Gebaute Kultur mit viel Engagement gerettet: Träger des Denkmalschutzpreises 2003

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Gebaute Kultur mit viel Engagement gerettet: Träger des Denkmalschutzpreises 2003

Der Denkmalschutzpreis Baden-Württemberg - landesweit der wichtigste Preis für private Denkmaleigentümer - ist 2003 (unter dem Titel "Denkmalschutzpreis der Württemberger Hypo") an fünf sehr unterschiedliche Gebäude gegangen. Die Spanne reicht von einer Kelter, einer Mühle aus dem Mittelalter, einem Gasthaus über eine Jugendstilvilla bis zu einem Wohngebäude im Bauhausstil. Der in Baden-Württemberg einmalige Preis (weitere Infos zum Denkmalschutzpreis) setzt auch im 26. Jahr seines Bestehens ein Zeichen für mehr private Initiative bei der Erhaltung von Kulturdenkmalen. Die diesmal ausgezeichneten Bauwerke beweisen eindrucksvoll, dass mit Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis die alten Mauern neu genutzt werden können, ohne auf Komfort und hochwertige Wohn- und Arbeitsbedingungen zu verzichten.
Die Preisverleihung fand am 19.11.2003 in den Räumen der Tübinger Museumsgesellschaft statt.

Die Preisträger 2003

Haus Michael in Immenstaad, Hauptstraße 26 (Bodenseekreis)

Bereits 1977 wurde das Gebäude als Abrisskandidat gehandelt, und nur dem hinhaltenden Widerstand der staatlichen Denkmalpflege ist es zu verdanken, dass das ortsbildprägende und heimatgeschichtlich bedeutsame Gebäude heute noch steht.
Der Bauherrengemeinschaft Edmund und Rolf Kammerer und ihrem Architekten Bruno Siegelin ist es nach langwierigen Kaufverhandlungen gelungen, aus dem 1461 als Torkelscheuer (Torkel=Kelter) entstandenen Bau ein Wohn- Geschäftshaus zu entwickeln, das die alten Funktionen so weit wie möglich erhält.

Blick ins Innere von Haus Michael

Auf der Grundlage umfangreicher bauhistorischer Untersuchungen konnten sie die über 540 Jahre währende Nutzungs- und Baugeschichte - von der Scheuer des 15. Jahrhunderts über die Wohnnutzung mit kleinbäuerlicher Landwirtschaft ab dem 18. Jahrhundert bis zum zweigeteilten Bauernhaus des 20. Jahrhunderts - weitgehend erhalten und wieder ablesbar machen. Die neuen Bauherren machten große Zugeständnisse an die Denkmalpflege, um die neuen Wohn- und Geschäftsräume ohne den Abriss von Zwischenwänden und Decken in das überlieferte Raum- und Grundrissgefüge einzupassen. Beispielhaft ist das Zusammenwirken handwerklich geschickter Reparaturkonzepte mit architektonischem Einfühlungsvermögen bei den neuen Wohnnutzungen und dem Ladeneinbau im Scheunenteil.

Langmühle in Langenau, Wasserstraße 23 (Alb-Donau-Kreis)

Das Mühlengebäude aus dem 17. Jahrhundert, gebaut auf einem massiven Bruchsteinsockel mit verputztem Fachwerkaufbau und mächtigem Satteldach, hat viele Veränderungen erfahren. Nachdem der Mühlenbetrieb eingestellt wurde, stand es leer, so dass die historischen Zustände und die Grundrisse weitgehend erhalten blieben.

Blick ins obere Geschoss mit freigelegtem Fachwerk und modernen Stahltreppen

Mit aufwändigen Maßnahmen musste die stark geschädigte Bausubstanz, überwiegend verursacht durch die schwierigen Wasser-Verhältnisse am Mühlkanal, repariert und erneuert werden.
Herrn Dr. Dr. Hans Arnd Medert und Frau Dr. Sabine Tischer mit ihrem Architekten Paul Horn ist es gelungen, die räumlichen Zusammenhänge des Mühlenbetriebs und den dazu gehörenden Wohnbereichen zu erhalten und als große Wohnung neu zu nutzen.

Villa Amann in Bönnigheim, Kirchheimer Straße 15 (Kreis Ludwigsburg)

Die "Villa Amann" wurde 1900 im Auftrag von Alfred Amann durch den damals sehr bekannten und vielfach ausgezeichneten Schweizer Architekten Jacques Gros erbaut. Alfred Amann war der jüngere der beiden Söhne von Alois Amann, dem Firmengründer der Nähseidenfabrik "Amann & Söhne". Seit 1943 stand das Gebäude mehr oder weniger leer und verkam zusehends. Außen wie innen überrascht sie durch eine Vielzahl von Formen und Farben, die das Formenrepertoire des Historismus bis hin zu typischen Jugendstilelementen zeigen.

großes gestaltetes Glasfenster im Treppenhaus

Da das Gebäude früher nicht saniert worden war, waren die ursprüngliche Ausstattung noch weit gehend im Original vorhanden. Der neue Eigentümer der Villa Amann, Herr Bernhard Reichl und sein Architekt Günter Essich, standen vor der großen Aufgabe, die herrschaftliche Villa neu zu nutzen und sie gleichzeitig in ihrer aufwändigen Ausstattung zu erhalten. In vorbildlicher Weise ist es gelungen, die Raumfassungen zu restaurieren, neue Technik sorgsam einzubauen und die Wohnräume wieder mit Leben zu füllen. Der Einbau von Büroräumen im großen Souterrain-Bereich ist eine gute Ergänzung zur Gesamtnutzung der Villa.

Gasthaus Krone in Bad Rappenau-Bonfeld, Rappenauer Straße 9 (Kreis Heilbronn)

Das in der Ortsmitte von Bonfeld gelegene Gasthaus Krone wurde 1786 erbaut. Zuletzt 1906 umgebaut und aufgestockt, stellte das Dorfwirtshaus mit Küche, Schankstube und einem mehr als 100 Quadratmeter großen Festsaal im Obergeschoss bis etwa 1960 einen kulturellen Mittelpunkt des Dorfes dar. Das Dachgeschoss war für Schlafräume genutzt.
Ludwig und Renate Brüggemann, zusammen mit ihrem Architekten, Herrn Michael Hilbert, haben in einem langen Entwicklungsprozess eine Nutzung für das heruntergekommene Gebäude gefunden, die die schöne und wertvolle Bausubstanz erhält und mit einer neuen Nutzung als Gastwirtschaft in Einklang bringt.

Der Schanktresen im Gasthaus Krone

Im Zuge von restauratorischen Untersuchungen konnte die dekorative Ausstattung und Wandmalereien aus dem frühen 20. Jahrhundert freigelegt werden. Die notwendige neue Technik wurde einfühlsam in die vorhandene Ausstattung integriert und im Dachgeschoss eine Wohnung eingebaut. Durch dieses Engagement wird die alte Tradition des Gasthauses Krone fortgesetzt und die Gäste speisen heute in einer originalen Einrichtung der Zeit um 1900.

Haus Laub in Tübingen, Haußerstraße 42

Das Einfamilienhaus in der Haußerstraße wurde 1930 von dem Architekten Prof. Martin Elsässer für seinen Schwager, den Missionarsdirektor Laub, geplant und gebaut. Das aus differenzierten Kuben addierte, hangseitig viergeschossige Gebäude mit Flachdach gehörte zu einem kleinen, einheitlichen Ensemble an der Haußerstraße, das wegen seiner formalen Ähnlichkeit zur Stuttgarter Weißenhofsiedlung von 1927 auch "Klein Weißenhof" genannt wurde.

Die Terassentür im Innern

Wenngleich etwas entstellt, hat sich das Gebäude in einem Zustand der 1950er Jahre erhalten. Neben der Erneuerung der kompletten Haustechnik mussten die neuen Eigentümer, Familie Helge und Bettina von Gilsa, die Wände und Decken sichern sowie Fenster und Türen überarbeiten um so weit wie möglich den Originalzustand zu restaurieren. Als Architekt stand Herr Alexander von Salmuth beratend zur Seite. Vor allem das Dach wurde aufwändig erneuert und wärmegedämmt und die ehemals vorhandene Dachterrasse wieder hergestellt. In beispielhafter Weise ist es gelungen, Form, Struktur und Farbigkeit eines Flachdachgebäudes im Bauhausstil der 1930er Jahre zu erhalten und weiter zu tradieren.

[Text: Ulrich Gräf, Fotos: Gragnato/Lehmkuhl/Schäfer]

Bei dem vorstehenden Text handelt es sich um eine Kurzfassung des ausführlichen Berichts aus der "Schwäbischen Heimat" 2004/1. Interessenten können den kostenlosen Sonderdruck mit dem vollständigen Wortlaut online bestellen.