Heimat der Denker? Schwaben und die Philosophie

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Heimat der Denker? Schwaben und die Philosophie

SHB-Vortragsreihe 2017

Mit großzügiger Unterstützung der Berthold Leibinger Stiftung und in bewährter Zusammenarbeit mit dem Hospitalhof Stuttgart veranstalten wir in diesem Jahr eine Vortragsreihe zum Thema Philosophie.

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Titel des Faltblatts

Alle haben sie: eine Philosophie! Bäckereien und Banken, Maschinenbauer und Metzger – gerne geben sie ihrem unternehmerischen Leitbild diesen Anstrich. Doch beschwerlich ist der Weg zu dem, was der Schwabe Hegel vor 210 Jahren als seine Vorstellung von Idee, Natur und Geist formulierte. Philosophie ist stets mit Werten verbunden, und deshalb ist es gerade heute an der Zeit, neu über philosophische Fragen nachzudenken.

Auf anspruchsvolle und zugleich anschauliche Weise wird die von der Berthold Leibinger Stiftung geförderte Vortragsreihe des Schwäbischen Heimatbundes zeigen, welche grundlegende Wirkung schwäbische Philosophen entfaltet haben. Renommierte Referenten – schwäbische und nicht-schwäbische – gehen der Frage nach, ob der Schelling und der Hegel wirklich die Regel im Südwesten waren. Auch spüren sie der Frage nach, welche Verbindungslinien zwischen geistiger und technischer Innovationskraft des Südwestens zu ziehen sind.

Dabei stehen neben den großen schwäbischen Philosophen Hegel und Schelling auch andere Denker mit schwäbischen Wurzeln im Mittelpunkt, wie David Friedrich Strauß, der mit seinen umwälzenden Ideen für tiefgreifende Kontroversen sorgte, oder Friedrich Schiller, der nicht nur Literat, sondern ein bedeutender Geschichtsphilosoph war. Einen aktuellen Kontrapunkt setzt dazu der schwäbische Philosoph Wilhelm Schmid, der nach der philosophischen Bedeutung von Heimat fragt.

Wir laden Sie ein, mit dem Schwäbischen Heimatbund in die Geistesgeschichte unseres Landes einzutauchen und etwas mehr über deren tragende Säulen zu erfahren.

Hospitalhof Stuttgart
Büchsenstraße 33, 70174 Stuttgart
U- und S-Bahn Haltestellen Stadtmitte oder Berliner Platz/Liederhalle
Kostenbeitrag (nur Abendkasse): € 4,–
Saalöffnung: jeweils 18.00 Uhr

Faltblatt

Das Faltblatt zur Vortragsreihe können Sie im pdf-Format herunterladen.

Vorträge

Montag, 13. März 2017 | 19:00 Uhr

Grußwort sowie Einführung in die Vortragsreihe durch Josef Kreuzberger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes.

Prof. Dr. Andreas Urs Sommer (Freiburg)
David Friedrich Strauß als Philosoph - eine Problemanzeige

Der schwäbische, im Tübinger Stift ausgebildete Theologe und Philosoph David Friedrich Strauß (1808-1874) genießt nicht den besten Ruf. Seine theologischen Zunftgenossen hat er 1835/36 mit seinem Leben Jesu in anhaltende Verwirrung gestürzt, so dass sie ihn fortan verketzerten. Aber auch unter Philosophen wurde er kaum mehr ernst genommen, seit Friedrich Nietzsche 1873 ätzenden Spott über dessen Spätwerk ausgegossen hat. Doch ist Strauß tatsächlich nur ein nachrangiger Autor, über den sich nicht mehr nachzudenken lohnt?

Portrait eines Mannes

Prof. Dr. Andreas Urs Sommer

Andreas Sommer, geboren 1972, studierte Philosophie, Kirchen- und Dogmengeschichte sowie Deutsche Literaturwissenschaft in Basel, Göttingen und Freiburg. Promotion 1998 in Basel, Forschungsaufenthalte in Princeton und London, 2004 Habilitation an der Universität Greifswald. Er ist Direktor der Friedrich-Nietzsche-Stiftung in Naumburg und Leiter der Forschungsstelle Nietzsche-Kommentar der Heidelberger Akademie der Wissenschaften. Seit 2016 ord. Professor für Philosophie mit Schwerpunkt Kulturphilosophie an der Universität Freiburg.

Montag, 20. März 2017 | 19:00 Uhr

Prof. Dr. Wilhelm Schmid (Berlin)
Was ist Heimat? Von der Bedeutung eines Horizonts für das Leben
Überlegungen eines Philosophen aus Bayerisch-Schwaben

Wo komme ich her, wo gehöre ich hin, was ist aus mir geworden, was verdanke ich meiner Herkunft? Menschen brauchen Heimat, um Sinn im Leben zu finden. Heimat ist zunächst der Ort der Herkunft eines Menschen, aber auch eine Wahlheimat ist möglich. Wer in der angestammten Heimat bleibt, kann sich in ihr sehr verwurzelt fühlen, aber es ist manchmal auch ein bisschen langweilig. Wer weggeht, hat keine Wurzeln am neuen Ort, macht aber viele neue Erfahrungen. Heute entwickeln sich neue Arten von Heimat: Virtuelle Heimat, Unterwegsheimat. Zur Heimat werden Autos, Züge, Flugzeuge, Parkplätze, Bahnhöfe, Flughäfen. Heimat ist nicht mehr nur ein bestimmter Ort, vielmehr ist sie dort, wo die Familie ist und wo die Freunde sind. Die geistige Heimat ist das Zuhause in einer Sprache, in Gedanken und Worten. Und nach wie vor existiert für viele Menschen eine himmlische Heimat, aus der sie kommen und in die sie zuletzt, wie es so treffend heißt, heimgehen.

Portrait eines Mannes (c) Heike Steinweg, Suhrkamp Verlag

Prof. Dr. Wilhelm Schmid

Wilhelm Schmid, 1953 geboren und aufgewachsen in Billenhausen bei Krumbach/Schwaben, studierte Philosophie und Geschichte in Berlin, Paris und Tübingen, 1991 Promotion in Tübingen. Er lebt als freier Philosoph in Berlin, lehrt Philosophie als außerplanmäßiger Professor an der Universität Erfurt und ist Autor zahlreicher Bücher zur Philosophie und Lebenskunst. 2012 erhielt er den deutschen Meckatzer-Philosophiepreis für besondere Verdienste bei der Vermittlung von Philosophie, 2013 den schweizerischen Egnér-Wissenschaftspreis für sein bisheriges Werk zur Lebenskunst.

Montag, 27. März 2017 | 19:00 Uhr

JProf. Dr. Philipp Schwab (Freiburg)
Schelling und Hegel – Zwei schwäbische Idealisten im Gespräch

Das über 50 Jahre geführte »große Geistergespräch« der zwei schwäbischen Idealisten Schelling und Hegel zeichnet der Vortrag nach: ausgehend von ihrer gemeinsamen Studienzeit im Tübinger Stift, über ihre Zusammenarbeit in Jena und die folgenden Jahre der Entfremdung, bis hin zum Bruch zwischen beiden und ihrer späten wechselseitigen Kritik. Dabei sollen neben biographischen Umständen auch die philosophischen Grundpositionen der Klassischen deutschen Philosophie in den Blick kommen.

Portrait eines Mannes

Prof. Dr. Philipp Schwab

Philipp Schwab, geb. 1979, ist Juniorprofessor für Philosophie an der Universität Freiburg mit dem Schwerpunkt »Klassische deutsche Philosophie und ihre Rezeption«. Dort leitet er eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderte Forschergruppe zur Auseinandersetzung zwischen Schelling und Hegel. Zuvor Studium der Philosophie, der deutschen Literaturgeschichte und der Anglistik, Promotion zur Existenzphilosophie Sören Kierkegaards, Lehr- und Forschungstätigkeiten in Kopenhagen, Basel, Chicago und München.

Montag, 3. April 2017 | 19:00 Uhr

Prof. Wolfgang Urban M.A. (Rottenburg am Neckar)
Freiheit unterm Sternenzelt – Friedrich Schiller als Philosoph

Die philosophische Grundfrage nach der Freiheit des Menschen bewegt das Denken des großen Dichters und Dramatikers Friedrich Schiller (1749-1805). Mit dem Studium der Werke Immanuel Kants, insbesondere der 1790 erschienenen Kritik der Urteilskraft kommt es bei Schiller 1792 bis 1795 zu einem intensiven Durchdenken von Fragen der philosophischen Ästhetik, der damals modernsten philosophischen Disziplin. Seine von gedanklicher Tiefe geleitete Analyse ästhetischer Erfahrungen wie des Schönen oder des Erhabenen werden ihm zur Basis der eigenen philosophisch geleiteten Sicht des Menschen.

Portrait eines Mannes

Prof. Wolfgang Urban

Wolfgang Urban, geb. 1948, studierte Mathematik und Philosophie in Tübingen. Von 1993 bis 2013 war er Kustos des Diözesanmuseums der Diözese Rottenburg-Stuttgart in Rottenburg a.N. Er ist Autor zahlreicher Veröffentlichungen zur Kirchen-, Kultur- und Kunstgeschichte und Lehrbeauftragter am Seminar für Neuere Geschichte der Universität Tübingen. Für das Historische Wörterbuch der Philosophie verfasste er die Artikel Qualität II. (Mittelalter) und Quantität II. (Mittelalter). Von ihm stammt auch die bislang umfassendste Darstellung der Ikonographie des Martin von Tours in der Kunst vom 6. bis 20. Jahrhundert. 2016 wurde ihm vom Land Baden-Württemberg der Professoren-Titel verliehen.