Kaiser Karl IV. und Schwaben

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Kaiser Karl IV. und Schwaben

Das Schwerpunktprogramm des Heimatbundes wird 2015 mit Vorträgen – diesmal im Stuttgarter Hospitalhof – und verschiedenen Studienexkursionen einer Epoche gewidmet sein, die in der Landes- wie in der europäischen Geschichte von herausragender Bedeutung ist: die Zeit Kaisers Karl IV., die von einem intensiven Austausch zwischen Württemberg und Prag geprägt ist.

Portrait Peter Parlers, ein Fassadenriss sowie der Kaiser im Gebet

Im Abstand von nur zwei Jahren traten 1344/46 im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation und in Württemberg zwei Regenten die Herrschaft an, die man je als epochal bezeichnen kann: im Reich gelangte 1346 der vor 700 Jahren, 1316, geborene Kaiser Karl IV. auf den Thron, in Württemberg 1344 Graf Eberhard II. der Greiner.

Für Karl IV. stand nicht mehr der universale Herrschaftsanspruch des Kaisertums im Mittelpunkt, unter ihm verschob sich der Schwerpunkt des Reichs nach Osten, nach Böhmen und Südostfranken. Dabei verlor der Südwesten an Bedeutung, Italien geriet aus dem Blick. Eberhard II., der Zänker, trat seine Herrschaft in einer Umbruchszeit an, die für die territoriale und kulturelle Entwicklung seines Landes von großer Bedeutung wurde. Württemberg erfuhr unter Eberhard große territoriale Zugewinne, gleichzeitig blühten im Südwesten Architektur und Kunst; freilich zunächst vor allem in den Reichsstädten, wo mächtige Kirchenbauten von städtischem Selbstbewusstsein zeugen.

Die Konkurrenz zwischen den Städten, dem Reich und Eberhard II. führte in kultureller wie politischer Hinsicht zu einer Öffnung des Landes. Nicht nur viele Baudenkmale legen davon ein beredtes Zeugnis ab. Mit dem von Karl IV. nach Prag geholten Peter Parler beginnt auch die Epoche internationalen Wirkens schwäbischer Baumeister bis Prag, Wien, Krakau und Mailand. Die Veitskapelle in Stuttgart-Mühlhausen hingegen – gestiftet von in Prag tätigen württembergischen Adligen – ist ein Beispiel, wie international geprägte böhmische Kunst und Künstler in den deutschen Südwesten gelangen konnten.

Wir laden Sie ein, mit dem Schwäbischen Heimatbund in Vorträgen und Reisen mehr zu erfahren über Karl IV. und Schwaben, über das Werden Württembergs unter Graf Eberhard II. und die internationalen Bezüge und Zeugen der Hochgotik im Lande.

Diese Veranstaltungen finden statt in Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart
und mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Finanzen und Wirtschaft – Oberste Denkmalschutzbehörde

Vortragsreihe:

Beachten Sie auch die zugehörigen Reisen und Exkursionen.

Unsere vier Vorträge finden vom 4. November bis 14. Dezember 2015, an unterschiedlichen Wochentagen, jeweils um 19 Uhr im Stuttgarter Hospitalhof statt.
Zu erreichen mit U- und S-Bahn: Haltestellen Stadtmitte oder Berliner Platz/Liederhalle.
Kostenbeitrag (nur Abendkasse) Vorträge je € 4,- Euro
Saalöffnung jeweils 18.00 Uhr. Die Türen werden geschlossen, wenn die höchstzulässige Besucherzahl erreicht ist.

Mittwoch, 4. November 2015
19.00 Uhr: Begrüßung der Gäste und Einführung in die Vortragsreihe durch einen Vertreter des Schwäbischen Heimatbundes. Grußwort durch Staatssekretär Peter Hofelich, Ministerium für Wirtschaft und Finanzen.
anschließend: Prof. Ellen Widder, Tübingen: König und Region im Spätmittelalter – Karl IV. und Schwaben (Vortrag mit Lichtbildern)
Am Beispiel Karls IV. werden exemplarisch das Verhältnis und die Probleme von König und Regionen im spätmittelalterlichen römischdeutschen Reich diskutiert. Je nach politischen Interessen und Möglichkeiten waren die Zugriffe des Herrschers auf die Regionen und ihre Großen, geistliche wie weltliche und Städte, unterschiedlich gelagert, und Politik wurde im Spiel der Kräfte ausgehandelt.

Montag, 16. November 2015
19.00 Uhr: Prof. Oliver Auge, Kiel: Zwischen Kooperation und Konfrontation: Graf Eberhard II. der Greiner, Kaiser und Reich im 14. Jh. (Vortrag mit Lichtbildern)
Fast 50 Jahre lange regierte Eberhard II., genannt „der Greiner“ (Zänker), die Grafschaft Württemberg, davon 31 Jahre lang allein. In dieser Zeit gelang ihm eine erhebliche territoriale Erweiterung und rechtliche Besserstellung seines Herrschaftsbereichs, wozu er unter anderem eine Politik zwischen Kooperation und Konfrontation mit Kaiser und Reich verfolgte. Insbesondere die zum Schwäbischen Städtebund zusammengeschlossenen Reichsstädte mussten sich mit dieser Politik Eberhards gewaltsam auseinandersetzen.

Dienstag, 8. Dezember 2015
19.00 Uhr: Prof. Norbert Nußbaum, Köln: Bruch mit dem System. Die radikalen Ideen Peter Parlers und ihre Konsequenzen für die Architektur
Mitte des 14. Jahrhunderts scheinen die in der Reduktion der Massen und der Steigerung der Bauhöhen liegenden klassischen Potentiale der gotischen Architektur ausgeschöpft. Der Weg der Gotik in eine systematische und lediglich noch im Detail variable Wiederholung ihrer konstruktiven und formalen Prinzipien schien vorgezeichnet. In dieser Situation brach Peter Parler radikal mit den Regeln der zeitgenössischen Entwurfslehre. Von Schwaben aus vollzog sich eine beispiellose Erneuerung der Architektur als eine Disziplin, die wie die italienische Frührenaissance um Anerkennung als wissensbasierte Kunst kämpfte. Während aber die Italiener ihre architektonischen Studien in gelehrten Texten niederlegten, bauten die Deutschen ihre Gedanken als architektonische Lehrstücke.

Montag, 14. Dezember 2015
19.00 Uhr: Dr. Markus Hörsch, Leipzig: Böhmen und Schwaben. Kultur- und Kunstaustausch in der Zeit der Prager Kaiser, insbesondere Karls IV. (Vortrag mit Lichtbildern)
Unter der exzeptionellen Herrscherpersönlichkeit Karls IV. entfaltete das Haus Luxemburg, das 1308 erstmals den deutschen Königsthron erlangte und 1310 durch eine Eheverbindung das Königreich Böhmen erbte, seine größte Macht im Alten Reich. Ein wesentliches Herrschaftselement der Zeit war die künstlerische Repräsentation in allen Gattungen – in Architektur, Skulptur, Malerei und angewandter Kunst. Die auf uns gekommenen Werke dieser Epoche, gerade auch im Südwesten des heutigen Deutschlands, sind nur aus einer übergeordneten, einer europäischen Perspektive zu verstehen.

Vortrag in der Veitskapelle Mühlhausen

Mittwoch, 6. April 2016 | 18.30 Uhr
Pfarrerin Charlotte Sander und Dr. Dörthe Jakobs
Dauer: ca. 1 Std.
Unübersehbar sind die böhmischen Bezüge in der zur Zeit der in Prag residierenden Kaiser aus dem Hause Luxemburg entstandenen Veitskapelle in Mühlhausen. Der heilige Veit etwa ist einer der böhmischen Landespatrone, und die älteste Malschicht der Kapelle erinnert stark an die Fresken des Hofmalers Theoderich Kaiser Karls IV. auf der Burg Karlstein bei Prag. Die Kapelle wurde, wohl mit böhmischem Geld, reich ausgestattet und ist ein Schätzkästlein der Gotik in Württemberg.
Aus erster Hand berichten Pfarrerin Charlotte Sander und die die Restaurierung leitende Denkmalpflegerin Dr. Dörthe Jakobs über die Geschichte der Kapelle und die Hintergründe ihrer Erbauung, erläutern das theologische Programm der Wandbilder, die Restaurierung und historische Techniken von Malerei und Farbherstellung

Vortrag und Führung finden statt in der Veitskapelle, Meierberg 16 (im Ortskern), Stuttgart-Mühlhausen | zu erreichen mit der U-Bahn (Haltestelle „Mühlhausen“) oder der Buslinie 401 (Haltestelle „Mühlhausen Schloss“)
Eintritt frei. Spende für die Restaurierung der Kapelle erbeten.

Exkursionen und Reisen

Zu unserem Themenschwerpunkt »Kaiser Karl IV. und Schwaben« gehören auch zahlreiche Reisen aus unserem Programm Kultur- und Studienreisen 2016. Hier haben wir einen kurzen Überblick für Sie zusammengestellt. Die ausführlichen Beschreibungen dieser Reisen, viele andere spannende Reisen und weitere Informationen finden Sie in unserer Programmbroschüre Kultur- und Studienreisen 2016. Fordern Sie sie einfach an. Wir beraten Sie gerne unter Telefon 0711/23942-11.

Zu allen hier genannten Fahrten ist eine Anmeldung erforderlich.

Samstag, 22. Oktober, bis Sonntag, 23. Oktober 2016 (2 Reisetage)
Karl IV. und seine Residenzstadt Nürnberg: Exkursion zur bayerisch-tschechischen Landesausstellung (Leitung: Dr. Benigna Schönhagen)
Der 700. Geburtstag Karls IV. ist Anlass der ersten bayerischtschechischen Landesausstellung. Vor dem Hintergrund des wechselvollen 14. Jahrhunderts entfaltet sie das Panorama der politischen, wirtschaftlichen, geistigen und künstlerischen Kräfte, die das Wirken dieses böhmischen Königs bestimmten. Lange Zeit als Friedenskaiser wahrgenommen, wird Karl IV. heute durchaus auch kritisch gesehen. Auch weil er in der Pestepidemie 1348 seinen Schutzverpflichtungen gegenüber den Juden nicht nachkam, ja von den Progromen profitierte.
Programm: Nürnberg – zwei Stadtrundgänge durch Nürnberg zur Bedeutung der von Karl IV. ausgebauten Stadt – Wenzelschloss in Lauf mit frisch renoviertem Wappensaal – zur Abrundung Heilsbronn (Zisterzienserkloster, Grablege der fränkischen Hohenzollern).
Busreise ab/bis Stuttgart mit Zusteigemöglichkeiten.

Bildnachweis

Hintergrund: Peter Parler zugeschriebener Turmriss, Diözesanarchiv Regensburg; Karl IV. im Votivbild des Bischofs Ocko von Vlasim, Nationalgalerie Prag; Parlerbüste im Veitsdom, Prag, wikipedia.commons