Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2003

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2003

Mensch und Tier erhalten gemeinsam wertvolle Kulturlandschaften!

Anhänger gefüllt mit Äpfeln von Streuobstwiese

Jedes Jahr wieder ist es für die Auslober des Kulturlandschaftspreises und die Mitglieder der Jury spannend, unter wie vielen und unter welchen Bewerbungen die Entscheidung über die Preisträger getroffen werden muss. Dass die Bewerberzahl in diesem Jahr mit 65 Einreichungen für den Kulturlandschaftspreis und 17 für den Sonderpreis Kleindenkmale deutlich über der in den Vorjahren lag, zeigt, wie groß das Interesse und vor allem das bürgerschaftliche Engagement für die heimatliche Kulturlandschaft ist.

Vielseitige Ideen

Immer wieder ist es aber auch interessant zu sehen, welche inhaltlichen Schwerpunkte sich bei den Bewerbungen zeigen. Denn die Bandbreite im Engagement für unsere Kulturlandschaften ist überaus groß. Das reicht vom bäuerlichen Familienbetrieb, der sich die Erhaltung der landschaftlichen Eigenheiten als wichtiges Betriebsziel gesetzt hat, über eine der Landschaft verpflichtete, mühselige und arbeitsintensive Bewirtschaftung von Steillagen im Weinbau, mechanische Landschaftspflege durch Naturschutzgruppen in Naturschutzgebieten bis hin zu neuen Ideen bei der "Vermarktung" von Produkten, die so unsere Kulturlandschaft und ihre Bewirtschaftung sichern. In diesem Jahr gab es einen Schwerpunkt bei solchen bäuerlichen Familienbetrieben, die mit unterschiedlichen wirtschaftlichen Konzepten - alle aber mit dem Einsatz von Tieren - dafür arbeiten, ihre jeweilige Kulturlandschaft zu bewahren. Dabei ist es spannend zu beobachten, welche Ideen engagierte Landwirte dabei entwickeln.

Wir stellen Ihnen hier die Preisträger des Kulturlandschaftspreises und des Sonderpreises Kleindenkmale kurz vor. Ausführlichere Beschreibungen finden sich in der 'Schwäbischen Heimat' 2003/4 sowie in einem Sonderdruck.

Traditionelle Grünlandwirtschaft und Vertragsnaturschutz
Familie Schaffert, Langenburg-Bächlingen (Kreis Schwäbisch Hall)

Wer schon einmal das Tal der Jagst entlang gewandert ist, hat eine Erholungslandschaft mit zahlreichen Sehenswürdigkeiten und einer reichen Natur erlebt, die im Wechsel von Wald und Wiesen, Dörfern, Äckern, Streuobst und natürlich der Jagst selbst auf weiten Strecken noch das Bild einer herkömmlichen bäuerlichen Landschaft bietet. Rund um Langenburg lässt sich die traditionelle Bewirtschaftung noch gut nachvollziehen. Eine solche Landschaft auch heute noch so zu erhalten, dazu gehört harte Arbeit und ein gehöriges Stück Idealismus. Diesen bringt Familie Schaffert mit - von den Großeltern, die noch im Betrieb mitarbeiten, über den Betriebsleiter Thomas Schaffert und seine Frau Martina bis zu ihren drei Kindern.

Der bäuerliche Familienbetrieb, den die Schafferts auf 58 ha rund um Bächlingen bewirtschaften, liegt vollständig im Landschaftsschutzgebiet. Dessen Ziele setzen die Schafferts in ihrem Betrieb um: 20 Stück Milchvieh mit eigener Jungviehnachzucht brauchen Futter und sind darum der Garant dafür, dass in der Talaue kein Umbruch zu befürchten ist, sondern auf Dauer Grünland bleibt. Aber nicht nur die ebenen Flächen am Talgrund, auch die Steilhänge rund um Bächlingen gehören zur Betriebsfläche. Sie sind nicht - wie sonst meist üblich - längst aufgeforstet, sondern werden in mühevoller Arbeit und mit viel Engagement heute noch bewirtschaftet. Hier vor allem, an den landschaftlich reizvollen Steilhängen mit Steinriegeln, Hecken und Feldgehölzen, aber auch in den Streuobstwiesen mit über tausend hochstämmigen Obstbäumen, gewinnt Thomas Schaffert das Rauhfutter für sein Jungvieh. Die artenreichen sogenannten "Salbei-Glatthaferwiesen" sind wegen ihrer bunten Vielfalt und ihres dramatischen Flächenschwundes aus Naturschutzsicht schutzwürdig und nach der "Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie" der Europäischen Union besonders geschützt. Aber darüber hinaus pflegt der Betrieb auch noch 7 ha Biotopfläche. Eine Orchideenwiese gehört dazu, steile Trockenhänge und die Feuchtwiesen eines Naturdenkmals, dessen reiche Trollblumenbestände im Frühsommer weithin gelb leuchten.

Streuobstwiesen, Grünlandwirtschaft und Biotoppflege
Walter & Erika Kraft in Langenburg-Oberregenbach (Kreis Schwäbisch Hall)

Panoramablick über Bächlingen im JAgsttal

Unterhalb von Bächlingen liegt das Dorf Unterregenbach im Jagsttal. Die Hänge sind freigehalten und sehen immer noch wie früher aus.

Familie Kraft bewirtschaftet ihren Hof in der dritten Generation. Vor knapp fünfzehn Jahren wäre man hier noch auf eine Ackerlandschaft gestoßen. Die flachgründigen Äcker waren aber nur unter Einsatz von viel Mineraldünger intensiv zu bewirtschaften. Zufrieden waren Walter und Erika Kraft allerdings nicht mit dieser Wirtschaftsweise; jahrelang war das ein Thema auf dem Hof. 1990 schließlich haben sie ihren lange abgewogenen Entschluss umgesetzt, den natürlichen Standortbedingungen zu folgen und auf einen Grünlandbetrieb umzustellen. Mit großem Engagement und einem sicheren Gefühl für ihre heimatliche Kulturlandschaft haben sie sich seitdem dieser Landschaft verschrieben. Heute bewirtschaften sie - ähnlich wie Familie Schaffert in Bächlingen - einen 48 ha großen Grünlandbetrieb mit Milchvieh und tragen durch die Pflege zahlreicher Biotopflächen an den Hängen des Tales und in Feuchtflächen zur Erhaltung der traditionellen Kulturlandschaft im oberen Jagsttal bei. Auch bei Familie Kraft gehört die Bewirtschaftung ihrer traditionellen Streuobstwiesen dazu.

Betreuung und Pflege des Naturschutzgebiets Steinbuckel in Hohenstein
Ortsgruppe Hohenstein des Schwäbischen Albvereins (Kreis Reutlingen)

Wie eine Insel in der flurbereinigten landwirtschaftlichen Flur bei Eglingen in der Gde. Hohenstein liegt das kleine Naturschutzgebiet Steinbuckel. Hier haben Pflanzen- und Tierarten überlebt, die in der intensiv genutzten Umgebung keinen Lebensraum mehr finden. Nachdem das Gebiet als Schafweide nicht mehr geeignet war, fiel es der natürlichen Sukzession anheim. So hat sich eine Reihe von Pflanzen hier angesiedelt bzw. kräftig vermehrt, die nicht "weidefest" sind. Diese Pflanzenarten gehören nämlich zum Lieblingsfutter der Schafe und haben kaum eine Chance, so lange die Flächen beweidet werden. Bestimmte Orchideenarten etwa gehören dazu, vor allem aber auch der Gelbe Enzian. Aber Sukzessionsbiotope (Lebensgemeinschaften im Übergang) verändern sich weiter, und in unseren Breiten steht am Ende einer solchen Entwicklung der Wald. Zwar gehört ein solcher, durch Sukzession entstandener Wald selbst zu den naturschutzwichtigen Biotopen. Will man jedoch einen bestimmten Entwicklungsstand halten, muss der Mensch eingreifen.

1966 begann der Schwäbische Albverein damit, in die Entwicklung einzugreifen. Er kaufte sukzessive die Grundstücke des etwa vier Hektar großen Gewanns "Steinbuckel" auf. Nach Abschluss des Grunderwerbs wurde das Gebiet 1985 als Naturschutzgebiet Steinbuckel ausgewiesen und durch die Verordnung gesichert. Seitdem finden sich jeweils im Spätwinter die Mitglieder der Ortsgruppe Hohenstein zusammen, um die Landschaftspflege so durchzuführen, wie sie notwendig ist, um den Zustand des Gebietes und seiner reichhaltigen Natur zu bewahren. Unterstützt vom Pflegetrupp des Albvereins, in manchen Jahren auch unterstützt von Schülern der örtlichen Hohensteinschule, werden von der Gruppe um Wilfried Maier, Adolf Maisch und Herbert Mayer Jahr für Jahr durchgewachsene Bäume gefällt, überalterte Hecken auf den Stock gesetzt und vor allen Dingen die noch verbliebenen Freiflächen gemäht. Anschließend wird mit vielen helfenden Händen das gesamte Mähgut sowie das angefallene Holz von der Fläche entfernt und abgefahren. So beeindruckt insbesondere die Nachhaltigkeit dieses langjährigen und dauerhaften Engagements zur Erhaltung und Förderung eines typischen Ausschnitts der traditionellen Alblandschaft.

Schafzucht- und Landschaftspflegebetrieb
Gudrun Zwißler in Freudenstadt-Christophstal (Kreis Freudenstadt)

Schäferin Gudrun Zwißler bei der Arbeit auf einer Futterwiese

Die Reihenfolge stimmt: zuerst der Hund, dann die Schäferin Gudrun Zwißler und dann die Schafherde.

Mit ihren Gehörnten Heidschnucken, Mufflon-Heidschnucken und Coburger Fuchsschafen erbringt Familie Zwißler aus Freudenstadt-Christophstal ökologisch naturverträgliche Landschaftspflege als Dienstleistung. Ihrer Herde von inzwischen 330 Mutterschafen kann man an ganz verschiedenen Orten im Nordschwarzwald begegnen - in den Heideflächen am Kniebis, auf den Grindenmooren am Schliffkopf, aber auch an Steilhängen im Friedrichstahl oder Christophstal zwischen Freudenstadt und Baiersbronn, überall dort, wo sie dringend für die Landschaftspflege gebraucht werden.

Eher durch Zufall kam Familie Zwißler 1997 mit dieser alten Nutztierrasse der Heidschnucken in Berührung. Gudrun Zwißler lernte rasch die besonderen Eigenschaften dieser Tiere schätzen, die sie so geeignet für die Landschaftspflege machen. Heidschnucken können in Weidegebieten eingesetzt werden, die für andere Haustiere nicht mehr nutzbar sind. Steilhänge, Heideflächen, Pfeifengraswiesen, teilweise verbuscht und mit dornigem Gebüsch durchsetzt, all die Flächen also, die in einer modernen Landwirtschaft aus der Nutzung fallen und in der Regel zu Wald werden. Seit damals setzt Gudrun Zwißler die Idee um, diese Eigenschaften zu nutzen und ihre Tiere anzubieten für die Landschaftspflege in solchen Flächen, die ansonsten der Sukzession zum Opfer fallen. So hat sich ihr Betrieb innerhalb weniger Jahre zu einem wichtigen Faktor bei den Bemühungen entwickelt, die überkommene Kulturlandschaft des Nordschwarzwaldes offen zu halten und zu bewahren.

Heute ist Gudrun Zwißler mit ihrem vierbeinigen Pflegetrupp gefragter Partner von Gemeinden, Grundeigentümern und der Naturschutzverwaltung. In enger Abstimmung und im Auftrag der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege in Karlsruhe etwa werden Grindenmoore und Heiden auf der Schwarzwaldhochfläche beweidet, die aus Naturschutzsicht überaus hochwertig und Teil des europäischen Schutzgebietsnetzes NATURA 2000 sind. Beweidet wird - angepasst an die Pflanzenwelt und spezifische Naturschutzbedürfnisse - in täglich wechselnden Weidezaunkoppeln. Auf Flächen etwa mit botanischen Besonderheiten wird gehütet. Darüber hinaus hat das auf der Futtergrundlage von Heidekraut und würzigen Kräutern gewachsene Fleisch einen ganz eigenen und vorzüglichen, wildähnlichen Geschmack. Es ist besonders mager und reich an bestimmten Vitaminen. Daher vermarktet Familie Zwißler ihre Produkte auch selbst und mit großem Erfolg.

Teilnehmergemeinschaft "Kulturhistorische Weinlandschaft Geigersberg" in Sachsenheim-Ochsenbach (Kreis Ludwigsburg)

Weinberge mit ihren Trockenmauern, mit der Struktur ihrer "Stäffele" und ihrer ganz eigenen Lebewelt bei Pflanzen und Tieren gehören zu den charakteristischen Kulturlandschaften im Land. In den letzten Jahrzehnten verschwanden häufig die beim Maschineneinsatz störenden Trockenmauern; Staffeln wurden durch maschinennutzbare Wegenetze ersetzt. Mit den Umgestaltungen ging häufig das gewohnte Bild der Weinbau-Kulturlandschaft verloren. Auch an den Hängen der Stromberglandschaft zeigen viele Weinberge ein Bild der Anpassung an die moderne Wirtschaftsweise. Am Geigersberg in der Weinbaugemeinde Sachsenheim-Ochsenbach ist man jedoch einen anderen Weg gegangen. Dank Sensibilität und Offenheit in der Rebumlegungs-Teilnehmergemeinschaft und dem engagierten Mitwirken vieler Beteiligter ist hier die Neugestaltung eines Weinberges gelungen, die sich sehen lassen kann! Der Geigersberg lässt heute auf einem guten Wegenetz, bei jedem Wetter und noch dazu wirtschaftlich(!) eine maschinelle Bewirtschaftung zu, ohne dass er seinen besonderen Reiz in der gewachsenen Kulturlandschaft verloren hat.

Unterstand neben einer Steinterasse am Geigersberg

Ein alter Wengerterunterstand am Geigersberg.

Anders als bei den Rebumlegungen in der Nachbarschaft haben sich die Mitglieder der Teilnehmergemeinschaft im Jahr 1996 auch die Erhaltung der ökologischen Werte des Weinbergs zum Ziel gesetzt. Mit Rücksicht auf die ganz besonderen Lebensgemeinschaften am Berg mit ihren zahlreichen typischen Tier- und Pflanzenarten wurde der Berg behutsam und mit viel Sachkenntnis umgestaltet - für eine wirtschaftliche Nutzung, die mit den ökologischen Besonderheiten harmoniert. Eingefallene und gefährdete Mauern wurden repariert, einzelne Bracheparzellen neu bestockt. Andere Bereiche werden im Sinne des Naturschutzes offengehalten und gepflegt. Auch das Wengertschützenhäusle wurde wieder instand gesetzt. Das Bild der historischen Kulturlandschaft ist erhalten geblieben, in ihr lebt eine kaum überschaubare Fülle von typischen und teilweise sehr seltenen Pflanzen und Tieren. Auf einem fast zwei Kilometer langen Rundweg lassen sich auf 30 sehr anschaulich gestalteten Informationstafeln auch die Besonderheiten des Geigersberges und seiner Rebumlegung nachvollziehen.

Wacholderheidenpflege in Hörvelsingen
Bürgerschaft von Langenau-Hörvelsingen (Alb-Donau-Kreis)

Mitten durch den Alb-Donau-Kreis zieht sich der Übergang zwischen Schwäbischer Alb und Donauniederung. Durch eine landwirtschaftlich intensiv genutzte Ackerlandschaft auf den hochproduktiven Böden der Donauaue führt der Weg direkt auf die scharfe Abbruchkante der Schwäbischen Alb zu. Dort ist die Nutzung geprägt von den eher kargen Böden des Kalkgebirges. Auf den steil ansteigenden Hängen präsentieren sich weite Wacholderheiden, die an ihrem oberen Rand vom Trauf der Wälder auf der Hochfläche begrenzt werden. Am Fuße des Anstiegs, in einer kleinen Mulde, liegt der Langenauer Ortsteil Hörvelsingen.

Seit langen Jahren schon haben sich die Hörvelsinger Bürger und ihre Ortschaftsverwaltung um diese Landschaft -insbesondere ihre Wacholderheiden - bemüht. Nachdem der Schäfer in den 1960er Jahren aufgegeben hatte, schritt die Verbuschung der Heiden mit Schlehen und Gebüsch rasch voran. Auch der Wanderschäfer, der seit 1988 die beiden großen Heiden "Ägenberg" und "Ofenloch" oberhalb des Ortes wieder beweidete, konnte dem Vordringen der Verbuschung wenig entgegensetzen.

Ziegenherde au einer Wiese

Ziegen fressen - im Unterschied zu Schafen - auch Gehölze und austreibende Schlehenschößlinge.

Um diese Entwicklung aufzuhalten, taten sich Verwaltung, Vereine und Bürgerschaft zusammen: Nach einer Erstpflege 1990/92 wurde der Versuch gewagt, die Wacholderheiden mit einer Ziegenherde in Koppelhaltung wieder zu regenerieren. Da Ziegen sich - im Unterschied zu Schafen - auch über Gehölze und wieder austreibende Schlehenschösslinge hermachen, bestand die Hoffnung, den Erfolg der Erstpflegemaßnahmen langfristig zu sichern. Es wurde ein langfristiges Konzept zur Ziegenbeweidung entwickelt, mit dem sowohl der Artenreichtum als auch der besondere Reiz dieser Heiden für die Landschaft am Albrand bei Hörvelsingen bewahrt werden kann.

Außerdem findet jährlich ein Heidepflegetag statt, zu dem Vereine, Gruppen und Einwohner kommen und helfen! Zudem wurde ein Umweltaktionstag ins Leben gerufen, bei dem vor allem Kinder und ihre Eltern zusammen mit dem Ökomobil den Lebensraum Wacholderheide erkunden und die Besonderheiten der Natur vor der Haustür erleben können.

Beweidungsprojekt und Schäferei
Klara und Guido Jakob in Mühlhausen-Wiesensteig (Kreis Göppingen)

Bei der Pflege von Schafweide und Landschaft auch Ziegen einzusetzen, war im Oberen Filstal bis etwa 1940 Tradition - daher auch der Name "Goißatäle". Indem sie dies auch heute tun, haben sich Klara und Guido Jakob aus Mühlhausen, die mit ihrer Schäferei die Naturschutzflächen an den Hängen des Tales zwischen Wiesensteig und Mühlhausen bis hinein in die Seitentäler bewirtschaften, zu wichtigen Partnern des Naturschutzes entwickelt bei der Aufgabe, die eindrucksvolle gewachsene Kulturlandschaft in diesem Teil der Schwäbischen Alb zu erhalten. Eine Herde von 20 Mutterziegen mit 20 bis 40 Kitzen und derzeit 150 Heidschnucken-Mutterschafen mit ihren 200 Lämmern bildet das Rückgrat eines gut eingespielten Weidemanagements, mit dem die Wacholderheiden und Magerrasen an den südexponierten Steilhängen des Talzuges offengehalten und als Lebensraum für eine hochwertige Tier- und Pflanzenwelt sogar noch gefördert wird.

Klara und Guido Jakob in ihrer Metzgerei

Zur Schäferei Klara und Guido Jakob in Mülhausen im Täle gehören auch eine eigene Metzgerei und ein Hofladen.

Dabei sind es die Ziegen, die vom späten Frühjahr an durch Verbiss von Gehölzen einer Verbuschung entgegenwirken und bereits verbuschte Flächen auch wieder öffnen, während die Heidschnucken im Sommer auf den offenen Flächen weiden. Mit Koppelhaltung und dem System der Umtriebsweide, bei dem Zeitpunkt und Dauer der Beweidung der einzelnen Flächen genau mit den Naturschutzanforderungen abgeglichen sind, schaffen es die Jakobs sogar, feuchte Hangflächen im Schöntal so pfleglich zu beweiden, dass der vorher von Verbuschung bedrohte Trollblumenbestand von Jahr zu Jahr zunimmt.

Begonnen haben die Jakobs vor vielen Jahren im Nebenerwerb. Inzwischen aber hat sich ihre Schäferei weiterentwickelt zu einem Haupterwerbsbetrieb mit eigener Metzgerei und einem Hofladen, in dem qualitativ hochwertiges Ziegen- und Lammfleisch, aber auch Wurstwaren und weitere Produkte an Gastronomen und Privatkunden vermarktet werden.

Kulturlandschaftspflege im Oberen Filstal
Naturkundeverein Göppingen, OG Gruibingen des Schwäbischen Albvereins und OG Göppingen des Touristenvereins "Die Naturfreunde" (Kreis Göppingen)

Im Oberen Filstal präsentiert sich in typischer Weise die vom jahrhundertelangen bäuerlichen Wirken geprägte Kulturlandschaft mit einer innigen Verzahnung von Tallagen, Dörfern mit Streuobstgürteln, Äckern, Hecken, naturnahen Buchenwäldern an den Talhängen, freistehenden Felsen und insbesondere Magerrasen und Wacholderheiden, die sich an den süd- und südwestlich exponierten Talflanken perlschnurartig aneinander reihen. Dennoch sind viele Flächen zugewachsen und verbuscht, nachdem die Schafbeweidung schon seit den 1970er Jahren aufgegeben war. Seit Mitte der 1990er Jahre versuchen es Gemeinde und Naturschutzbehörde, diese Entwicklung aufzuhalten. Für eine dauerhafte Folgepflege fanden sich drei Partner, die bereit waren und sind, ihre Freizeit ehrenamtlich für diese Aufgabe zur Verfügung zu stellen:

Seit 1996 engagiert sich die Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins jährlich mit Pflegeeinsätzen in drei flächenhaften Naturdenkmalen, in den Gewannen Meisenlau, Kauzengrund sowie am Wiesenberg, für welche die Ortsgruppe die Patenschaft übernommen hat. Nach der erfolgreichen Erstpflege stellen die Paten nun auch die regelmäßige Folgemahd sicher und engagieren sich für ihre Patenschaftsflächen.
Seit 1997 hat der Naturkundeverein Göppingen die Patenschaft für einen besonders artenreichen Halbtrockenrasen am Kornberg übernommen und 1999 sein Engagement um zusätzliche, daran angrenzende Pflegeflächen erweitert. Hier ging es ebenfalls zunächst darum, die Verbuschung durch Erstpflege aufzuhalten.
1999 schließlich hat die Ortsgruppe Göppingen des Touristenvereins "Die Naturfreunde" die Pflegepatenschaft für ein weiteres Naturdenkmal, die "Wacholderheide Unterer Boßler", übernommen. Seither sind die schon stark verbuschten Steillagen unter dem Boßler mit großem Einsatz wieder freigemacht worden - ja, inzwischen hat auch wieder ein Schäfer die Nachbeweidung übernommen. So scheint auch diese Fläche auf Dauer gesichert.

Dieses Netzwerk engagierter Freiwilliger aus drei Vereinen unter der koordinierenden Anleitung von Gemeinde und Landratsamt haben erreicht, dass die wertgebenden und für die Halbtrockenrasen charakteristischen Arten in den vergangenen Jahren wieder deutlich zugenommen und Fläche zurückgewonnen haben, die schon verloren war.

(verkürzte Fassung eines Textes von Volker Kracht)

Hinweise

Sonderpreis Kleindenkmale 2003

In Heft 4 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern