Martin Blümcke und Friedemann Schmoll (Hg.) Karl Julius Weber.

. . . . . .

Martin Blümcke und Friedemann Schmoll (Hg.) Karl Julius Weber.

Verneigung vor einem aufgeklärten Kopf. Leben, Wirken, Wirksamkeit. Klöpfer & Meyer Verlag Tübingen 2017. 196 Seiten mit 6 Abbildungen. Hardcover € 19,-. ISBN 978-3-86351-523-2

Titelblatt

Karl Julius Weber wurde vor 250 Jahren geboren. Das ist Grund genug, wieder einmal an den seinerzeitigen hohenlohischen Erfolgsautor zu erinnern. Der Untertitel des von Martin Blümcke und Friedemann Schmoll herausgegeben handlichen Büchleins ist Programm: Verneigung vor einem aufgeklärten Kopf. Ja, ein Aufklärer war er, und das lässt sich aus seinen Werken deutlich heraus lesen!

Weber wurde im Jahr 1767 in Langenburg (heute Kreis Schwäbisch Hall) geboren. Er besuchte dort die Lateinschule, anschließend in Öhringen das hohenlohische Landesgymnasium und studierte dann in Erlangen Jura. Nicht alle Pläne des talentierten jungen Mannes gingen in Erfüllung. Dass er als Hauslehrer den Erbgrafen von Isenburg-Büdingen auf seiner Kavalierstour begleiten durfte, erschien zunächst vielversprechend. Dann aber kam es zu einem tiefen Zerwürfnis, weil sich der Erbgraf als der größte Selbstler, der mir je vorgekommen war, erwies. Nach einer schweren gesundheitlichen Krise lebte Weber zurückgezogen in seiner hohenlohischen Heimat. - Nur noch einmal trat er kurz ins Licht der Öffentlichkeit, als er von 1820 bis 1823 Abgeordneter der Zweiten Kammer des Stuttgarter Landtages wurde.

Nun hatte er Zeit für seine 11.000 Bände umfassende Bibliothek und seine literarische Lieblingsbeschäftigung. Besonders erwähnenswert sind seine Bestseller Demokritos oder Hinterlassene Papiere eines lachenden Philosophen und Deutschland oder Briefe eines in Deutschland reisenden Deutschen. Der Demokritos, ein vorwiegend posthum erschienenes zwölfbändiges Mammutwerk, erlebte bis zum Jahr 1927 zahlreiche Auflagen. In der Folgezeit wurden gelegentlich weniger umfang reiche Auswahlbände gedruckt. Weber starb im Jahr 1832, im Todesjahr Goethes, in Kupferzell (Hohenlohekreis).

Marin Blümcke, früher Leiter der Redaktion Land und Leute beim Süddeutschen Rundfunk und langjähriger Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes, berichtet von einem bemerkenswerten Fund. Es handelt sich um die Abschiedsrede, die Karl Julius Weber im Herbst 1785 am Öhringer Gymnasium vortrug, bemerkenswerterweise nicht in Latein, sondern in Französisch. Der verloren geglaubte Text wurde in der Universitätsbibliothek Straßburg wiederaufgefunden.

Friedemann Schmoll, Professor für Volkskunde und Kulturwissenschaft, verweist auf die unterschiedlichen Bewertungen, die der Hohenloher Autor in der Vergangenheit erfuhr. Rudolf Schlauch griff wohl zu hoch, wenn er von dessen Weltgeltung sprach. Tatsächlich schwankten die Urteile der Fachleute zwischen Anerkennung und ungnädigem Tadel. Sein Bruder Benedikt nannte ihn einen lachenden, hell um sich schauenden, doch mehr in die Weite, als in die Tiefe blickenden Weltphilosophen. Schmoll stellt fest: So entsteht ein wechselndes Nebeneinander, bei dem sich Anfang und Ende der Gedankenströme schnell vergessen lassen. […] Eben dies provozierte immer wieder die Kritik, von der er sich Vorwürfe mangelnder Geschlossenheit und Systematik […] einhandelte.

Professor Martin Scharfe setzt sich mit der Ironie des lachenden Philosophen auseinander und kommt zu dem Ergebnis: Ironie (und Carl Julius Webers ganzer Demokritos!) ließ sich dann als Symptom verstehen, das auf die Empfindung einer Krise, einer kritischen Epoche verweist.

Stefan Knödler, Akademischer Rat in Tübingen, befasst sich mit dem Bibliomanen Karl Julius Weber und mit seiner fantastisch umfangreichen Bibliothek, ohne die seine literarischen Werke nicht denkbar wären. Vergleichsweise ausführlich berichtet Martin Blümcke über Webers dreieinhalbjährige Schulzeit in Öhringen. Was die Schule und begabte Schülerinnen und Schüler schon damals zu leisten vermochten, weckt Bewunderung. Auch diejenigen, die den französischen Text von Webers Abschiedsrede nicht verstehen, können seine Gedanken leicht nachvollziehen. Schüler des Gymnasium Gerabronn haben ihn unter der Leitung ihres Lehrers Andreas Ilg in ein gefälliges Deutsch übersetzt: Es ist wahr, dass die schöngeistige Literatur uns nicht unmittelbar tugendhaft macht, aber sie ist der sicherste Weg uns dort hinzuführen.

Abgerundet wird das Buch mit einem Beitrag von Pfarrer Wilhelm Arnold Ruopp. Er schildert, wie die im Jahr 1936 von Jakob Wilhelm Fehrle geschaffene Skulptur, die noch heute an der alten Volksschule in Langenburg zu sehen ist, zustande kam. Er schließt seinen Beitrag mit der Bemerkung: Dass sich die Langenburger für diese Büste entschieden haben, kann auch als eine Verneigung vor einem `aufgeklärten Kopf´ verstanden werden. - Freilich, aufgeklärte Köpfe waren nicht immer willkommen!

Insgesamt ist das lesenswerte Buch ein wichtiger Beitrag zur Literatur- und Kulturgeschichte der späteren Aufklärung und der hohenlohischen Literatur. Es kann und sollte dazu beitragen, dass sich viele Interessierte nun von Neuem mit dem Autor Karl Julius Weber befassen.

Kurt Schreiner