Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 1994

. . . . . .

Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 1994

Äpfel am Zweig

Sechs Kulturlandschaftspreise und acht öffentliche Auszeichnungen konnten 1994 vergeben werden. Unter den Preisträgern und unter all den anderen, die sich beworben haben, aber nicht mit einem Preis oder einer Anerkennung ausgezeichnet werden konnten, befinden sich viele, von denen man lernen kann: ehrenamtliches Engagement, ein Sinn für Tradition, Natur und Kultur, harte Arbeit und Verzicht auf höchste Wirtschaftlichkeit sind notwendig, um unsere Kulturlandschaft mit ihrer Schönheit einigermaßen heil ins nächste Jahrtausend zu überführen. Gäbe es mehr solcher Menschen mit dieser Einstellung gegenüber Natur und Landschaft, dann wäre es in unserem Land besser bestellt um Tiere und Pflanzen, um die Kulturlandschaft - und sicher auch um uns selbst!

Die Preisträger 1994

Pflege des geplanten Naturschutzgebiets "Betzenbuckel" im Sinne der traditionellen Schäferei

Karl Baumgärtner, Heimsheim (Gemeinde Leonberg, Enzkreis)

Schäfer und Hund bei der Herde

Karl Baumgärtner mit seiner Schafherde auf dem Betzenbuckel bei Heimsheim, einer wertvollen und stimmungsreichen Heidelandschaft.

Landwirt und Schäfer Baumgärtner ist mit Leib und Seele ein naturverbundener Mensch. Zwischen Schäfern und Bauern gibt es ja so etwas wie eine Urfehde: der Kampf zwischen Sesshaften und Nichtsesshaften. Den Landwirten ist der Schäfer oft ein Dorn im Auge, ein Konkurrent, den man eben dulden muss. Das gilt erst recht, seitdem man nicht mehr auf den Schafdung angewiesen ist und sich nicht mehr vor Gericht um "Pferchnächte" streitet, sondern mit dem Düngerstreuer über die Felder fährt. Der Schäfer andererseits freut sich, wenn er den Bauern ein Schnippchen schlagen und seine Schafe mal ein Stückchen Wiese abweiden lassen kann, wo's eigentlich nicht sein dürfte. So bedeutet in vielen Gegenden bis heute die Schäferei andauernder Kampf und Streit.

In Heimsheim ist das anders, und das liegt vor allem daran, dass Karl Baumgärtner Schäfer und Bauer zugleich ist. So hat er Verständnis und Wissen um beide Belange. Deshalb ist er in Heimsheim nicht nur gelittener Gast, sondern gehört zur Markung und zur Gemeinde. Der Betzenbuckel, die größte und schönste Heidelandschaft im Enzkreis, ist in seinem jetzigen Erscheinungsbild vornehmlich sein Werk: Es sähe heute dort oben ganz anders aus, wenn er nicht da wäre. Kiefern und Gebüsch hätten überhand genommen und sich mit der Zeit zu einem geschlossenen Wald verdichtet. Zwar haben 1982 die Gemeinden Heimsheim und Friolzheim und die Naturschutzverwaltung des Landes zusammen einen Schafstall gebaut; zwar unterstützt die Bezirksstelle für Naturschutz Karlsruhe den Schäfer seit vielen Jahren mit Pflegemaßnahmen, und die Gemeinden tun ihr Bestes. Aber die wichtigsten in diesem Bund sind doch die Schäfer Karl Baumgärtner und sein Sohn Ulrich sowie die Herde. Da Herr Baumgärtner als Landwirt und Schäfer auf zwei Beinen steht, ist seine Herde übrigens nicht die größte: Das tut dieser Heidelandschaft aber nur gut, denn dort, wo die Herden zu groß sind, gibt es auch schnell Probleme der Übernutzung.

Wiederherstellung und Betrieb der Rümelinsmühle als Beispiel einer traditionellen Wasserkraftanlage

Familie Kugler, Rümelinsmühle, Murrhardt (Rems-Murr-Kreis)

Fachwerkhaus

Die Rümelinsmühle am Stadtrand von Murrhardt, die einzige Mühle weit und breit, die nur mit Wasserkraft angetrieben wird. Das Wasserrad datiert von 1799.

Die Rümelinsmühle am Stadtrand von Murrhardt, am schönen Dentel- oder Trauzenbach, ist die einzige Mühle weit und breit, die noch mit Wasserkraft arbeitet. Das Wasserrad aus dem Jahr 1799, 1983 erneuert, dreht sich noch, die Kanäle, Schieber, Fallen und der Leerschuss funktionieren. Zusammen mit Scheunen, Ställen, Backhaus und Bauerngarten mit Staketenzaun bildet das große Mühlengebäude ein Ensemble, das stadtbildprägend, ja geradezu stadtbeherrschend ist.

Familie Kugler betreibt das Anwesen in der traditionellen Form; natürlich nicht wie vor 200 Jahren, aber doch so, dass mit gewerblicher und landwirtschaftlicher Nutzung ein Mühlenanwesen erhalten werden kann, wie man es sich eben so vorstellt. Hinter dem Haus liegen weite Wiesen mit dem Kanal, heute natürlich nicht mehr einsam und still am Stadtrand von Murrhardt, sondern eingebunden in die Stadtrandlandschaft mit Wohnsiedlungen, Schul- und Sportzentrum. Doch die Idylle trügt: Die Rümelinsmühle hat einen Nachbarn, nämlich eine große Firma, die mit ihren modernen Bauten das Murrhardter Stadtbild mindestens genauso prägt. Und diese Firma ist auf Expansionskurs, was man ihr ja gönnen will. Wer expandiert, braucht Platz, und so ist derzeit eine neue Firmenzufahrt geplant, die direkt bei der Mühle den Bach überqueren soll. Eine ganze Reihe Bäume müsste weichen, Bauerngarten und Mühlenhof würden leiden. Das schöne Ensemble würde dadurch erheblich beeinträchtigt. Kulturlandschaft verpflichtet, und nicht selten sind die Kompromisse, die man heute so gern schließt, in Wirklichkeit keine: Ein bisschen Kultur und ein bisschen moderne Fabrikzufahrt, das geht eben eindeutig zu Lasten des Gesamteindrucks. Man darf also gespannt sein, wie die Stadt Murrhardt letztlich entscheiden wird.

Aktion "Apfelsaft aus Streuobstanbau" als beispielhafte Vermarktung von Obst aus landschaftsprägenden Obstwiesen

BUND, Ortsgruppe Ravensburg

Großer Apfelbaum

Im Bodenseehinterland gibt es nicht nur Niederstammanlagen für Tafelobst, sondern in den Streuobstwiesen auch solche Prachtexemplare wie diesen Baum der Marke Kickacher Sämling.

Wer im Herbst im südlichen Landkreis Ravensburg unterwegs ist, sieht allerorten die Verkaufsstände und Schilder mit "Bodenseeobst": riesige rote und gelbe Äpfel, von denen ein Dutzend schon einen Spankorb füllt. Mit solchem Obst kann die BUND-Ortsgruppe Ravensburg nicht dienen, dafür aber mit Mostobst von Obstwiesen alter Prägung. Lokalsorten wie der "Kickacher Sämling" sind darunter, die weit ausladende Bäume bilden und deren Pflege, für sich allein genommen, schon eine preisverdächtige Leistung darstellt. Mit den Obstwiesen ist es ja so: Alle Leute sagen, sie seien schön und man müsse sie unbedingt erhalten. Aber dabei bleibt es oft auch. Dann gibt es welche, die pflanzen neue Bäume, kümmern sich aber nicht mehr drum. Und dann gibt es andere, die pflegen und ernten und tun so etwas für unsere Landschaft.

Besonders ist hervorzuheben, dass man sich in Ravensburg um die Vermarktung des Obsts kümmert: Das ist ein wesentlicher Schritt in die richtige Richtung! Die BUND-Ortsgruppe Ravensburg hat den Besitzern von Obstwiesen in den letzten Jahren einen Preis von 20 Mark pro Zentner vertraglich zugesichert. Das ist schon ein Unterschied gegenüber den höchstens 7,50 Mark, die man üblicherweise erhält. Angenommen werden ausschließlich Äpfel von Hochstammbäumen; die Eigentümer verpflichten sich, keine Pestizide zu verwenden, sich einer Kontrolle zu unterziehen, keine flächigen Rodungen vorzunehmen und abgängige Einzelbäume zu ersetzen. Dies ist der einzige Weg, unsere charakteristischen Obstwiesen in Zukunft zu erhalten.

Über das Ergebnis dieser Aktion kann man nur staunen: 240 Tonnen Obst von rund hundert Eigentümern sind 1993 gesammelt worden; rund 14.000 Obstbäume konnten dadurch gesichert werden. Diese Zahl imponiert fast mehr als die folgende: 150.000 Liter Apfelsaft wurden gemostet und vermarktet, und 1994 hat die Leistung nochmals zugenommen. Mit Hilfe eines "Marketing-Konzepts" sollen sich Erzeuger und Verbraucher in Zukunft näher kommen. So ist's recht: Instrumente, die sich in Industrie und Handel bewähren, müssen auch bei der Pflege der Kulturlandschaft zur Selbstverständlichkeit werden.

Beispielhafte Vermarktung von Obst aus gefährdeten landschaftsprägenden Obstwiesen

Projektgruppe Streuobstwiesen Beilstein-Ilsfeld-Oberstenfeld (Kreise Heilbronn und Ludwigsburg)

Zeitgleich, aber völlig unabhängig von der Ravensburger Initiative ist in Beilstein im Kreis Heilbronn dieselbe Idee gereift. Auch hier hat vor Jahren eine Gruppe die Initiative ergriffen, statt dem langsamen Tod der Obstwiesen zuzuschauen und zu lamentieren. Seit 1988 gibt es diese die Gemeindegrenzen übergreifende Gruppe, auch hier steigerten sich die Größenordnungen: 1993 waren es 343 Tonnen Obst von 240 Baumbesitzern, an die rund 100.000 DM ausbezahlt wurden. Damit sage ein Mensch, der traditionelle Obstbau habe keine wirtschaftliche Bedeutung mehr! 225.000 Liter Apfelsaft wurden daraus gemacht, und heute zählen sogar Nobelrestaurants zu den Kunden. Und das mitten in einer Weingegend, das will was heißen. Möglich ist ein solcher Erfolg nur mit viel ehrenamtlichem Engagement und der Bereitschaft zu harter Arbeit!

Langjährige umfassende Pflegemaßnahmen auf den Heiden und an den Hülen in der Umgebung von Feldstetten

Ortsgruppe Feldstetten des Schwäbischen Albvereins (Alb-Donau-Kreis)

drei Männer an einem jungen Baumstamm

Mitglieder der Ortsgruppe Feldstetten des Schwäbischen Albvereins beim Pflanzen eines Baums.

Es gibt ja viele Leute, die genau wissen, was in unserer Landschaft draußen gemacht werden sollte. Die Feldstettener Albvereinler wissen es auch, legen aber dazuhin kräftig Hand an. Wer Feldstetten auf der Albhochfläche kennt, der kennt auch die herrliche Landschaft. Wer offenen Auges dort wandert, sieht die drohenden Gefahren: Die Heiden verwachsen, die zum Teil kleinen Fleckchen, welche die Vielgestalt dieser Gegend ausmachen, verschwinden langsam aber sicher. Die Ortsgruppe des Albvereins hat rund zehn Hektar Heidefläche in Pflege genommen. Das will etwas heißen, vor allem, weil die Arbeit sich nicht in kurzfristiger Begeisterung erschöpft, sondern nun schon über viele Jahre mit Kontinuität betrieben wird.

Außerdem wurden zwei Hülen - Wasserstellen auf wasserstauenden Schichten, was auf der Albhochfläche eine Seltenheit ist - in Obhut genommen. Zwar dienen diese Hülen heute nicht mehr der Wasserversorgung von Vieh und Menschen, aber Kulturdenkmale sind sie sicher, die ohne Betreuung und Pflege verschwinden würden. Baum- und Heckenpflanzungen ergänzen die Initiativen; kurzum, die Ortsgruppe des Albvereins hat ihre Augen auf der ganzen Umgebung von Feldstetten und darüber hinaus an vielen schönen Fleckchen "die Finger mit im Spiel".

Langjährige umfassende Pflegemaßnahmen auf Heiden, an Hülben und in den Heckenlandschaften der Geislinger Alb

Bezirksgruppe Geislingen des Bundes Naturschutz Alb-Neckar (Kreis Göppingen)

Männer graben auf einer Wiese

Mitarbeiter des Bundes Naturschutz Alb-Neckar, Bezirksgruppe Geislingen, bei einem Arbeitseinsatz im Feuchtgebiet Gostal.

In einer der schönsten Gegenden der Schwäbischen Alb, dem oberen Filstal, hat sich der Bund Naturschutz Alb-Neckar vorbildlich der Landschaftspflege angenommen. Das frühere, an den Steilhängen und auf den kuppigen Hochflächen von Schafherden geprägte Landschaftsbild ändert hier zusehends seinen Charakter. Wer alte Bilder anschaut, kann meinen, es seien zwei verschiedene Welten. Was im heutigen System der Landwirtschaft Ausschussland ist, war und ist hier das Landschaftstypische: Wacholderheiden, unterschiedliche Wiesen von der Feuchtwiese mit Trollblumen bis zum orchideenreichen Trockenhang, alte Viehtriebe, Hülben und vieles mehr. Auf einem Pachtgelände betreiben die Mitglieder der Geislinger Bezirksgruppe seit fünfzehn Jahren die früher ortstypische Dreifelderwirtschaft mit einem besonderen Augenmerk auf Ackerwildkräuter. Wie arm wäre die Filsalblandschaft, gäbe es alle diese Elemente der Kulturlandschaft nicht mehr!

Der Tatkraft der Bezirksgruppe Geislingen des Bundes Alb-Neckar ist es zu verdanken, dass viele dieser Gebiete erhalten blieben und auch eine Zukunft haben. Zahlreiche Pflegeaktivitäten seit mehr als fünfzehn Jahren und eine regelmäßige Betreuung vieler schöner Fleckchen der weiteren Umgebung Geislingens sind herauszustellen; als Beispiel sei die abschnittsweise Verjüngung von Hecken erwähnt, die längerfristig zur Erhaltung lebensfähiger Hecken unumgänglich ist.

Offenhalten einer charakteristischen Landmarke am Albtrauf: langjährige Pflegemaßnahmen am Ebersberg bei Thanheim

Ortsgruppe Bisingen des Schwäbischen Albvereins (Zollernalbkreis)

Wer schon einmal bei einer Heidepflegeaktion dabei war, der weiß, dass man dabei schnell ins Schwitzen kommt. Am Ebersberg bei Thanheim gilt das doppelt, denn der Hang ist so steil, dass man schon beim Laufen schwitzt, ohne überhaupt gearbeitet zu haben! Man kann sich kaum auf den Füßen halten, so steil ist der Berg. Diesen Steilhang anzuschauen und zuzugucken, wie Schäfer und Schafe dort ihrem Nahrungserwerb nachgehen, ist eine Sache. Hand anlegen und dem Schäfer helfen, eine andere. Die Weidefläche wurde laufend kleiner, und es war absehbar, bis eines Tages die Nutzung hätte eingestellt werden müssen, wie es an anderen Hängen ja laufend zu beobachten ist. 1976 war 20 Prozent des Hanges verbuscht, 1987 bereits ein Drittel. Nun aber mühen sich seit einigen Jahren mehrere Dutzend Helfer, "ihren" Ebersberg offen zu halten und damit als charakteristische Landmarke am Albtrauf bei Bisingen-Thanheim im Zollernalbkreis zu erhalten. Dass bei den Pflegeaktionen eine hervorragende Zusammenarbeit mit dem Forstamt, der Gemeinde, dem Schäfer und anderen Naturschutzverbänden "gepflegt" wird, sei beiläufig erwähnt, weil dies manchmal keine Selbstverständlichkeit ist.

Rettung und Sicherung der Schwenninger Steige als kulturhistorisches Denkmal

Ortsgruppe Ebingen des Schwäbischen Albvereins (Gemeinde Albstadt, Zollernalbkreis)

Radspuren im Wald

Albvereinler haben in der Umgebung von Ebingen in alten Steigen, die für den Autoverkehr viel zu steil sind, Rinnen für die von Pferden gezogenen Wagen gefunden, ja sogar in den Felsen gehauene Weichen oder Ausweichstellen. Solche Rinnen verhinderten ein Abrutschen der Räder, was am Steilhang der Schwäbischen Alb tödlich gewesen wäre.

Für eine nicht alltägliche Aktion erhält die Ortsgruppe Ebingen des Albvereins eine öffentliche Anerkennung. Dass die heutigen Steigen am Albtrauf, auf denen man in Windeseile die rund 300 Höhenmeter überwindet, nicht die alten Verkehrswege sind, ist allgemein bekannt. Dass es aber noch aus dem Mittelalter stammende Steigen mit Geleisen wie bei einer Straßenbahn gibt, das wissen wohl die wenigsten. Die Ebinger Albvereinler haben die alte Schwenninger Steige von Laub und Gesteinsschutt befreit und so ein einmaliges kulturhistorisches Zeugnis freigelegt. Damit die von Pferden oder Ochsen gezogenen Wägen nicht den Steilhang hinabkippen konnten, liefen die Wagenräder in schienen, in Rinnen, die in den Fels gemeißelt sind.

Dass hin und wieder doch Unfälle passierten, beweisen sieben in den Fels gemeißelte Kreuze, die an den Tod einer siebenköpfigen Familie erinnern; der "Sieben-Kreuzle-Weg" heißt die Steige seitdem. Sogar "Weichen" wurden nachgewiesen, so dass sich die Wägen ausweichen konnten. Diese Stelle, die nun wieder sichtbar ist, findet man an der Traufkante und zwischen jähen Felsen, wo heute niemand auf die Idee käme, eine Straße zu bauen. Dieser Weg ist ein Zeugnis der Kultur unserer Vorfahren; sicher könnte man auch andernorts solche Spurrillen entdecken, wenn sich jemand drum kümmern würde. Hier in Ebingen hat sich selbstlos eine Gruppe gefunden, ein solches Zeugnis aufzuspüren, zu dokumentieren, in Ordnung zu bringen und zu pflegen.

Pflege der Wiesenaue des Naturschutzgebietes im Würmtal bei Aidlingen

Familie Friedrich Bauer, Aidlingen (Kreis Böblingen)

Im Würmtal im Kreis Böblingen ist seit vielen Jahren ein Prozess zu sehen, wie es für viele Täler typisch ist: Wiesen werden umgebrochen und in Maisäcker verwandelt, die restlichen Flächen werden entweder gut gedüngt und sind mehr oder weniger reine "Grasäcker" oder aber sie werden nicht mehr gemäht und fallen brach. Friedrich Bauer ist Bauer und gleichzeitig ein ausgesprochener Naturfreund. Er pflegt seit nunmehr fünfzehn Jahren große Teile des Würmtales bei Aidlingen auf naturverträgliche Weise: Die Wiesenaue - sie ist seit einigen Jahren teilweise als Naturschutzgebiet ausgewiesen - wird kleinflächig und zu unterschiedlichen Zeitpunkten gemäht, d.h. Kleintiere finden immer irgend wo Nahrung und Unterschlupf. Entlang der stellenweise noch in Schlingen sich windenden Würm bleibt ein Uferstreifen ungenutzt liegen und wird so gepflegt, wie es Naturschützer gerne sehen: "Gewässerrandstreifen" heißt man das heute. Rund sieben Hektar hat Herr Bauer selbst wieder von Acker in Wiese rückverwandelt, und schließlich hat er auf seinen Weideflächen die Großvieheinheiten von 3 auf ca. 0,8 pro Hektar herabgesetzt.

Projekt "Ein Grüngürtel um Weildorf" und vielfältige Aktivitäten zur Pflege der Gemarkung

Obst- und Gartenbauverein Haigerloch-Weildorf (Zollernalbkreis)

Einen "Grüngürtel" um das Dorf anzulegen bzw. dort zu erneuern, wo er verloren gegangen ist, hat sich der Obst- und Gartenbauverein Weildorf bei Haigerloch vorgenommen. Was heißt vorgenommen: Baumreihen, Feldgehölze und Hecken wurden gepflanzt, der "Grüngürtel" kann sich sehen lassen! Betreut werden die Pflanzungen selbstverständlich auch von diesem Verein, denn ohne laufende Pflege wäre die einmalige Aktion sinnlos. Wer sich schon einmal für Hecken- und Baumpflanzungen am Ortsrand eingesetzt hat, der weiß, wie schwierig das ist: Überzeugungskraft gehört dazu und vor allem Tatkraft. Es wird den Weildorfern nicht anders gegangen sein wie dem Autor bei ähnlichen Aktionen: Man muss auch ertragen können, belächelt, ja manchmal als "grüner Spinner" angesehen zu werden. Großes Engagement haben die Vereinsmitglieder an den Tag gelegt, und man kann nur hoffen, dass Hecken und Bäume gedeihen. Möge sich nicht ereignen, was in manch anderem Dorf geschieht: Dass nämlich der "Grüngürtel" mit der Zeit doch von neuen Baugebieten aufgefressen wird. Weildorf ist im Vergleich mit vielen anderen Dörfern geradezu eine Idylle. Aber gerade dort, wo noch etwas vorhanden ist, sind derartige Initiativen wichtig, nicht erst, wenn alles kahlgehauen ist! Schutz, Pflege und Neuanlage, das geht bei den Weildorfern Hand in Hand.

Rettung und Pflege eines kulturhistorisch bedeutsamen Hohlweges sowie Pflege von Trockenrasen

Familie Birgit und Hans Fruh, Eppingen-Richen (Kreis Heilbronn)

Wege und Straßen sind ja in der Regel öffentliches Eigentum. In Richen bei Eppingen im Landkreis Heilbronn ist es - zumindest in einem Fall - anders: Da gibt es einen alten heckengesäumten Hohlweg auf Privatgrund. Und Familie Fruh ärgerte sich jahrelang beim Vorbeikommen über die zunehmenden Ablagerungen von Unrat dort. Schließlich war es nicht mehr unwahrscheinlich, dass die Hohle in absehbarer Zeit zugefüllt ist. Gegen schärfste Konkurrenz eines Mitbieters, der das Gelände einebnen und als Obstanlage nutzen wollte, hat Familie Fruh den Hohlweg mit dem angrenzenden Grundstück erworben. Nun ist der Hohlweg gerettet, zwischenzeitlich wieder sauber, und das angrenzende Gelände als Obstwiese mit Hochstammbäumen angelegt. Andere Flächen am Hang werden als blumenreiche Halbtrockenrasen gepflegt. Die vorbildliche Privat-Initiative einer Familie! Behaupte jemand, als Privatperson sei man gegenüber der zunehmenden Beeinträchtigung unserer Kulturlandschaft machtlos!

Anlage von Feuchtgebieten im Gossenzuger Tal sowie zahlreiche weitere Landschaftspflegemaßnahmen

Naturschutzgruppe "Schwäbische Alb" im Schwäbischen Albverein (Landkreis Reutlingen)

Männer mit Hacken

Im Gossenzuger Tal bei Zwiefalten sind Akteure der Naturschutzgruppe "Schwäbische Alb" am Werk, ein Feuchtgebiet zu gestalten.

Georg Nau aus Bleichstetten bei St. Johann, Gaunaturschutzwart des Schwäbischen Albvereins, ist ein naturverbundener Mensch. Wo er auch hinkommt auf der Uracher Alb, er sieht etwas, wo man Hand anlegen müsste. Und dann kann man auch davon ausgehen, dass es die längste Zeit gedauert hat, bis die Sache erledigt wird. Mit einer aktiven Helferschar, die er seit Jahren zu motivieren und sachkundig anzuleiten versteht, werden Heidestreifen und Tümpel gepflegt, Bäume und Hecken gepflanzt, Streifendienste in Naturschutzgebieten, in Naturdenkmalen, in Höhlen und an Felsen unternommen, Quellen, Bäche und Altwasser von Unrat gesäubert und - wo sinnvoll - neue Tümpel angelegt. Die Gruppe macht das, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, aber nicht ist: die Kulturlandschaft pfleglich behandeln.

Die Anerkennung erhält die Naturschutzgruppe schon diese Bezeichnung ist etwas Besonderes - vor allem für die naturnahe Umgestaltung des Gossenzuger Tales unweit von Zwiefalten. Ein Tümpel und weitflächige Feuchtgebiete sind dort in der Talaue entstanden, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten Lebensraum bieten. Die Gruppe um Georg Nau findet sicher weitere Betätigungsfelder und wird weiterhin aktiv bleiben. Im Landschaftsbild drückt sich ihr Wirken aus, und kommende Generationen werden diese Arbeit hoffentlich mehr würdigen, als heute der Naturschutzgruppe ihr unermüdlicher Einsatz gedankt wird.

langjährige Pflege des Naturschutzgebietes 2Hülenbuchwiesen2 in der traditionellen Art einer Holzwiese

Familie Gerhard Bauer, Meßstetten-Tieringen (Zollernalbkreis)

Wenige hundert Meter vom Feriendorf Tieringen entfernt, in der Nähe der vielbesuchten Wanderziele Lochenstein und Hörnle oberhalb von Balingen, liegt das Landschaftspflege-Gehöft von Familie Bauer. 1972 hat sich Gerhard Bauer auf das Experiment eingelassen, in einer Höhenlage von 940 Meter auf Böden, wo in Spatenstichtiefe der Jurafels ansteht, Heuwirtschaft zu treiben. Er hält Hinterwäldervieh und betreibt eine Mutterkuhhaltung. Auf diese Weise kann die einmalige Landschaft des Naturschutzgebietes "Hülenbuchwiesen" erhalten werden.

Die weite Wiesenlandschaft am Albtrauf mit malerisch eingestreuten Baumgruppen und Hecken und vor allem der herrliche Aussichtspunkt mit einem weiten Ausblick ins Albvorland zieht viele Besucher an. Viele Wanderer und Spaziergänger vom nahen Familienferiendorf gehen am Hof vorbei. Manchmal wird sich Familie Bauer denken: "Denen würde es auch nichts schaden, wenn sie eine Gabel in die Hand nehmen würden!" Aber so ist es mit vielen gern gesehenen Idyllen unserer Kulturlandschaft: "Des einen Freud', des anderen Leid'!" Dass das Ehepaar Bauer mit seinen fünf Söhnen nicht nur Leid hat, das beweist die gute Stimmung, die auf dem Hof herrscht.

Pflege des Naturschutzgebietes "Westerberg" mit seinen Wiesen und Hecken

Ehepaar Gustav Ritter, Nusplingen (Zollernalbkreis)

Mann und Kind mit Schafherde im Wald

Gustav Ritter und seine Familie - hier mit seinen Schafen - erhalten ein schönes Stück Alblandschaft im Bäratal bei Nusplingen.

Zum guten Schluss, beileibe aber nicht in letzter Rangfolge, sei das Ehepaar Ritter in Nusplingen im schönen Bäratal genannt, das bei Fridingen aufs Donautal trifft. In ihrer Freizeit leben sie mit ihren Schafen, Rindern, Hunden und Katzen zusammen und haben sich zur Aufgabe gemacht, "nebenher" und vor allem im Urlaub das Naturschutzgebiet Westerberg zu mähen, zu beweiden und zu pflegen. Rund 50 Hektar Hecken- und Wiesenlandschaft, mit das schönste, was die Schwäbische Alb zu bieten hat, werden durch sie genutzt und gepflegt. In der Bewerbung stand zu lesen: " Von unseren verwandten und Bekannten werden wir öfters belächelt und angesprochen, warum wir uns so viele Arbeit auferlegen und unseren Verdienst in landwirtschaftliche Maschinen stecken, anstatt zu verreisen. Die Antwort lautet: Unsere schöne Landschaft im Bäratal und unsere Tiere entschädigen uns für jeden Verzicht!"

(Text: Reinhard Wolf, Bilder: Ulrike Dziellak, privat)

Hinweise

In der Schwäbischen Heimat berichten wir jedes Jahr ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern