Zwischenbilanz - Jahresabschluss am 14.11.2009 in Maulbronn

. . . . . .

Zwischenbilanz - Jahresabschluss am 14.11.2009 in Maulbronn

Am 14. November 2009 fand in Maulbronn in feierlichem Rahmen die Abschlussveranstaltung zur Kulturlandschaft des Jahres Stromberg-Heuchelberg-Zabergäu für das erste der beiden Projektjahre statt. Akteure, Bürgerinnen und Bürger der Region sowie Vertreter von Bund, Land, Landkreisen, Kommunen und Vereinen trafen sich zu einer Zwischenbilanz im Fruchtkasten des Klosters Maulbronn. Rund 180 Gäste waren der Einladung ins historische Ambiente gefolgt - ein Gebäude, das angesichts der Leistung der Zisterziensermönche im Mittelalter in bestem Sinne Kulturlandschaft repräsentiert.

Tanzende und singende Jugendliche

Der Jugendchor der Kurrende der Ev. Kirchengemeinde Maulbronn begleitete den Abend mit Tanz und Gesang.

Umrahmt wurde die Veranstaltung durch den Jugendchor der Kurrende der Evangelischen Kirchengemeinde Maulbronn unter der Leitung von Frau Kirchenmusikdirektorin Erika Budday. Zwei Dutzend Kinder und Jugendliche führten die Festgäste zwischen den Redebeiträgen auf beeindruckende Weise mit Musik und Tanz zwischen Renaissance und Gegenwart durch den Abend und zeigten ihre eigene Art, Kulturlandschaft zu betrachten.

Offenheit für neue Sicht- und Denkweisen

Fritz-Eberhard Griesinger am Rednerpult

Der SHB-Vorsitzende Fritz-Eberhard Griesinger begrüßte die Gäste.

An den Genius Loci der Zisterzienser erinnerte auch der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes, Fritz-Eberhard Griesinger, in seiner Begrüßung. Er unterstrich nochmals, dass die Region mit ihrem überaus reichen kultur-, kunst- und landschaftsgeschichtlichen Erbe für diese Auszeichnung geradezu prädestiniert war. Er betonte zudem, dass von Beginn an deutlich werden sollte, dass ein Projekt wie dieses Vergangenes, Gegenwart und Zukunft zusammenschließt und dass bei dieser Gesamtbetrachtung die rasanten Veränderungen unserer Tage nicht aus den Augen gelassen werden dürfen: Wer heute Heimat schützen will, muss sich öffnen für neue Sicht- und Denkweisen und für neue Verhältnisse, so Griesinger.


Erhalt als gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Albrecht Rittmann am Rednerpult

Ministerialdirektor Dr. Albrecht Rittmann überbrachte den Gruß der Landesregierung.

Das Grußwort der Landesregierung überbrachte Ministerialdirektor Dr. Albrecht Rittmann vom Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg. Er mahnte, bei aller Begeisterung über das kulturelle Erbe nicht zu vergessen, dass diese Raumschaft ... gefährdet ist: Gewerbegebiete, Siedlungsflächen, Niedergang der Agrarwirtschaft, Verstädterung! Rittmann verwies auf eine ganze Reihe von Instrumenten [des Landes Baden-Württemberg], um die Potenziale des ländlichen Raumes zu stärken. Eine Initiative wie des Schwäbischen Heimatbundes sei von großer Bedeutung, denn sie lege den Akzent darauf, dass die Erhaltung einer Kulturlandschaft ... eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe [ist]. Wir brauchen eine Kraftanstrengung aller gesellschaftlichen Kräfte.

Ein Motivator für uns alle

Bürgermeister Andreas Felchle am Rednerpult

Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle unterstrich den Nutzen des Projekts für die Region.

Maulbronns Bürgermeister Andreas Felchle sprach nicht vorrangig als Gastgeber des Abends, sondern als Vorsitzender des Naturparks Stromberg-Heuchelberg e.V. und als Mitglied der Arbeitsgruppe im SHB, die das Projekt und die Veranstaltungen plante. Felchle zog ein Résumé des Jahres unter der Überschrift Ergebnisse und Nutzen des Projekts für die Region und hob in vier Stichworten die Bedeutung der Auszeichnung hervor: Interesse-Wecker | Info- und Ideen-Multiplikator | Wissens- und Erkenntnisvertiefer | Motivator für künftiges Handeln. Auch verwies er auf die Bedeutung eines solchen Engagements für den Tourismus der Region. Als besonders wichtig erachtete Felchle jedoch den Wert des kulturlandschaftlichen Engagements für die Zukunftsplanung: Die Zeit weitgehender Ausrichtung an quantitativem Wachstum ist vorbei. Es muss endlich vollends bewusst werden, dass wir im 21. Jahrhundert angekommen sind!


Was war - was kommt?

Bernd Langner am Rednerpult

Dr. Bernd Langner blickte im Namen des Schwäbischen Heimatbundes auf die Aktivitäten zurück.

Dr. Bernd Langner, Mitglied des federführenden Arbeitskreises Ländlicher Raum im Schwäbischen Heimatbund machte im Namen der Akteure im SHB, in den Kommunen, Vereinen und Institutionen einen Rückblick auf die Aktivitäten 2009 und einen Ausblick auf geplante Veranstaltungen für 2010. In seinem bebilderten Vortrag führte er anhand sämtlicher Stationen nochmals vor Augen, in welch vielfältiger Form die Kulturlandschaft Stromberg-Zabergäu-Heuchelberg in Seminaren, Tagungen, Festen, Wanderausstellung, Exkursionen und Publikationen seit dem Auftakt im März 2009 an den unterschiedlichsten Orten und mit einem breiten Themenspektrum gewürdigt wurde. Abschließend bedankte er sich: Das Projekt wäre aber nicht zustande gekommen, wenn wir nicht so viele Mitstreiter in den Städten und Gemeinden, in den Einrichtungen und Vereinen gehabt hätten. Ihr Engagement ging weit über das hinaus, was wir erhofft hatten.

Kulturlandschaft - der moderne Heimatbegriff?

Herlind Gundelach am Rednerpult

Die BHU-Präsidentin Dr. Herlind Gundelach sprach über die Verbindung von »Heimat« und »Kulturlandschaft«.

Zum Abschluss führte Dr. Herlind Gundelach, Senatorin für Wissenschaft der Freien und Hansestadt Hamburg und Präsidentin des Bundes Heimat und Umwelt in Deutschland (BHU) die Begriffe Kulturlandschaft und moderner Heimatbegriff zusammen: Beide Begriffe, »Heimat« und »Kulturlandschaft«, befassen sich ... mit der Wahrnehmung, mit der Bewertung und mit der Entwicklung von Landschaft. Sie stellte die Frage, wie der Kulturlandschaftsbegriff vom Heimatbegriff zu trennen ist oder ob »Kulturlandschaft« nur ein modernes Synonym für das Wort »Heimat« sei. Ist »Heimat« womöglich verstaubt – und wir benötigen den Begriff nicht mehr?

Gundelach stellte einige länderübergreifende Initiativen zum Erhalt von Kulturlandschaft vor, wie etwa UNESCO-Welterbestätten und -gebiete. Um die Frage zu beantworten, was nun die Heimatbünde mit Welterbegebieten zu tun hätten, stellte sie den 2009 begründeten Europäischen Landschaftspreis vor, der als Klammer zwischen (inter-)nationalen und regionalen Projekten fungiert. So gesehen, meinte Gundelach, hatte der Schwäbische Heimatbund auf europäischer Ebene die Nase vorn, als er bereits Anfang 2009 die Auszeichnung Kulturlandschaft des Jahres verliehen hat. Damit hat der Schwäbische Heimatbund eine vorbildliche und auch für andere Bundesländer wegweisende Initiative gestartet. Unter dem Beifall der Zuhörer verwies sie abschließend ausdrücklich auf die wichtige Aufgabe auch der Heimatbünde, dafür zu sorgen, dass der Heimatbegriff wieder modern wird.

Kulturlandschaft geht durch den Magen

Nach den vielen Worten, Bildern und musikalischen Beiträgen galt es in Maulbronn schließlich auch, Kulturlandschaft handfest zu vermitteln: Nach einer gleichermaßen informativ wie heiter moderierten Weinprobe durch Axel Gerst, den Geschäftsführer der Weingärtner Cleebronn-Güglingen eG, gab es viererlei Maultaschenvariationen - klassisch, mit Gemüse, Lachs sowie Ente - als Gaumenschmaus. Als kochender Kulturlandschafter fungierten der Küchenchef der Maulbronner »Klosterschmiede«, Karl Schempf, und sein Team.

(Bernd Langner)

Im Überblick

Begrüßung - Fritz-Eberhard Griesinger, Vorsitzender Schwäbischer Heimatbund

Grußwort der Landesregierung - Ministerialdirektor Dr. Albrecht Rittmann, Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum Baden-Württemberg

Ergebnisse und Nutzen des Projekts für die Region - Bürgermeister Andreas Felchle, Maulbronn

Was war - was kommt? Eine Zwischenbilanz der Akteure - Dr. Bernd Langner, Schwäbischer Heimatbund

Kulturlandschaft – der moderne Heimatbegriff? - Dr. Herlind Gundelach, Wissenschaftssenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg und Präsidentin des BHU (Bund Heimat und Umwelt in Deutschland)