Preisträger des Denkmalschutzpreises 1993

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Preisträger des Denkmalschutzpreises 1993

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1993 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom Schwarzwaldhof zur Jugendstil-Villa.

Die Preisträger 1993

Deisenhof in Eschbronn-Locherhof, Schönbronner Straße 115

NN

Der Deisenhof vom Typus Kinzigtäler Schwarzwaldhaus vereinigt zwei Bautraditionen: linkerhand Halbwalmdach und Hocheinfahrt zur Tenne, im Vordergrund ein gestelztes schwäbisches Einhaus mit senkrechter Giebelwand.

Ein Schwarzwaldbauernhof wurde bereits um das Jahr 1500 als Ursprungshof der Gemeinde Locherhof erwähnt. Ende des 18. Jahrhunderts wurde der jetzige Deisenhof erbaut, nachdem der Vorgängerbau 1784 abgebrochen wurde. Der Deisenhof befindet sich seit 1804 in Familienbesitz und war bis 1978 bewohnt und durchgehend landwirtschaftlich genutzt. Bis 1985 erfolgten keine größeren baulichen Veränderungen und Renovierungen, so dass der Hof weitgehend original erhalten blieb, aber sich auch in schlechtem baulichem Zustand befand.

Bei dem Deisenhof handelt es sich um ein Gutachtäler Schwarzwaldhaus, das aber in verschiedenen Hausteilen den Einfluß der quergeteilten und gestelzten Einhäuser zeigt, deren Verbreitungsgebiet sich hier zum Neckar hin anschließt. Das konstruktive Gefüge setzt sich aus dem massiven Sockelgeschoss mit den Ställen und einer Zimmermannskonstruktion mit Fachwerk und Bohlenständerwänden zusammen. An den talseitigen Wohnteil im Obergeschoss schließt sich bergseitig der Ökonomiebereich an. Auf dieser bergseitigen Giebelseite liegt die Hocheinfahrt ins mächtige Dachgeschoss, das den ganzen Bau überfängt.

Mit dem dreiraumtiefen Wohngrundriss, dessen Stuben und Rauchküche erhalten sind, den talseitig orientierten Ställen im Massivteil, dem rückwärtigen Ökonomieteil mit dem Heulagerraum im großen Dachraum gibt dieses Schwarzwaldhaus auch heute noch Aufschluss über die früheren Wohn- und Arbeitsverhältnisse. Durch seine Lage im östlichen Grenzbereich des Bautyps der Schwarzwaldhöfe kommt dem Deisenhof zusätzlich Bedeutung für die Architektur- und Siedlungsgeschichte zu.

Ohne die große Tatkraft der Familie Rapp, gepaart mit Geschichtsbewusstsein, wäre das Fortbestehen dieses wertvollen Kulturdenkmals nicht denkbar. Der Stallbereich konnte heutigen Erfordernissen an die Viehhaltung angepasst werden, ohne das historische Gefüge des darüberliegenden Fachwerkteils zu stören. Durch Tieferlegen des Fußbodens konnten annehmbare Stockwerkshöhen im Stallbereich geschaffen werden. Der Außenbau wurde in der Substanz gesichert und instandgesetzt. Der historisch wertvolle Wohnteil in seiner originalen Ausstattung mit Stuben und Rauchküche wurde erhalten und unter Dach und Fach gesichert.

Schlenker-Grusen-Villa in Villingen-Schwenningen, Oberdorfstraße 16

Schauseite mit >Türmchen und zwei großen Schmuck-Giebeln

Die "Paradeseite" der Schlenker-Grusen-Villa in der Schwenninger Oberdorfstraße: ein harmonisches Bild aus Klinkern, Steinmetzarbeiten und schiefergedeckten Dachflächen.

Als 1905 der Fabrikant Jakob Schlenker-Grusen sein Wohnhaus an dieser Stelle bauen ließ, befand sich das dörfliche Schwenningen mitten im wirtschaftlichen Aufschwung. Das Büro für Architektur und Kunstgewerbe Blasius Geiger errichtete 1905 ein gehobenes, bürgerliches Zweifamilienhaus mit Dienstbotenräumen im Dachgeschoss, von dessen hochwertiger Ausstattung im Inneren und Äußeren in den letzten Jahren nicht mehr viel zu sehen war. Über 20 Jahre lang wurde das Gebäude nicht mehr entsprechend genutzt und verfiel zusehends.

Schmuckstück des restaurierten Hauses sind die Eingangselemente des ganz auf Repräsentation angelegten Treppenhauses. Die Jugendstilgläser in den Türen dokumentieren besonders den hohen kunstgewerblichen Standard der Innenausstattung. Zum Glück hat der Hausschwamm-Befund hinter der Holz-Täferung im Flur nicht die Restaurierung unmöglich gemacht.

Das wiederhergestellte Wohnzimmer ist als Beispiel für die Restaurierung der früheren Wohn- und Empfangsräume anzusehen. Der Grundsatz: Reparatur der einzelnen Teile vor ihrer Erneuerung ist hier beispielhaft verwirklicht. Der restauratorische Aufwand bei den Täfern, den vegetabilen Deckenmalereien und den Prägetapeten war groß. Der Prunkkachelofen gibt dem Raum sein Gesicht und veranschaulicht die Wohnumgebung seiner früheren Bewohner. Die Verwendung von damals modernen Jugendstilformen in der ansonsten noch historistisch gestimmten Bauweise zeigt die fortschrittliche Einstellung von Architekt und Bauherrn. Die Erhaltung, Restaurierung und neue sinnvolle Nutzung unter hohen finanziellen Aufwendungen läßt den Respekt und den persönlichen Einsatz des jetzigen Architekten und Bauherrn erkennen.

Wohnhaus in Rutesheim, Schulstraße 8

Giebelansicht mit Bauerngarten

Vom Abbruchkandidaten zum Schmuckstück: 500 Jahre altes Fachwerkhaus vom Typ schwäbisches Einhaus mit Scheune, Stall und Wohnteil unter einem Dach in Rutesheim bei Leonberg.

Mehr zufällig wurde das 1477/78 errichtete oberdeutsche Fachwerkhaus in seinem Wert entdeckt. Es ist neben Turm und Chor der benachbarten Johanneskirche das einzige mittelalterliche Gebäude, das sich im Ortskern von Rutesheim erhalten hat.

Das vor seiner Fachwerkfreilegung eher unscheinbare Haus ließ die Schönheit und die Kraft des heutigen Fachwerkerscheinungsbildes nicht ahnen. Auf der Gebäuderückseite waren jedoch sichtbare Fachwerkteile mit angeblatteten Steigbändern zu sehen und im Inneren präsentierte sich eine weitgehend originale mittelalterliche Dachstuhlkonstruktion, die die Denkmalpfleger veranlasste, das Gebäude zum Kulturdenkmal zu erklären. Für ein Wiederherstellen des jetzt wieder sichtbaren Fachwerkerscheinungsbildes, im Inneren wie im Äußeren, mußten restauratorische und bauhistorische Befunduntersuchungen die Grundlagen liefern.

Das ehemalige Bauernhaus zeigt den Haustyp des Einhauses, ähnlich dem Deisenhof. Als Wohnteil war nur das vordere, der Kirche zugewandte Obergeschoss genutzt. Das Erdgeschoss des vorderen Bauteils diente als Stall. Die rückwärtige Haushälfte war zur Scheune ausgebaut. Das äußere Erscheinungsbild des Gebäudes wird geprägt vom sorgsamen Umgang mit Materialien: die Erneuerung des Daches erfolgte mit alten zusammengesammelten Handstrichbibern, zu erneuernde Holzteile wurden mit altem Holz ausgeführt und eingepasst. Besonders hervorzuheben ist die Beibehaltung des Scheunencharakters der hinteren Haushälfte als offenen Raum. Zur Belichtung des großen Raumes wurde vor eine Glasscheibe eine Gefachvergitterung gesetzt, die sich in das Erscheinungsbild der mittelalterlichen Fachwerkkonstruktion gut einfügt.

Mit der Entscheidung für die Erhaltung und Ergänzung der Fachwerkkonstruktion von 1477/78 war auch der Grundriss des Wohngeschosses zu erhalten. In vorbildlicher Weise haben die Bauherren, ein Architekt und ein Bauunternehmer, die Sanierung des Gebäudes Schulstraße 8 durchgeführt und für das Ortsbild von Rutesheim einen wichtigen Beitrag geleistet. In berechtigtem Stolz haben sie in privater Initiative eine Broschüre herausgegeben, die die Instandsetzungsgeschichte des Hauses beschreibt.

Wohnhaus in Aichwald-Schanbach, Hauptstraße 85

stattliches Bauernhaus mit rotem Fachwerk

Am Eingang in das Schurwald-Dorf Schanbach: Einhaus aus der Zeit um 1700. Auch nach der Erneuerung sind die typischen Merkmale dieses Bauernhauses unter einem Dach erkennbar.

Am Eingang des Schurwald-Dorfes steht dominant ein Einhaus aus der Zeit um 1700. Inmitten neuer Wohnbebauung gibt es den Hinweis auf die frühere bäuerliche Struktur des Ortes. Durch den Bautyp eines Einhauses wird eine landwirtschaftliche Hofform des Schurwälder Bauernhauses dokumentiert, die alle bäuerlichen Funktionen unter einem Dach vereint. Das Fachwerkgebäude des 18. Jh. nimmt in Form und Lage im Bereich des alten Ortsetters eine Sonderstellung ein und zeigt auch nach den Instandsetzungsarbeiten alle typischen Merkmale des Einhauses, von der Laube, den ehemaligen Ställen im Erdgeschoss, dem Wohnbereich im Obergeschoss, den Kammern und Fruchtböden in den beiden Dachgeschossen bis zum rückwärtigen Scheunenbereich mit Durchfahrt.

Das Haus stand seit 1975 leer, dementsprechend war sein Zustand. Ab 1989 begannen die neuen Besitzer, Familie Hägele, mit den Instandsetzungsarbeiten. Die genauen Bauuntersuchungen ergaben einen bemerkenswerten eichenen Fachwerkgiebel und einen völlig erhaltenen liegenden Dachstuhl.

Im ehemaligen Stallbereich konnte eine Einliegerwohnung untergebracht werden. Die neue Wohnnutzung im Obergeschoss nimmt den historischen Wohngrundriss mit guter Stube in Ecklage und den anschließenden Kammern auf. Die sorgsam ausgeführten Holzarbeiten prägen das Erscheinungsbild des Gebäudes. Besonders eindrücklich ist die Erhaltung der schwarz gerußten Konstruktion des Dachstuhls, die mit ihrer großräumig stützenfreien Auslegung sichtbar in die Wohnnutzung integriert werden konnte.

Die behutsame Instandsetzung des Wohnteils und der unverändert erhaltenene Scheunenteil, auf dessen Ausbau verzichtet wurde, dokumentieren damit sehr weitgehend das historische Erscheinungsbild eines Bauernhauses des 18. Jahrhunderts. Durch die denkmalgerechte Nutzung des zum Abbruchkandidaten heruntergekommenen Einhauses mit Wohnteil und Scheune ist es Familie Hägele gelungen, ein Beispiel für den Bereich des Vorderen Schurwaldes zu geben.

Wieland-Haus in Ulm/Donau, Olgastraße 129

weiß getünchtes Haus mit grauen Dachziegeln

Stadtvilla des Fabrikanten Max R. Wieland, heute Sitz der Neuen Pressegesellschaft Ulm. Hinter dem noblen Bau von Richard Riemerschmid erhebt sich die neugotische Kirche St. Georg.

Die 1912 vom international renommierten Münchner Architekten und Kunstgewerbelehrer Richard Riemerschmid für den Fabrikanten Max R. Wieland erbaute Stadtvilla war ein damals vielbeachtetes Haus. Der Bauherr hat, ohne auf einzelne persönliche Wünsche zu verzichten, dem Architekten in allen künstlerischen Fragen freie Hand gelassen, und aus diesem verständigen Zusammenwirken heraus kam ein ganz vorzügliches Kunstwerk zustande.

Der Zusammenklang von Konstruktion und Dekoration ist auch heute wieder ins rechte "Licht" gesetzt, auch wenn das Gebäude heute als Firmensitz der Neuen Pressegesellschaft Ulm neu genutzt wird.

Innen wie außen gelang die differenzierte und qualitative Reparatur und Erneuerung der konstruktiven wie der dekorativen Elemente der Erbauungszeit. Die wertvollen Schmuckböden aus Holz konnten gerettet werden. Das kunsthandwerklich gestaltete Holzwerk an Wänden und Decken ist wieder gesichert. Verschalte alte Marmorstützen wurden freigelegt, repariert und wieder gezeigt. Durch eine neue Lichtführung in den genutzten Räumen werden die vorgegebenen Schönheiten der Räume eindrücklich zur Geltung gebracht.

Glanzpunkt der Anlage ist die Rekonstruktion der Lichterdecke der ehemaligen Bildergalerie, die schon zur Erbauungszeit bewundert wurde. In diesem Raum, in dem die Preisverleihung heute stattfindet, können Sie die noble Atmosphäre des Hauses und deren Tradierung in die Zukunft eindrucksvoll erleben.

(Texte: Ulrich Gräf, Bilder: Frank Busch)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern