Träger des Denkmalschutzpreises 1988

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Träger des Denkmalschutzpreises 1988

Vier Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1988 des Schwäbischen Heimatbundes. Die Spanne der Gebäude reicht vom Handwerker- zum Patrizierhaus.

Die Preisträger 1988

Patrizierhaus in Esslingen, Hafenmarkt 8 und 10 (1331)

Detail der Fachwerkkonstruktion

Der ursprüngliche Zweck der Gebäude blieb auch nach der Restaurierung erhalten..

Hier handelt es sich um zwei Gebäude der ältesten bekannten Fachwerkhäuserzeile Deutschlands. Das Erscheinungsbild, das wir heute wieder sehen, zeigt bei Hafenmarkt 10 eine Umbauphase um 1500, bei Hafenmarkt 8 eine Barockbemalung auf dem mittelalterlichen Fachwerk. Diese Umbauphasen waren schlüssig nachzuweisen und entsprachen auch am besten wieder heutigen Bedürfnissen. Im Grundsatz wurde nämlich die ehemalige Nutzung gar nicht verändert, sondern nur wieder hergestellt: Wein im Keller, Gewerbe im Erdgeschoss und Wohnen in den Obergeschossen. Im Dachbereich sind Teile als Abstellräume verblieben.

Dadurch ergab sich ein harmonisches Einfügen der neuen Nutzung in die gegebene Fachwerkstruktur. Das ursprüngliche Fachwerkgefüge mit dem schmalen und breiten Schiff (Firstparallel) und den Jochen (quer zum First) wurde repariert, wo es im Lauf der Zeit in Mitleidenschaft gezogen worden war, und konnte soweit als möglich erhalten werden, d.h. die Lage der Treppe und die Raumzusammenhänge entsprechen dem ursprünglichen Zustand. Es verblieb die einläufige Treppenanlage, die zu solch einem Haus gehört. Gerade dieser erhaltende Umgang mit dem historischen Grundriss der Wohngeschosse mit ihrer reichen Ausstattung ist besonders hervorzuheben, da dies heute immer noch nicht selbstverständlich ist. Darüberhinaus wurden die alten Wandkonstruktionen nach ihrem historischen Aufbau soweit erforderlich erneuert.

Die innere Ausstattung des Hauses konnte in vielen Details erhalten und in die neue Wohn- und Geschäftsnutzung integriert werden.

Altes Pfarrhaus in Salach, Kirchstraße 12 (1548)

Gesamtansicht

Aus dem früheren Putzfachwerk wurde wieder ein Sichtfachwerk.

Das Erbauungsjahr 1548 erfahren wir von einer Knagge am Hauseingang. Es wurde vermutlich als Pfarrhaus errichtet. Bereits um 1603 erfolgten erste bauliche Veränderungen. Mit Einführung der Reformation wurde im Gebäude eine Schule eingerichtet, die mit kurzen Unterbrechungen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts mit zwei Klassenzimmern darin unterkam. Interessant sind die Hinweise und Nachrichten über die sog. katholische und evangelische Schule, die in je einem Klassenzimmer untergebracht waren. Dazwischen erfolgte um 1700 die Barockisierung des Hauses, als es neben der schulischen Nutzung zugleich als Pfarrhaus diente. Im frühen 19. Jahrhundert war im 1. Obergeschoss zudem das Dienstzimmer des Schultheißen eingerichtet. In diesem Haus waren also schon alle wichtigen Funktionen einer Gemeinde untergebracht.

Geht man heute durch das Haus, spürt man sofort die Bereitschaft der Familie Weber, mit den gegebenen Ausstattungen und ehem. Nutzungen der Räume zu leben. Darüberhinaus geben viele Detaillösungen, wie Fenster, Türen, Böden und Wände, Hinweise auf die Auseinandersetzung mit der gebauten und nachgewiesenen historischen Substanz und ihre Umsetzung mit den heutigen Möglichkeiten.

Das Alte Pfarrhaus zeigt mit seiner neuen Nutzung sehr anschaulich und beispielhaft, dass es mit entsprechender Einstellung und Einfühlung sehr wohl möglich ist, ein Gebäude ablesbar und nachvollziehbar in seiner geschichtlich gewachsenen Substanz zu erhalten und weiterzutradieren.

Handwerkerhaus in Asperg, Königstraße 33 (1661)

Außenansicht

Das instandgesetzte Handwerkerhaus

Das Fachwerkhaus liegt am Rand des historischen Ortskerns. Seine Gebrechlichkeit und Bedürftigkeit nach Reparatur und angemessener Nutzung lag im Jahr 1985 vor Beginn der Instandsetzungsmaßnahmen klar auf der Hand. Das Haus selbst entstand 1661 (dendrochronologisch datiert) nach dem Dreißigjährigen Krieg. Von dem ursprünglich landwirtschaftlichen Anwesen hat sich bis heute nur noch das Wohnhaus erhalten. Die Scheune, ein rückseitig quergestellter Fachwerkbau, wurde bereits in den siebziger Jahren abgebrochen. Im Erdgeschossdes Wohnhauses war vermutlich eine gewerbliche Nutzung untergebracht, eine Handwerkerstube, die im 19. Jahrhundert für weiteren Wohnraum aufgegeben wurde. Im Untergeschoss befanden sich ehemals Ställe und ein kleiner Vorratskeller.

Beim Umbau wurde die dreizonige Gliederung der einzelnen Geschosse wieder aufgenommen, soweit möglich die alte Raumstruktur und ihre althergebrachte Nutzung beibehalten. Es war notwendig, nahezu die gesamte Holzständerkonstruktion statisch in Ordnung zu bringen. Sie wurde sichtbar belassen. Soweit rekonstruierbar konnte das historische Fensterbild des 17. Jahrhundert am Giebel zur Straße und an der Längsseite wieder ergänzt werden. Harmonisch fügt sich der überdachte Balkon am rückwärtigen Giebel des Hauses ein.

Die kräftige Farbigkeit des Sichtfachwerks ist das Ergebnis historischer Farbbefunde am Außenbau. Verantwortungsvoller Umgang mit historischer Bausubstanz und Ausdauer haben hier zu einem bemerkenswerten denkmalpflegerischen Ergebnis geführt.

Rechenmacherhaus in Mössingen, Waibachstraße 15 (1707)

Außenansicht mit freigelegtem Fachwerk

Das ursprüngliche Erscheinungsbild des Rechenmacherhauses mit seinem massiven Erdgeschoss lässt auf das Handwerkshaus schließen.

Das Kleinbauernhaus in der Waibachstraße hat hohe heimatgeschichtliche Bedeutung. Das Kleingehöft wurde 1707 erstmals erwähnt. Außen nimmt sich das Haus relativ bescheiden und unscheinbar aus. Der noch im Jahr 1978 aufgebrachte Putz verstärkte diese Wirkung. Prunkstück des Hauses ist eine Rechenmacherwerkstatt, die bis 1980 im Besitz der Handwerkerfamilie Wagner aus Mössingen war. Daneben haben sich noch eine Wohnkammer, Stube und eine sogenannte Ern-Küche erhalten. Zusätzlich waren im Dachgeschoß fünf Kammern ausgebaut.

Die denkmalpflegerischen Maßnahmen bestanden vor allem darin, das Althergebrachte zu konservieren und das jüngst Dazugekommene auf seine Verträglichkeit zu prüfen. So wurde der Putz, der 1978 auf das Sichtfachwerk aufgebracht worden war, wieder entfernt. An Stelle der engobierten Dachpfannen ließ der neue Eigentümer, Restaurator Karl Schmid, naturrote Biberschwanzziegel decken.

Der Auflage, die Rechenmacherwerkstatt zu erhalten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen, wurde voll entsprochen. Das verbliebene Mobiliar des 19. Jahrhundert blieb an Ort und Stelle erhalten, fehlende Stücke wurden ergänzt. Das Rechenmacherhaus Wagner ist in erster Linie ein sozialgeschichtliches Dokument von regionaler Bedeutung.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern