Paul Sauer: Musen, Machtspiel und Mätressen.

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Paul Sauer: Musen, Machtspiel und Mätressen.

Eberhard Ludwig – württembergischer Herzog und Gründer Ludwigsburgs.

Titelblatt

Silberburg-Verlag Tübingen 2008. 280 Seiten, 50 farbige Abbildungen. Gebunden Euro 22,90. ISBN 978-3-87407-798-9

Mit Herzog Eberhard Ludwig von Württemberg (1676–1733) tut sich die Geschichtsschreibung seit jeher schwer. Eine ausgewogene und lebendige Biographie dieser Herrscherpersönlichkeit hat jetzt der angesehene Landeshistoriker Paul Sauer veröffentlicht.

Das Buch gliedert sich in drei Teile. Der erste, relativ kurze, ist überschrieben mit «Kindheit, Jugend- und erste Regierungsjahre». Zur Sprache kommen zunächst Eberhard Ludwigs Kinderzeit, die durch den Tod des Vaters belastet wurde, und die Regierungsübernahme des 16-Jährigen im Zuge der Wirren des Pfälzischen Erbfolgekrieges. Des Weiteren geht der Autor auf die Heirat des jungen Monarchen mit Johanna Elisabeth von Baden-Durlach sowie seine Kavaliersreise nach Holland, Frankreich und England ein. Was die politische Seite der frühen Regierungszeit betrifft, spricht Sauer Eberhard Ludwigs Konfrontation mit der Landschaft in der Frage des stehenden Heeres und seine Rolle im Spanischen Erbfolgekrieg an. Ebenfalls erwähnt wird die Stiftung des Hubertusordens im Jahr 1702, mit dem der erste württembergische Barockfürst seinem Hof mehr Glanz verleihen wollte.

Der Hauptteil des Werks trägt die Überschrift «Wilhelmine von Grävenitz, langjährige Weggefährtin Eberhard Ludwigs». Die mecklenburgische Adlige kam 1706 nach Württemberg und wurde, so der Historiker, «in kurzer Zeit die vornehmste Geliebte» und «wichtigste Beraterin des Herzogs in Verwaltungs- und Regierungsangelegenheiten» (S. 76). Sogar eine Doppelehe ging er mit der Grävenitz ein, die allerdings für ungültig erklärt wurde. Um die intelligente, fast zehn Jahre jüngere Frau weiter an seiner Seite zu haben, machte er sie zur einflussreichen «Landhofmeisterin», was sie bis zu ihrem Sturz 1731 blieb. Entsprechend ihrer Bedeutung behandelt Sauer die «württembergische Pompadour» (S. 106) sehr ausführlich.

Gleichfalls breiten Raum in der Darstellung nehmen der Bau von Schloss und Stadt Ludwigsburg, der glanzvolle Hof Eberhard Ludwigs und das Verhältnis zu seinem einzigen Sohn, Erbprinz Friedrich Ludwig, ein. Nicht zu vergessen die Politik. Auf diesem Feld setzt der Autor sich auseinander mit den Aktivitäten des Herzogs nach außen und innen. Etwa mit dem Gewinn der Grafschaft Mömpelgard, dem letztlich erfolglosen Streben nach einer Rangerhöhung und Neuerungen in Regierung und Verwaltung. Populär bei den Untertanen war der Regent nicht, tat aber dennoch manches für sie. Genannt seien Verbesserungen im Bereich der Wirtschaft, die Aufnahme von Glaubensflüchtlingen (Hugenotten und Waldensern) sowie die Schaffung eines stehenden Heeres. Die Existenz eines solchen war in den größeren Territorien der Nachbarschaft bereits selbstverständlich. Am Schluss des Hauptteils stellt der Geschichtswissenschaftler Herzog Eberhard Ludwigs frühe Testamente vor, die zwischen 1691 und 1722 entstanden. Sie vermitteln einen bemerkenswerten Einblick in die Lebens- und Denkweise eines barocken Herrschers.

Im dritten Teil werden die letzten Lebens- und Regierungsjahre des Landesherrn thematisiert. Sie waren überschattet vom Bruch mit der Mätresse und dem Tod des schwerkranken Erbprinzen. Eberhard Ludwig versöhnte sich zwar mit seiner Ehefrau. Der ersehnte Thronerbe wurde ihm jedoch nicht mehr geboren. Somit war klar, dass die Regierung an den zum katholischen Glauben konvertierten Prinzen Carl Alexander übergehen würde. Das Verhältnis der beiden Vettern zueinander wird als freundschaftlich beschrieben. Am 31. Oktober 1733 erlag Herzog Eberhard Ludwig «einer hitzigen Brustwassersucht» (S. 249). Paul Sauer beurteilt ihn zusammenfassend folgendermaßen: «Nun war der Charakter Eberhard Ludwigs unausgeglichen, vereinte Widersprüche in sich. ... Indes war er kein unbedeutender Kopf, und für sein Land hat er auch manches Positive, Zukunftsweisende geleistet» (S. 163).

Insgesamt ist Sauer ein facettenreiches Porträt des ersten württembergischen Barockfürsten gelungen. Wer mehr wissen möchte, kann den ausführlichen Anmerkungsteil heranziehen. Darüber hinaus gibt es Hinweise auf Quellen und Literatur. Große Anschaulichkeit gewinnt das Werk durch zahlreiche Abbildungen zeitgenössischer Art.

Michaela Weber