Information zum Kalkofen Untermarchtal

Ansicht des Kalkofens
Putz und Zement kommen heute in Papiersäcken ins Haus - abgefüllt in riesigen Kalk- und Zementwerken. Das war nicht immer so. Die industrielle Fertigung entstand erst im 19. Jahrhundert. Bis in die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg produzierten noch unzählige kleine Kalkbrennereien wie seit Jahrhunderten für den Bedarf der Umgebung.
In Untermarchtal wurde das letzte erhaltene kleine Kalkwerk mit Schachtofen des Alb-Donau-Raums originalgetreu restauriert und als technisches Museum eingerichtet. Die Anlage besteht aus einem über eine Gichtbühne beschickten Schachtofen mit einem sieben Meter hohen Schornstein sowie der angebauten Werkhalle mit den historischen, weitgehend original erhaltenen Vorrichtungen zum Löschen, Sieben und Abfüllen des Kalks. Sie können bei Führungen für die Besucher in Betrieb genommen werden.
Nichts hält ewig. Sanierung des Kalkofen-Kamins
Bereits von 1986 bis 1990 wurde eine gründliche Sanierung dieses technischen Denkmals durchgeführt. Als Wind und Wetter ausgesetzter Freilichtanlage nagt der Zahn der Zeit aber weiterhin schneller als uns lieb und recht ist. Besonders der markante Backsteinkamin ist das erklärte Ziel dieses bissigen Angriffs.
Deshalb hat der Vorstand des Schwäbischen Heimatbunds im Jahre 2007 seine Sanierung beschlossen. Seit Mai 2008 werden nun die notwendigen Baumaßnahmen durchgeführt, deren Kosten auf € 28.000,– geschätzt wurden. Das Regierungspräsidium Tübingen - Landesamt für Denkmalpflege - und die Denkmalstiftung Baden-Württemberg unterstützen finanziell die Sicherung des Kamins.
Wem von unseren Mitgliedern die Erhaltung des Technischen Denkmals am Herzen liegt, kann sich mit einer Spende Kennwort «Kamin» auf unser Konto Nr. 2 164 308 bei der Baden-Württembergischen Bank (BLZ 60050101) am Kostenanteil des Schwäbischen Heimatbunds beteiligen. Ein herzlicher Dank den Spendern.
Der Kalkofen in Untermarchtal war von 1923 bis 1939 in Betrieb. Danach dienten die Gebäude als Remise. Nach jahrelangem Leerstand und seiner Einstufung als erhaltenswertes Kulturdenkmal wurde der Kalkofen 1984 an das Land Baden-Württemberg verkauft, das es 1986 dem SHB in Erbpacht überließ, mit der ausdrücklichen Zweckbestimmung, den historischen, denkmalgeschützten Kalkofen sobald wie möglich wieder herzustellen und danach einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Von 1986 bis 1990 wurde die Anlage durch den Schwäbischen Heimatbund restauriert und ein Museum eingerichtet. Der Museumsbetrieb und die Veranstaltungen werden von der Ortsgruppe Untermarchtal durchgeführt.

Brandkalkproduktion und die Schwäbische Alb
Seit Jahrtausenden dient Kalkstein in vielfältiger Form als Rohstoff zur Herstellung von Mörtel und Anstrichen, als Desinfektionsmittel sowie als Dünger für die Felder. Bereits die Ägypter und Babylonier brannten Kalk zur Herstellung ihrer großen Bauten. Die Römer perfektionierten das Verfahren. Durch sie wurde das Kalkbrennen auch nördlich der Alpen bekannt, doch ging diese Kenntnis zunächst wieder verloren. Erst nach dem Mittelalter nahm die Bedeutung des gebrannten Kalks wieder zu.
Die mächtigen Kalkvorkommen der Schwäbischen Alb entstanden vor rund 190 bis 140 Millionen Jahren im warmen Jurameer. Über ihre unterschiedlichen Qualitäten, die Geschichte ihres Abbaus und ihrer Verwendung wird man in der permanenten Ausstellung ausführlich informiert. Außerdem gibt es mehrere Publikationen, darunter einen ausführlichen Führer durch den Kalkofen.

Sieb- und Abfüllanlage
In Untermarchtal erwarten Sie:
- Eine betriebsbereite Anlage mit Schachtofen, 5-PS-Benzin-motor (1927), Förderschnecke, Elevator, Wasserpumpe und Siebtrommel.
- Führungen erläutern die schwere Arbeit im Steinbruch und beim Beschicken des Ofens sowie die gesundheitlichen Gefahren, denen die Arbeiter beim Löschen und Abfüllen des Kalks ausgesetzt waren (Verätzungsgefahr).
- Ein Videofilm (15 Minuten) verdeutlicht, wie in Untermarchtal von 1923 bis 1939 Kalk gebrannt wurde.
- Schaubrennen: In unregelmäßigen Abständen wird auch der Ofen in Betrieb genommen und Kalk wie vor 70 Jahren gebrannt (Termine auf Anfrage).
- Der ehemalige Weißjura-Kalksteinbruch (Zeta 1) oberhalb der Anlage.
- Eine botanische Rarität stellt das Trockenrasenbiotop im Kalkofenumfeld dar.
- Ausstellung zur Geschichte der Kalk- und Zementbrennerei.
- Kalk- und Zementwerke standen am Beginn der Industrialisierung des Alb-Donau-Raums. Sie prägen die Landschaft bis heute.
- Zusätzlich zur Demonstration der bäuerlich-handwerklichen Kalkbrennerei finden Sie eine Ausstellung zur Geschichte des Kalk- und Zementbrennens von der Römerzeit bis heute.

Das Kalkwerk während der Restaurierung durch den SHB
Anfahrt
Der Kalkofen liegt direkt an der B 311 zwischen Ehingen und Riedlingen. Parkplätze sind vorhanden.
Öffnungszeiten
Seit Februar bis Ende Oktober an Sonn- und Feiertagen von 11.00 bis 17.00 Uhr. Außerhalb der Saison und an Werktagen sind Führungen nach Vereinbarung jederzeit möglich.
Eintritt
Erwachsene zahlen € 2,-, Jugendliche € 1,-, Gruppen ab 15 Personen € 1,50 pro Person
Kontakt
Das Infozentrum in 89617 Untermarchtal erreichen Sie unter der Telefon-Nummer (07393) 917-383 [Fax -384]. Für weitere Fragen wenden Sie sich an die Ortsgruppe Untermarchtal oder benutzen unser Kontaktformular.
Literatur
Ein 20seitiger Führer über das Kalkofenmuseum ist im Verlag Schnell & Steiner erschienen. Er ist über den SHB ebenso erhältlich wie ein umfangreiches Buch über Kalk und Zement in Württemberg; Bestellmöglichkeit (Die Abbildungen sind dem Führer Technisches Museum Kalkofen Untermarchtal aus dem Verlag Schnell & Steiner entnommen).
Hier finden Sie Informationen zu den übrigen Kulturdenkmalen des SHB, zum Gebäude in der Stuttgarter Weberstraße unter SHB-Haus Stuttgart.
