Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2009

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2009

Historisches erhalten, wirtschaftlich und zukunftsfähig machen!

Schafe auf der Weide

Wer sich in Württemberg, Hohenzollern und den angrenzenden Regionen um den Erhalt von Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Trockenmauern und anderen landschaftsprägenden Elementen verdient macht, kann einen Preis erhalten - den Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes und des SparkassenVerbandes Baden-Württemberg. In diesem Jahr wurden sieben Privatpersonen, Vereine, Initiativen und Landwirte ausgezeichnet. Ein Sonderpreis belohnt zusätzlich Aktivitäten, bei denen Kleindenkmale wieder hergerichtet wurden. Für den zum 19. Mal ausgeschriebenen Preis stehen nun die Träger des Hauptpreises sowie des Sonderpreises Kleindenkmale fest. Belohnt werden die Gewinner des Kulturlandschaftspreises mit einem Preisgeld von insgesamt 12.500 Euro, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt.

Gemeinsam ist allen Preisträgern des Jahres 2009 die langfristige Perspektive: Kurzlebiger Aktionismus bringt im Landschaftsschutz gar nichts, sagt der Vorsitzende des Preisgerichts, Dr. Volker Kracht.Nur wer sich Jahr für Jahr kümmert und immer wieder aufkommendes Gehölz zurückdrängt, eingefallene Weinbergmauern repariert oder Wiesen regelmäßig tier- und pflanzenschonend mäht, erreicht etwas, so der Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege am Regierungspräsidium Tübingen. Dass dabei neben menschlicher Arbeitskraft auch vierbeinige Helfer mit Migrationshintergrund zum Einsatz kommen, passt ins Bild. So beweiden im Heckengäu südwestlich von Stuttgart Schwarznasenschafe und Schwarzhalsziegen aus dem Wallis und ursprünglich aus Südafrika stammende Dorperschafe 30 Hektar Streuobstwiesen und Wacholderheiden. Und im Pfrunger-Burgweiler Ried bei Wilhelmsdorf setzen schottische Highland- und Galloway-Rinder das Gras nasser Moorweiden in schmackhaftes Fleisch um. Auch die Vermarktung solcher Produkte und die Öffentlichkeitsarbeit sind der Jury einen Preis wert, denn nur mit öffentlichem Interesse und dem Genuss von Streuobstapfelsaft und Co. stimmt auch die finanzielle Seite der Initiativen.

Feierstunde in Bad Wurzach

Die Verleihung der Preise fand statt am Freitag, 23. Oktober 2009 im Kurhaus in Bad Wurzach in Anwesenheit von Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, und Sparkassenpräsident Peter Schneider.

Sonderpreis Kleindenkmale

Im Rahmen des Sonderpreis Kleindenkmale, der in diesem Jahr zum zehnten Mal ausgelobt war, wurden drei Bewerbungen von der Jury zum Preisträger erkoren.

Die Preisträger 2009

Bürger von Niklashausen

Kontakt: Frau Marliese Düx, Bergstraße 18, 97956 Werbach-Niklashausen

Sanierungsmaßnahmen Nicklashauser Bürger. Wiederherstellung von 350 lfd. Meter Trockenmauern am Bergpfad nach Höhefeld. Entbuschung des Steilhanges und Aufbau der Trockenmauern um die Beghardenhöhle. Entbuschung dreier verwachsener Wege auf den Mühlberg und den Hallenberg, Aufrichten der Trockenmauern.

eine Mauer wird repariert

Trockenmauern wurden wieder aufgebaut und Wege freigemacht.

Am Rand des Taubertales gelegen, ist Niklashausen, heute Ortsteil von Werbach, geprägt von den umgebenden Berghöhen, die mit ihren terrassierten Hängen von einer Vergangenheit erzählen, in denen hier Wein angebaut wurde. Das ist lange her, seit den 1930er Jahren gibt es keinen Wengert mehr in Niklashausen. Doch auch der Streuobstbau, der dem Wein folgte, ist heute in solchen, mühsam zu bewirtschaftenden Hanglagen nur noch etwas für wirkliche Liebhaber. So sind große Teile der Berghänge über Jahrzehnte verbuscht und die zahlreichen Trockenmauern langsam, aber stetig verfallen. Und mit der Nutzung dieser Landschaft ging auch ihre Bedeutung als Lebensraum verloren, Lebensraum nämlich einer artenreichen Tier- und Pflanzenwelt, die an den vom Klima begünstigten Hängen des Taubertales zuhause ist.

Dass sich das Bild ihrer Heimat so änderte und die ihnen vertraute Kulturlandschaft verloren ging und die Wege zuwucherten - damit wollten die Bürger von Niklashausen nicht leben. Ortsvorsteherin Marlise Düx ergriff die Initiative. Unter ihrer Anleitung griffen die Niklashäuser Männer 2003 zum ersten Mal zu Motorsäge, Schaufel und schwerem Gerät, um diese Entwicklung aufzuhalten und umzukehren. Sie öffneten den Bergpfad nach Höhefeld, machten ihn wieder begehbar und richteten auch die Trockenmauern, die ihn säumen.

Der große Erfolg dieser ersten Aktion, das Erlebnis, diesen historischen Weg wieder gehen und den herrlichen Blick über das Taubertal genießen zu können, war Ansporn dazu, dass die Aktion in den darauffolgenden Jahren fortgesetzt wurde. Unterstützt vom Landratsamt ebenso wie vom Landschaftspflegeverband haben die Niklashäuser seitdem den Mühlberg entbuscht, viele hundert Meter Trockenmauern kunstvoll erneut aufgesetzt und mit dem restaurierten Wegenetz diese herrliche Landschaft für Spaziergänger und Wanderer wieder geöffnet.

ein Höhlenzugang

Die Beghardenhöhle - ehemals eine Einsiedelei.

Auch wieder zugänglich gemacht und restauriert haben sie dabei die sogenannte Begahardenhöhle, um die sich Niklashäuser Legenden und Geschichten ranken. Sie soll im 15. Jahrhundert eine Einsiedelei gewesen sein, in der jener Mönch lebte, der vielleicht der geistliche Quell für die Predigten war, mit der Hans Böhm, der berühmte Pfeifer von Niklashausen, der Pfeiferhannes, zuerst die Niklashäuser Wallfahrt initiierte und dann am 19. Juli 1476.auf dem Scheiterhaufen endete. Heute lädt die Höhle ein, in ihrem Eingangsbereich zu rasten und den Blick über die herrliche Kulturlandschaft schweifen zu lassen, die ohne den großen Einsatz der Niklashäuser in den vergangenen 7 Jahren nicht mehr vorhanden wäre.

Interessengemeinschaft Streuobst Kernen e.V.

Alter Postplatz 10, 71332 Waiblingen

Erhalt des landschaftsprägenden Streuobstbaus in der Modellgemeinde Kernen in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Kernen und dem Landratsamt Rems-Murr.

Schafe unter blühenden Obstbäumen

Schafhaltung im Streuobstgebiet.

In Kernen ist es nicht anders als an vielen Orten im Land, deren Landschaft herkömmlich von hochstämmigen Obstbäumen, eben vom Streuobst geprägt ist. Streuobstwiesen geben der Gemeinde einen grünen Rahmen, binden Gewerbegebiete und Straßen optisch ein, sind Naherholungsraum für die hier lebenden Menschen und sichern dazu noch Lebensraum für eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt - Kulturlandschaft im besten Sinne. Aber auch in Kernen gilt: Streuobstwiesen müssen bewirtschaftet werden, sollen sie erhalten bleiben! Und bewirtschaftet werden sie nur, wenn die Nutzung sich auch lohnt. In der Konkurrenz zu modernen, wirtschaftlich geführten Obstplantagen aber ist das schwierig geworden. Die vielen schlecht gepflegten und lückigen Streuobstbestände im Land legen Zeugnis von dieser Problematik ab.

In Kernen hat man einen strategischen Weg zur Lösung des Problems beschritten. Aus ersten Aktionen engagierter Bürger heraus wuchs die Erkenntnis, dass für die Erhaltung ihrer örtlichen Kulturlandschaft ein flächendeckender Ansatz mit gesamtgesellschaftlichem Engagement gefordert ist, bei dem möglichst viele Beteiligte aus Kommune, Behörden und privaten Initiativen zusammenarbeiten. Und um den zu entwickeln, haben sie einen professionellen und erfahrenen Organisationsentwickler damit beauftragt, über eine Zukunftswerkstatt solche Beteiligte zu suchen, zu motivieren und mit ihnen gemeinsam die Strategie und ein Maßnahmenpaket zu formulieren. Die Vorschläge, die von den Teilnehmern an dieser Zukunftswerkstatt zusammengetragen wurden, mündeten in die Gründung der Interessengemeinschaft Streuobst im April 2008.

Mann mäht Wiese

Mit Maschinen-Einsatz wird man der Verbuschung Herr.

Diese IG Streuobst setzt seitdem mit breiter Unterstützung von Bürgern, Behörden und Gemeinde das Bündel von Maßnahmen um. Das reicht von der Beschaffung und Verwaltung eines professionellen Maschinenparks gemeinsam mit der Gemeinde, der Bildung von Bewirtschaftungsgemeinschaften von Grundstückseignern gemeinsam mit dem Amt für Flurneuordnung bis hin zu Pflanz- und Apfelsaftaktionen, der Organisation eines Streuobsttages und einer Fachtagung Baumschnittkursen bis hin zu einer ausgezeichneten Öffentlichkeitsarbeit für die Ziele der IG Streuobst.

Schüler des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Weil der Stadt

Frau Tina Hahl, Max-Caspar-Straße 47, 71263 Weil der Stadt

Freilegung einer Trockenmauer, Entbuschung und Pflege von Streuobstwiesen. Pflanzung von Obstbäumen, Nisthilfen, Bienenstöcke.

Jugendliche an einem Baum

Eine mardersichere Niströhre für den Steinkauz wird angebracht.

Wenn eine Schule über bald zehn Jahre eine alle Klassenstufen übergreifende Arbeitsgemeinschaft unterhält, die sich - mit im Laufe der Jahre wechselnden Mitgliedern - ganzjährig der Erhaltung der örtlichen Kulturlandschaft widmet, dann ist das wirklich ein besonderes Beispiel für die Umsetzung der UN-Dekade Bildung für nachhaltige Entwicklung. Das Beispiel liefern die Aktiven der Artenschutz-AG des Johannes-Kepler-Gymnasiums in Weil der Stadt. Dahinter steckt mit Frau Tina Hahl natürlich jemand, die für die Nachhaltigkeit dieses Projekt steht. Sie ist verantwortlich dafür, dass Jahr für Jahr erneut Schüler sich für die Arbeitsgemeinschaft engagieren und mitmachen.

Beeindruckend ist die Vielfalt der Aufgaben, denen sich die AG seit 2001 gewidmet hat: Auf 400 ar Baumwiesen üben sich die Schüler aller Jahrgangsstufen als Obstbauern im Rahmen von Pflegepatenschaften. Vom Bäumeschneiden, Mähen, Entbuschen bis zum Keltern von Apfelsaft reichen die Aktivitäten. Aber die Schüler sind auch dabei, wenn es darum geht, in einem Naturschutzgebiet im Heckengäu überwachsene Trockenmauern wieder freizustellen, Nistkästen zu betreuen oder ein Bienenprojekt in den Streuobstwiesen zu entwickeln, mit all seinen Verästelungen zum Wohl der Kulturlandschaft - von der Bestäubung der Blüten bis zur Produktion von Honig und Bienenwachskerzen.

Dass all dies begleitet wird von entsprechender inhaltlicher Aufarbeitung im Unterricht und dem Erlernen sozialer Kompetenzen in der Zusammenarbeit mit Behörden, kommunalen Entscheidungsträgern, Landwirten und anderen Akteuren, macht dieses langjährige Projekt so beispielhaft. So werden, wie es den Zielen der UN-Dekade entspricht, bei all diesen Projekten sowohl Kulturlandschaft und die Natur aktiv gefördert, als auch gleichzeitig bei den Schülern das Verständnis für die komplizierten Zusammenhänge in dem großen Ökosystem vorangebracht, in dem sie und wir leben.

Die Auszeichung mit dem Kulturlandschaftspreis 2009 schließt ausdrücklich all die Schüler ein, die in den vergangenen Jahren dabei waren, die Schule aber inzwischen verlassen haben.

Krüger Landschaftspflege in Grafenau-Döffingen

Mühlgasse 2, 71120 Grafenau

Beweidung von über 30 ha Wacholderheiden und Streuobstwiesen im Heckengäu mit Schwarznasenschafen, Dorper Schafen und Schwarzhalsziegen. Vermarktung der Produkte.

Ziegenherde

Schwarzhalsziegen sind wirkliche Schönheiten, aber auch besonders effektiv in der Landschaftspflege einzusetzen.

Eine Wacholderheide in schlechtem Zustand war der Auslöser. Seit Jahren nicht mehr gepflegt, verfilzt und von Büschen überwuchert, erschien das Naturdenkmal Mühlberg bei Grafenau-Döffingen genau das richtige Objekt zu sein, um den schon länger gehegten Traum von Sabine und Karl-Heinz Krüger zu verwirklichen: Ziegen züchten und sich mit ihnen in der Landschaftspflege engagieren, das war eine Vision, die bei den Krügers während ihres langjährigen Einsatzes im Naturschutz immer konkreter Gestalt angenommen hatte. Im Jahr 2000 dann setzten sie ihre Vision um. Mit vier Walliser Schwarzhalsziegen fingen sie an. Diese robusten, langhaarigen und gehörten Tiere sind in ihrer schweizerischen Heimat weit verbreitet und werden dort zur Alppflege eingesetzt. Sie sind hervorragend an karge Berglandschaften und an den ganzjährigen Aufenthalt im Freien angepasst - genau das also, was die Krügers brauchten.

Heute ist die Zahl der Ziegen im Betrieb Krüger auf über 30 Elterntiere angewachsen. Zusammen mit ebenfalls aus dem Walliser Bergland stammenden Schwarznasenschafen und ihren speziell an trockene Weidelandschaften angepasste Dorperschafe kann die Firma Krüger - Landschaftspflege sich mit über 100 Elterntieren und deren Lämmern und Zicklein in die Pflege der Kulturlandschaft des Heckengäus einbringen.

Mehr als 20 Hektar Streuobstwiesen und Heideflächen in Naturschutzgebieten und Naturdenkmalen werden von Krügers als Partner von Kommune, Bürgern und Naturschutzverwaltung beweidet, ein Beitrag zur Landschaftserhaltung, der aus dem hochindustrialisierten Ballungsraum westlich von Böblingen und Sindelfingen nicht mehr weg zu denken ist.

Mann an einem Verkaufsstand

Die Produkte werden auf dem Bauernmarkt verkauft.

Erstpflege, Nachbeweidung, Heckenpflege - mit individuell angepassten Pflegekonzeptionen kann Familie Krüger auch speziellen Anforderungen gerecht werden. Lange schon arbeiten die beiden erwachsenen Kinder auf dem Hof mit. Den zu einem Lernbauernhof auszubauen, gehört zu den weitreichenden Plänen, die Familie Krüger für die Zukunft hat: Schon heute vermarkten sie ihr Zickleinfleisch auf dem örtlichen Bauernmarkt. Sie bieten Besuche im Ziegenstall und Wanderungen unter dem Titel: Mit den Ziegen unterwegs zur Ziegenweide ebenso an wie etwa die Möglichkeit für Schulklassen, in der Landschaftspflege mitzuarbeiten.

Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe Gerstetten

Herrn Walter Nagel, Schwalbenweg 7, 89547 Gerstetten

Pflege von Wacholderheiden: Im Paradies, am Kahberg und auf dem Hohberg bei Heuchstetten, am Galgenberg, in der Erpfenhauser Heide und an der Steighalde bei Rüblingen. Säuberung einer Hülbe im Greuthhau. Heckenpflege.

Ein Teich im Wald

In Zeiten der Waldweide einst als Viehtränke angelegt, sind Hülben heute als Feuchtlebensraum auf der Alb interessant.

Das Bild der Landschaft rund um Gerstetten ist geprägt von Heiden. Dass die Wanderschäferei, die diese Wacholderheiden einst geschaffen hatte, stark zurückgegangen war, ließ sich am Zustand vieler Heiden ablesen, als die Mitglieder des Albvereines im Jahr 2000 für diese Heideflächen aktiv wurden. In zahlreichen Arbeitseinsätzen - gemeinsam mit dem Naturschutzbund Gerstetten - sorgten sie mit Motorsäge, Maschinen, vor allem aber mit der Hand am Arm dafür, dass die Heiden an der Rüblinger Steighalde, am Galgenberg, rund um Heuchstetten und in Erpfenhausen wieder Luft bekamen.

Sie rodeten Büsche und Bäume, machten schon zugewachsene Flächen wieder zugänglich für Sonne und Luft und haben nun auf diese Weise wieder Lebensraum für die ganz spezielle Lebewelt der Heiden auf der Schwäbischen Alb geschaffen.

Doch es sind nicht nur die Wacholderheiden als Aushängeschild von Gerstetten, dem sich die Aktiven Jahr für Jahr widmen. Schon seit langen Jahren kümmern sie sich auch behutsam um andere Elemente ihrer Kulturlandschaft. Sie bewahren eine Hülbe, als Viehtränke einst angelegt in der Zeit der Waldweide davor, zu verlanden. Heute haben solche Zeugen einer alten Landnutzungsform Bedeutung als Rückzugsraum von Molchen und anderen Amphibien auf der sonst eher trockenen Albhochfläche.

Männer am Tisch prosten sich zu

Gerstettener Albvereinler bei einer Mostprobe.

Heckenpflege gehört ebenso zum Arbeitsprogramm der Albvereinler, wie Baumpflanzaktionen und ein jährlicher Wettbewerb um den besten Most im Ort - eine Werbeaktion für den Streuobstbau, die andere Nutzungsform, die das Gesicht der Landschaft um Gerstetten prägt. Die Wahl einer Mostkönigin oder eines Mostkönigs schafft dieser Veranstaltung dann so richtig öffentliche Aufmerksamkeit und Publizität.


Kultur- und Heimatpflegeverein Wurzen e.V. in Bad Wurzach

Herr Norbert Vollmer, Elsterweg 4, 88410 Bad Wurzach

Bau und Trägerschaft des Torfmuseums Bad Wurzach. Lehrpfad, Torfbahn und Umbau des Torfschuppens in ein Museum.

Menschen auf einer Kleinbahn

Fahrt durchs Ried mit der historischen Torfbahn.

Das Wurzacher Ried - größtes intaktes Hochmoor Mitteleuropas - als Rest einstiger Urlandschaft, als Wildnis in Oberschwaben und Lebensraum vielfältiger Pflanzen- und Tierarten - das ist das Bild, das wohl die Meisten von der ausgedehnten Moorlandschaft am Tor zum Allgäu haben, Beispiel für Natur pur, ohne Einfluss des Menschen. Und doch gibt es wahrscheinlich nicht viele Bereiche im Ried, in die der Mensch während der letzten Jahrhunderte nicht schon einmal eingegriffen hat, die er genutzt und bewirtschaftet hat.

Von der Streuwiesen- und Weidenutzung bis zum Streurechen im Wald, vom Holzeinschlag über den Anstau der Bäche für Weiherwirtschaft und Mühlenbetrieb bis zu Fischzucht reicht die Palette. Diejenige Nutzung aber, die das Ried wohl am stärksten beeinflusst hat, ist die Torfnutzung, der Abbau des Moores selbst zu Brenntorf, Gartenerde oder Badetorf seit dem 18. Jahrhundert. Diese Nutzung hatte erhebliche wirtschaftliche Bedeutung für die Wurzacher und die Menschen rund um das Ried, war Lebensgrundlage vieler Familien vom industriellen Abbau als Brenntorf bis zum Einsatz des Torfes für Moorbad und Kurbetrieb. Der Torfabbau hat auf großen Flächen das Gesicht des Wurzacher Riedes radikal verändert und neu geprägt, hat zu ganz gravierenden ökologischen Veränderungen - von der Biodiversität bis zum lokalen Klima - geführt und hat mit der sogenannten Torfstecherkultur die sozialen Strukturen und Entwicklungen rund um das Ried beeinflusst.

großer Holzschuppen

Das Torfmuseum war einst ein Torflagerschuppen.

Die Mitglieder des Wurzacher Heimatverein Wurzen haben sich sehr vorausschauend schon seit langen Jahren dafür engagiert, Zeugnisse dieser Geschichte zu sammeln, im Ried noch vorhandene Reste der Abbaugeschichte - von den Gebäuden der Torfwerke bis zur Torfbahn zu sichern, und mit den Zuständigen in der Verwaltung auszuloten, welche Möglichkeiten es gibt, dieses Stück Wirtschaftsgeschichte und Kulturlandschaft zu präsentieren.

Die Konzeption, die der Heimatverein in Zusammenarbeit mit Fachleuten entwickelt hat, wurde seither Schritt für Schritt umgesetzt. Als erstes entstand der Torflehrpfad entlang von Originalabbauflächen im Ried. Ein wichtiger Schritt war die Restaurierung der Torfbahn als Besucher- und Museumsbahn. Dadurch ist es möglich geworden, 16.000 (!) Besucher im Jahr 2008 das Wurzacher Ried hautnah erleben zu lassen, ohne dass die Naturschutzbelange dieser europaweit bedeutsamen Moorlandschaft dadurch beeinträchtigt werden. Und schließlich haben sie den ehemaligen Torfschuppen des Zeilīschen Torfwerkes zu einem Oberschwäbischen Torfmuseum umgebaut, in dem ein wichtiges Stück Wirtschaftsgeschichte an den ökologischen, ökonomischen und sozialen Facetten dieser bedeutenden Natur- und Kulturlandschaft gespiegelt und präsentiert wird.

Vermarktungsinitiative "Genuss vom Pfrunger-Burgweiler Ried" in Wilhelmsdorf

Frau Sabine Behr, Höhreute 10, 88271 Wilhelmsdorf

Die Initiative ist ein Zusammenschluss von sieben Landwirten. Einsatz von Robustrindern zur Landschaftspflege im Pfrunger-Burgweiler Ried auf einer Fläche von 140 ha. Vermarktung der Produkte.

Grafik mit einem Rind

Das Logo der Initiative.

Das Pfrunger Ried als eine der großen Moorlandschaften Südwestdeutschlands hat in seiner Vergangenheit viele Kultivierungsversuche mit Entwässerung, Torfabbau und Intensivierung über sich ergehen lassen müssen. Seit vielen Jahrzehnten schon bemüht sich der Naturschutz mit Grunderwerb und nachfolgenden Maßnahmen darum, die Wunden zu schließen, wo es möglich ist, zu heilen und dieser doch immer noch großartigen Landschaft eine moorgemäße Entwicklung zu ermöglichen. Mit seinem Naturschutzzentrum in Wilhelmsdorf und der Beteiligung an der Trägerschaft für das Naturschutzgroßprojekt "Pfrunger-Burgweiler Ried" hat der Schwäbische Heimatbund einen wichtigen Anteil an diesen Bemühungen.

Eine ausgedehnte Niedermoorzone - vor wenigen Jahren noch intensive Güllewiesen - soll in wiedervernässtem Zustand einer extensiven, ganzjährigen Beweidung zugeführt werden. Sich darauf einzulassen, ohne wirklich zu wissen, wie sich diese Moorwiesen nach der Wiedervernässung entwickeln werden, da muss man erst mal Landwirte finden, die so etwas tun!

Sieben Landwirte, alle hier aufgewachsen und mit dem Moor vertraut, haben sich auf das Wagnis eingelassen - jeder mit dem Vieh, was ihm besonders interessant oder besonders geeignet dafür erschien. Und so weiden heute auf annähernd 150 ha Galloways, Scottish Highlands, Heckrinder - Nachzüchtungen der ausgestorbenen Auerochsen - Limousin und Pinzgauer, die dort ganzjährig jeweils im natürlichen Herdenverband leben und dafür sorgen, dass die Naturschutzziele in dieser Landschaft erreicht werden. Und das kann man sehen! Struktur- und artenreiche Feuchtweiden mit eingestreuten und angrenzenden Waldbereichen bieten Lebensraum für zahllose Insekten, für Weißstorch, Bekassine und Wiesenbrüter.

Ein Mann verkauft Wurstwaren an seinem Stand

Pfiffige Produkte werden von pfiffigen Produzenten verkauft.

Eine gute Lösung für die weitere Entwicklung dieser Landschaft, bei der landwirtschaftliche und Naturschutzziele zusammengehen! Aber funktionieren können solche Ansätze zur Sicherung extensiver Kulturlandschaften nur, wenn sie auch wirtschaftlich sind. So etwas steht und fällt mit der Vermarktung. Extensive Haltung heißt: weniger Fleischertrag als in herkömmlicher Haltung bei trotzdem hohen Kosten. Wirtschaftlich kann das nur werden, wenn entsprechend höhere Preise erzielt werden können. Gemeinsam sind die Landwirte den Weg einer eigenen Vermarktungsinitiative gegangen. Sie haben mit der Agraringenieurin Sabine Behr eine Fachfrau eingestellt, die dieser Initiative ein Gesicht gibt.

Mit viel Geschick und Gefühl für ihre potentielle Kundschaft haben sie eine eigene Marke kreiert und mit einer beeindruckenden Öffentlichkeitsarbeit in einem Markt platziert, den sie sich selbst geschaffen haben. Dazu gehört beispielsweise ein Riedweidetag mit Angeboten rund um die Weiden für Familien, Erholungssuchende und Besucher, der überregional Interesse gefunden hat und nun regelmäßig stattfinden soll. Dazu gehört eine Produktwerbung, die den Natur- und Kulturlandschaftsnutzen der Beweidung in den Mittelpunkt stellt, gehört eine pfiffige Produktpalette mit Geschenkkörben, Weihnachtsgeschenken, Rezeptbüchern zu den verkauften Fleischpaketen etc. etc. Aber auch Schulklassenprojekte zum Thema Beweidung, eine intensive Öffentlichkeitsarbeit mit Infomaterial, Zeitungsartikeln und Vorträgen gehören dazu.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern