Herbsttouren mit SHB und VVS: Das Remstal pulsierende Verkehrsader seit Jahrtausenden

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Herbsttouren mit SHB und VVS: Das Remstal pulsierende Verkehrsader seit Jahrtausenden

Zwischen dem 4.10. und 23.10.2019 führen vier Tagestouren des SHB in Zusammenarbeit mit dem VVS zu kunst- und kulturhistorischen Schätzen sowie geschichtsträchtigen Orten zwischen Remstal und Ostalb. Die Führungen sind in bewährter Weise vom SHB organisiert, der VVS stellt allen Teilnehmern für die umweltfreundliche An- und Abreise ein Netz-Tagesticket zur Verfügung. Erkunden Sie mit ausgewiesenen Fachleuten verborgene Kulturschätze eines aufregenden Landes.

Prospekttitel

Der Herbsttouren-Prospekt als pdf zum Herunterladen

Einer der dichtesten Geschichtsräume unseres Landes

In kaum einer anderen Landschaft in Württemberg lagen im Mittelalter Herrschaftsrechte verschiedener Hochadelsgeschlechter und des deutschen Königtums so eng beieinander wie zwischen Neckar und Schwäbisch Gmünd. Und durch das Remstal verlief eine wohl schon von den Römern benutzte höchst wichtige Verkehrsader und spätere Königsstraße Süddeutschlands. Über die Quelle der Rems hinaus führte sie weiter zu den Reichsstädten Aalen, Nördlingen, Dinkelsbühl und Nürnberg und von dort nach Prag.

Pulsierendes Leben am Fluss - stille Täler und Wälder

So erklärt sich auch, wieso an dieser viel genutzten Verkehrsader mit dem Königtum eng verbundene Stätten und eine mächtige Festung des Hauses Württemberg aufgereiht sind wie Perlen auf einer Schnur: die Feste Schorndorf, Kloster Lorch, die Reichsstädte Schwäbisch Gmünd und Aalen. Die das Remstal flankierenden Berge wurden verkehrstechnisch erst sehr viel später gut erschlossen - durch Stichbahnen wie die Wieslauftalbahn, um die Arbeitskräfte aus dem Hinterland in die Industriestädte zu bringen.

Eine wichtige Verkehrsader ist das Remstal bis heute, und sie führt zu reizvollen Zielen für Tagesausflüge. Die historischen Orte sind geschichtsträchtig - von den Römern bis in die Zeit der Industrialisierung, die Berge und Wälder sind Orte der Ruhe. Die S-Bahn fährt heute bis Schorndorf, das VVS-Ticket umfasst auch Nebenlinien, und zur Zeit der Remstal Gartenschau ist sogar Aalen mit dem VVS-Tarif zu erreichen.

Vor Ort unterwegs mit dem Schwäbischen Heimatbund

Der VVS freut sich, mit dem Schwäbischen Heimatbund einen ausgewiesen kompetenten Partner in Sachen Geschichte und Landeskunde zu haben. Ob Landesgeschichte und Landeskunde, Denkmalpflege oder Naturschutz, seit mehr als 100 Jahren setzt sich der SHB engagiert mit dem Thema "Heimat" auseinander und tritt aktiv für die Erforschung und Erhaltung der schwäbischen Heimat ein.

Entdecken Sie mit VVS und SHB den Aufbruch Württembergs in die Moderne zu einem günstigen Paulschalpreis inkl. VVS-Ticket. Die fachkundigen Kenner des SHB lassen in vier Tagestouren Landschaft und Geschichte rund ums Remstal lebendig werden.

Die ausführliche Beschreibung dieser Touren finden Sie im Herbsttouren-Prospekt, den wir Ihnen gerne zuschicken (Tel. 0711-239 42 11 bzw. E-Mail reisen@schwaebischer-heimatbund.de) oder den Sie als pdf-Datei hier herunterladen können.

Tour 1: Alle Wege führen nach Aalen: das Limesmuseum

Ein Museum am Ende der Welt

Freitag, 4. Oktober 2019 |Exklusive Tagestour mit dem Römerexperten Prof. Dr. Holger Sonnabend, Universität Stuttgart

32 € pro Person inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit.

Treffpunkt/Start: 9:15 Uhr vor dem Bahnhof Böbingen.

Hinfahrt:Regionalbahn nach Aalen, ab S-Hbf um 8:20 Uhr, Ankunft in Böbingen um 9:08 Uhr | Ende gegen 17 Uhr am Bahnhof Aalen, Rückfahrt mit Regionalbahn nach Stuttgart

Die Höhepunkte:

In Hamburg, Kiel oder Berlin waren die Römer nicht. Aber im deutschen Südwesten! Vor gut 2000 Jahren marschierten sie in das heutige Baden-Württemberg ein und blieben für fast 200 Jahre. Sie bauten nicht nur die Kastelle als Lager für die Soldaten, sondern - was weniger bekannt ist - sie konstruierten auch Städte, Häuser mit allem Komfort wie Heizung und Fußbodenmosaiken, Gutshöfe, Straßen und Brücken - und sie legten den Limes an, die Reichsgrenze, die das römische Imperium bei uns von den keltischen und germanischen Barbaren jenseits trennte. Diese Grenze war Teil eines Weltreichs, das von Syrien bis Spanien, von Ägypten bis Schottland - und bis Aalen reichte.

Aalen lag vor 2000 Jahren gleichsam am Ende der Welt und verdankt seinen Namen der einst hier als Grenzbewachung stationierten römischen Reitertruppe (lat. ala). Es gibt kaum einen besseren Ort im Land, um Leben und Kultur der römischen Welt am Limes kennenzulernen. Im Mai 2019 wurde das Limesmuseum in Aalen nach einer Rundumrenovierung und Erweiterung neu eröffnet. Es führt den Besuchern die Spuren dieser untergegangenen Weltmacht, insbesondere auch das Leben der Bevölkerung diesseits und jenseits des Limes, höchst lebendig vor Augen. Herzstück ist die neue Dauerausstellung mit über 1.200 Originalfunden auf 1.500 qm Ausstellungsfläche. Ein Gang durch den Archäologischen Park schließt sich an.

Schon vor Aalen wird die Tagestour in Böbingen an der Rems Römerluft schnuppern: bei den Resten eines von den Römern großzügig angelegten Wohnorts für die Zivilbevölkerung und in der sehenswerten Ausgrabung eines Kastells.

Tour 2: Württembergische Eisenbahngeschichte im Rems- und Wieslauftal

Die zweite und dritte Streckengründungswelle

Freitag, 11. Oktober 2019 | Exklusive Tagestour mit dem Eisenbahnhistoriker Uwe Siedentop

37 Euro inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit.

Treffpunkt/Start: 9 Uhr, vor dem Bahnhof Grunbach.

Hinfahrt: S-Bahn S2 ab S-Hbf (tief) um 8:20 Uhr, Ankunft in Grunbach um 8:45 Uhr
Ende am Bahnhof Schorndorf ca. 19:15/19:45 Uhr, Ruckfahrt mit Regional- oder S-Bahn nach Stuttgart

Die Höhepunkte:

Die Eisenbahnstrecken zwischen dem Neckartal und Aalen gehören zwar nicht zu den Pionierstrecken des württembergischen Eisenbahnbaus, aber zur nicht minder spannenden zweiten und dritten Generation. Um 1830 gab es Überlegungen, für den Massengütertransport den Neckar via Rems, Kocher und Brenz mittels eines Kanals mit der Donau zu verbinden. Die Schwäbische Alb war aber nicht zu überwinden, die Kosten für den Agrarstaat Württemberg hätten alles bisher Dagewesene übertroffen.

Als diese Pläne durch die Entwicklung der Eisenbahnen überholt wurden, war es wieder die Schwäbische Alb, die störte: Den Eisenbahnen wurde der steile Albaufstieg nicht zugetraut. Über die Streckenführung nach Ulm - durch das Filstal oder durchs Remstal - entstand ein heftiger Streit. Zum Leidwesen der Remstäler wurde dann die Bahn durch das Filstal und über die Geislinger Steige gebaut. Erst elf Jahre später bekamen 1861 auch die Remstäler ihre Eisenbahn. Noch viel später erst entstanden dann rechts und links Nebenbahnen, wie 1908/11 die Wieslauftalbahn.

Die von dem Eisenbahnhistoriker Uwe Siedentop geführte Tagestour beginnt in einer kleinen Ausstellung im Museum Remshalden, mit einer Einführung in die Eisenbahngeschichte des Remstals von 1861 bis heute. Ein Besuch der Spur-0-Modellbahn-Anlage in Mögglingen bietet danach Eisenbahnromantik im Kleinen. Kühne Viaduktkonstruktionen und historische Bahnhofsromantik begeistern danach bei der Fahrt mit dem Wiesel auf der Wieslauftalbahn bis zum Endbahnhof Rudersberg-Oberndorf und weiter mit dem Bus bis zum Bahnhof Laufenmühle.

Tour 3: Schwäbisch Gmünd - Kleinod an der Rems

Staufer, Parler, die Reichskleinodien und eine mittelalterliche Synagoge

Freutag, 18. Oktober 2019 | Exklusive Tagestour in der staufischen Reichsstadt mit Dr. David Schnur

39 € pro Person inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit

Treffpunkt/Start: 9:10 Uhr vor dem Bahnhof Schwäbisch Gmünd.

Hinfahrt: Regionalbahn nach Crailsheim, ab S-Hbf um 8:20 Uhr, Ankunft in Schwabisch Gmund um 9:01 Uhr
Ende gegen 18 Uhr am Bahnhof Schwabisch Gmund, Rückfahrt mit Regionalbahn oder IRE nach Stuttgart

Die Höhepunkte:

Wohl die Nähe des Hohenstaufen und die verkehrsgünstige Lage an der alten Handelsstraße entlang der Rems standen im Hintergrund des staufischen Ausbaus von Schwäbisch Gmünd zur blühenden Reichsstadt.

Die Besichtigungen dieser Herbsttour offenbaren ein historisches Kleinod. Die Stadt blieb über Jahrhunderte von größeren Bränden und Zerstörungen verschont. Dadurch erhielt sich das historische Netz der mittelalterlichen Straßenzüge und zudem eine bedeutende Anzahl bauhistorischer Zeugen von der Stauferzeit bis in den Barock. Nicht nur Kirchen, wie das von der berühmten, bis nach Prag wirkenden Baumeisterfamilie Parler errichtete Heilig-Kreuz-Münster und die romanische Johanniskirche, blieben erhalten, sondern auch viele weltliche Gebäude, etwa die lange Zeit als städtisches Kaufhaus und Stapelort genutzte mittelalterliche Grät. Das Amtshaus des vor 750 Jahren 1269 gegründeten Hospitals zum Heiligen Geist beherbergt heute die Stadtbibliothek, erreichbar über einen idyllischen Innenhof mit der Spitalmühle.

Entlang des staufischen Marktplatzes spiegeln die Bürgerhäuser und das 1793 fertiggestellte neue Rathaus den barocken Stadtumbau des 18. Jahrhunderts wider, der auch in Klosterum- und -neubauten (Prediger/Dominikaner, Franziskanerkloster) zum Ausdruck kommt. Einzigartige Kleinode sind die erst vor kurzem wiederentdeckte, 2019 ausnahmsweise zugängliche, nahezu unzerstört erhaltene Synagoge (13. Jh.) und die in den letzten Jahren von Schwäbisch Gmünder Goldschmieden gefertigten originalgetreuen Repliken der Reichsinsignien (Krönungsschatz) im Prediger.

Tour 4: Schorndorf drunter und drüber

Weingärtner, Beamte, Erfinder, Philosophen

Mittwoch, 23. Oktober 2019 | Exklusive Tagestour mit Oberbürgermeister a.D. Winfried Kübler

31 € pro Person inkl. Führungen, Eintrittsgelder und VVS-Ticket. Mittags Einkehrmöglichkeit.

Treffpunkt/Start: 9:15 Uhr vor dem Bahnhof Schorndorf

Hinfahrt: S-Bahn S2 ab S-Hbf (tief) um 8:35 Uhr, Ankunft in Schorndorf um 9:10 Uhr
Ende gegen 17 Uhr am Bahnhof Schorndorf, Rückfahrt mit Regional- oder S-Bahn nach Stuttgart.

Die Höhepunkte:

Die geheimnisvollsten Zeugen der Geschichte liegen oft unter der Erde, die prächtigsten mitunter in luftiger Höhe. Schorndorfs Oberbürgermeister a. D. Winfried Kübler gibt sich die Ehre und führt die Teilnehmer der Tagestour in die alte württembergische Amtsstadt. Drunter und drüber geht's zu herrlichen Fachwerk-Plätzen und -straßenzügen, in sonst verschlossene Winkel der historischen Stadt - etwa tief ins Weingewölbe des Schorndorfer Burgschlosses oder mit einer Sonderführung in die Apothekensammlung im uralten Gewölbekeller unter der Gaupp'schen Apotheke. Befreit schweift der Blick vom barocken Turm der Schorndorfer Stadtkirche hoch droben über die Stadt und weit hinaus ins Remstal.

Schorndorfs unversehrte, nach einem verheerenden Stadtbrand 1634 im 17. Jahrhundert neu entstandene Altstadt, besitzt in der Region Seltenheitswert, etwa der stimmungsvolle Obere Marktplatz, die prächtigen Bauten der Höllgasse und das herrliche gotische Wurzel-Jesse-Gewölbe in der Stadtkirche. Stadthäuser wie Gottlieb Daimlers Geburtshaus - heute Daimler-Museum - mit einer bemalten Täferdecke von 1750 erinnern an berühmte Schorndorfer(innen) wie Barbara Künkelin, Gottlieb Daimler, Karl Friedrich Reinhardt, 1799 für einige Monate Außenminister der revolutionären französischen Republik, oder den Philosophen Friedrich Wilhelm Schelling. Ein Spaziergang zur Stadtbefestigung und ein Besuch der bis zu 200 Jahre alten Grabsteine auf dem Alten Friedhof runden den Tag ab. Mittagspause im Kesselhaus (Privatbrauerei) der ehemaligen Eisenmöbelfabrik Arnold.