Tagung »Wein und Wald in der Kulturlandschaft Stromberg - Heuchelberg - Zabergäu«

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Tagung »Wein und Wald in der Kulturlandschaft Stromberg - Heuchelberg - Zabergäu«

Nach dem erfolgreichen Auftakt des Projekts Kulturlandschaft des Jahres am 20. März 2009 in Brackenheim fand am 24./25. April in Güglingen eine weitere Veranstaltung statt. Die Tagung widmete sich dem Thema Wein und Wald in der Kulturlandschaft Stromberg - Heuchelberg - Zabergäu. Es wurde die kulturgeschichtliche und die landschaftsökologische Bedeutung dieser Kulturformen thematisiert und Perspektiven ihres Erhaltes bzw. ihrer Weiterentwicklung diskutiert. Insgesamt 30 Teilnehmer waren der Einladung des SHB gefolgt. Auftakt war ein nachmittäglicher Stadtrundgang durch das historische Bönnigheim unter der Leitung unseres Mitglieds Kurt Sartorius. Der Abend in Güglingen schloss mit einer Weinverkostung, moderiert von Axel Gerst von der WG Güglingen-Cleebronn und geschichtlich ergänzt von Frau Dr. Döbele-Carlesso, der Stadtarchivarin von Brackenheim.

Personen im Weinberg

Reinhard Wolf führt die Tagungsteilnehmer durch die Rebhänge am Geigersberg oberhalb von Sachsenheim-Ochsenbach.

Am Vormittag des nächsten Tages referierte Reinhard Wolf, Leiter des Referats Naturschutz und Landschaftspflege, RP Stuttgart, über die Region. Er bemerkte, dass mit dem Bau der Weinbauterrassen massiv in die Landschaft eingegriffen wurde. Diese seien generationenlang Großbaustellen in der Landschaft gewesen, die, würden sie heute gebaut, helles Entsetzen in der Bevölkerung auslösen würden. Es seien, so Wolf, Leitbilder für die Kulturlandschaft von morgen notwendig.

Oberforstrat Martin Rüter aus Heilbronn skizzierte die Situation des Waldes. Vegetationskundlich gesehen handelt es sich überwiegend um colline Eichen-Buchenwälder, die an südexponierten trockenen Hängen durch das Auftreten von wärmeliebenden Gehölzen wie Elsbeere und Speierling bereichert werden. Die früher übliche Nieder- und Mittelwaldnutzung wird heute nicht mehr betrieben. Waldbauliches Ziel ist ein standortangepasster Wald mit 80% Laubholz- und 20% Nadelholzanteil.

Weitere Referate befassten sich wiederum mit dem Weinbau und den Möglichkeiten, diese für die Region typische Nutzungsform weiter zu entwickeln bzw. bestimmte Ausprägungen wie den Steillagenbau zu erhalten. Ein zentrale Rolle, so Franz Höchtl von der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, komme hierbei der Erzeugung hochwertiger Weine, der Steigerung der öffentlichen Wahrnehmung sowie einem speziellen Marketing zu. Diese Ansätze könnten in der Summe zu einer erhöhten Wertschöpfung führen, welche die arbeits- und kostenintensive Bewirtschaftung der Terrassenweinberge ausgleiche.

Die Exkursion am Nachmittag wurde von Reinhard Wolf geleitet. Erstes Ziel war der Michaelsberg, als Wächter des Zabergäus eine markante und geschichtsträchtige Erhebung. Im Zusammenwirken von Naturschutz und Flurneuordnung gelang es, die historische Weinberglandschaft durch Sicherung von Steillagen und wertvollen Biotopen teilweise zu erhalten und einer nachhaltigen Bewirtschaftung bzw. Pflege zuzuführen.

Das zweite Ziel war Ochsenbach im Stromberg. Dr. Bernd Langner, Architektur- und Kunsthistoriker aus Pliezhausen, erläuterte im Rahmen eines Rundgangs die besondere Entstehungssituation des Dorfes entlang eines Höhenrückens über dem Kirbachtal sowie den markanten und gut ausgeprägten Dorfetter als den Übergang in die offene Flur. Der abschließende Gang auf dem Kulturlandschaftspfad Geigersberg wurde wieder von Reinhard Wolf geleitet. Hier sei verwiesen auf seinen Beitrag Natur und Kultur eng verzahnt - der Geigersberg bei Ochsenbach im Stromberg. Der Geigersberg ist ein gutes Beispiel dafür, wie wirtschaftliche Erfordernisse mit ökologischen Ansprüchen in einem hochsensiblen Lebensraum und agrarisch interessanten Produktionsstandort zusammen gehen können.

(Siegfried Roth)