökologisch wertvollen Elemente unserer Landschaft aus, sagte der Vorsitzende der Jury, Dr. Volker Kracht, bei der Bekanntgabe der Preisträger. Mit Ideen, jahrelangem Engagement und viel Arbeit stemmen sich die nun ausgezeichneten Privatpersonen, Vereine und Initiativen gegen diese Entwicklung. Da werden Zwergzebus, Schafe, Ziegen und Kühe zu Landschaftspflegern, erhalten verbuschte Berghänge mit Säge, Motorsense und Balkenmäher ihren typischen, offenen Charakter zurück und alte Apfel- und Birnensorten werden bewusst gepflanzt und gehegt um die Tradition, aber auch die Sortenvielfalt zu bewahren. Dass der Schutz der Streuobstwiesen kein Selbstzweck ist, zeigt das Projekt Streuobst sammeln für die soziale Jugendarbeit, für das die Bürgerstiftung Winnenden ausgezeichnet wurde. Hier werden neben Neupflanzungen, Mähaktionen und Apfelsaftherstellung auch Baumschnittkurse angeboten.

Feierstunde

Die Verleihung der Preise fand statt am Dienstag, den 26. Oktober 2010, in der Hermann-Schwab-Halle in Winnenden in Anwesenheit von Tanja Gönner (MdL), Ministerin für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg, Peter Schneider (MdL), Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, und Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbunds.

Sonderpreis Kleindenkmale

Im Rahmen des Sonderpreis Kleindenkmale, der in diesem Jahr zum zehnten Mal ausgelobt war, wurden vier Bewerbungen von der Jury zum Preisträger erkoren.

Die Preisträger 2010

Die Träger des Sonderpreises Kleindenkmale 2010

Gamburger Zebu-Hof, Gabriele Asprion-Flad in Werbach-Gamburg (Main-Tauber-Kreis)

Gabriele Asprion-Flad, 97956 Werbach-Gamburg

Rinder unter Bäumen

Das Fleisch der Zwergzebus ist bei Verbrauchern sehr beliebt.

Bewirtschaftung und Beweidung von 33 ha Grünland mit Zwergzebus. Pflege von Obstbäumen, die Herstellung von Apfelsaft und Vermarktung der Erzeugnisse.

Früher zählte das Taubertal zu den großen Weinbaugebieten in Deutschland. Noch heute zeugen die steilen terrassierten Hänge davon. Obstbäume folgten den Rebstöcken und prägten bis ins 20. Jh. das Landschaftsbild. Bald nach dem Zweiten Weltkrieg schien sich der Obstanbau für Landwirte wie Privatleute in den mühsam zu bearbeitenden Steillagen nicht mehr zu lohnen. Ihre Pflege wurde vernachlässigt und nach und nach aufgegeben. Das liebliche Taubertal um Gamburg, Kühlsheim und Oberlauda verbuschte. Gabriele Asprion-Flad missfiel diese Veränderung der Landschaft und sie machte sich ihre Gedanken. Landschaftspflege mit Schafen und Ziegen schien möglich aber wegen der späten Beweidung nicht sehr geeignet.

Auf ihrer Suche begegnete sie auch dem kleinwüchsigen asiatischen Buckelrind oder Zwergzebu. Es sind genügsame und friedliche Tiere, die in Deutschland schon seit Jahrzehnten gezüchtet werden. Im Jahr 2004 wurde der Betrieb gegründet. Der Tierbestand ist inzwischen auf 48 Zwergzebus angewachsen. Diese beweiden derzeit dreiunddreißig Hektar Fläche. Darunter sind zehn Hektar Obstwiesen deren Erträge zu naturtrübem Apfelsaft verarbeitet werden. In einem Hofladen werden die Erzeugnisse vermarktet. Das Fleisch aus der Rinderzucht wird auch von der regionalen Gastronomie gerne abgenommen.

Unterländer Suffolkschäferei Karl Belz in Gundelsheim-Höchstberg (Kreis Heilbronn)

Unterländer Suffolkschäferei Karl Belz, 74831 Gundelsheim-Höchstberg

Pflege von 32 ha Streuobstwiesen in den Landschaftsschutzgebieten Schefflenztal und Tiefenbachtal mit Schafen und Ziegen.

zwei Männer mit Schafen

Karl Belz (rechts) und zwei seiner 130 Schafe.

Hundertdreißig Schafe, sechs Ziegen, ein Esel und ein Border Collie als Hütehund. Es ist eine stattlich Anzahl an Tieren, die sich um Karl Belz versammeln. Seit 25 Jahren ist er mit ihnen in geschützten Landschaftsteilen von Gundelsheim und Höchstberg unterwegs. Die Herde beweidet zweiunddreißig Hektar Streuobstwiesen und Hangwiesen. Darunter sind viele kleine Flurstücke, die nicht mehr bewirtschaftet wurden, und denen somit die Verwilderung drohte. Auch Biotope in magerem, artenreichem Grünland mit Steinriegeln und Trockenmauern gehören zum Weidegebiet.

Karl Belz sichert nachhaltig den landschaftsprägenden Streuobstgürtel um Höchstberg als wichtigen Lebensraum von selten gewordenen Tieren und Pflanzen. Darunter sind zum Beispiel Zittergras, Perlmuttfalter, Neuntöter und Zauneidechse. Suffolkschafe sind eine beliebte Fleischrasse. Karl Belz ist Metzger und verkauft die Erzeugnisse auf seinem Hof, dem Bauernmarkt in Gundelsheim und an die örtliche Gastronomie. Auf seinem Hof ist eine Gläserne Produktion zu besichtigen, bei der die Besucher auch über Landwirtschaft und Naturschutz informiert werden.

Brigitte von Ribbeck, Werner Michel und Roland Müller in Zaberfeld-Leonbronn (Kreis Heilbronn)

Brigitte von Ribbeck, 74474 Zaberfeld-Leonbronn

Erstpflege und Beweidung von 12 ha Wiesen im Läutersgrund und Streuobstwiesen am Bernhardsberg, Schafrain und der Kleinen Sommerhälde mit Ziegen und Kühen.

Im alten Siedlungsland Zabergäu liegt Leonbronn. Hier versuchten sich 1994 Brigitte von Ribbeck und Werner Michel mit fünf Mutterkühen und drei Mutterziegen in traditioneller Viehhaltung. Seit dem Jahr 2000 gehört auch Roland Müller dazu. Anfangs reichten für das Vieh sieben Hektar Mähweide und Grünland aus. Mit wachsendem Bestand kamen Flächen in der kleinen Sommerhälde, am Bernhardsberg und am Schafrain hinzu.

Rinder auf der Waldweide

Traditionelle Viehhaltung im Zabergäu

Zusammen sind es inzwischen zwanzig Hektar bewirtschaftete Fläche, von der Feuchtwiese über die Mähweide bis zur Streuobstwiese. Der Tierbestand ist auf acht Mutterkühe und zwölf Mutterziegen angewachsen. Das Fleisch wird bei der örtlichen Gastronomie für Gäste und Ansässige zwischen Stromberg und Heuchelberg schmackhaft zubereitet.


Projekt "Streuobst sammeln für die soziale Jugendarbeit" der Bürgerstiftung Winnenden (Rems-Murr-Kreis)

Bürgerstiftung Winnenden, Bürgermeister Norbert Sailer, Marktstraße 24, 71364 Winnenden

Kinder unter Obstbäumen

Winnender Schülerinnen und Schüler engagieren sich in der Pflege von Kulturlandschaft.

Durchführung von Schnittkursen, Baumschnitten, Neupflanzungen, Herstellung von Apfelsaft und die Mahd der Streuobstwiesen.

Die Stadt Winnenden hat auf ihrer Gemarkung dreihundertfünfundsiebzig Hektar Streuobstwiesen mit ca. 30.000 Obstbäumen. Wie überall im Land ist diese Kulturlandschaft auch im Remstal zum Sorgenkind geworden. Mangelnde Baumpflege, Unterlassung von Mahd, Ernte und Neupflanzung ließen der Natur freien Lauf und so erwuchs aus manch schmuckem Gütle ein undurchdringliches Landschaftselement. Eine von der Stadtverwaltung eingerichtete Streuobstbörse zeigte, dass das Angebot die Nachfrage weit überstieg. Diese Erkenntnis war die Grundlage des Projekt.

In den Grundschulen wird über Obst/Streuobst unterrichtet. Vor Ort erweitern Mitglieder der Obst- und Gartenbauvereine das Wissen von Schülern und Jugendlichen aus Vereinen und leiten Sie zum Sammeln des Obstes an. Der Erlös der Ernte fließt, zuzüglich eines sozialen Aufschlags, in die Klassen- oder Vereinskassen.

Fachwarte der Obst und Gartenbauvereine führen an den zur Verfügung gestellten Bäumen den Schnitt kostenlos durch und bieten Schnittkurse an. Mit einem Förderprogramm unterstützt die Stadt Winnenden Neupflanzung, Baumpflege und Mahd.

Förderverein Seeburg schafft Zukunft e.V. in Bad Urach-Seeburg (Kreis Reutlingen)

Förderverein Seeburg schafft Zukunft e.V., Frau Uthe Scheckel, 72574 Bad Urach

Erst- und Folgepflege des verbuschten Burgbergs und die Beweidung mit Ziegen und Schafen.

Mäharbeiten hoch über dem Dorf

Freihaltung der Kulturlandschaft hoch über Seeburg.

In den beiden Tälern des Oberlaufs der Erms und des Fischbachs liegt Seeburg. Es ist eine alte Gemeinde, die auf eine 1240jährige Geschichte zurückblicken kann. Früher hielten Schafe und Ziegen, wie überall auf der Schwäbischen Alb, die Landschaft offen. Ein Relikt aus dieser Zeit ist die Wacholderheide am Hartberg. Auch der Burgberg auf dem einst die Burg des Ortsadels stand, lag in der weitläufigen Heidelandschaft.

Der Niedergang der Schäferei in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts hinterließ auch hier Spuren. Zunehmend überwucherte der Burgberg. Das wichtige Geschichtszeugnis Seeburgs drohte vom Wald vereinnahmt zu werden und die Beschattung des engen Tals zu fördern. Ehrenamtliche Helfer begannen deshalb im Jahr 2003 den Burgberg zu entbuschen. Es wurde jedoch bald klar, dass dies keine dauerhafte Lösung für die Offenhaltung des Geländes sein könne. Deshalb wurde ein Pflegekonzept entwickelt, an dem das Landratsamt, die Stadt, die Ortsverwaltung, der Forst, der Stadtschäfer und der Naturschutz beteiligt waren. Wie einst werden wieder Ziegen und Schafe den Aufwuchs am Burgberg niederhalten und der 2007 gegründete Förderverein Seeburg schafft Zukunft e.V. sichert die notwendige Nachpflege.

Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Wilflingen (Kreis Biberach)

Teilnehmergemeinschaft der Flurbereinigung Wilflingen, Josef Schaut, 88515 Langenenslingen

Personen im Gespräch auf der Flur

Flurbereinigung in Wilflingen: vor dem Projekt steht der Dialog.

Erhaltung und Neugestaltung der Wilflinger Feldflur mit 1900 z. T. alten und seltenen Birnen- und Apfelsorten, dem größten Streuobstbestand im Landkreis Biberach.

Wilflingen liegt am Südrand der Schwäbischen Alb und ist Teilgemeinde von Langenenslingen. Auf der Gemarkung steht der größte Streuobstbestand im Landkreis Biberach. Der Ort ist von rund 1.900 Obstbäumen umgeben, darunter viele alte und seltene Birnen- und Apfelsorten. Als letzte der acht Teilgemeinden Langenenslingens war Wilflingen noch nicht flurbereinigt. Der Ort widersetzte sich in den 1980er Jahren einer geplanten Flurneuordnung.

In den folgenden beiden Jahrzehnten hinterließ der landwirtschaftliche Strukturwandel aber auch hier seine Spuren. Wilflingen hatte 1999 nur noch einen Milchbauern und insgesamt noch drei landwirtschaftliche Haupterwerbsbetriebe. Die Notwendigkeit einer Flurbereinigung wurde inzwischen im Ort erkannt und dann auch angeordnet. Der Vorstand der Teilnehmergemeinschaft wurde von Anfang an in die Maßnahme eingebunden und somit die Grundlage für eine vertrauliche und gute Zusammenarbeit geschaffen.

Der reiche und geschützte Streuobstbestand ließ keine großen Eingriffe zu. Außerdem sprach sich die große Mehrheit der Eigentümer für den Erhalt ihrer Streuobstwiesen aus. Dieser Umstand und das Ziel Schlaglängen von bis zu 600 Meter Länge in der Feldflur zu schaffen waren Herausforderungen bei der Aufstellung des Wege- und Gewässerplans. Dem Naturschutz sollten außerdem ausreichend Gewässer- und Ackerrandstreifen zugestanden werden. In langen Sitzungen wurden die Wünsche der Beteiligten diskutiert und befriedigende Lösungen angestrebt. Dieses einfühlsame Vorgehen wurde anerkannt und besänftigte letztlich auch kritische Stimmen.

Naturschutzgruppe Essingen e.V. (Ostalbkreis)

Naturschutzgruppe Essingen e.V., Eugen Huber, 73457 Essingen

Personen lichten einen Hang aus

Kulturlandschaft wird wieder sichtbar.

Pflege der Streuwiesen am Donnenbach und Ersbach und der Wacholderheiden an der Langen Halde, am Weinberg und auf der Oberburg.

Essingen liegt am Nordrand des Albuchs und zählt zu den flächenmäßig größeren Gemeinden im Ostalbkreis. Auch hier am Rande der Schwäbischen Alb führte der Rückgang der Schafzucht zu Veränderungen in der Kulturlandschaft. Die typischen Wacholderheiden verwilderten fast unmerklich und der angrenzende Wald ging daran, sich die jahrhundertealte Kulturlandschaft zurückzuholen. In Essingen war dieser Übergriff besonders deutlich an der Langen Halde zu sehen.

Eine Handvoll Essinger Bürger erkannten den drohenden Verlust und sann auf Abhilfe. Sie gründeten 1990 die Naturschutzgruppe Essingen. Die Wacholderheiden an der Langen Halde, der Oberburg, dem Weinberg und die Streuwiesen an Ersbach und Donnersberg werden seit nunmehr zwanzig Jahren regelmäßig mit Freischneider und Motorsäge von übermäßigem Bewuchs frei gehalten. Zusätzlich gelang es, mit Landwirten und der Realgemeinschaft Pflegeverträge für diese Flächen abzuschließen.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern