Rainer Redies und André Wais (Hrsg.): Reichsstädte im deutschen Südwesten.

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Rainer Redies und André Wais (Hrsg.): Reichsstädte im deutschen Südwesten.

Titelblatt

263 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und 36 Stadtplänen, gebunden 46,80 Euro. DRW-Verlag Weinbrenner Leinfelden-Echterdingen, 2004. ISBN 3-87181-531-4

Das historische Phänomen der deutschen Reichsstadt erfreut sich anhaltenden Interesses. Der Begriff der Reichsstadt wird verbunden mit Freiheit und politischer Herrschaft des Bürgertums, mit Demokratie und doch Überschaubarkeit des Gemeinwesens, auch mit Geborgenheit. In wie weit dies der historischen Realität entspricht, sei dahingestellt. Jedenfalls haben viele Reichsstädte auch touristisch Konjunktur, um so mehr, wenn ihr Stadtbild noch "Geschichte atmet". Und das ist nicht selten der Fall.

Doch Literatur über die deutschen Reichsstädte, noch mehr in Form konziser Informationen über ihre Geschichte, Eigenheiten und Sehenswürdigkeiten, ist so einfach nicht zu beschaffen. Insofern vermag der vorliegende Band, in dem 36 südwestdeutsche Reichsstädte vorgestellt werden - wobei der Begriff Südwestdeutschland recht großzügig verwendet wird, wenn auch weit in Franken und im Ostallgäu liegende Städte Berücksichtigung finden -, ein Informationsbedürfnis zu stillen. Dazu wäre aber auch eine Überblickskarte sehr von Nutzen gewesen, denn wer weiß schon, wo auf der Landkarte die kleinste aller Reichsstädte Zell am Harmersbach zu suchen ist?

Dem Band vorangestellt ist ein Geleitwort von Sönke Lorenz, Professor für geschichtliche Landeskunde in Tübingen, gefolgt von einer vorzüglichen Einleitung zur Geschichte des Phänomens deutsche Reichsstadt von Professor Peter Hilsch, Privatdozent am Historischen Seminar der Uni Tübingen, die allein schon die Lektüre des Bandes lohnt. Den hohen, doch auch für Laien leicht verständlichen Gehalt der Wissenschaftler vermögen die zwölf Autoren der folgenden 36 Städteportraits nicht immer durchzuhalten, weil die Nichthistoriker unter ihnen großenteils mit den jeweiligen Spezifika "ihrer" Städte nicht umzugehen vermochten. Und genau diese machen die Städte interessant.

Obgleich die Idee nicht schlecht ist, Stadtgeschichte je mit einem kommentierten, die Sehenswürdigkeiten beschreibenden Vorschlag zu einem Stadtrundgang - erfreulicherweise je mit einem Stadtplan, auf dem die Besichtigungspunkte mit Nummern gekennzeichnet sind - und mit einigen aktuellen touristischen Hinweisen- etwa über Museen und Besichtigungen - zu verbinden, atmen viele Texte und das Layout den Geist touristischen Werbematerials ("Weißenburg - Vielfalt mit Herz", "Zell am Harmersbach - Kleine Stadt, große Vielfalt", mit deutlichem Übergewicht des Bildes gegenüber den Texten. Letztere fallen zu knapp aus, erstere zu groß und oft zu bunt. Da ärgert es dann doppelt, wenn die Abbildungen teils schlecht und lieblos behandelt, ja manchmal von schreiend schlechter Qualität sind. Freilich, auch auf mittlere Sicht ist wohl eine ähnliche Übersicht der südwestdeutschen Reichsstädte nicht zu erwarten. Und darum sei der Band empfohlen. Anregungen und Anreize zum Besuch der historischen Reichsstädte, gerade der kleinen, der wenig und unbekannten, und erste Informationen zum Besuchsprogramm und zur Stadtgeschichte birgt er in reicher Zahl.

(Raimund Waibel)