Blumenwiesen vor dem endgültigen Aus?

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Blumenwiesen vor dem endgültigen Aus?

Resolution des Schwäbischen Heimatbundes e.V. - verabschiedet durch dessen Mitgliederversammlung am 14.6.2014

Mit Bestürzung ist vielen Naturfreunden in diesem Frühjahr erneut aufgefallen, dass in weiten Teilen des Landes nahezu alle Wiesen schon ab Ende April unmittelbar nach dem Austreiben und lange vor dem Aufblühen das erste Mal abgemäht worden sind.

Dass die Wiesen immer früher und immer häufiger gemäht werden, konnte man schon längere Zeit verfolgen; der 24. Juni ("Johanni"), der traditionelle Beginn der Heuernte, ist längst passť. Auch dass landauf, landab aufgrund immer intensiverer Düngung eine Artenverarmung eingetreten ist, weiß man. Letztlich ist dies auf die Umstellung von Mist- auf Gülledüngung und von Heu- auf Silagebereitung zurückzuführen. In den letzten Jahren kam immer mehr die Nutzung des frühen Grasschnitts durch konkurrierende Biogasanlagen hinzu.

Wiese mit und ohne Blüten

Dieselbe Wiese als extensiv genutzte, blütenreiche Wiese im Mai 2006 und nach der Intensivierung/früher Mahd im Mai 2014

Wiese in Offenau/Neckar | Standortvergleich 2006-2014
(© Schwäbischer Heimatbund, Wolf-Dieter Riexinger)


Dass die Intensivierung der Wiesennutzung aber derart flächenhaft und massiv um sich greift, hat man sich bis vor kurzem noch nicht vorstellen können. Mit der jetzigen "Intensivst-Nutzung" fallen die Wiesen als Lebensraum selbst für ehemals gewöhnliche Wiesenpflanzen wie Glockenblume, Margerite und Salbei vollständig aus, da diese den frühen und häufigen Schnitt und die jeweils unmittelbar darauf folgende starke Düngung nicht vertragen. Nur noch wenige schnell wüchsige Gräser und einige "Problemkräuter" bleiben übrig. Die ehemals blumenbunten Frühjahrsteppiche wandeln sich zu bloßen "Grasäckern". Auch die Auswirkungen auf die Lebensräume von Hase, Rebhuhn, Bienen und Schmetterlingen sind katastrophal!

Zwar stehen besonders artenreiche Blumenwiesen seit 1992 unter dem formalen Schutz europäischer und nationaler Naturschutzgesetze, doch konnte dadurch der eklatante Verlust der Artenvielfalt nicht gestoppt werden.

Der Schwäbische Heimatbund appelliert an die Landesregierung, alles in ihrer Macht Stehende zu unternehmen, damit diese Entwicklung schnellstens gestoppt wird. Dazu gehören insbesondere

  1. bestehende Schutz-Instrumente für artenreiches Grünland, flankiert durch auskömmliche Förderung, zu schärfen und flächendeckend strikt anzuwenden,
  2. die extensive Rinder- und Schafhaltung viel stärker als bisher zu fördern,
  3. verarmtes Grünland verstärkt wieder in Blumenwiesen zurückzuführen,
  4. Art und Intensität der Biogasproduktion konsequent an den Grundsätzen der Nachhaltigkeit auszurichten.

Information der Öffentlichkeit

In einem Brief an den Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, an die zuständigen Ministerien, an die Fraktionen des Landtags, die Regierungspräsidenten sowie die Landräte hat der Schwäbische Heimatbund seine Position deutlich gemacht. Zugleich wurde die Presse über die Resolution informiert.

Für die Berichterstattung in den Print- und Online-Medien stellt der SHB hier Fotos zur Verfügung.