Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2006

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2006

Gemeinsam die Kulturlandschaft bewahren!

Schafe auf der Weide

Ein Landwirt, der mit seinen Angusrindern und seinen Maschinen in Absprache und Kooperation mit ehrenamtlichen Naturschützern eine selten gewordene Magerrasenvegetation pflegt, dabei hochwertiges Rindfleisch erzeugt und dieses direkt ab Hof vermarktet - das Arrangement ist nur eine von sieben mustergültigen Aktionen, die der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg mit dem Kulturlandschaftspreis 2006 auszeichnen. Ein Sonderpreis belohnt zusätzlich vier Aktivitäten, die Kleindenkmale wie Gedenkkreuze, Grenzsteine und eine historische Wasserversorgung dokumentiert und erhalten haben. Das Preisgeld von insgesamt 12.500 Euro kommt von der Sparkassenstiftung Umweltschutz.

Die in diesem Jahr ausgezeichneten Initiativen zeigen, dass auf Dauer besonders solche Aktionen Erfolg versprechen, bei denen Landwirte und Schäfer gemeinsam mit ehrenamtlichen Naturschützern sowie staatlichen und kommunalen Fachstellen für die Landschaftspflege an einem Strick ziehen, sagte der Vorsitzende der Jury, Dr. Volker Kracht, bei der Vorstellung der Preisträger. Auch bei den Kommunen im Ländlichen Raum werde die intakte Kulturlandschaft mehr und mehr als Standortvorteil angesehen. Um den zum 16. Mal ausgelobten Preis hatten sich 34 Vereine, Privatpersonen und Initiativen beworben. Belohnt werden die Gewinner des Kulturlandschaftspreises mit einem Preisgeld von je 1.500 Euro. Der vom Schwäbischen Heimatbund und den württembergischen Sparkassen ausgelobte Kulturlandschaftspreis zeichnet Menschen aus, die durch beruflichen oder ehrenamtlichen Einsatz die vielfältigen und ökologisch wertvollen Landschaften in den ehemals württembergischen oder hohenzollerischen Landesteilen und den daran angrenzenden Gebieten erhalten und sich für die Vermarktung der erzeugten Produkte einsetzen.

Sonderpreis Kleindenkmale

Zum Sonderpreis Kleindenkmale, der in diesem Jahr zum siebten Mal ausgelobt war, gab es insgesamt 22 Wettbewerbsbeiträge. Vier von ihnen wurden von der Jury zum Preisträger erkoren.

Die Verleihung aller Preise fand statt am 16. Oktober 2006 in Bad Liebenzell (Kreis Calw) im Beisein von Peter Hauk, MdL, Minister für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg, Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg, und Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbunds, statt

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Kulturlandschaftspreises und des Sonderpreises Kleindenkmale kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen finden sich ab Herbst 2006 in der 'Schwäbischen Heimat' 2006/4 sowie in einem Sonderdruck.

Die Preisträger 2006 (von Nord nach Süd)

Pflege der Kulturlandschaft am Michaelsberg und Bio-Angushaltung in Gundelsheim-Böttingen
NABU Ortsgruppe Bad Friedrichshall und Umgebung und Landwirt Michael Schäfer in Gundelsheim-Böttingen (Kreis Heilbronn)

Männer tragen Äste zusammen

Entfernung der Waldrandverbuschung durch NABU-Mitglieder zur Förderung der lichtbedürftigen Hudewaldvegetation.

Bauern und Naturschützer - wie lange Jahre galten sie als unvereinbar und wie oft wird auch heute noch vertreten, Ökonomie und Ökologie seien Gegensätze! Wenn es noch eines Beispieles dafür bedürfte, dieses Vorurteil zu widerlegen - die gemeinsame Bewerbung der Ortsgruppe Bad Friedrichshall des Naturschutzbundes Deutschland und des landwirtschaftlichen Familienbetriebes Michael Schäfer wäre geeignet, das Beispiel zu sein. Seit über 20 Jahren schon arbeiten sie als Partner eng zusammen am Michaelsberg oberhalb von Gundelsheim-Böttingen im Kreis Heilbronn. Und der Zustand der vielfältigen Kulturlandschaft dort oben über der Neckarschleife legt Zeugnis davon ab, wie erfolgreich diese Zusammenarbeit ist. Ausgedehnte Viehweiden, durchsetzt mit Hecken, Streuobstwiesen, alten Hudewaldresten und einzelnen Äckern, prägen das Bild der flachgründigen Muschelkalklandschaft rund um die Kirche, die schon im 8. Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde. Die aus Naturschutzsicht bedeutsamsten Teile mit Kalkmagerrasen, Steinriegeln und Hudewald sind als flächenhaftes Naturdenkmal besonders unter Schutz gestellt, die gesamte Landschaft des Michaelsberges ist Landschaftsschutzgebiet.

Welche Nutzung lässt sich auf diesen mageren und flachgründigen Böden unter den heutigen Bedingungen wirtschaftlich darstellen? Michael Schäfer hat sich dafür entschieden, es mit artgerechter Mutterkuhhaltung von hochwertigen Angusrindern und deren Direktvermarktung zu versuchen, zu Beginn der 80er Jahre eine durchaus exotische und mutige Entscheidung. 25 Jahre später können wir sagen: Es war eine gute Entscheidung - für den Betrieb und für den Berg. In einer engen und beispielhaften Zusammenarbeit zwischen der Nabu-Ortsgruppe und dem Bio-Landwirt Schäfer wird seit dieser Zeit die schonende und extensive Beweidung als Rückgrat der Pflege verzahnt mit einer großen Vielfalt von flankierenden Landschaftspflegearbeiten.

Da werden Hecken auf den Stock gesetzt, Waldränder gepflegt, eingewachsene Steinriegel und Hudeeichen wieder freigestellt, Magerrasen gemäht, Neophyten bekämpft und in zahllosen Arbeitseinsätzen kommen Motorsäge, Freischneider, Balkenmäher und große landwirtschaftliche Maschinen zum Einsatz. Was dieses Projekt dabei besonders auszeichnet, ist die beeindruckende Abstimmung zwischen Nutzung und Pflege. So werden die Rinder inzwischen auch wieder als vierbeinige Landschaftspfleger im geschützten Hudewald eingesetzt, detailliert abgestimmt mit den Belangen des Naturschutzes.

Mit einer guten Öffentlichkeitsarbeit wird der Erfolg des Projektes gestützt und vorangebracht. In regelmäßigen Führungen, Vorträgen und Medienberichten ebenso wie beim jährlichen Hoffest im Betrieb Schäfer mit Angusrind vom Spieß wird das Interesse der Menschen rings um den Berg an diesem Stück Heimatlandschaft und seinen Produkten gefördert. Denn natürlich gilt: Landschaftspflege geht hier durch den Magen!

Beweidung von 83 ha Fläche in Naturschutzgebieten um Crailsheim mit 1000 Schafen.
Schäferei Elvira und Walter Fenn in Kreßberg (Kreis Schwäbisch-Hall)

Zug der Schafe durch die Landschaft

Vom Schafstall Weipertshofen aus geht es auf den Wacholderberg.

Dass Wacholderheiden auch zu denjenigen Kulturlandschaftselementen gehören, die durch Beweidung entstanden und auf Beweidung - in diesem Fall Schafbeweidung - angewiesen sind, ist allgemein bekannt. Dabei verschmähen Schafe zwar Giftiges und Stacheliges, machen aber natürlich keinen Unterschied, ob sie nun Gräser, Kräuter oder eben auch Orchideenblüten und andere Schönheiten der Heiden abweiden. Ob ein Schäfer so etwas berücksichtigt oder nicht - denn man kann bestimmte Flächen auch einmal aussparen und beim nächsten Mal wieder einbeziehen - das hängt neben anderen Faktoren sicher auch davon ab, ob er einen Blick für solche Dinge hat.

Elvira und Walter Fenn haben diesen Blick. Und nicht zuletzt darum ist der Schäfereibetrieb Fenn in Kressberg mit seinen etwa 1000 Tieren ein wichtiger und ausgesprochen verlässlicher Partner für den Naturschutz im Landkreis Schwäbisch Hall. 1984 haben die Fenns mit der Schäferei begonnen und von Anfang an gehörte die Pflege von Naturschutzflächen dazu. Von Marklustenau in der Gemeinde Kreßberg haben sie nach und nach immer mehr Schutzgebiete in ihre Obhut übernommen.

83 ha sind es inzwischen, darunter herrliche Heidelandschaften mit knorrigen alten Eichen, Säulenwacholder und der ganzen Pracht der blütenreichen Magerwiesen. Auf Gemarkung Westgartshausen, direkt neben den beiden dortigen Naturschutzgebieten hat die Stadt Crailsheim mit Zuschüssen der Naturschutzverwaltung einen Stall gebaut, den der Schäfereibetrieb Fenn nutzt. Nicht zuletzt diese funktionierende Infrastruktur erlaubt es dem Ehepaar Fenn, die benachbarten Flächen im eigentlichen Wortsinne behutsam zu behüten und den Belangen des Naturschutzes genügend Raum zu geben. Kurze, aber intensive Weidegänge mit langen Ruhezeiten dazwischen, die Schonung besonderer Pflanzenstandorte während der Blütezeit, das Nachmulchen beweideter Flächen und eine enge, aktive Abstimmung mit dem Landschaftserhaltungsverband, wenn im Laufe der Zeit irgendwo eine Fläche zugewachsen ist und eine Erstpflegemaßnahme notwendig wird. Schlampiges Drüberhüten der Prämien wegen, so sagt Walter Fenn selbst, das ist nichts für ihn.

Der Erfolg dieser sorgfältigen Arbeit ist beeindruckend. Die naturschutzfachliche Wertigkeit der von den Fenns beweideten Heiden hat sichtbar zugenommen, die Bestände kennzeichnender Arten wie dem prächtigen blauen Frühlingsenzian, der Prachtnelke oder der Silberdistel sind deutlich gewachsen.

Förderprogramm "Streuobstwiesen. Schutz durch Nutzung mit der Flurneuordnung".
Teilnehmergemeinschaft Berglen-Rettersburg/Öschelbronn und Bund Naturschutz Alb-Neckar (Rems-Murr-Kreis)

Obstbäume am Hang

Streuobstwiesen am Gänsrain in Berglen.

Noch immer sind Naturschützer eher skeptisch, wenn sie das Stichwort Flurneuordnung hören. Das mag naturschützerisch engagierte Vertreter der Zunft schmerzen, aber Verschweigen hilft nicht: Flurbereinigung war Jahrzehnte lang der Inbegriff für Bereinigung der Kulturlandschaft von all dem, was der Modernisierung und Mechanisierung im Weg stand. Und das ging auf Kosten der Vielfalt und auf Kosten der Identität so mancher Kulturlandschaft. Doch

Ein ausgezeichnetes Beispiel dafür, dass Flurneuordnung sich inzwischen gezielt auch für Ziele der Kulturlandschaftsbewahrung und des Naturschutzes einsetzen lässt, fand sich mit dem Streuobstprojekt Schutz durch Nutzung. In Berglen im Rems-Murr-Kreis blickt der Streuobstbau mit Kern- und Steinobst auf eine Jahrhunderte lange Tradition zurück. Folgerichtig hat es der Kirschbaum sogar zum Wappenzeichen der Gemeinde gebracht! Die Landschaft rund um die verschiedenen Teilorte ist auch heute noch geprägt von großflächigen Streuobstwiesen.

Doch auf den zweiten Blick ist es wie fast überall: Das Milchvieh, dem die Wiesen unter den Obstbäumen einst das Futter lieferten, ist längst verschwunden, seine Ställe sind zu Garagen oder Wohnraum umgebaut und die Streuobstwiesen braucht eigentlich niemand mehr. Und wie an so vielen Orten im Land vergreisten die Bäume, wurden nicht geschnitten, abgehende Bäume nicht nachgepflanzt, die Wiesenmahd wurde aufgegeben und immer häufiger machen Koniferen, Gartenhäuschen und mit dem Rasenmäher gepflegte Zierrasen deutlich, wie sehr die Streuobstwiesen zum Pflegefall geworden sind. Dass mit den Streuobstwiesen überaus vielfältige Lebensgemeinschaften verloren gehen, sieht man auch nicht auf den ersten Blick.

Wie aber kann die Nutzung solcher Flächen wieder interessant werden? Großflächige Beweidung in Koppelweide mit Schafen und Ziegen durch einen Landwirt könnte sich rechnen - aber lässt sich so etwas im Realteilungsgebiet mit seinen kleinen Handtuch-Grundstücken verwirklichen? Die Lösung kam mit der Flurneuordnung: Abgestimmt zwischen Teilnehmergemeinschaft, der Gemeinde und der Arbeitsgruppe Remstal des Bund Naturschutz Alb-Neckar (BNAN) wurden zusammenhängende Beweidungsgebiete in den Streuobstgebieten geplant. Mit Grunderwerb zugunsten des BNAN, Flächentausch und Nutzungsvereinbarungen konnte ein erstes dieser Gebiete, der Gänsrain von fast 4 ha Größe inzwischen auch realisiert werden.

Mit Maschinenhilfe, vor allem aber mit der Hand am Arm von Landwirten, Naturschützern und Mitgliedern anderer örtlicher Vereine konnte die Erstpflege der zur Hälfte verbuschten Fläche durchgeführt werden. Obstbäume wurden freigestellt, Hohlwege aufgemacht, Buschwerk gerodet, Bestandeslücken durch Neupflanzungen geschlossen. Ein Bio-Landwirt hat die Beweidung mit Schafen und Ziegen übernommen und im Winter steht die Fläche als Winterquartier für Wanderschäfer zur Verfügung. Derzeit wird die weitere Infrastruktur mit Beweidungsunterstand und einer Wasserstelle verwirklicht und intensiv an weiteren Vermarktungsinitiativen für das Obst der Bäume gearbeitet. Zwei Apfelsaft-Aufpreisprojekte laufen bereits.

Entbuschung und Wiederherstellung der historischen Burgberganlagen.
Burgbergteam des Schwarzwaldvereins Ortsgruppe Bad Liebenzell (Kreis Calw)

Trockenmauer und Schautafeln

An wieder aufgerichteten Trockenmauern wurden Info-Tafeln aufgestellt.

Sie ist ein Wahrzeichen der Kurstadt Bad Liebenzell und für Kurgäste und Touristen eine beliebte Attraktion: die im vorigen Jahrhundert rund um die noch erhaltene Ruine wieder aufgebaute Stauferburg von Bad Liebenzell. Ganz besonders ist sie den Mitgliedern des Schwarzwaldvereins ans Herz gewachsen, die sich als Burgbergteam in der Abteilung Heimatpflege zusammengefunden haben. Sie haben es sich seit 1982 zur Aufgabe gemacht, das Gesamtensemble von Burg und dazugehöriger Landschaft, den Burgberg wieder zu dem zu machen, was es einst war: ein vielfältig genutztes Kulturlandschaftselement von großem landschaftlichen Reiz.

Vor Ort noch vorhandene Zeugnisse lassen darauf schließen, dass die Flächen des Berges früher gleichzeitig und kleinflächig nebeneinander zum Weinbau, als Obstwiese, Heuwiese, Hausgarten und Ziegenweide genutzt wurden. Im Zuge der Bewegung zur Landschaftsgestaltung und -verschönerung zu Mitte des 19. Jahrhunderts wurde der Berg durch Treppen und Wege erschlossen und war so über Jahrhunderte eng eingebunden in die Geschäftigkeit der Stadt an seinem Fuße.

Vor 25 Jahren jedoch, als die Mitglieder des Schwarzwaldvereins ihren Entschluss fassten, diesen verloren gegangenen Zustand zu restaurieren, war jegliche Bewirtschaftung war längst eingestellt, die Terrassen unterhalb der Burg mit Aushub und Bauschutt vom Burgneubau aufgefüllt, und dichter Wald war aufgewachsen. In kleinen Schritten haben sie damals angefangen, Jahr um Jahr kleine Waldparzellen gerodet und Wege wieder begehbar gemacht, die verschüttet oder verwachsen waren. In langen Jahren und Tausenden von Arbeitsstunden konnte die kulturelle Identität des Burgberges restauriert und zu neuer, auf die heutige Zeit angepasster Form weiter entwickelt werden.

Die Terrassen unterhalb der Burg sind wieder hergestellt, die Trockenmauern aus den Schuttbergen ausgegraben und - wenn nötig - neu aufgebaut. Und mit der Pflanzung von Hochstämmen alter Obstsorten wie Mispel, Speierling und verschiedenen Steinobstsorten wurden dort oben erneut Streuobstwiesen geschaffen, die neben dem Obst auch noch ganz anderen Ertrag bringen: Hier, zwischen Trockenmauern, extensiv genutzter Wiese und Hochstämmen können sich in sonnenexponierter Lage wieder die artenreichen Lebensgemeinschaften entwickeln, wie sie für Streuobstwiesen so charakteristisch sind.

Auch in den unteren, steileren Hängen des Berges hat das Burgbergteam die zahlreichen Mauern entlang der Wege wieder restauriert - manche waren vollkommen verschüttet - und freigestellt. Treppen, Wege und Aussichtspunkte wurden teils freigelegt, teils neu geschaffen, wobei manch längst vergessene Kleindenkmale wiederentdeckt werden konnten.

Wiederherstellung, Pflege und Wiederbelebung des Mustersortengartens in Mähringen.
Obst- und Gartenbauvereine, Agenda Arbeitskreis Naturschutz- und Landwirtschaft in Kusterdingen (Kreis Tübingen)

neue Obstbäume werden gepflanzt

Kusterdingens Obst- und Gartenbauvereine beim Setzen der Jungpflanzen.

Er war ein international bekannter Fachmann seiner Zeit, der Leiter des Pomologischen Instituts in Reutlingen Eduard Lucas. Als er im Jahr 1861 in Mähringen - heute ein Teilort von Kusterdingen - einen Deutscher Central Obstgarten gründete, als Mustersortengarten für bis zu 1200 hochstämmige Obstbäume verschiedenster Sorten, da erlangte auch dieser Sortengarten internationale Bedeutung. Zwar ging die internationale Bedeutung in den Turbulenzen der seither vergangenen 150 Jahre wieder verloren, vor Ort aber - in Mähringen - sind die damals angelegten Obstwiesen noch heute prägend für die Landschaft dort oben auf den Härten zwischen Reutlingen und Tübingen. Und irgendwann vor ein paar Jahren entstand vor Ort die Idee, dieses besondere landeskulturelle Erbe eines Mustergartens nicht einfach dem Vergessen zu überlassen. Und so engagierte sich im Rahmen einer Lokalen Agenda Aktivität eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern dafür, diesen Garten wieder mit Leben zu erfüllen.

Ein erster Schritt war die Ergänzung des Altbestandes durch Nachpflanzung alter Hochstammsorten. Mit tatkräftiger Unterstützung durch die vier Kusterdinger Obst- und Gartenbauvereine wurden in den vergangenen drei Jahren insgesamt 140 Hochstämme gesetzt. Aber die Planungen gehen weiter. Auf insgesamt 16 ha soll das Areal einmal ausgedehnt werden.

Mit Hilfe der Gemeinde haben die Obstbauvereine dazu auch Pflegekonzepte entwickelt und die langfristige Pflege ihrer Bäume übernommen. Doch Streuobstbau als traditionsreiche - aber von Unwirtschaftlichkeit bedrohte - Nutzung in unserer Kulturlandschaft braucht Lobbyarbeit, will er eine Zukunft haben. Und darum lassen es die Kusterdinger auch nicht mit der Nachpflanzung von Obstbäumen bewenden. Mit einer Kusterdinger Apfelsaftinitiative unter dem Label Ebbes guats, mit einem Kusterdinger Streuobstfest, das im vergangenen Jahr viele hundert Besucher angelockt hat und zu einer regelmäßigen Einrichtung werden soll und mit einem Lehrpfad durch den Eduard Lucas Musterobstgarten haben es sich die engagierten Mitglieder der Lokal Agenda Gruppe zum Ziel gesetzt, wie sie selber sagen: den Blick für die vielfältigen Probleme zu schärfen, denen sich diese bei uns typische, aber bedrohte Kulturlandschaft ausgesetzt sieht.

Beweidung auf der Schwäbischen Alb mit 1.800 Mutterschafen. Bewirtschaftung von 260 ha Fläche und Vermarktung von "Württemberger Lamm".
Schäferei Ernst, Stefan und Regina Fauser, Pfronstetten (Kreis Reutlingen)

Schafe und Lämmer

Gesunde Schafe und Lämmer im Stall der Familie Fauser.

Ein Schäferei-Familienbetrieb in der 7. Generation, das ist auch in diesem traditionsreichen Beruf nicht alltäglich. Familie Fauser aus Pfronstetten im Kreis Reutlingen ist aber auch etwas Besonderes! Mit insgesamt etwa 1.800 Mutterschafen bewirtschaftet der Großbetrieb über 260 Hektar Fläche. Drei Generationen Schäfer sind derzeit aktiv. Adolf Fauser, der in den 1960er Jahren den eigenen Familienbetrieb in Pfronstetten begründet hat, weidet mit seinem Teil der Herde um Herbertingen, Heuneburg und Dollhof am Südrand der Schwäbischen Alb, sein Enkel, Stefan Fauser hütet im Herzen des künftigen Biosphärengebietses auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz Münsingen, und dessen Vater Ernst Fauser hat seine Schafe in Pfronstetten, Hayingen, Ehrenfels und Meidelstetten. Seine Ehefrau Regina treibt unterdessen das Herz des Betriebes in Pfronstetten um - mit Stall, eigener Schlachterei und der Infrastruktur für eine funktionierende Direktvermarktung, für Übernachtungsgäste sowie touristische Attraktionen.

Einen Schwerpunkt unter den 260 Hektar Weidefläche bilden die albtypischen Wacholderheiden - ein Großteil von ihnen Naturschutzgebiet und Herzstück der Kulturlandschaft der Reutlinger Alb. Die gezielte Betreuung und Pflege dieser Heiden sind auch zu einem Schwerpunkt in der Arbeit der Familie Fauser geworden. Seit einigen Jahren stellen sie die Mutterschafe mit ihren jungen Lämmern in den Stall, wo Aufzucht und Entwicklung der Tiere unter dem Markenzeichen Württemberger Lamm rasch, kontrolliert und insofern wirtschaftlich möglich ist. Der Rest der Herde kann inzwischen um so effektiver und schonender die mageren Naturschutzgebiete beweiden. Mit den dafür gewährten finanziellen Zuschüssen wirft auch dieser Teil des Betriebes mehr ab und wird wirtschaftlicher.

Aber auch das umfangreiche Engagement der Familie für einen landschaftsbezogenen Tourismus mit beispielsweise Übernachtungen im Schäferkarren, für Jugendbildung, Reiten, Wandern oder Radwandern von Hof zu Hof, Hofführungen etc. lohnt sich für die wirtschaftliche Zukunft des Betriebes und weckt gleichzeitig das Interesse an der Erhaltung der so schönen und charakteristischen Alblandschaft mit ihrem reichen Natur- und Kulturerbe. Und wer einmal mit den Fausers zusammen verbuschte Flächen von Gehölz befreit und zugewachsene Weideflächen für die vierbeinigen Landschaftspfleger wieder zugänglich gemacht hat und im Anschluss daran am Lagerfeuer Lammspezialitäten gebraten hat, der weiß, wie Nützen und Schützen in dieser so besonderen Kulturlandschaft untrennbar zusammenhängen. Naturschutzgruppen aus Stuttgart, Grundschüler aus Hayingen und andere Gruppen wurden auf diese Weise schon zu begeisterten Kennern und Freunden der Alblandschaft infiziert.

Pflege von Streuwiesen, Hochmooren und Gewässern und Beweidung mit Hinterwälder Rindern im Jungmoränengebiet des westlichen Allgäus.
Verein für Naturschutz und Landschaftspflege e. V., Kißlegg-Immenried (Kreis Ravensburg)

Blumenwiese

Artenreiche Nasswiesen im westlichen Allgäu. Die Pflege erfolgt noch durch den Landwirt.

Feuchtwiesen und Moore sind die Kennzeichen des württembergischen Allgäus. Dass diese Feuchtwiesengebiete aber nicht - wie es von Natur aus wäre - bewaldet, sondern offene Landschaften sind mit Nass-, Feucht- und Streuwiesen auf Niedermoortorf, ist den hier seit langen Generationen wirtschaftenden Menschen zu zuschreiben. Sie haben auf diesen Flächen Futter und Einstreu für ihr Vieh geschnitten und dabei eine Kulturlandschaft geschaffen, die wegen ihrer Schönheit und Artenvielfalt das Ziel zahlloser Besucher ist. Aber: Mit der Mechanisierung und Intensivierung der Landwirtschaft wurde es immer unwirtschaftlicher, solche Extensivflächen zu bewirtschaften. Zahlreiche Feuchtwiesenlandschaften und mit ihnen die charakteristischen Tier- und Pflanzenarten sind inzwischen verschwunden. Weitere, überaus erhaltens- und schützenswerte Moorwiesenlandschaften drohen durch Nutzungsaufgabe verloren zu gehen.

In diese Bresche ist der 1992 gegründete Verein Naturschutz und Landschaftspflege Kisslegg gesprungen. Doch haben die im Verein aktiven, engagierten Natur- und Vogelschützer rasch erkannt, dass Landschaftspflege mit der Hand am Arm allein nicht ausreicht, um den schleichenden Verlust der großen Feuchtwiesengebiete rund um Kisslegg, Argenbühl und Isny aufzuhalten. Die Mannen um Dr. Uli Weiland und Dr. Sepp Bauer haben eine Konzeption ausgetüftelt und umgesetzt, mit der sie in der Landschaft vorhandene Professionalität und ehrenamtliches Engagement für ihre Ziele zusammenspannen und verbinden.

Neben und parallel zur gemeinnützigen Aufklärungsarbeit für Natur- und Vogelschutz und ehrenamtlicher Landschaftspflege haben sie innerhalb des Vereines einen Landschaftspflegebetrieb gegründet. Der pflegt nun als professioneller Dienstleister und Partner für Kommunen und Naturschutzverwaltung mehr als 30 ha Streu- und Extensivwiesen und führt Maßnahmen zum Artenschutz durch. Landwirten bringen ihre Spezialmaschinen und ihre langjährige Erfahrung ein.

Mit den Flachmooren des NSG Bodenmöser vor den Toren von Isny, betreut der Verein eine der bedeutendsten Feuchtwiesenlandschaften der Region. Dazu gehört in enger Abstimmung mit Naturschutzverwaltung und Kommunen die Pflege von 9 ha Feuchtwiesen, Erstpflege und Entbuschung von Moorflächen und die Unterhaltung und sukzessive Wiederbelebung eines der bedeutendsten ehemaligen Wässerwiesensysteme der Region.

Ein weiteres Projekt - die Beweidung einer von der Nutzungsaufgabe bedrohten ausgedehnten Feuchtwiesenlandschaft an der Kißlegger Ach - könnte ebenso erfolgreich werden. Seit 2001 weidet auf den über lange Jahre intensiv genutzten Wiesen eine Hinterwälder-Rinderherde des Vereins. 15 ha sind zur Zeit in Nutzung, aber die Fläche wird mit dem Ausbau von Herde und Infrastruktur ständig ausgeweitet.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern