Otto F. Geyer und Manfred P. Gwinner: Geologie von Baden-Württemberg.

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Otto F. Geyer und Manfred P. Gwinner: Geologie von Baden-Württemberg.

Titelblatt

5., völlig neu bearbeitete Auflage, herausgegeben von Matthias Geyer, Edgar Nitsch und Theo Simon. Verlag Schweizerbart Stuttgart 2011. X, 627 Seiten mit 185 teilweise farbigen Abbildungen und 4 Tabellen. Gebunden € 68,–. ISBN 978-3-510-65267-9

Seit seinem ersten Erscheinen im Jahr 1964 hat sich «der Geyer/Gwinner» als Standardwerk der Geologie Südwestdeutschlands einen festen Platz verschafft. Um so spürbarer war die Lücke, als die 1991 erschienene 4. Auflage vergriffen und die Fertigstellung der bereits geplanten 5. Auflage den Autoren nicht mehr vergönnt war. Nun haben die oben erwähnten Herausgeber gemeinsam mit zahlreichen fachkundigen Mitarbeitern diese Lücke erfreulicherweise geschlossen. Herausgekommen ist dabei ein Buch, das in Aufbau und inhaltlicher Ausrichtung an Bewährtes aus früheren Auflagen anknüpft, aber doch weit über eine bloße Überarbeitung hinausgeht. Der Text ist vollständig neu verfasst, fast sämtliche Abbildungen sind neu ausgewählt oder neu gezeichnet worden. Dabei galt es, den seit der letzten Auflage enorm gewachsenen Kenntnisstand zur Geologie des Landes zu berücksichtigen.

Auf die einleitende Darstellung der Erforschungsgeschichte folgt eine Übersicht über die Naturräume, den allgemeinen geologischen Aufbau und die erdgeschichtliche Entwicklung Baden-Württembergs. Den Hauptteil des Buches bildet – wie in den vorherigen Auflagen – die detaillierte Darstellung der Gesteinsfolge und ihrer regionalen Faziesentwicklungen. Dabei wurde dem Grundgebirge, dem nicht-metamorphen Paläozoikum sowie dem Tertiär und der landschaftsgeschichtlichen Entwicklung breiterer Raum als bisher gegeben. Dies kommt auch in zahlreichen neuen Karten zum Ausdruck, die aufbauend auf den Ergebnissen zahlreicher Tiefbohrungen Aufschluss geben über die Verbreitung tiefer liegender Schichten. Besonders aufschlussreich ist auch die Kartenserie zur Entwicklung des südwestdeutschen Flussnetzes während der letzten 45 Millionen Jahre.

Sedimentations- und Klimageschichte sowie die tektonische Entwicklung des Landesgebietes werden ebenfalls ausführlicher erläutert. Dabei wird die Geologie Baden-Württembergs nicht isoliert, sondern im Zusammenhang mit den benachbarten Regionen betrachtet. Dieser übergebietlichen Betrachtung dient auch die erstmalige Verwendung der aktuell gültigen, in den vergangenen Jahren länderübergreifend abgestimmten stratigraphischen Nomenklatur. Für deren Einführung sehr hilfreich ist, dass parallel dazu die früher in Südwestdeutschland allgemein gebräuchlichen Bezeichnungen erwähnt werden. Das erleichtert der älteren Generation die Zuordnung der neuen Begriffe in das gewohnte System und umgekehrt der jüngeren Generation das Verständnis älterer Literatur und Karten.

Abschließend sind den Wechselbeziehungen zwischen der Tätigkeit des Menschen und ihren geologischen Voraussetzungen eigene Kapitel gewidmet. Hier geht es um die Auswirkungen des Menschen als geologischer Faktor, um Rohstoffe, Grundwasser, Mineral- und Thermalwasser, Geothermie und Georisiken. Das Werk wird vervollständigt durch ein umfangreiches Literaturverzeichnis, das dem speziell interessierten Leser eine Vielzahl von Publikationen zur weiteren Vertiefung erschließt.

Das mit zahlreichen farbigen Abbildungen ausgestattete Buch wird auch in seiner neuen Form dem Ruf als Standardwerk der südwestdeutschen Geologie wieder voll gerecht. Es ist ein Muss für alle, die sich mit der Geologie dieses Raumes eingehender beschäftigen, seien es Wissenschaftler und Lehrer oder Studierende an Schulen und Hochschulen oder seien es Praktiker in angewandten Berufen, die ein entsprechendes geologisches Basiswissen voraussetzen. Darüber hinaus kann es allen erdgeschichtlich Interessierten, die sich an der Vielfältigkeit von Gesteinsaufbau und Fossilien unseres Bundeslandes erfreuen, bestens empfohlen werden. Zusätzlich liefert es ein Fundament für das Verständnis der vielfältigen Formen heimischer Landschaften und deren Entstehung und damit einen wesentlichen Pfeiler für eine fundierte «Heimatkunde».

Eine Einschränkung muss hier allerdings gemacht werden: Die für die Geomorphologie und Bodenverhältnisse im größten Teil des Alpenvorlandes entscheidenden eiszeitlichen Sedimente werden auf nur knapp dreieinhalb Seiten Text ohne irgendeine Abbildung zum glazialen Formenschatz oder eine Karte der räumlichen Verteilung abgehandelt. Das erstaunt beim sonstigen Umfang des Werkes. Hier wünscht man sich für künftige Auflagen wieder eine ähnlich umfangreiche und anschauliche Darstellung, wie man sie von den früheren Auflagen gewohnt war.

Friedrich Weller