Württembergisches Allgäu war «Kulturlandschaft des Jahres» 2013/14

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Württembergisches Allgäu war «Kulturlandschaft des Jahres» 2013/14

Zwei Jahre lang konnte sich das Württembergische Allgäu «Kulturlandschaft des Jahres» nennen. In diesem Zeitraum haben Schwäbischer Heimatbund und Arbeitsgemeinschaft Heimatpflege im Württembergischen Allgäu mit einer Fülle von Veranstaltungen auf die Schönheit, das Werden und die Eigenart dieses Gebiets aufmerksam gemacht – aber auch auf seine Gefährdungen. In der Öffentlichkeit und in der Presse wurde das Projekt mit großem Interesse aufgenommen.

Bei der Abschlussveranstaltung am 17. Oktober 2014 im Neuen Schloss in Kißlegg beschrieb zunächst Vorsitzender Fritz-Eberhard Griesinger das vielseitige, aktive Wirken des Schwäbischen Heimatbundes für die Belange und Probleme unserer Heimat. Dem Heimatbund liege vor allem auch die nachhaltige Entwicklung unserer Landschaften am Herzen, das Projekt «Kulturlandschaft des Jahres» trage dazu bei. Er wünsche sich, dass die Zusammenarbeit auch über das Projekt hinaus anhalte.

Dr. Jörg Leist, Vorsitzender der AG Heimatpflege im Württembergischen Allgäu, pflichtete dem bei und verwies auf die vielen kooperativen Aktionen, die in den beiden letzten Jahren im Allgäu angeboten worden waren: Vorträge, Seminare, Exkursionen und diverse touristische Angebote. Vielversprechend vor allem die Kontakte mit den Volkshochschulen, die in den Städten des Gebiets eine Fortbildungsreihe «Studium Regionale» ins Leben gerufen haben. Besondere Erwähnung fand die Wanderausstellung, die in den Gemeinden des Gebiets gezeigt wurde.

Angesprochen wurde bei der Veranstaltung auch das den Heimatbund und die Heimatvereine bewegende Thema der Integration von Menschen, die in den letzten Jahrzehnten in unser Land gezogen sind – aus anderen Bundesländern, europäischen Nachbarländern und anderen Kulturkreisen. Wir werden immer bunter, ob es uns gefällt oder nicht, bemerkte Dr. Leist. Wie diese Immigranten heimisch werden können, mit diesem Thema befasste sich Frau Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger im Hauptreferat des Abends. Die Volkskundlerin und Mitbegründerin des Bereichs Volkskunde/Kulturgeschichte an der Friedrich-Schiller-Universität Jena führte aus, wie Heimat noch vor und in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg definiert und gelebt wurde. Sie erinnerte an das einstige dörfliche Leben mit all seinen Vorzügen – aber auch den einschränkenden Gewohnheiten. Viele der traditionellen Normen seien inzwischen «aufgebrochen », und gegenwärtig stehe man vor der Aufgabe, das Problem «Fremde in unserer Heimat» zu bewältigen. Gedankenanstöße könnten dazu aus Ernst Blochs Verständnis von Heimat erwachsen. Für diesen Philosophen ist Heimat nicht Raum, sondern eine Perspektive, die erobert werden muss. Fürwahr eine weite Dimension.

Manfred Thierer