Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 1992

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 1992

Blühende Obstbäume

Biotopvernetzung "Hüfte" auf der Schwäbischen Alb: Förderung von Hecken und Baumgruppen; Wildäpfel und Wildbirnen konnten sich neu entfalten.

Zum zweiten Mal hat der Schwäbische Heimatbund den im vergangenen Jahr gestifteten Kulturlandschaftspreis vergeben. Einen der drei mit je 2.000 Mark dotierten Hauptpreise erhielt die Betriebsgemeinschaft Maisenburg. Öffentliche Anerkennung erfuhren zudem unter anderem die Ortsgruppen Rietheim und Mehrstetten des Schwäbischen Albvereins. In seiner Festansprache vertrat Ministerialdirigent Bernhard Bauer vom Stuttgarter Umweltministerium die Auffassung, dass eine Neuorientierung von Wirtschaft und Gesellschaft hin zur Versöhnung von Ökologie und Ökonomie zentrale Aufgabe der Zukunft sei. Das gehe im Bereich der Landschaftspflege nicht ohne Personen, die sich mit Idealismus engagierten und die jetzt durch den Schwäbischen Heimatbund verdientermaßen ausgezeichnet würden.

Die große Zahl der Einsendungen hat in diesem Jahr dazu geführt, dass nicht nur drei Hauptpreise, sondern auch zwei Sonderpreise mit je 1.000 DM vergeben wurden. Außerdem sind sieben Projekte mit einer öffentlichen Anerkennung bedacht worden. Der Juryvorsitzende Dr. Oswald Rathfelder betonte, dass es sich um den einzigen derartigen Preis in ganz Deutschland handele. Es seien lauter preiswürdige Arbeiten eingegangen, so dass die Jury Schwerpunkte setzen musste. Kriterien der Bewertung waren: Landschaftsnutzung im Einklang mit der Natur, Pflege und Erhaltung schützenswerter Landschaftsausschnitte, sogenannter ökologischer Trittbretter, sowie Gestaltung von charakteristisch überlieferter Landschaft.

Die Hauptpreise:

Die Sonderpreise:

Biotopvernetzung "Hüfte" - Ein Beispiel zur Erhaltung der Kulturlandschaft

Helmut Fröhlich, Veringenstadt (Kreis Sigmaringen)

Blühende Wiese

Biotopvernetzung "Hüfte": Die früher auf der Alb häufigen Salbei- und Glatthaferwiesen stellen sich wieder ein. Durch den späten Schnitt und die artenreiche Zusammensetzung wurden die Grünflächen wertvolle Nahrungsbiotope.

(Einen ausführlichen Bericht finden Sie in Heft 1993/1 der "Schwäbischen Heimat")

Im Jahr 1985 hat das Land Baden-Württemberg mit den ersten Maßnahmen zur Biotopvernetzung begonnen. Im Zusammenwirken von Landwirten, Gemeinden und verschiedenen Fachbehörden unter Federführung der Landwirtschaftsämter wurden landwirtschaftliche Flächen aus der intensiven landwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen und einer ökologischen Nutzung zugeführt. Ziel dieser Maßnahmen ist der Verbund von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere in der landwirtschaftlichen Flur. Obwohl auch heute noch nicht alle Wechselbeziehungen der Lebensgemeinschaften von Pflanzen bzw. Tieren untereinander sowie zwischen Pflanzen und Tieren bekannt sind, zeigt sich der Wert eines Systems von Ausgleichsflächen in folgenden Bereichen:

Die Biotopvernetzung "Hüfte" in Veringenstadt zählt zu den Projekten, die auf Grund vorausschauender Initiativen einzelner Landwirte zustande gekommen sind und bis heute beispielhaft weitergeführt werden. 1985 wurde in einem Projekt untersucht, was bei der bisherigen Wirtschaftsweise noch für eine Vielfalt an Pflanzen und Tieren vorhanden ist. Ferner wurde geprüft, durch welche Umstellungsmöglichkeiten den ökologischen wie auch den ökonomischen Gesichtspunkten Rechnung getragen werden kann. Aus Jurakalken sind meist sehr flachgründige Böden, sogenannte "Rendzinen", entstanden. In Mulden und Trockentälern liegen tiefgründigere Verwitterungsböden. Einen sehr großen Teil der Fläche machen Äcker und Mähwiesen aus, die meist sehr intensiv bewirtschaftet und gedüngt werden. In dieses Gebiet eingestreut finden sich zahlreiche Lesesteinwälle und Hecken. Hinzu treten unterschiedlich große Brachflächen, die zum Teil schon eine starke Verbuschung mit Schlehe zeigen. An den Füßen der Hänge dehnen sich dichte Gebüsche und Mischwälder aus, streckenweise mit hohem Kiefernanteil. Bei dem Areal handelt es sich teilweise um frühere Ackerflächen, die in schmalen Terrassen und vielfältig parzelliert unter erschwerten Bedingungen bewirtschaftet wurden. In den letzten Jahren erfolgte eine intensive Grünlandnutzung, Ackerbau auf den geeigneteren Flurstücken, Weidenutzung auf den mageren Standorten und Brachfallen auf den extremeren Teilstücken.

Aus der Wiese schaut Fels heraus

Biotopvernetzung "Hüfte": Die Steinriegel der vordergründig landwirtschaftlich "nutzlosen" Gelände haben die wichtige Funktion eines Ausgleichsgebiets.

Die zoologische Bestandsaufnahme hatte zum Ziel, die Bedeutung der verschiedenen Lebensräume im Gewann Hüfte bei Veringenstadt in bezug auf eine Reihe von Tiergruppen darzustellen. Aus den Resultaten sollten Aussagen für eine Optimierung dieses Gebietes oder ähnlich strukturierter Flächen aus der Sicht des zoologischen Artenschutzes abgeleitet werden. Bei dem Untersuchungsgebiet handelt es sich um ein Gebiet, das aus der Sicht des zoologischen Artenschutzes insgesamt sehr hoch zu bewerten ist. Mit seinen albtypischen Nutzungen stellt die kleinräumige Kulturlandschaft ein extrem reiches Biotopmosaik dar. Dies zeigt sich in den bei einer Reihe von Gruppen sehr hohen Individuenzahlen und den hohen bis sehr hohen artenreichen Vorkommen an Kleinsäugern, Brutvögeln, Heuschrecken, Tagfaltern, Ameisen und Bodenspinnen. Zahlreiche bedrohte oder im Rückgang begriffene Arten sind noch vorhanden.

Seit dem Jahr 1988 besteht zwischen dem Landwirt Helmut Fröhlich, der die Flächen im Gemarkungsteil "Hüfte" bewirtschaftet, und dem Land Baden-Württemberg ein Vertrag zum Ausgleich von Nutzungsbeschränkungen aus Gründen des Naturschutzes. Der Landwirt hat sich verpflichtet, ca. 15 ha extensiv - ohne mineralische Düngung und ohne chemischen Pflanzenschutz - zu nutzen bzw. zu pflegen. Nach bisherigen Beobachtungen konnten durch die extensive Bewirtschaftung der Wiesen- und Ackerflächen und insbesondere auch durch die Pflege der Saumbiotope und eine standortverträgliche extensive Beweidung offensichtlich die Belange des Arten- und Biotopschutzes berücksichtigt werden.

Das bisherige Wirken des Landwirts Helmut Fröhlich und die vorgelegten Wettbewerbsunterlagen haben die Jury des Schwäbischen Heimatbundes veranlasst, die Biotopvernetzung Hüfte in Veringenstadt mit dem Kulturlandschaftspreis 1992 auszuzeichnen. Beispielhaft sind in diesem Gemarkungsteil die Belange der Ökologie und der Landwirtschaft verknüpft und die Ergebnisse der Landschafts-Bestandsaufnahme in der einzelbetrieblichen Entwicklung berücksichtigt worden. Dank und Anerkennung richten sich in besonderem Maße deshalb an den Preisträger, weil auf Aufforstungen verzichtet und bewußt eine artenreiche und vielgestaltige Kulturlandschaft bevorzugt und erhalten wurde. Für weitere vergleichbare Maßnahmen auf der Schwäbischen Alb ist die Biotopvemetzung "Hüfte" in Veringenstadt ein gutes Vorbild.

(Texte: Alb-Bote, Gottfried Göggel, Bilder: Helmut Fröhlich)

Hinweise

In der Schwäbischen Heimat berichten wir jedes Jahr ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern