Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg.

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Harald Schukraft: Kleine Geschichte des Hauses Württemberg.

Titelblatt

Silberburg-Verlag Tübingen 2006. 292 Seiten mit 196 meist farbigen Abbildungen. Fester Einband € 24,90. ISBN 3-87407-725-X

In einer Urkunde von 1092 ist mit Conradus de Wirtinisberk erstmals der Name eines Angehörigen jenes Adelshauses überliefert, das der Grafschaft, dem Herzogtum, dem Königreich und dem Bundesland seinen Namen gegeben hat. Die noch heute blühende Dynastie, die dem Land bis zum Ende der Monarchie 1918 45 Regenten stellte, gehört damit zu den ältesten Fürstenhäusern Europas. Im vorliegenden Buch geht Harald Schukraft der beinahe tausendjährigen Geschichte dieser Familie nach, von der im zurückliegenden Zeitraum mehr als 500 Mitglieder bekannt sind. Natürlich steht im Mittelpunkt seines Buches die Geschichte der regierenden Grafen, Herzöge und Könige ihr Schicksal, Leben und Wirken , doch bezieht der Autor die Nebenlinien mit ein und spannt in fünfzehn Kapiteln den Bogen bis heute.

Fast erzählerisch, gut auch auf neueste Literatur gestützt, beschreibt der Verfasser zunächst die Ursprünge des Hauses, diskutiert die Herkunft der Familie, ihres Namens und ihres Wappens mit den Hirschstangen. Sodann widmet er ein Kapitel dem Aufstieg des Hauses seit dem Parteiwechsel bei der Schlacht von Frankfurt 1246 bis hin zur Erlangung der Herzogswürde durch Graf Eberhard im Bart 1495. In den Erzählfluss schiebt er danach erstmals eine Seitenlinie, die der Grafen von Grüningen und Herren von Landau ein, gut gekennzeichnet auch durch einen Wechsel auf farbig unterlegten Druck. Ein eigenes Kapitel ist Herzog Ulrich, der 1503 16-jährig sein Herzogsamt antritt, gewidmet. Relativ ausführlich wird vom Aufstand im Remstal, dem Tübinger Vertrag (allerdings ohne die darin enthaltenen, erstmals in Mitteleuropa fixierten Grund- und Menschenrechte), Ulrichs Vertreibung und Wiederkehr, der Einführung der Reformation berichtet. Eine ähnliche Aufmerksamkeit erhalten Herzog Friedrich, der Gründer von Freudenstadt, und seine hochfahrenden Pläne, sein Griff nach den Sternen. Relativ knapp wird dazwischen der beiden Herzöge Christoph und Ludwig gedacht. Im Mittelpunkt des nächsten Kapitels Von Herzog Johann Friedrich zu Herzog Eberhard Ludwig, das den Zeitraum von 1608 bis 1733 umfasst, steht der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen.

Breiten Raum gewährt der Verfasser danach mehreren Seitenlinien, der zweiten Mömpelgarder Linie, der Linie Weiltingen mit Neuenstadt, der Linie Württemberg-Oels in Schlesien. Sein Thema ist ja die Geschichte einer Familie und nicht die eines Landes. Zurück zur Hauptlinie folgen zwei Kapitel, eines über die katholischen Herzöge Carl Alexander, Carl Eugen und seine Brüder sowie eines über das Königreich Württemberg (18061918) und die Könige von Friedrich bis zu Wilhelm II.

Nach einem erneuten Abstecher zu Nebenlinien, dieses Mal im 19. Jahrhundert, bei dem auch die unebenbürtige Nebenlinie Urach und Teck, bekannt durch den Bau der Burg Lichtenstein 1840/41, einbezogen wird, folgt das Schlusskapitel zur Familiengeschichte nach dem Ende der Monarchie. Es ist wie das Buch insgesamt Herzog Carl von Württemberg, dem heutigen Chef des Hauses, und seinen Vorfahren gewidmet. Abgerundet wird das Werk durch eine Auflistung der württembergischen Herrscher, einer Ortsnamenskonkordanz und Literaturhinweise.

Einen guten Teil ihrer Attraktivität gewinnt die Kleine Geschichte des Hauses Württemberg, die mit 290 Seiten so klein gar nicht ist, durch ihre anschauliche und reiche Bebilderung. Man spürt förmlich, wie der Verfasser aus einer Fülle ihm bekannten Materials schöpfen konnte. Einige Abbildungen, darunter viele historische Gemälde und Stiche, sind hier erstmals veröffentlicht, manche leider etwas klein.

Sibylle Wrobbel