Landesgeschichte ohne Promotionen Der Gustav-Schwab-Preis des Schwäbischen Heimatbunds

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Landesgeschichte ohne Promotionen Der Gustav-Schwab-Preis des Schwäbischen Heimatbunds

(von Franz Quarthal)

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Schwaben als besondere Geschichtslandschaft im europäischen Rahmen neu entdeckt. Das besondere der schwäbischen Geschichte: Polyzentrik statt imperialistischer Großstruktur, genossenschaftliche Organisation, kommunale Verfassungsformen, vielfältige Gestaltung der politischen Partizipation, bäuerliche Mitbestimmung, religiöse Pluralität, gelebte Toleranz, kulturelle Vielfalt, künstlerische, literarische, philosophische und theologische Höhepunkte all dies ließ Schwaben als Musterland europäischer Möglichkeiten erscheinen.

Mit Bahn brechenden Arbeiten von Karl Siegfried Bader, Theodor Mayer, Otto Herding, Otto Borst, Fritz Kallenberg, Gerd Tellenbach, Karl Schmid und anderen wurden Schneisen geschlagen, denen andere folgten. Neben den vielen lokalen Einzelforschern waren es Doktoranden und Habilitanden, die neue Quellen publizierten und die Forschung oft in völlig neue Bahnen lenkten. Die Universitäten in Augsburg, Heidelberg, Stuttgart, Tübingen, Freiburg, Konstanz, Innsbruck, Zürich und Bern steuerten mit einer Vielzahl von Dissertationen Wesentliches und Grundlegendes zur neuen und vertieften Erforschung der südwestdeutschen Geschichte bei.

Seit einiger Zeit dünnt der Strom an Dissertationen und Habilitationen zur schwäbischen Geschichte in beunruhigender Weise aus. Ihre Zahl geht teilweise dramatisch zurück. Dies mag teilweise nachvollziehbare externe Gründe haben wie der fast gleichzeitige Wechsel auf den landesgeschichtlichen Lehrstühlen in Augsburg, Weingarten, Tübingen, Stuttgart, Freiburg und Bern und die Umstellung der universitären Prüfungen vom Magister auf Bachelor und Master. Es spielt eine große Rolle, dass so gut wie kein Staatsexamenskandidat, die früher die Mehrheit unter den Doktoranden bildeten, mehr bereit ist, eine Promotion zu übernehmen, weil innerhalb der nächsten zwei Jahre die für eine Promotion aufzuwenden sind die Chancen für eine Übernahme in den Staatsdienst dramatisch sinken. Den Weg vom Bachelor über den Master zur Promotion hat im Fach Geschichte an meiner Universität Stuttgart seit der Einführung der neuen Prüfungsordnung vor rund fünf Jahren noch niemand beschritten. Ein offenes Doktorandenkolleg für die Doktoranden, die schwäbische Themen erforschen, das die Gesellschaft Oberschwaben mehrfach angeboten hat, musste zuletzt mangels Nachfrage ausfallen.

Eine der Ursachen für den Rückgang der Dissertationen mag sein, dass der Geschichtsunterricht an den Gymnasien das Mittelalter und die Frühe Neuzeit, beides besonders charakteristische Epochen schwäbischer Geschichte, ausklammert und diese Lücken während des Studiums kaum noch zu schließen sind. Wenn der Investiturstreit, die Zeit der Staufer, das Spätmittelalter, der Dreißigjährige Krieg, die Aufklärung alles Fremdwörter sind und erst von der Basis an vermittelt werden müssen, wird man nur schwer Doktoranden finden, die anschließend spezielle Themen auf regionaler Basis behandeln. Ein Ausdruck dieser Entwicklung ist die Tatsache, dass seit Jahren die Benützung der Historischen Archive (Archivalien bis 1800) in unseren südwestdeutschen Archiven deutlich zurückgeht.

Die neue, vielfach propagierte Form der Promotionen, die Graduiertenschulen die gezielte Zusammenarbeit vieler Doktoranden unter einer Forschungsperspektive -, wie sie die Deutsche Forschungsgemeinschaft vorsieht, kann angesichts der Differenzierung landesgeschichtlicher Forschung keine Lösung sein. Allenfalls wäre eine gemeinsame Graduiertenschule der südwestdeutschen Lehrstühle denkbar, die aber erst in fernerer Zukunft zu realisieren ist. Es sind die historischen Vereine, die dieser Entwicklung entgegenzuwirken versuchen. Es gibt den Carl-Joseph von Hefele-Preis, den Johannes-Brenz-Preis und, vom Schwäbischen Heimatbund zum hundertjährigen Jubiläum gestiftet, den Gustav-Schwab-Preis, der 2011 zum zweiten Mal verliehen wird.

Angesichts der Vielzahl der Probleme mag der Preis wirken wie der Tropfen auf den heißen Stein. Der Schwäbische Heimatbund aber hofft auf eine Signalwirkung, dass der Gustav-Schwab-Preis den Blick der Studierenden wieder verstärkt auf die Geschichte Schwabens und ihre reichhaltigen und vielfältigen Perspektiven lenkt. Eine große Bewerberzahl für den Preis wird ein Erfolg für einen Neustart zur Erforschung der Geschichte Schwabens sein.