Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 1998

. . . . . .

Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 1998

Sieben Bewerber erhielten den Kulturlandschaftspreis 1998 des Schwäbischen Heimatbundes und des SparkassenVerbandes Baden-Württemberg. Die Spanne reicht vom Terrassenbau im Weinberg über die Brückensanierung bis zur umfangreichen Landschaftspflegeaktion.

1998 gingen wiederum rund 60 Einsendungen ein, unter denen die Jury auszuwählen hatte. Der ehrenamtliche Einsatz von Heimatvereinen und Einzelpersonen, der in den Bewerbungen zum Ausdruck kommt, ist bewundernswert. Aus den eingegangenen Unterlagen geht hervor, dass es den Pflegern unserer Heimat keineswegs ums Geld geht, sondern um das Aussehen ihrer eigenen Umgebung. Die Preisträger - aber auch die anderen Bewerber, die nicht zu den Ausgezeichneten gehören - haben, meist über viele Jahre hinweg, vorbildliche Arbeit für die Kulturlandschaft erbracht. Dem Schwäbischen Heimatbund ist das ehrenamtliche Engagement für Heimat, Natur und Landschaft ein mit den Vereinszielen eng verknüpftes Anliegen, und auch für die Sparkassenfinanzgruppe ist der private Einsatz für Natur und Landeskultur eine wichtige Sache.

Die Preisträger 1998

Erhalt der historischen Weinberge und Terrassenlandschaft im Gewann Burgberg/Steinberg sowie jährliches Landschaftspflegeprogramm

Aktionsgemeinschaft Steinheim/Murr (Landkreis Ludwigsburg) und Schwäbischer Albverein

Im grün belaubten Weinberg

Der Weinberg von Günther Mack am "Steinberg" wird naturnah bewirtschaftet.

Der Burgberg liegt hoch über dem Murrtal bei der Einmündung des Otterbachs im Süden von Steinheim an der Murr (Landkreis Ludwigsburg). Der rund 60 Meter hohe Steilhang wurde bis in die fünfziger Jahre durchgehend als Weinberg bewirtschaftet. Am Steinberg bot sich früher dieses Bild: eine Trockenmauer über der anderen, dazwischen schmale Rebzeilen, Felsbänder, kunstvolle Treppen. Doch der Hang wird seit vielen Jahren nicht mehr genutzt; wo früher Wein wuchs, dehnt sich mehr und mehr Gebüsch, an manchen Stellen sogar Wald aus. 1977 wurden am Steinberg auf einigen wenigen Parzellen die letzten Trauben geherbstet. Schwarzdorn und Hartriegel machten sich schnell auch auf diesen Terrassen breit. Die Weinberghäuschen fielen in sich zusammen, Baumwurzeln sprengten die Trockenmauern und brachten sie zum Einstürzen.

Seit 1983 entstand allmählich das "Steinheimer Naturschutzmodell": Die freigehaltenen Terrassen konnten von Jahr zu Jahr ausgedehnt werden, die Helferzahl nahm in den achtziger Jahren zu. Die Stadtverwaltung fand sechs Pächter, die wieder einige Weinberge anlegten und unter ökologischen Gesichtspunkten bewirtschaften. Zwei Pächter, Günther Mack und Jochen Aumann aus der zehn Kilometer entfernten Gemeinde Remseck, haben bis heute durchgehalten.

Während in den ersten Jahren hauptsächlich das Zurückdrängen von Gebüsch im Vordergrund stand, liegt neuerdings der Schwerpunkt auf der Förderung einer typischen Magerrasen-Vegetation und auf der Erhaltung der Trockenmauern. Die Steinheimer Ortsgruppe des Schwäbischen Albvereins hat die Organisation der Pflegeeinsätze übernommen. Mittlerweile werden Jahr für Jahr regelrechte Seminare zum Thema Trockenmauerbau organisiert; dabei wird die Kunst des Trockenmauerbaus von erfahrenen Leuten an interessierte Bürger und Jugendliche weitergegeben.

Mann mit Kettensäge in einer Weidenkrone

Die Ortsgruppe Löchgau des Albvereins pflegt seit Jahren die Kopfweiden am Seeländlesbach.

Nicht erst seit 1995, seit Einführung des "Landschaftspflegetages", an dem alle Ortsgruppen des Schwäbischen Albvereins im württembergischen Landesteil Landschaftspflegemaßnahmen durchführen, sondern schon viel früher engagierten sich im Landkreis Ludwigsburg - und natürlich auch anderswo - Albvereinsortsgruppen in Naturschutzgebieten, Naturdenkmalen und anderen schützenswerten und pflegebedürftigen Gebieten. Hier ist aber das Besondere, dass die notwendigen Pflegemaßnahmen seit 1988 kreisweit koordiniert werden und dass ganz gezielt die Pflege ausgewiesener flächenhafter Naturdenkmale im Vordergrund steht. Werner Brekle, Ludwigsburg, Gaunaturschutzwart im Schwäbischen Albverein, stellt jährlich die verschiedenen geplanten Maßnahmen zusammen und ruft kreisweit zu den Pflegearbeiten auf. Und so ist es zu erklären, dass die engagierten Mitglieder auch bei anderen Ortsgruppen und anderen Pflegegebieten mitarbeiten. So werden seit zehn Jahren im ganzen Kreisgebiet gemeinsame Pflegeaktionen gestartet, die Termine abgestimmt, und die Organisation geklärt: Wer hat Freischneidegerät, Motorsäge oder Balkenmäher, wer beschafft Getränke und Vesper, wer klärt, was genau zu tun ist, zum Beispiel mit der Unteren Naturschutzbehörde, wer nimmt Kontakt mit der Presse auf oder fertigt selbst einen Artikel mit Bild.

Rettung charakteristischer Feuchtwiesen in der Leintalaue bei Leinzell

Naturschutzbund NABU, Ortsgruppe Aalen (Ostalbkreis)

An der Leintalstraße bei Horn zwischen Leinzell und Heuchlingen (Ostalbkreis) gelangt man auf einem Feld- und Waldweg zu einer Lourdesgrotte inmitten eines finsteren Fichtenstangenholzes und zu einem hölzernen Steg über das Flüsschen Lein. Die Wiesen in der Talaue jenseits des munteren Baches und am Hang gehören zu einem Großteil dem Naturschutzbund Deutschland (NABU), Ortsgruppe Aalen. Die Lein verläuft hier in einem noch ziemlich naturnahen Bett, mit zahlreichen Schleifen und Mäandern.

Weil hier bei Hochwasser immer wieder Gelände abgetragen wurde, forderten die Grundeigentümer um 1980 wiederholt die Befestigung der Ufer und den Ausbau des Gewässers. Nachdem in der weiteren Umgebung vor drei, vier Jahrzehnten zahlreiche Privatgrundstücke in der Aue und am Hang mit Fichten aufgeforstet worden waren, folgten um 1990 neuerliche Aufforstungsanträge. Diese Entwicklungen waren Anlass für den NABU Aalen, mit erheblichen Zuschüssen der Naturschutzverwaltung des Landes Zug um Zug 18 Grundstücke zu erwerben. Damit konnten die charakteristischen Auewiesen an der Lein mit den Uferabbrüchen sowie aufforstungsgefährdete Hangwiesen gerettet werden.

Die Wiesen werden seitdem ohne Mineraldünger und ohne Schwemmmist als zweischürige Wiesen von Landwirten der Umgebung pachtfrei landwirtschaftlich genutzt. Binnen weniger Jahre hat sich eine artenreiche Pflanzengesellschaft eingestellt; das hochwertige Heu findet selbstverständlich in der Viehhaltung Verwendung. Einige Ar sind von einer Schülergruppe mit heimischen, robusten Obstsorten bepflanzt worden.

Wie die Aue- und Hangwiesen zwischen Horn und Schönhardt ohne das Engagement der Ortsgruppe Aalen des Naturschutzbundes Deutschland heute aussehen würden, ist nicht schwer zu erraten: Die Uferabbrüche wären um 1985 wohl mit massivem Steinmaterial befestigt worden, auch sollte eine geradlinige Flutmulde das Hochwasser schneller ableiten. Die Dynamik und der Abwechslungsreichtum des Gewässers, die Voraussetzung für das Vorhandensein von Wasseramsel und Eisvogel sind, wären damit aber nicht mehr gegeben.

Pflege der Wacholderheidenlandschaft bei Wildberg-Gültlingen

Schäfer Herbert Kleinbeck, Gültlingen (Landkreis Calw)

Schafherde am Hang

Die Herde von Herbert Kleinbeck am Killberg bei Gültlingen.

Schäfer Herbert Kleinbeck, Wildberg-Gültlingen (Landkreis Calw), pflegt vorbildlich die Heidelandschaft rings um den Ort. Das moderne Gehöft, eine Aussiedlung der siebziger Jahre, liegt hoch über dem Ort auf dem kargen Untergrund einer Muschelkalk-Anhöhe.

158 Hektar werden von Familie Kleinbeck bewirtschaftet, davon sind 133 Hektar Heiden und Wiesen sowie 25 Hektar Ackerland. Rund 500 Mutterschafe und die entsprechende Nachzucht sind der Tierbestand. Schäfer Kleinbeck, dessen Familie schon seit mehreren Generationen in diesem Beruf tätig ist und sich 300 Jahre zurückverfolgen lässt, hat eine wichtige Funktion als Landschaftspflegebetrieb in einem landschaftlich schönen, gleichzeitig aber sensiblen Bereich. Die meisten Heideflächen sind Naturschutz-, teilweise auch Landschaftsschutzgebiet, 55 Hektar sind Wasserschutzgebiet mit besonderen Auflagen.

Herbert Kleinbeck pflegt die Zusammenarbeit mit allen, die auf seinen Weideflächen "auch etwas zu sagen haben", mit Anliegern, der Gemeinde, der Landwirtschaftsverwaltung und anderen Behörden. So spart er seit Jahren einige orchideenreiche Teilflächen von mehreren Hektar Größe bei der Frühjahrsbeweidung aus und lässt die Tiere - trotz schlechterer Futterqualität und ohne Entschädigung - erst vom 20. Juli an hier weiden. Dass er sich an alle Vereinbarungen, ob mündlich oder schriftlich getroffen, stets genau gehalten hat, ist erwähnenswert, weil andernorts keineswegs selbstverständlich.

Reparatur der Waldachbrücke bei Haiterbach-Oberschwandorf

Ortsgemeinschaft Oberschwandorf (Landkreis Calw)

Männer mit Betonmischer und Schaufeln

Zahlreiche Helfer fanden sich ein, um die steinerne Bogenbrücke bei Oberschwandorf grundlegend zu sanieren.

Die weit über 200 Jahre alte Brücke - eine von drei früheren steinernen Bogenbrücken über die Waldach auf Gemarkung Oberschwandorf - ist stabil und langlebig. Sie war allerdings nicht für schwere Baufahrzeuge von der Art konzipiert, wie sie um 1972 und nochmals 1991 bei Bauarbeiten im Waldachtal die Brücke befuhren und diese so beschädigten, dass sie gesperrt werden musste. Die defekte Brücke aber war dem Verfall preisgegeben. Darüber, ob man die Brücke überhaupt brauche, entbrannte bald ein heftiger Streit. Aus rechtlichen wie finanziellen Gründen plädierte das Bürgermeisteramt Haiterbach für die Beseitigung der schadhaften Brücke.

Walter Gutekunst ergriff im Sommer 1995 die Initiative. Zunächst wurde mit einigen wenigen Helfern an einem Samstagvormittag der gröbste Schaden behoben. Da von einer örtlichen Bank eine Spende in Höhe von 3000,- DM zur Verfügung stand, konnte man die Sache richtig anpacken: In 80 unentgeltlich geleisteten Arbeitsstunden reparierten fünfzehn Männer aus Oberschwandorf die Brücke perfekt. Das Gewölbe wurde abgestützt und von unten repariert. Die Widerlager wurden mit Natursteinen ergänzt, und schließlich bekam die Brücke einen festen, von Ufer zu Ufer reichenden "Deckel" aus 24 Tonnen Beton und Baustahl; das alte Steingewölbe blieb unter dem neuen Sturz unversehrt erhalten. Nun ist die alte Brücke wieder begehbar.

Nicht auf andere warten, sondern selber aktiv werden, war das Motto, das die Jury für preiswürdig hielt. Wer heute die schöne steinerne Bogenbrücke im Waldachtal in der Nähe des neuen Friedhofs zwischen Unter- und Oberschwandorf überquert, wird kaum verstehen können, dass ein derartiges Kulturdenkmal, nicht einfach selbstverständlich erhalten worden ist.

Beweidung der Schliffkopfgrinden bei Baiersbronn und Landschaftspflegeaktion Schliffkopf

Schwarzwälder Weideland-Gesellschaft Baiersbronn (Landkreis Freudenstadt) und Aktionsgemeinschaft Schliffkopf

Bagger im Unterholz

Bei der jährlichen Schliffkopfaktion sind Maschineneinsatz und Arbeitskraft notwendig.

Wenige Schritte neben dem 1055 Meter hohen Gipfel des Schliffkopfs steht der Grenzstein mit dem württembergischen Wappen auf der einen und dem badischen auf der anderen Seite. Der größere Teil des Schliffkopfplateaus gehört zur Gemeinde Baiersbronn (Landkreis Freudenstadt), die gegen Westen abfallenden Flanken liegen im Ortenaukreis. Die alte Landesgrenze auf dem Höhenkamm ist im Bewusstsein der zahlreichen Wanderer und Ausflügler kaum noch vorhanden, und es ist auch anzunehmen, dass die alten Wappensteine vom früher hier oben grasenden Weidevieh nicht beachtet worden sind. Denn der Schliffkopf war - wie weite Teile der Höhen des Nordschwarzwaldes - bis vor etwa hundert Jahren Weideland und wurde in einer Art Alpbetrieb von den Talsiedlungen aus bewirtschaftet.

Seit 1960 ergreift der Wald allmählich wieder von den Höhenlagen Besitz. Die seit Jahrhunderten freien Grindenflächen - "Grind" = schwäbisch "Kopf" - sind ein wesentliches Charakteristikum des Nordschwarzwaldes, und niemand, der die Schwarzwaldhochstraße entlang fährt oder hier oben wandert, möchte dieses einmalige Landschaftsbild missen.

Seit mehr als drei Jahrzehnten wird Jahr für Jahr im Rahmen der "Schliffkopfaktion" an einem Samstag im Frühherbst in Teilflächen des Naturschutzgebietes Schliffkopf, das bereits vor 60 Jahren amtlich ausgewiesen wurde, rechts und links der Schwarzwald-Hochstraße Landschaftspflege betrieben. Organisiert vom Landratsamt Freudenstadt und vom Forstamt Obertal finden sich Mitglieder vom Schwarzwaldverein und der Bergwacht sowie weitere Beteiligte zusammen, um den in den Tagen zuvor gefällten Kiefern- und Fichtenaufwuchs aus den Grindenflächen zu Sammelplätzen zusammenzutragen, wo alles gehäckselt und abtransportiert wird. Meist sind es über hundert Personen, die sich zu den Aktionen einfinden, die Veranstaltung hat längst Tradition. Große Flächen sind in den letzten Jahrzehnten auf diese Weise freigehalten worden.

Landschaftspflege mit der Motorsäge kann vieles leisten, eine Nutzung des Geländes aber nicht ersetzen. Durch das Entfernen von Bäumen kann zwar die Aussicht erhalten werden, ein Vordringen des Pfeifengrases und die damit einhergehende Verdrängung der Rasenbinse von Arnika und Schweizer Löwenzahn kann jedoch so nicht verhindert werden. Seit einigen Jahren wurde deshalb eine Beweidung von Teilflächen des Naturschutzgebietes diskutiert.

Manchen erschien dieses Ansinnen wegen der damit verbundenen notwendigen Viehkoppeln unmöglich. Aber schließlich obsiegten die weitsichtigen Kräfte. Es fand sich auch jemand, der bereit war, auf das Risiko einer Beweidung einzugehen: Gerold Wein aus Alpirsbach-Reinerzau, Diplombiologe und Landwirt. Zusammen mit zwei Gesellschaftern gründete er 1996 die "Schwarzwälder Weideland-Gesellschaft" und schaffte 50 Hinterwälder Rinder an, einer im Schwarzwald einst weit verbreiteten Rasse. Die Mutterkuhherden weiden unten im Kinzig- und im Murgtal, das Jungvieh ist von Juni bis September auf zunächst 16 Hektar Grindenfläche auf dem Schliffkopf untergebracht. Eine Fläche, die im Vorjahr bei der Schliffkopfaktion von Fichtenaufwuchs befreit worden war, wurde von der Bezirksstelle für Naturschutz Karlsruhe mit einem Koppelzaun umgeben; die Forstverwaltung gab ihr Einverständnis zu dem Modellprojekt auf den landeseigenen Flächen. Nach fast hundertjähriger Pause sind also wieder Weide-Rinder auf dem Schliffkopf.

Die "Wälderle", wie die Hinterwälder Rinder allgemein genannt werden, fühlen sich hier oben wohl, fressen zur Freude der Naturschützer das Pfeifengras und nehmen zur Freude der Eigentümer sogar ganz gut an Gewicht zu. Und zwischenzeitlich gibt es im Schliffkopf-Hotel eine eigene Speisekarte mit Gerichten vom Hinterwälder Rind. Über die Zusammenarbeit mit der Gastronomie sowie über die Fleischvermarktung an Privatkunden kann sichergestellt werden, dass die Beweidung auch dauerhaft betrieben werden kann.

Pflege der Wacholderheide Käpelleshalde Epfendorf

Schwäbischer Albverein, Ortsgruppe Epfendorf a. N. (Landkreis Rottweil)

Blick aus der Ortschaft auf einen Hügel mit Kapelle

Die steile Heide der Käppeleshalde bestimmt das Ortsbild von Epfendorf.

Die Pflege der Wacholderheide Käpelleshalde Epfendorf (Landkreis Rottweil) hat sich die Ortsgruppe Epfendorf des Schwäbischen Albvereins zur Aufgabe gemacht. Seit über zehn Jahren wird die markante Heide mit der krönenden Kapelle oberhalb des Ortes mustergültig freigehalten. Es handelt sich dabei um ein äußerst steiles Gelände sehr zum Leidwesen der freiwilligen Helferinnen und Helfer. Schon von weither sticht der imposante Wacholderhang über dem Ort ins Auge.

Jedes Jahr kommen bereits im März viele Wanderer und Naturliebhaber nach Epfendorf, um die unzähligen Küchenschellen zu bewundern. Doch nicht nur dieser schöne Frühblüher ist es, der die Besonderheit der Käpelleshalde ausmacht. Karl Aigeldinger, Hobbybotaniker, hat über lange Jahre die Pflanzenwelt beobachtet und eine eindrucksvolle Artenliste zusammengestellt. Dieses Arteninventar beweist eindrücklich, dass die Käpelleshalde zu den besonders mageren, trockenen Standorten gehört und damit eine Sonderstellung unter den Trockenrasen des oberen Neckartales einnimmt.

Ausgerüstet mit zwei eigenen Freischneidegeräten und einer Motorsäge haben die Epfendorfer Albvereinler im Lauf der letzten zehn Jahre den auf der Heide aufkommenden Baum- und Strauchwuchs ausgedünnt und zurückgedrängt. Erfahrungsgemäß ist es dabei nicht mit einer Einmalaktion getan, vielmehr müssen Stockausschläge über Jahre hinweg kurzgehalten werden. Früher erledigten dies Schafe, heute bedarf es eben maschineller Hilfe, wenn das charakteristische Landschaftsbild erhalten werden soll.

Einige Jahre halfen örtliche junge Landwirte bei den Arbeiten mit, neuerdings unterstützt der Stuttgarter Pflegetrupp des Schwäbischen Albvereins bei Sägearbeiten die Epfendorfer Ortsgruppe. Auf dem First der Halde steht die zwar markante, eigentlich aber eher unscheinbare, Friede und Eintracht ausstrahlende Marienkapelle. Sie wurde im Jahr 1935 von der heute 91jährigen Maria Maier aus Epfendorf gestiftet und ist für viele Gläubige Anziehungspunkt zur besinnlichen Andacht.

Landschaftspflegemaßnahmen im Schmiechtal bei Schelklingen-Hütten

Ortschaft Schelklingen-Hütten (Alb-Donau-Kreis)

Steinerne Christusfigur eingerüstet

Restaurierung des "Guten Hirten" oberhalb von Hütten.

Der seit 1973 zu Schelklingen (Alb-Donau-Kreis) gehörende Ort Hütten liegt im landschaftlich reizvollen Schmiechtal und hat gerade einmal 400 Einwohner. Seine Vereine haben sich seit vielen Jahren die Erhaltung und Pflege von Kultur und Landschaft zur Aufgabe gemacht. In zahlreichen ehrenamtlichen Arbeitseinsätzen wurden enorme Leistungen erbracht, die sich im Orts- und Landschaftsbild deutlich abzeichnen.

Da ist zunächst die Wacholderheide Eichhalde zwischen Hütten und Sondernach zu nennen. Vor fünfzehn Jahren mangels Beweidung nahezu völlig vom Zuwachsen bedroht, ist es der Albvereins-Ortsgruppe unter Mithilfe der gesamten Bevölkerung über eineinhalb Jahrzehnte hinweg gelungen, die Heide wieder freizumachen. Und obwohl die Ortsverwaltung einen Schäfer beauftragen konnte, zwei- bis dreimal die Heide samt weiteren Hängen abzuweiden, muss laufend der starke Nachwuchs an Eschen und vor allem an Schwarzdornhecken mechanisch niedergehalten werden. Rund 4500 freiwillige Arbeitsstunden wurden in den vergangenen Jahren an der Eichhalde geleistet.

Der Hohle Fels gehört zu einer Reihe kleiner Höhlen im Schmiechtal. Zwischen 1950 und 1960 wurde die Umgebung der Höhle mit Fichten aufgeforstet; der Fels und der Höhleneingang verschwanden im Fichtengrün. Nachdem die Stadt 1992 das umgebende Gelände erwerben konnte, haben Feuerwehrabteilung und Albverein einen Großeinsatz durchgeführt: Der Fichtenbestand wurde abgeholzt und eine geradezu malerische Idylle geschaffen. Damit der Hang nicht gleich wieder zuwächst, kommt eine Ziegenherde zum Einsatz. Dennoch ist auch hier mechanische Pflege unausweichlich. Mit dieser beispielhaften Aktion ist es gelungen, ein Stück Natur und Kultur zu erhalten und wieder sichtbar zu machen.

Beim Nachbarort Talsteußlingen wurde an der Schmiech 1985 das ehemalige Antriebsrad der Örtlichen Getreidemühle aufgebaut, das zuvor die gesamte Mühle angetrieben hatte, aber durch eine Turbine ersetzt worden war. Das 1911 gebaute Rad befand sich in einem sehr schlechten Zustand; besonders die Bretter waren altersbedingt morsch und brüchig geworden. Durch einen großartigen Einsatz der Feuerwehrabteilung, die über 600 Arbeitsstunden leistete, konnte das Rad im Sommer 1997 vor dem Verfall gerettet werden.

Auf einem Felskopf oberhalb von Hütten wurde um die Jahrhundertwende das Wahrzeichen des Orts, eine große Statue des "Guten Hirten" errichtet. Diese Statue war renovierungsbedürftig, sie war bemoost und der Beton brüchig. Der Ortschaftsrat Hütten hat Anfang der achtziger Jahre die Statue gereinigt und saniert. Dazu musste ein vierstockiges Gerüst gebaut werden, und viele freiwillige Arbeitstage waren erforderlich.

(Texte: Reinhard Wolf; Bilder: Amt für Landwirtschaft Wildberg, Gutekunst, Hirsch, NABU Aalen, Raiber, Scharfe, Wein, Wolf, Zimmermann, Schwäb. Albervereine in Epfendorf, Gemmrigheim, Hohenhaslach und Löchgau)

Hinweise

In der Schwäbischen Heimat berichten wir jedes Jahr ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern