Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2008

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2008

Gemeinsam die Kulturlandschaft bewahren!

Schafe auf der Weide

Wer sich in Württemberg, Hohenzollern und den angrenzenden Regionen um den Erhalt von Streuobstwiesen, Wacholderheiden, Trockenmauern und anderen landschaftsprägenden Elementen verdient macht, kann einen Preis erhalten - den Kulturlandschaftspreis des Schwäbischen Heimatbundes und des SparkassenVerbandes Baden-Württemberg. In diesem Jahr wurden sieben Privatpersonen, Vereine, Initiativen und Landwirte ausgezeichnet. Ein Sonderpreis belohnt zusätzlich Aktivitäten, bei denen Kleindenkmale wieder hergerichtet wurden. Für den zum 18. Mal ausgeschriebenen Preis stehen nun die Träger des Hauptpreises sowie des Sonderpreises Kleindenkmale fest. Belohnt werden die Gewinner des Kulturlandschaftspreises mit einem Preisgeld von insgesamt 12.500 Euro, das die Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung stellt.

Die Arbeit in und mit unserer Kulturlandschaft hat eine enorme identitätsstiftende Wirkung, nicht nur für die direkt Beteiligten in Vereinen und Initiativen. Von dem ausgezeichneten Engagement profitieren alle Bürger eines Ortes oder einer Region, denn es macht unsere Heimat unverwechselbar, sagte der Vorsitzende der Jury, Dr. Volker Kracht, bei der Vorstellung der Preisträger. So haben sich allein vier der sieben Preisträger über Jahre hinweg um Streuobstwiesen verdient gemacht. Mit Baumpflanzaktionen und Schnittkursen für Stücklesbesitzer boten sie der fortschreitenden Verbuschung Einhalt und sorgten mit der Vermarktung von Apfelsaft und Most sowohl für die Refinanzierung als auch für die Präsentation in der Öffentlichkeit. Ein gutes Beispiel für die Verknüpfung ökologischer und sozialer Aspekte ist die Arbeit des Berufsbildungswerks Waiblingen. Jugendliche in der Berufsvorbereitung und Auszubildende bewirtschaften seit 2000 gemeinsam einen Steillagenweinberg im Gebiet Haufler. Und dass die Limburg, der markante Hausberg von Weilheim an der Teck, weithin sichtbar wieder stolz ihr blankes Haupt erhebt, ist einer Arbeitsgemeinschaft mehrere Weilheimer Vereine zu verdanken, die die Kuppe seit drei Jahrzehnten von aufkommendem Bewuchs befreien.

Feierstunde in Weilheim/Teck

Die Verleihung der Preise fand statt am 23. Oktober 2008 in Weilheim/Teck in Anwesenheit von Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, und Sparkassenpräsident Peter Schneider.

Sonderpreis Kleindenkmale

Im Rahmen des Sonderpreis Kleindenkmale, der in diesem Jahr zum neunten Mal ausgelobt war, wurden drei Bewerbungen von der Jury zum Preisträger erkoren.

Die Preisträger 2008

Berufsbildungswerk Waiblingen

Herrn Rainer Gaag, Steinbeisstraße 16, 71332 Waiblingen

Bewirtschaftung eines Steillagenweinberges im Gebiet "Haufler" mit Jugendlichen in der Berufsvorbereitung und Auszubildenden. Seit 2000.

Mann ewrklärt Jugendlichem, wie im Weinberg gearbeitet wird.

Der korrekte Umgang mit Rebschere und Messer muss gelernt sein.

Das Berufsbildungswerk Waiblingen betreut Jugendliche in der Berufsvorbereitung und Auszubildende. Seit dem Jahr 2000 bewirtschaften die angehenden Landschaftsgärtner einen Weinberg der bis 1918 den Württembergischen Herzögen und Königen gehörte. In den Steillagenweinbergen im Hauffler wächst einer der vorzüglichsten Weine des Remstals. Trotzdem zogen nach und nach viele Wengerter Arbeitsangebote der aufkommenden Industrie dem harten Broterwerb am Hang der Rems vor. Viele Weinberge wurden nur noch nebenbei bewirtschaftet und fielen nach und nach brach. Die beeindruckende Kulturlandschaft des Remstals drohte vollends unter einem grünen Dickicht zu verschwinden. Seit dem Jahre 1995 bemühte sich die Stadt Waiblingen, einen Teil der ehemaligen Mäuerlesweinberge neu anzulegen und zu bewirtschaften. Diese Rebflächen übernahm fünf Jahre später das Berufsbildungswerk. Die Arbeit der Jugendlichen im Weinberg verbindet die pädagogisch wertvolle Arbeit unter realen Bedingungen mit dem Erhalt der Kulturlandschaft.

AG Streuobstwiesen Steinheim e.V.

Frau Regina Traub, Benzstraße 28, 71711 Steinheim

Pflege der Streuobstwiesen auf der Gemarkung Steinheim. Unterstützung einer Jungbaumaktion und Schnittkursangebote. Vermarktung von Apfelsaft. Seit 1996.

Äpfel werden in Säcke verpackt

Für den besten Apfelsaft packen alle mit an.

Streuobstwiesen prägen weite Teile Württembergs. Aber auch diese Form der Kulturlandschaft ist gefährdet. Geringe Obstpreise für die anstrengende körperliche Arbeit entmutigten lange Jahre manchen Eigentümer. Die Baumbestände überalterten und mangels Pflege verbuschten viele Grundstücke. Die Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen Steinheim e.V. hat sich zur Aufgabe gemacht, dieser Entwicklung entgegenzutreten. Ihre Vertragspartner verpflichten sich zu einer fachgerechten Wiesenpflege und erhalten dafür eine höhere Vergütung für das angelieferte Obst. Der hochwertige Apfelsaft wird von der Arbeitsgemeinschaft erfolgreich vermarktet. Schnittkurse sowie Nach- und Neupflanzaktionen erhalten und ergänzen diesen Teil unserer traditionellen Kulturlandschaft.

Förderverein für Landschaftspflege und Weidenutzung e.V. und Weidegemeinschaft Rexingen GbR

Herrn Jürgen Schmitt, Bergstraße 15, 72160 Horb-Rexingen

Vielfältige Maßnahmen zur Öffnung der verbuschten Landschaft. Bewirtschaftung und Pflege von 16 ha Grünland. Einsatz von 200 Ziegen und Heidschnucken. Pflanzaktion Streuobstbäume. Vermarktung der Produkte.

Ziegen knabbern an Bäumen

Landschaftspflege durch Mensch und Tier.

Rexingen hat 1300 Einwohner und ist Teilort von Horb am Neckar. Die Ortschaft liegt in einem Talkessel mit steilen Hängen. Früher umgaben weites Weideland und Wiesen das bäuerlich geprägte Dorf. Im Zuge des Strukturwandels in der Landwirtschaft erreichte eine bedenkliche Entwicklung im Jahr 2002 ihren Höhepunkt: der letzte Landwirt im Ort zog sein Vieh ab und beendete damit die traditionelle, über Jahrhunderte gepflegte Weidewirtschaft in Rexingen. Schon in den vorausgegangenen Jahrzehnten hatten sich die einstigen Wiesen des Talkessels durch Aufforstung und die Vernachlässigung vieler Grundstücke zu einer Wald- und Buschlandschaft verändert. Die Bürgerinnen und Bürger Rexingens sannen nach Abhilfe. Eine mechanische Landschaftspflege schlossen sie aus Kostengründen aus. Als Lösung bot sich die Beweidung mit Schafen und Ziegen an. Diesen Vorschlag nahm der Ortschaftsrat auf. Daraufhin wurden die Feld-Wald-Grenzen behördlich erfasst und die Beweidungsflächen festgelegt. Mit den Gründungen des Fördervereins Landschaftspflege und Weidenutzung und der Weidegemeinschaft Rexingen schufen die Bewohner Rexingens eine Grundlage, die eine Kulturlandschaft mit mehr Licht und Luft gewähren soll. Seither bringen 200 Ziegen und Heidschnucken sichtbar neues Licht in das Rexinger Tal.

Schwäbischer Albverein - Ortsgruppe Rietheim

Herrn Egon Steudle, Sonnenhaldestr. 11, 72525 Münsingen

Bau einer Mosterei unter der Regie der Ortsgruppe, Baumschnittkurse, Baumpflanzaktionen.

blühende Baumwiesen

Streuobstwiesen sind ein wichtiger Faktor in unserer Kulturlandschaft - nicht nur in der Vergangenheit!

Rietheim liegt auf der Schwäbischen Alb und ist ein Ortsteil von Münsingen. Umrahmt ist der Ort von einem Obstgürtel mit schätzungsweise 4.000 Apfel-, Birn-, Kirsch- und Zwetschgenbäumen. Die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins hat es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Kulturgut zu erhalten. Jährliche Pflanzaktionen und Schnittkurse gewähren einen gesunden Bestand und verhindern die Vergreisung der Bäume. Eine weitere Voraussetzung, den grünen Rahmen Rietheims nicht zu verlieren, ist natürlich die Verwertung des reichlichen Obstes. Bei jährlich 85.000 Litern Saft lohnt sich eine eigene Mosterei. Allerdings war die bestehende private Saftpresse bereits in die Jahre gekommen. Die Stadtverwaltung, der Eigentümer der Mosterei und die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins setzten sich zusammen und einigten sich auf einen Neubau. Unter der Federführung des Albvereins wurde der Neubau der Mosterei umgesetzt und konnte im Jahr 2003 feierlich in Betrieb genommen werden. So können die Früchte der Arbeit in und an der Natur in Rietheim weiterhin verflüssigt, platzsparend gelagert und bis zur neuen Ernte genossen werden.

Vereinsgemeinschaft Weilheimer Vereine und DAV-Sektion Schwaben

Herrn Nußbaumer, Rathaus - Marktplatz 6, 73235 Weilheim a.d.Teck

Pflege der Kuppe der Limburg seit 3 Jahrzehnten und des Naturschutzgebietes "Roter Wasen".

Menschen rechen Buschwerk zusammen

Seit 12 Jahren kümmern sich freiwillige Helfer darum, den Standort für geschützte Pflanzen und Tiere zu erhalten.

Südlich von Weilheim an der Teck erhebt sich die Limburg, der Hausberg der Zähringerstadt. Markant ist ihre kahle Kuppe, deren Magerrasen früher durch Schafe kurz gehalten wurde. Aber auch hier, am Rande der Schwäbischen Alb, machte sich der Rückzug der Schäferei bemerkbar. Der Baumbestand vergrößerte sich und Buschwerk breitete sich dazwischen aus. Die natürliche Sukzession nahm ihren Lauf. Diese Veränderung an ihrer Südflanke wollte die Weilheimer Bürgerschaft nicht hinnehmen, und gründete deshalb die Vereinsgemeinschaft Weilheimer Vereine. Dieser Zusammenschluss verschafft nun schon seit drei Jahrzehnten ihrem Hausberg seine gewohnte Erscheinung. Östlich der Limburg, an der Straße nach Gruibingen, liegt das Naturschutzgebiet Roter Wasen. Auf der Suche nach einer geeigneten Pflegefläche wurden Mitglieder des Deutschen Alpenvereins, Sektion Schwaben auf dieses Gebiet aufmerksam. Seit nunmehr zwölf Jahren kümmern sich ihre freiwilligen Helfer um die Erhaltung dieses Standortes geschützter Pflanzen und Tiere.

Schäferei Erwin Württemberger

Hauptstraße 9, 74248 Ellhofen

Beweidung der Heilbronner Waldheide und im Weinsberger Tal mit 360 Merino-Mutterschafen. Bewirtschaftung von 80 ha Grünland und 10 ha Streuobstwiesen.

Schäfer mit Hund und Herde

Erwin Württemberger mit seinen Landschaftspflegern auf der Heilbronner Waldheide.

Die Weidegründe der Schäferei Württemberger liegen vorwiegend in Landschaftsschutz- und Naturschutzgebieten der Gemarkungen Heilbronn, Weinsberg und Ellhofen. Eine besondere Aufgabe fiel ihr im Jahre 1990 mit der Pflege der Heilbronner Waldheide zu, die nach dem Ende der militärischen Nutzung durch die US Armee nun wieder fest im Biss von 360 Mutterschafen ist. Als Behausung dient den Tieren ein ehemaliger Hubschrauberhangar. Auch auf 10 ha Streuobstwiesen erweisen sich die Tiere als gute Landschaftspfleger. Zusätzlich bewirtschaftet die Schäferei Württemberger zur Futtergewinnung für die Herde noch 80 Hektar Grünland. Das Lammfleisch wird in einem Hofladen in küchenfertigen Stücken angeboten und gelangt über die gehobene Gastronomie direkt zum Kunden.

NABU Gruppe Erlenbach-Binswangen

Herrn Uwe Bühler, Hauptstraße 55, 74235 Erlenbach-Binswangen

Vielseitige Einsätze zur Erhaltung der Kulturlandschaft: Pflege von Streuobstwiesen, Trockenmauerbau und Erhaltung von Feuchtgebieten.

Trockenmauern und Obstbäume

Der Erhalt von Trockenmauern liegt den NABU-Mitgliedern ebenso am Herzen wie die Pflege von Streuobstwiesen und Feuchtgebieten.

Auch in Erlenbach-Binswangen blieb die Zeit in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts nicht stehen. Flurbereinigung, der Wandel der Landnutzung und die Ausweisungen neuer Siedlungs- und Gewerbeflächen veränderten das Gesicht des unteren Sulmtals. Bemerkt haben das gewiss alle Bewohner dort. Wirklich gesehen haben es die Mitglieder der hiesigen Ortsgruppe des Naturschutzbunds Deutschland, die sich 1987 gründete. Seit zwei Jahrzehnten trägt sie mit vielseitigen Einsätzen zur Erhaltung der gewachsenen Kulturlandschaft bei. Schwerpunkte ihrer Arbeit sind die Pflege von Streuobstwiesen und Kopfweidenbeständen sowie die Erhaltung von Trockenmauern. Neben einem Traktor mit Schwader und Wender werden seit 1999 Kamerunschafe als vierbeinige Helfer eingesetzt. Außer der praktischen Tätigkeit im Grünen zehrt die Zusammenarbeit mit Verwaltungen, Behörden, Privatleuten und Landwirten an der Freizeit und manchmal auch den Nerven der Beteiligten. Aber die Zustimmung und Anerkennung von vielen Seiten belohnt die Mühe. Schenkungen erweitern regelmäßig den Grundbesitz des 300köpfigen Vereins. Dann scheint die Freude besonders groß die zusätzliche Arbeit bewältigen erfreulicherweise zahlreiche neue Mitglieder.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern