Träger des Denkmalschutzpreises 1989

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Träger des Denkmalschutzpreises 1989

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Peter-Haag-Preis 1989 des Schwäbischen Heimatbundes. Die Spanne der Gebäude reicht vom Schloss über eine Gartenanlage bis zum Güterabfertigungsschuppen.

Die Preisträger 1989

Güterabfertigungsschuppen in Satteldorf-Ellrichshausen, Bahnhof Ellrichshausen

einfacher Backsteinbau mit Satteldach

Ansicht des Güterabfertigungs-Schuppens

Der Eigentümer Rudolf Wagner frönt einem Hobby, das eigentlich der Kindertraum vieler ist, viele eigene und vor allem schöne Autos zu besitzen und diese nicht nur als Spielzeug-Autos, sondern so richtig zum Herrichten, Anschauen und auch Benutzen. Auf der Suche nach einer geeigneten Unterbringung für seine Schätze stieß er auf den verwaisten Güterabfertigungsschuppen in Ellrichshausen, der still und leise vor sich hingammelte.

Die Gemeindeverwaltung und auch die Bundesbahn dachten schon intensiv über einen Abbruch nach. Herr Wagner konnte das relativ große Gebäude jedoch in Eigeninitiative erwerben und wieder instandsetzen, und hält es durch die Nutzung als kleines privates Automuseum auch öffentlich zugänglich.

Aus dem Dornröschen-Schlaf erweckt, dokumentiert dieses Gebäude heute, mit welcher Qualität damals selbst in ländlichen Gemeinden gebaut wurde. Der Güterabfertigungsschuppen des Bahnhofs, ehemals eine wichtige Verladestation für das Vieh der hohenlohischen Bauern, wurde 1874 für die Bahnstrecke Crailsheim - Ansbach - Nürnberg durch Georg von Morlok gebaut - einem Architekten, der nicht nur durch die Mitarbeit beim Bau der württembergischen Eisenbahnen einen festen Platz in der Architekturgeschichte des 19. Jahrhunderts hat.

Hängender Garten von Neufra, Schloss Neufra

eine kreuzförmige Gartenanlage mit Buchsbaumhecken

Der Hängegarten von Schloss Neufra ist eine für die Gartendenkmalpflege wichtige und beispielhafte Anlage.

Was tut man, wenn man in der Mitte des 16. Jahrhunderts von Italienreisen zurückkehrt und sich auch einen dieser gerade erlebten, ganz modernen, schönen Renaissance-Gärten anlegen möchte, aber direkt vor seinem Schloss hier in Neufra keine ebene Fläche zur Verfügung hat? Vor diesem Problem stand Georg von Helfenstein um 1560. Das Gelände wurde umgeformt, Substruktionen nach italienischen Vorbildern gebaut, die durch in den Hang hineingebaute Gewölbe die gewünschte ebene Fläche zur Gartengestaltung herstellen.

In überlieferten Plänen ist diese Gartenanlage dargestellt, die als Hängegarten von Schloss Neufra bekannt wurde. Jene Pläne bildeten die Grundlage für die Wiederherstellung der inzwischen baufällig gewordenen konstruktiven Stützmauern und Gewölbe, wie auch für die formale Gestaltung des historischen Gartens mit seinen Beeten, Wegflächen und Pflanzen. Eigentlich war das Gartengelände in unseren Tagen für eine Wohnbebauung vorgesehen. Unter großem persönlichen Einsatz ist es Frau Waltraud Johannsen und ihrer Familie gelungen, den ehemals von 1569 bis 1573 von Graf Georg von Helfenstein angelegten Hängegarten von Schloss Neufra zu rekonstruieren und einer interessierten Öffentlichkeit kostenlos zugänglich zu machen.

Heute präsentiert die Gartenanlage einen Zustand des 19. Jahrhunderts, nach einem Plan des Werkmeisters Alex Baur von 1827. Auf dem Grundriss der Renaissance-Anlage erfolgte damals die formale Fortschreibung des Gartens im Sinne des Klassizismus im frühen 19. Jahrhundert. Die Entscheidung zur Rekonstruktion dieser nachweislich ausgeführten Gartenanlage mit ihren heute noch erhaltenen Ecktürmchen erfolgte aufgrund der guten Quellenlage und der erhaltenen Architekturteile, die in der Barockzeit hinzukamen und den früheren Garten fortschreiben.

Der Hängegarten von Schloss Neufra ist eine für die Gartendenkmalpflege wichtige und beispielhafte Anlage. Dass die Erneuerung von einem privaten Eigentümer unter großen persönlichen Opfern geleistet wurde, ist besonders hervorzuheben.

Jugendstilvilla in Stuttgart, Richard-Wagner-Straße 1

hellbrauner Putz mit Jugendstilelementen

Außenansicht der Villa

Eine 1910 bis 1911 errichtete Villa in repräsentativer Ecklage und in guter Wohnlage zeichnet sich durch großzügige Wohngrundrisse und meist für heutige Begriffe aufwendige Ausstattung aus. In der Regel waren für solch große Villenbauten eine Reihe von Dienstboten für den Betrieb und Unterhalt vonnöten. Die Architekten Kaiser & Weippert erbauten die Villa in einer Zeit der Reformbewegung des bürgerlichen Bauens. Von daher ist die schon reduzierte Formensprache nach dem überladeneren Historismus der Gründerzeit als direkte Entwicklungslinie zum modernen Bauen nach dem Ersten Weltkrieg zu werten, wenngleich die Grundrisse noch durchaus der Gründerzeit verpflichtet sind.

Heutzutage sind Villenbauten wie die Richard-Wagner-Str. 1 als Wohngebäude nur noch in den seltensten Fällen entsprechend ihrer Anlage und Ausstattung zu nutzen und zumeist führt dann das Bestreben, aus den großen Wohnungen aus wirtschaftlichen Erwägungen heraus kleinere Einheiten zu schaffen, zum weitgehenden Verlust an denkmalpflegerisch wichtiger Substanz. Eine sinnvolle Alternative dazu ist die hier vorgefundene Mischung von Wohn- und Bürogebäude, eröffnet sie doch durch die neue Nutzung der Bel Etage mit Büroräumen die Möglichkeit, den großzügigen Wohngrundriss zu erhalten und weiterzutradieren.

Mit großer Akribie in den Ausstattungsdetails und weitgehender Erhaltung des historischen Grundrisses ist es Hans-Jörg Schempp gelungen, die Atmosphäre und die reiche Ausgestaltung einer großstädtischen Villa von 1910 zu erhalten. Durch die Wiederherstellung der Jugendstilfenster, der Stuckdecken und Teilen der Innenausstattung und trotz Umnutzung der ehemaligen großzügigen Wohnungen in Büroräume veranschaulicht das Gebäude sehr eindrücklich die großbürgerliche Wohngestaltung der Zeit um 1910.

Ehemalige Lateinschule, genannt Sakristei, in Markgröningen, Kirchplatz 7

Fachwerk aus der Zeit von 1486

Fassade der früheen Lateinschule in Markgröningen

Bei den Markgröningern ist das Gebäude Kirchplatz 7 als "Alte Sakristei" stadtbekannt, war es doch über 100 Jahre als Wirtschaft unter diesem Namen beliebter Einkehrort. Bis 1806 war in diesem Gebäude die Lateinschule der Stadt Markgröningen untergebracht, die bereits 1354 ihre erste Erwähnung fand, noch zur Zeit der reichsstädtischen Blüte der Stadt. Das jetzige Wohnhaus Derpa wurde aber wohl ursprünglich gar nicht als Schulhaus, sondern eher als Wohnhaus gebaut. Das Erbauungsdatum ist aufgrund der dendrochronologischen Untersuchung auf das Jahr 1486 anzusetzen. Aufgrund der unmittelbaren Nachbarschaft und exponiert zur Bartholomäuskirche ist zu einem unbekannten Zeitpunkt wohl die Umnutzung zur Lateinschule erfolgt.

Vom Fachwerk des 15. Jahrhundert hat sich an den Fassaden erstaunlich viel originale Substanz erhalten mit Schwellen, Pfosten und verplatteten Streben. Dazu gehören die heute wieder rekonstruierten Ansichten mit Fensterbändern und mit in Zweiergruppen angeordneten Einzelfenstern.

Besonders hervorzuheben ist das Engagement des Bauherrn der Familie Derpa und seiner Architekten im Umgang mit historischen Materialien und Handwerkstechniken. So wurden wieder Wände aus Lehmziegeln oder Flechtwände hergestellt, Kalkputze traditionell verarbeitet und nach alten Rezepten Farben angerührt.

Dieses Fachwerkhaus stellt mit seinem weitgehend stimmigen Erscheinungsbild des 15. Jahrhunderts ein wichtiges Glied in der denkmalgeschützten historischen Gesamtanlage der Stadt Markgröningen dar.

Schlossanlage Haigerloch

Innehof mit Türmen

Blick auf die ehemalige Zehntscheuer und den Zugang zum heutigen Schlosshof.

Heute ist es für den neuen Besitzer der großen fürstlich-hohenzollernsche Schlossanlage in Haigerloch mit ihren herrschaftlichen Gebäuden vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert eine Lebensaufgabe, solch eine Anlage zu erhalten, zu pflegen, neu zu nutzen und damit weiterzutradieren. Dieser Aufgabe hat sich Paul Eberhard Schwenk gestellt. Ihm ist es in den vergangenen 14 Jahren gelungen, durch vielseitige neue Nutzungen der einzelnen Schlossgebäude den Schlosskomplex wieder zum Leben zu erwecken.

Zwei Architekturphasen treten in der Bauentwicklung der Anlage besonders hervor: Um 1580 hat Graf Christoph das mittelalterliche Schloss verlängert und neue Gebäude zur Schlossanlage zusammengefügt. Nach 1662 folgten unter Fürst Meinrad I. von Hohenzollern-Sigmaringen und später unter Graf Anton Umbauten und Neubauten, die das Erscheinungsbild vor allem des heute als malerisch empfundenen Innenhofs prägten.

Der Ausbau zu einem kulturellen Zentrum und Tagungsort ist Herrn Schwenks Verdienst, so der Einbau eines Theatersaales in die ehem. Zehntscheuer, der in harmonischem Einklang mit der ehemaligen Nutzung und der schönen Holzkonstruktion steht. Den ehemaligen Schlossgebäuden wurden, soweit das unter neuen Nutzungsansprüchen möglich ist, ihrer ehemaligen Funktion gemäß neue Nutzungen zugeordnet. Die zum Teil sehr wertvolle Bausubstanz mit originalen kassettierten Dielenböden, steinernen, profilierten Treppen, ornamentalen und figürlichen Stuckdecken in Wessobrunner Art sowie Ausstattungen mit Öfen, Türen oder Lamberien wurde erhalten und soweit notwendig schonend erneuert.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf, Bernd Langner)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern