Träger des Denkmalschutzpreises 2002

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Träger des Denkmalschutzpreises 2002

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 2002 der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom ehemaligen Dorfwirtshaus bis zur städtischen Villa.

Die Bauherrschaft und die Architekten der fünf sehr unterschiedlichen Bauwerke haben bei der Instandsetzung ihrer Gebäude großes Einfühlungsvermögen und herausragenden persönlichen Einsatz gezeigt. Die Wirkung dieser hervorragend in Stand gesetzten, gestalteten und genutzten Gebäude ist um so wichtiger, da es auch zahlreiche Beispiele gibt, die durch unsachgemäße Behandlung, ungeeignete Nutzungen oder aus schlichter Unkenntnis entstellt wurden.

Die Auszeichnung ist mit Urkunden für den jeweiligen Eigentümer, die Architekten und Restauratoren verbunden. Als Zeichen der Anerkennung erhält jeder Bauherr 5.000 Euro und eine Bronzeplakette für das Gebäude. Die Preisverleihung fand am 5. November 2002 im Stuttgarter Gustav-Siegle-Haus statt.

Die Preisträger 2002

Altes Spital in Neuenstein, Spitalgasse 13

Das alte Spital in Neuenstein

Seitenansicht

Nach langer Debatte im Gemeinderat von Neuenstein wurde 1998 das Sanierungs-Konzept der Interessenten um Harald Uwe Brode akzeptiert und der schon beschlossene Abbruch des Gebäudes zurückgestellt.

Das sogenannte Spital wurde 1474 (d) als herrschaftliches Beamtenwohnhaus an der südlichen Stadtmauer erbaut und 1632 wohl vom hohenlohischen Baumeister Georg Kern um einen Anbau mit Sommerstuben und Loggia erweitert. Es diente im 17. Jahrhundert dem Hofprediger, dann bis 1872 weiter als Wohnung des Diakonus oder Vesperpredigers. Die Bezeichnung "Spital" leitet sich ab von der Funktion als Filiale des Bezirkskrankenhauses Öhringen (1883-1921) dann privates Altersheim (1932-1949).

Die Besonderheiten des Gebäudes liegen vor allem in der Überbauung der Stadtmauer mit vorgezogener Altane und der offenen Renaissance-Loggia im Obergeschoss des Anbaus und in der Ausstattung des Gebäudes mit Renaissance-Malereien.

Der Eigentümergruppe um Harald Uwe Brode ist es gelungen, für das große Gebäude ein neues Nutzungskonzept zu entwickeln, das die wertvolle Gebäude-Substanz schont, die Malereien im Inneren erhält und durch die Einrichtung eines Cafés unter Einbeziehung der Loggia auch der Öffentlichkeit wesentliche Teile des besonderen Gebäudes zugänglich macht.

Villa Baader in Konstanz, Mainaustraße 36

Die Fassade der Villa Baader

Straßenansicht mit Eingang

Das Anwesen in der Mainaustraße 36 in Konstanz ist seit der Erbauung im Familienbesitz und wird bis heute von der Familie bewohnt und gepflegt. Die Villa Baader wurde in Formen der italienischen Renaissance und des Manierismus 1869 vom Karlsruher Architekten Adolf Weinbrenner errichtet. Die beiden Hauptschauseiten zeigen unterschiedliche Ausprägungen: während die Straßenfront sich klassizistisch streng und kantig gibt, ist die Gartenfront nach Süden plastischer durchgebildet in bewegten, barock anmutenden Gliederungen und vor allem am Mittelrisalit üppiger dekoriert. Der reiche architektonische Schmuck wird ergänzt und unterstrichen durch den ungewöhnlichen und gut restaurierten Sgraffiti-Dekor in den Wandfeldern.

Besonders hervorzuheben ist die qualitätvolle und bemerkenswert vollständig erhaltene Durchgestaltung des Inneren. Durch die kunsthandwerklich vorzügliche Durchbildung aller Oberflächen und den stimmungsvollen Wechsel des Erscheinungsbildes in den Räumen wird der außergewöhnliche Charakter des Hauses betont. Es vermittelt in anschaulicher Weise Wohn- und Gestaltungsprinzipien der beginnenden Gründerzeit.

In beispielhafter Weise hat die Familie Tauscher in mehreren Restaurierungsphasen die Gebäudesubstanz und die wertvollen Oberflächen erhalten und gesichert. Viel Aufwand musste in die Neuinstallation von Elektrik und Sanitär gesteckt und frühere unsachgemäße Erneuerungen behutsam zurückgeführt werden. Alle Arbeiten wurden durch aufwendige Befunduntersuchungen und Dokumentationen begleitet.

Schwarzwaldhaus in Neuenweg, Mittelheubronn 1

Das Schwarzwaldhaus in Neuenweg

Gesamtansicht von der Straße

Das Brehhuus, ein Schwarzwaldhaus im Südschwarzwald, wurde 1809 erbaut und ab 1830 von der Familie Breh bis in die 1960er Jahre landwirtschaftlich genutzt. 1995 veräußerte die letzte Bewohnerin, Frau Hilda Zäh, geb. Breh den Hof aus Altersgründen. Sie hatte nur noch einen kleinen Teil des Gebäudes bewohnt. Die neuen Eigentümer, die Geschwister Rauch, waren sich der Besonderheiten des Gebäudes und ihrer Verantwortung um die wertvolle Bausubstanz bewusst und rangen jahrelang um die sinnvolle Nutzung des Gebäudes.

Beispielhaft ist die prozesshafte Vorgehensweise über Bauaufnahme und Bauforschung bis hin zur Aneignung für die Sanierung des Gebäudes wichtiger historischer Techniken und ihrer Materialien. Dies führte zum vorsichtigen und substanzschonenden Umgang mit dem Gebäude, das wieder in den Räumen mit ihrer historischen Funktion bewohnt wird, ergänzt durch zum Teil neue Technik. Besonders hervorzuheben ist der bauliche Umgang mit der ehem. Rauchküche.

Der große, zweigeschossige Raum wurde mit einer ins Dachwerk eingehängten Plattform versehen, die die Erschließung der Schlafkammern und ein eingestelltes Bad möglich macht und so flexibel gehalten ist, dass die Einbauten auch jederzeit wieder entfernt werden können. Innovativ ist auch die energetische Ausrichtung des Gebäudes, die geschickt die ursprüngliche Wärmeerzeugung mit moderner Solartechnik kombiniert. Der Wirtschaftsteil wurde in seinen Funktionen belassen, um zukünftig auch wieder Landwirtschaft betreiben zu können.

Fabrikhochbau in Lörrach, Arend-Braye-Straße 33

Fassade mit stählernen Aufgängen an der seitlichen Außenwand

Ansicht mit vorgestellten Fluchtwegen

Inmitten des weitläufigen Areals der Firma Koechlin, Baumgartner & Cie (KBC) stand der Fabrikhochbau, das ehem. Handdruckgebäude, jahrzehntelang leer. Die Firma geht auf die 1753 gegründete "Küpfersche Cotton- und Indiennefabrique" zurück. 1802 eingestellt, 1809 unter staatlicher Regie weitergeführt, erhielt sie ihren Namen 1856 nach dem Eintritt von Léon Baumgartner. Der Hochbau der KBC gehört zu den wenigen erhaltenen Fabrikbauten der Textilindustrie im Wiesental.

Die Stadt Lörrach als Eigentümerin fand Ende 2000 eine private Investorengruppe, die sich dieses Objekts annahm und den Bau mit 4.100 qm Gesamtnutzfläche und 21.240 Kubikmeter umbauten Raumes in ein Innovationszentrum umzubauen bereit war. Die Innovationszentrum GmbH hat in vorbildlicher Weise in dem maroden Gebäude eine moderne Büronutzung entwickelt, die diesen kulturell wertvollen Industriebau wieder sinnvoll nutzt. Zwei zentrale Erschließungszonen mit Treppe und Glasaufzug machen die frei einteilbaren Nutzebenen zugänglich.

Die schlanken gusseisernen Stahlstützen wurden beibehalten und durch ein parallel eingefügtes neues Tragsystem ergänzt. Die reversiblen Einbauten ermöglichen eine hohe Flexibilität. Die Trennwände mit hohem Glasanteil lassen den besonderen Charakter der historischen großflächigen Fabrikräume wiedererkennen.

Ehem. Dorfwirtshaus in Rosengarten-Tullau, Kirchgasse 10

Das ehemalige Dorfwirtshaus mit seiner Fachwerkfassade

Straßenansicht

Nach dem Bekanntwerden der historischen Bedeutung des im Straßenraum dominanten Gebäudes beschloss der Gemeinderat 1990, das Anwesen in fachkundige Hände abzugeben. Das Gebäude war zu diesem Zeitpunkt derart baufällig, dass zunächst eine provisorische Abstützung errichtet werden musste, um die akute Einsturzgefahr zu bannen.

Die sehr wechselhafte Baugeschichte des Anwesens umfasst einen Zeitraum, in mehreren Bauphasen dendrochronologisch erfasst, der von 1519 bis heute reicht. Die neuen Eigentümer, Familie Schäfer, haben versucht, die umfassend erforschte Bau- und Hausgeschichte des Anwesens im Inneren und Äußeren des Hauses erlebbar und alltagstauglich verwendbar zu erhalten. Im Rahmen einer behutsamen und rund 10 Jahre dauernden Instandsetzung ist mit den finanziellen Möglichkeiten einer jungen Familie ein Ergebnis erzielt worden, das der Substanzerhaltung immer den Vorrang vor der Erneuerung gegeben hat.

Besonders hervorzuheben ist die Erhaltung der Nutzungsschicht als Dorfwirtshaus, die im Inneren noch gut ablesbar ist und wo z.B. der ehemalige Schankraum heute als Kommunikationszentrum der Familie mit ihren Gästen und als Spielzimmer für die Kinder dient. Den Schlusspunkt der Restaurierungsgeschichte des Hauses bilden die Sicherungsarbeiten an den Malereien aus dem 17. und 18. Jahrhundert an der Nordwand, die 2001 abgeschlossen wurden.

(Texte: Ulrich Gräf, Bilder: Siegfried Gragnato)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern