Schwaben: Von nix kommt nix? Betrachtungen abseits der Klischees

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Schwaben: Von nix kommt nix? Betrachtungen abseits der Klischees

SHB-Vortragsreihe 2016

In Zusammenarbeit mit dem Württembergischen Landesmuseum Stuttgart veranstalten wir in diesem Jahr eine Vortragsreihe zum Thema Schwaben. Anlass ist die Große Landesausstellung im Stuttgarter Alten Schloss vom 22. Oktober 2016 bis 23. April 2017 unter dem Titel Die Schwaben – zwischen Mythos & Marke (www.schwaben-stuttgart.de).

sieben Personen, dahinter ein Wohngebäude

Titel des Faltblatts

Auf ihrer Wanderschaft, so heißt es bei den Gebrüdern Grimm, kamen die sieben Schwaben an einen Bach. Der "Blitzschwab" sprang hinein, meinend, es sei die Landstraße. Nur mit Mühe gelang es dem "Allgäuer", den nicht gerade blitzgescheiten Schwaben aus dem reißenden Strom zu ziehen: Und alle sieben Schwaben schnappten nach Luft und versicherten, sie würden keinen Schritt weitergehen.

Einen weiten Weg hat die schwäbische Fremd- und Selbstwahrnehmung hinter sich, seit der spöttische Schwank 1545 erstmals bei Hans Sachs erschien. Inzwischen werden unsere sieben Schildbürger-Schwaben zum folkloristischen Marketing genutzt und das "Ländle" Baden-Württemberg wird offiziell zu einem Land der schier unbegrenzten Möglichkeiten stilisiert: Wir können alles. Außer Hochdeutsch. Die Klischees sind also seit 1545 nicht weniger geworden. Und es bleibt offen, wie tief sie in der Realität verwurzelt sind oder von außen geprägt werden.

Der Schwäbische Heimatbund wird in seiner Vortragsreihe diesen Wurzeln und ihren Auswüchsen etwas differenzierter nachspüren. Unter der Überschrift Von nix kommt nix? soll auf einige essentielle Fragen zum Schwabenbild eingegangen werden: Wo kommen die Schwaben eigentlich her? Sind sie wirklich besonders fleißig? Gibt es eine schwäbische Architektur? Und wie werden Schwaben damals wie heute von außen wahrgenommen?

Wir laden Sie ein, mit dem Schwäbischen Heimatbund über die Identität Schwabens und der Schwaben nachzudenken und dabei – anders als die Sieben Schwaben – einen Schritt vorwärts zu gehen. Man muss dabei ja nicht im kalten Nass landen.

Hospitalhof Stuttgart
Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart
U- und S-Bahn Haltestellen Stadtmitte oder Berliner Platz/Liederhalle
Kostenbeitrag (nur Abendkasse): € 4,–
Saalöffnung: jeweils 18.00 Uhr

Vorträge

Dienstag, 31. Mai 2016 | 19:00 Uhr

Grußwort durch Staatssekretärin Katrin Schütz, Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau, sowie Einführung in die Vortragsreihe durch Josef Kreuzberger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes.

Prof. Wolfgang Kaschuba (Berlin/Tübingen)
Brutal regional? Schwäbisch-Sein heute

Wolfgang Kaschuba ist ein bundesweit renommierter Ethnologe, der in Tübingen bei Hermann Bausinger sein "Handwerk" gelernt hat. Im Eröffnungsvortrag hinterfragt Kaschuba unsere Suche nach Identifikation im Regionalen. Das schwäbische Wir können alles. Außer Hochdeutsch wie das bayerische Mia san mia verkörpert dabei ein Selbstbild zwischen Mythos und Marke. Wolfgang Kaschuba wird die Ursprünge dieser Wahrnehmung darlegen und berichten, wie es gerade von außen aufgefasst wird.

Montag, 6. Juni 2016 | 19:00 Uhr

Prof. Ulrich Großmann (Nürnberg)
Vom Hohenstaufen zum Weißenhof: Gibt es eine schwäbische Architektur?

Ulrich Großmann ist Direktor des Germanischen Nationalmuseums. Der Bau- und Kunsthistoriker, Volkskundler und Archäologe wird sich unter denkmalpflegerischer Fragestellung in einem Vortrag über die großen Entwicklungen von schwäbischer Architektur mit ihren Eigenheiten vom Mittelalter bis heute dazu äußern, ob es im Laufe der Baugeschichte tatsächlich schwäbische Charakteristika in der Baukunst gibt.

Montag, 13. Juni 2016 | 19:00 Uhr

Prof. Steffen Patzold (Tübingen)
Was ist schwäbisch? Die Faszination der Ursprünge

Der Historiker Steffen Patzold geht der Frage nach, was eigentlich schwäbisch ist, wenn wir auf die Anfänge des Mittelalters im dritten bis sechsten Jahrhundert und damit auf die Anfänge der Alemannen und Schwaben im deutschsprachigen Südwesten blicken. Er stellt dazu verschiedene Interpretationen vor und erklärt auch anhand kultureller - auch archäologischer - Spuren im Land, wie wir uns die frühen Alemannen und Schwaben vorstellen können.

Dienstag, 21. Juni 2016 | 19:00 Uhr

Prof. Franz Quarthal (Stuttgart):
Schwabenspiegel. Die Schwaben in Eigensicht und fremder Perspektive vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts

Der ausgewiesene Landeshistoriker referiert mit Bezug auf die geschichtlichen Entwicklungen über die Entstehung und die Facetten des Schwabenbildes: Ausgehend von der Geschichte der „7 Schwaben“ im 10. bis zu den Reiseberichten von Gelehrten des 18. Jahrhunderts zeigt er, wie sich Fremdzuschreibungen der Schwaben von dumm und faul bis Karlsschule und Schiller wandelten.

Montag, 4. Juli 2016 | 19:00 Uhr

Prof. Paul Münch (Essen-Duisburg)
Schaffe, schaffe, Häusle baue: Sind Schwaben besonders fleißig?

Paul Münch, Historiker aus schwäbischen Elternhaus, widmet sich einem der Hauptmerkmale schwäbischer Identität: ihrer besonderen Arbeits- bzw. Erwerbsmentalität. Sein Vortrag beschreibt in einem historischen Längsschnitt, welche Kräfte das Selbst- und Fremdbild des fleißigen Tüftler- und Erfinderschwaben geformt haben. Sind Altwürttemberger fleißiger als Oberschwaben? Lassen sich auch dingliche Zeugnisse schwäbischen Fleißes finden? Und können schwäbische Juden und "Zigeuner" überhaupt richtige Schwaben sein?

Im Übrigen: Ihren Ausdruck finden schwäbischer Fleiß und Tüftlergeist in zahllosen Kulturdenkmalen insbesondere aus der Industriekultur des 19. und 20. Jahrhunderts. Dazu zählen die Fabrikarchitektur im weiteren Sinne oder der Eisenbahnbau, aber auch weniger bekannte, gleichwohl prägnante Einzelbeispiele, wie das Tübinger Observatorium, die Mössinger Pausa-Werke mit ihren Stoffmustern oder die Siedlung Gmindersdorf.

Exkursionen und Reisen

Während des Winters 2016/2017 sowie in unserem Reisekatalog 2017 werden wir selbstverständlich auch zahlreiche Schwerpunktfahrten zum Thema Schwaben anbieten. Teilnehmen können nicht nur Mitglieder des Schwäbischen Heimatbundes. Jeder interessierte Gast ist willkommen. Ziele und Termine stehen noch nicht fest.

Zum Beispiel:

Bedeutende Standorte der Textilindustrie: Sindelfingen und Mössingen

Tagesexkursion am 12. Oktober 2016
Schwäbischer Erfindungsreichtum und Unternehmergeist waren und sind der Motor für die Textilindustrie im Land, die, für viele überraschend, bis zum Ende der 1950er Jahre die beschäftigungsreichste Industriesparte Württembergs war und großen Anteil an dessen wirtschaftlichem Erfolg hatte.