Zur Sache: Solaranlagen und Baukultur

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Zur Sache: Solaranlagen und Baukultur

von Georg Zimmer

In unserer energiehungrigen Zeit kommen der Energieeinsparung, den erneuerbaren Energien und in diesem Zusammenhang den Solaranlagen allergrößte Bedeutung zu. Durch die finanzielle Förderung des Staates hat die Verbreitung von Solaranlagen in Deutschland in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Das ist grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings können diese Anlagen auch zu unkontrollierten Veränderungen von Stadt- und Ortsbildern führen, denn bei ihrer Anbringung wird in den meisten Fällen auf Gestaltungsfragen keine Rücksicht genommen. Wer Solaranlagen errichtet, handelt schließlich – so die öffentliche Meinung – vorbildlich, tut etwas für die Umwelt. Dass damit aber Landschaftsbilder zerstört und Gebäude verunstaltet werden, nimmt man ungern zur Kenntnis. Ästhetik ist angesichts der weltweiten Energieprobleme nicht gefragt.

«Energie vom Himmel» heißt eine Wanderausstellung der Diözese Rottenburg-Stuttgart, die über Ostern in einem der von der Sonne besonders begünstigten Allgäuer Dörfer gezeigt wurde. Und in der Presse wird geworben mit den solaren Dächern des Bischofs in Rottenburg, des Vatikans und mancher katholischer «Laien», frei nach dem Motto: Wer Solaranlagen etabliert, bekommt den Segen «von oben». Die Gemeinde Schönau im Schwarzwald bezeichnet die Solaranlagen auf der evangelischen Bergkirche sogar als «Schöpfungsfenster » – in ihrem Internetauftritt erwähnt sie deren besondere Vorbildfunktion, weil die Kirche als Gebäude für den Inhalt ihrer Botschaft stehe. Im Sinne der Schöpfungsbewahrung für kommende Generationen solle hier im Schwarzwald ein großes Projekt realisiert werden, das für die Größe der Aufgaben auf dem Gebiet der umweltverträglichen Energieversorgung steht ... Weiter heißt es: Lokale Akzeptanz und eine Multiplikatorenwirkung weit über Schönau hinaus im kirchlichen und gesellschaftlichen Raum sollen erreicht werden. Positiver können bauliche Veränderungen von Kirchendächern kaum beschrieben werden.

Bei Solaranlagen unterscheidet man zwischen zwei Typen, den Thermischen Solaranlagen und den Fotovoltaikanlagen. Die Thermischen Anlagen (bekannt als Sonnenkollektoren) liefern Energie zur Erwärmung von Wasser hauptsächlich für die direkte Nutzung in Haushalten. Sie sind ortsgebunden und beanspruchen meist kleinere Flächen. Weit wichtiger sind für das Erscheinungsbild die Fotovoltaikanlagen. Sie sind nicht ortsgebunden und erzeugen aus Sonnenlicht Strom, der in das öffentliche Stromnetz eingespeist wird. Ihre Nutzung erfolgt in den verschiedensten Formen und Größen, von der Anbringung auf dem privaten Wohnhaus, dem großen Fabrikdach bis zu den von Gebäuden unabhängigen Solaranlagen auf freiem Feld, die teilweise die Größe von Fußballfeldern übertreffen.

Bei Neubauten, bei moderner Architektur, ist die Verwendung von Solarelementen zu begrüßen. Besonders bei gewerblichen Bauten sollte dies, wenn die technischen Voraussetzungen gegeben sind, sogar verpflichtend vorgeschrieben werden. Auch die nachträgliche Anbringung von Solaranlagen auf Flachdächern von Schulen, Verwaltungsgebäuden und Fabriken ist wünschenswert. Allein schon durch die Größe dieser Dächer wird hier die Nutzung von Solarenergie wirtschaftlich interessant.

Bei Altbauten ist die nachträgliche Bestückung mit Solaranlagen aber weit problematischer. Ruhige, ungestörte Dachflächen sind kennzeichnend für historische Stadt- und Dorfbilder, vor allem für frei stehende Bauernhöfe. Werden Solaranlagen auf diese Dächer gesetzt, so wird das ursprüngliche Erscheinungsbild wesentlich verändert. Sie stören vor allem auf Ziegeldächern. Das liegt am Material der neuen Technik, an den Formaten der einzelnen Elemente und dem Abstand zur ursprünglichen Dachhaut. Die glänzende Oberfläche dominiert das natürliche und farblich meist zurückhaltende Dachdeckungsmaterial. Deshalb stechen Solaranlagen schon aus großer Entfernung ins Auge. Sie wirken künstlich und im wahrsten Sinne des Wortes «aufgesetzt». Will man auf sie dennoch nicht verzichten, so gilt es, diese richtig zu platzieren. Man muss – wie bei allen «Zutaten» auf dem Dach – die Maßnahmen planen und gestalten. Bei größeren Dächern wie den dominanten Ziegeldächern der oberschwäbischen Bauernhäuser sollte beispielsweise möglichst nicht mehr als ein Drittel der Fläche mit Solarelementen belegt werden. Dabei empfiehlt sich die Anbringung im unteren Teil des Daches als horizontaler Streifen von Ortgang bis Ortgang.

Am Schlimmsten wirkt die Anbringung auf Dächern mit vorhandenen Aufbauten, etwa Dachgaupen, Dachflächenfenstern und Kaminen. Hier werden die Solaranlagen in der Regel beliebig auf den verbleibenden Dachflächen verteilt und wirken dann meist verunstaltend und chaotisch. Vom eigentlichen Dach sind nur noch lückenhafte Reste zu sehen.

Ganz anders sollte bei Nebengebäuden vorgegangen werden. Hier sollten die Solaranlagen flächendeckend ohne Unterbrechung aufgesetzt werden. Dann entsteht wenigstens ein großzügiger Gesamteindruck. Da die Summe der Solarelemente fast nie mit den Maßen vorhandener Dächer zusammenpasst, bleiben häufig an den Rändern Streifen des Daches frei, die wie farbige «Bilderrahmen» wirken und die Auffälligkeit der Anlagen noch verstärken.

Auf denkmalgeschützten Gebäuden haben Solaranlagen nichts zu suchen. Sie sind Fremdkörper, die weder in Material noch in Form und Größe zu der Baukultur vergangener Zeiten passen. Auch in historischen Altstädten sollte man auf Solaranlagen verzichten. Quantitativ erbringen diese nicht viel, umso mehr aber gravierende Nachteile im Erscheinungsbild. Diese Forderung ist schon deshalb realistisch, weil nach den Berechnungen des Autors die Dächer historischer Ensembles maximal 5 % der gesamten Dachflächen einer Stadt darstellen.

Aus der Sicht der Heimatpflege sollte man auf einen sinnvollen und kritischen Umgang mit dem Thema «Gestaltung von Solaranlagen» achten. Dazu gehören unter anderem folgende Prinzipien: