Träger des Denkmalschutzpreises 1987

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Träger des Denkmalschutzpreises 1987

Sechs Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1987 des Schwäbischen Heimatbundes. Die Spanne der Gebäude reicht von der Apotheke über den Bauernhof bis zum herrschaftlichen Wohn- und Lagerhaus.

Die Preisträger 1987

Alte Apotheke Rosenfeld, Mömpelgardgasse 3

hohes Steinhaus mit Fachwerkaufsatz

Die Alte Apotheke hat sich ihr mittelalterliches Erscheinungsbild gewahrt.

Max Kraske und Anita Neidhardt-Kraske erhalten den Preis für die beispielhafte Erhaltung der Alten Apotheke, eines spätmittelalterlichen Bürgerhauses auf der ehemaligen Stadtmauer.

Durch den vorsichtigen und einfühlsamen Umgang mit der historischen Bausubstanz hat die sog. Alte Apotheke viel von ihrem mittelalterlichen Erscheinungsbild bewahrt. Familie Kraske hat sich damit zwar einige Einschränkungen auferlegt, dadurch aber eine mit heutigem Wohnkomfort in Einklang gebrachte weitgehende Übereinstimmung von historischem Erscheinungsbild und neuer Wohnnutzung gewonnen.

Hofanlage "Oben im Dorf" Frankenhardt-Hellmannshofen, Nr. 2

Die Geschichte des ehemaligen Bauernhofs "Oben im Dorf" in Frankenhardt-Hellmannshofen ist eng mit der Familie Messerschmidt verbunden, einst die wohl größten Bauern im Ort. Als der Hof 1980 in das Eigentum der Familie Dr. Albrecht und Ute Stähle überging, zeigten sich Wohnstallhaus und Altenteilhaus in äußerst desolatem Zustand.

Bei dem Haupthaus der Hofanlage handelt es sich um ein sog. "Einhaus", das Wohnteil mit Stall und Scheuer unter einem Dach vereint. Das Erbauungsdatum geht aus dem erhaltengebliebenen Eckpfosten hervor, der die Jahreszahl 1808 trägt. Das Fachwerk ist konstruktiv und bis auf den geschnitzten Eckpfosten ohne Zierelemente aufgebaut, mit den für das 18./19. Jh. typischen geschosshohen Streben und Fensterpfosten unter den Brüstungshölzern. Das Altenteilhaus zeigt den im Hohenlohischen weit verbreiteten Haustyp des sog. "Pfarrer-Mayer-Hauses" mit charakteristischen Anordnungen von Kammern, Küche und Wohnzimmer über einem niedrigen Stallgeschoss.

Das Altenteilhaus ist inzwischen außen wiederhergestellt und gesichert, für die innere Instandsetzung fehlt im Moment noch die geeignete Nutzung. Eine Translozierung ins Freilicht-Museum nach Wackershofen war wohl schon im Gespräch und konnte gerade noch abgewendet werden. Die Erhaltung im Dorf und die Bedeutung für das dörfliche Erscheinungsbild sind wichtig, um das Dorf in seinen Traditionen lebendig bleiben zu lassen.

Amtshaus Freiberg-Heutingsheim, Schloßstraße 19

schlichte Außenansicht des Gebäudes

Das barocke Gebäude ist Teil der württembergishen Geschichte.

Das Amtshaus wurde 1713 erbaut und ist sowohl vom Äußeren wie von der Funktion her ein Gegensatz zu der vorher gezeigten ländlichen Hofanlage. Es handelt sich hier um ein Amtshaus in unmittelbarer Nachbarschaft des Schlosses Heutingsheim, gebaut von Levin von Kniestedt, der als Oberstallmeister in württembergischen Diensten stand. Die Bezeichnung Amtshaus ist fast schon irreführend, stellt es doch aufgrund seiner inneren Ausstattung mit aufwendigen Stuckdecken, Holzlamberien, besonders gestalteten Türen und Fußböden schon eher ein Herrenhaus dar, dessen Besitzer auch gesellschaftlichen Umgang pflegten. Auch Schiller war hier zu Gast.

Mit Hilfe dreier Restauratoren, einem Stuckrestaurator, einem Holzrestaurator und einem Malerrestaurator ist es gelungen, die für ein barockes Haus typische und heute so wertvolle Ausstattung soweit als möglich zu erhalten und wo nötig zu ergänzen. Dabei war dann die neue Wohnnutzung kein Problem mehr. Durch das Beschäftigen mit der früheren Ausstattung der verschiedenen Räume ergab sich auch der neue Wohngrundriss, der weitgehend die ehemalige Funktion der Räume übernahm.

Stefan Graf Adelmann und seine Familie hat mit vielen Stunden Eigenleistungen dazu beigetragen, dass das Haus seinem ursprünglichen Erscheinungsbild wieder weitgehend entspricht - ein Haus, das auch einige bekannte Männer in der württembergischen Geschichte hervorgebracht hat, wie z.B. den Pfarrer und Kolonisten Paul Aldinger.

Vogtshof Rottweil-Bühlingen, Eckhofstraße 14

Außenansicht mit hohem Fachwerkgiebel

Der Vogtshof: auch noch heute kann man in einem spätmittelalterlichen Gebäude gut und gerne leben.

Mit viel Liebe zum Detail hat die Familie Hansjörg und Andrea Busch ihr großes Gebäude, einen ehemaligen Vogtshof, wieder wohnbar gemacht. Besonders beeindruckend ist die Inneneinrichtung mit den originalen, stark ausgetretenen unebenen Fußböden oder den Türen und Fenstern mit den früheren Originalen nachgebauten Holzbeschlägen. Damit erinnert das Gebäude an die Wohnkultur des späten Mittelalters und zeigt zugleich auf, dass es auch heute noch möglich ist, gut und gerne darin zu leben (Architekt: Alfons Burk).

Kornhauskeller (Kindsvatter-Haus) Ulm, Hafengasse 19

Stadthaus mit zwei Speicherluken

Die Ladeluken machen die frühere Funktion deutlich (Aufnahme 2005)

Das herrschaftliche Wohn- und Lagerhaus eines Ulmer Handelsherrn der Renaissancezeit zeigt heute dank dem persönlichen Engagement von Prof. Dr. Caius Burri wieder viel von seinem ursprünglichen Erscheinungsbild innen wie außen.

Die neue Nutzung nimmt soweit wie möglich Rücksicht auf den historischen Bestand mit z.T. noch gut erhaltenen Bauteilen und dokumentiert damit sehr eindrücklich die Ausstattung eines großen Renaissancehauses.

Justinus-Kerner-Haus Weinsberg, Öhringer Straße 3

Justinus Kerner ist wohl für jeden Schwaben ein Begriff, aber auch sein Haus in Weinsberg? Seit kurzem ist das Justinus-Kerner-Museum wieder geöffnet und zeigt im schön restaurierten Wohnhaus die Lebensstationen und das Wirken des bekannten Arztes und Dichters. Interessant dabei ist vor allem das restaurierte originale Erscheinungsbild der Wohn- und Arbeitsräume von Kerner mitsamt der noch weitgehend vorhandenen Möblierung.

Das biedermeierliche Wohnhaus zeigt sehr anschaulich die Lebensverhältnisse und Ausstattung in einem gutbürgerlichen Gebäude des 19. Jahrhunderts. Zu Verdanken ist das Bewahren und Erneuern des Justinus-Kerner-Hauses dem Justinus-Kerner-Verein und Frauenverein Weinsberg, dessen Mitglieder sich mit großem persönlichen Engagement für die Erhaltung und Neukonzeption des Justinus-Kerner-Museums eingesetzt haben.

Der Frauenverein Weinsberg wurde im Jahre 1823 von Justinus Kerner gegründet zur Rettung der Burgruine Weibertreu. 1905 hat sich bereits der Justinus-Kerner-Verein gebildet, um "die Heimstatt des Dichterarztes in seinen Schutz zu nehmen und Gegenstände zu sammeln, die mit der Person und dem Schaffen Justinus Kerners, seiner Familie und seines Freundeskreises in Zusammenhang stehen." Im Jahr 1920 haben sich der Frauenverein und Justinus-Kerner-Verein zusammengeschlossen.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf, Bernd Langner)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern