Begrüßung durch Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes

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Begrüßung durch Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes

Wortlaut der Begrüßung von Fritz-Eberhard Griesinger, Schwäbischer Heimatbund
im Rahmen der Veranstaltung "Zwischenbilanz" Kulturlandschaft des Jahres 2009/2010
Stadthalle, Fruchtkasten Maulbronn, 14. November 2009

Meine Damen und Herren,

als vor über zwei Jahren im Schwäbischen Heimatbund zum ersten mal der Gedanke aufkam, es wäre reizvoll, eine abgegrenzte Kulturlandschaft in ihrer Vielseitigkeit darzustellen, tauchten auch gleich die Fragen auf, was ist eine Kulturlandschaft, wie ist sie abzugrenzen, welche Mitspieler können für so ein Projekt gefunden werden und was für Themen und Schwerpunkte sind angebracht.

Die Wahl fiel auf den Naturpark Stromberg-Heuchelberg in Verbindung mit dem Zabergäu, eine Gegend mit überaus reichem kultur-, kunst- und landschaftsgeschichtlichem Erbe. Bürgermeister, die Landkreise, die Sparkassen, die Regionalverbände aber auch der Zabergäuverein zeigten sich als interessierte Partner. Eine differenzierte Strategie der Darstellung wurde erarbeitet, wir hören noch davon.

Heute, gegen Ende des ersten Jahres unseres Projektes grüße ich Sie alle sehr herzlich, bezeichnenderweise in einem Umfeld, dessen Bedeutung durch die Auszeichnung zum Weltkulturerbe treffend charakterisiert ist.

Im Jubeljahr des 100jährigen Bestehens hat der SHB verschiedene, teils auf längere Zeit angelegte Projekte initiiert. Ich nenne die Aktion 100 Bäume, die neue Buchreihe Bibliothek schwäbischer Geschichte und den Gustav Schwab-Preis. Mehr als diese aber verkörpert das Projekt Kulturlandschaft den ganzheitlichen Ansatz des SHB. Es geht um die Erhaltung, Pflege, Bewahrung und angepasste Weiterentwicklung des im Laufe der Geschichte erarbeiteten Reichtums an geistiger und materieller Kultur, die sich im Gesicht der Landschaft ausdrückt. Und es geht um die Vermittlung des Wissens über diese Zusammenhänge.

Am Beispiel der Klosterlandschaft rund um Maulbronn lässt sich das anschaulich darstellen, wenn auch ihre Urheber vor bald 500 Jahren ihre Arbeit abbrechen mussten. Die Spuren sind bleibend und unübersehbar. Aus geistiger und geistlicher Vorstellung entstanden - nach der Vorstellung der Mönche gleichrangig - die Form ihres Gottesdienstes, die Schönheit der baulichen Anlagen, der Gebäude und Kunstwerke, das kunstvolle und äußerst zweckmäßige Wassersystem und die bäuerliche Überformung der Landschaft, ihre in Kulturnahme. Sie haben ihre Arbeit als Einheit gesehen, ora et labora.

Man braucht nicht der Frage nachzugehen, ob wir in unserer modernen Welt reicher oder ärmer geworden sind. Die Welt ist seit den Zisterziensern des 12. Jahrhunderts und später anders geworden. Was überall als Heimat verstanden wird, ist immer noch das Zusammenwirken der Bausteine, die mit einer Örtlichkeit verbunden sind und eine Geschichte haben: Der Berg, das Tal, die Stadt, die Gebäude, die Kunstwerke, die Feld- und Waldflur mit ihrer speziellen Fauna und Flora. Sie sind, wie sie sind, weil sie von Menschen gestaltet, geschaffen, bearbeitet, geschützt, geschont oder auch gestört und verbraucht sind. Im Projekt Kulturlandschaft sollen ihre Inhalte zusammengeführt und vermittelt werden. Damit bildet sich auch die Zielsetzung des SHB ab. Aber es muss die Frage erlaubt sein, ob das auch in Zukunft noch so sein kann und sein wird.

Wer heute Heimat schützen will, muss sich öffnen für neue Sicht- und Denkweisen und für neue Verhältnisse. Die Veränderungen unserer Zeit, die sich im Bereich der Zersiedelung, der Flächeninanspruchnahme durch Industrie-, Gewerbe- und Wohnbauflächen abspielen oder notwendige Modernisierung von Baubestand und damit Verlust von denkmalschutzrelevanten Objekten bedeuten, sind nur ein Teil der Veränderung.

Der zweite, vielleicht langfristig noch bedeutendere, aber im Blick auf das Thema unauffälliger ablaufende Teil, ist die Veränderung der Gesellschaft unseres Landes. Der in den nächsten Jahren zu erwartende erhebliche Rückgang der Bevölkerung stellt Städtebau und Denkmalpflege vor neue Herausforderungen. Schon jetzt wandeln sich Altersstruktur und Herkommen der Menschen. Dies wird dazu führen, dass landläufig als bekannt geltendes Wissen über Landschaften und Geschichte, über Kultur und Gesellschaft verwischt wird oder verloren geht. Dies aufzuhalten ist ein wichtiger Beitrag zur gesellschaftlichen Bildungspolitik.

Der SHB kann diese Prozesse nicht steuernd beeinflussen, geschweige denn aufhalten. Aber er kann Zeichen setzen, kann hie und da Anstöße geben, kann aufmerksam machen. Mit der Kulturlandschaft des Jahres will der SHB so einen Anstoß geben.

Unser ganz herzlicher Dank gilt allen Mitwirkenden an diesem großen Projekt. Ich nenne die Landkreise Heilbronn, Ludwigsburg und den Enzkreis, ich nenne die Sparkassen der drei Landkreise, deren finanzielle Unterstützung manches erst möglich gemacht hat. Ich nenne unseren Arbeitskreis Ländlichen Raum mit seinem Vorsitzenden Herrn Bürgermeister a.D. Georg Zimmer. Ich nenne die bei der Auftaktveranstaltung in Brackenheim am Markt der Möglichkeiten mitwirkenden vielen Vereine und Gruppen. Und ich nenne namentlich die Bürgermeister der beteiligten Gemeinden, Herrn BM Kieser, Brackenheim, Herrn BM Dieterich, Güglingen, Herrn BM Nowitzki, Oberderdingen, Herrn BM Abicht, Mühlacker, und schließlich aber bei weitem nicht zuletzt Herrn BM Felchle, Maulbronn.

Hervorheben möchte ich ausdrücklich auch die gute Zusammenarbeit mit dem Zabergäu-Verein. Herr Dühring hat als Gastmitglied in unserem Arbeitsausschuss mitgewirkt und war maßgeblich am Zustandekommen unserer Wanderausstellung beteiligt.

Ganz herzlich bedanke ich mich auch bei der Kurrende der Evangelischen Kirchengemeinde Maulbronn unter der Leitung von Frau Kirchenmusikdirektorin Erika Budday für die schöne musikalische Begleitung durch den heutigen Abend.