Träger des Denkmalschutzpreises 1992

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Träger des Denkmalschutzpreises 1992

Fünf Gebäude und ihre Besitzer erhielten den Denkmalschutzpreis 1992 des Schwäbischen Heimatbundes und der Württemberger Hypo. Die Spanne der Gebäude reicht vom Amtshaus zum Gerberhaus.

Die Preisträger 1992

Alte Vogtei in Horb-Dettensee

Die Außenansicht des Schlosses

In den Formen der Renaissance präsentiert sich das ehemalige Vogtshaus des Schlosses Dettensee.

Der ehemalige Vogtssitz des Schlosses Dettensee wurde 1585 an die Ringmauer der Südseite angebaut. Er ist Teil einer mit hoher Mauer umfriedeten Schlossanlage mit dem im 19. Jh. abgebrochenen Schlossgebäude auf der Ostseite und der Zehntscheuer auf der Westseite, an dessen Stelle heute das neue Gemeindehaus steht. Von dieser Anlage erhalten blieb das sog. Beamtenhaus oder Vogtshaus an der Südseite mit einem Tor, das in den ehemaligen Schlossgarten führte.

Der Schlosshof wurde im Verlauf der Umbauarbeiten am Vogtshaus mit hergerichtet und vermittelt heute wieder einen ungefähren Eindruck von der Größe und der Lage der einzelnen Schlossbauten. Der Renaissancebau mit seinen geschweiften Volutengiebeln und seinen profilierten Gewänden an Türen und Fenstern steht dominant innerhalb der heutigen Bebauung. Aus einer Datierung im Putz an der rückwärtigen Außenwand lässt sich eine Barockisierung von 1653 erschließen, die in den Repräsentationsräumen des 1. und 2. Obergeschosses interessante Stuckdeken hinterließ.

Nach einer wechselvollen Geschichte mit vielen Besitzerwechseln der adligen Herrschaft verfiel das Vogtshaus immer mehr, und es war höchste Zeit, dass sich ein neuer Besitzer fand, der dem Gebäude wieder eine angemessene Nutzung gab und es instandsetzte.

Große Probleme bereitete während des ganzen Umbaus die Materialfrage. Im Bestreben, das vorhandene Baumaterial wiederzuverwenden und soweit notwendig zu ergänzen, ergab sich häufig die Notwendigkeit, einzelne, in Teilen noch vorhandene Materialien wie Klinker oder Sandsteine durch ähnliche Baustoffe zu ergänzen und zu erneuern. So waren z.B. von den Bodenplatten aus Sandstein nur wenige Platten wiederzuverwenden und die Klinkerböden mit ausgefallenen Formaten heute überhaupt nicht mehr zu beschaffen. Sie mussten durch ähnliche Stein- und Klinkermaterialien ergänzt und erneuert werden. Die notwendige Neueindeckung der Dächer erfolgte mit alten handgestrichenen Biberschwanzziegeln.

Das Innere mit seinen wertvollen Stuckdecken wurde mit großem Aufwand und persönlichem Einsatz restauriert. In das weitläufige Gebäude wurden die Wohnung und das Architekturbüro Laubis integriert und den großzügigen Raumfolgen wieder eine angemessene Nutzung gegeben.

Ehemalige Kaserne in Marbach, Holdergasse 5

Außenansicht mit offenem Laubengang im Erdgeschoss

Seitenansicht des stattlichen barocken Wohnhauses mit Laubengang

Das als "Fruchtkasten" 1698-99 nach dem Brand wiederaufgebaute Gebäude war wohl ursprünglich gar nicht als Wohnhaus gebaut. Das zugehörige Gebäude Niklastorstraße 7 wird als "Behausung" erwähnt. Das rundbogige Eingangsportal zur Niklastorstraße mit Wappenschild, Jahreszahl 1699 und Herzoghut belegen den in herrschaftlichen Diensten stehenden Bauherrn der geistlichen Verwaltung in Marbach. Woher eine heute gebräuchliche Bezeichnung der sog. Kaserne stammt und hergeleitet wird, lässt sich nicht nachvollziehen, einen archivalischen Beleg gibt es hierzu nicht. 1744 gelangte es in den Besitz des Diakons Johann Andreas Hochstetter, der es 1745 grundlegend umgestaltete. Die jetzt erfolgte Sanierung am ehem. Fruchtkasten und späteren Wohnhaus hat im wesentlichen diesen barocken Umbauzustand des Gebäudes vorgefunden.

Die barocke Bel Étage von 1745 überrascht durch qualitätvolle Stuckierung von Stuben und eines kleinen Saales. Der Erschließungsgang zeigt graues Sichtfachwerk mit Resten von Wandmalereien um die Ofenöffnung. Diese durch restauratorische Untersuchungen zum Vorschein gekommenen Befunde waren aufgrund des schlechten Zustandes eigentlich gar nicht mehr zu erwarten und verlangten dann eine grundlegende Änderung des Renovierungskonzeptes. Die ursprünglich geplanten Wohneinheiten in diesem Geschosswaren nicht mehr möglich.

Durch eine gewerbliche Nutzung konnte aber die Grundrisseinteilung und Ausstattung der Räume erhalten und wieder gezeigt werden. Im 2. Obergeschoss sowie in den Dachgeschossen wurden Wohnungen eingebaut. Der Dachstuhl musste weitgehend erneuert werden. Die restauratorische Untersuchung brachte noch die barocke Fassadenbemalung zutage, die eine seltene Form der Wandfassung auf Außenfassaden zeigt. Sie wurde wiederhergestellt, so dass das Gebäude innen und außen weitgehend das Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts zeigt.

Dadurch, dassdie Sachgesamtheit von Gebäude Nikalstorstraße 7 und Mittlere Holdergasse 5 wieder in eine Hand gelangte, konnte in beispielhafter Form der ehemalige Zugang mit Pflasterung und grauem Sichtfachwerk unter dem Gebäude Niklastorstraße 7 zum rückwärtigen Gebäude wiederhergestellt werden. Das große barocke rückseitige Wohnhaus erhielt wieder eine adäquate Nutzung und steht mit seinem neuen imponierenden Erscheinungsbild dominant im Straßenraum der Holdergasse.

Ehemaliger Salzstadel in Tübingen, Jakobgasse 14/1

Außenansicht von Speicher und anschließender Kirche

Der repräsentative dreigeschossige Speicherbau gegenüber der Tübinger Jakobskirche.

Das dreigeschossige ehemalige städtische Speichergebäude aus der Mitte des 16. Jahrhunderts steht gegenüber der Jakobskirche und zeigt mit seiner Größe und seinem Erscheinungsbild, dasses sich um ein wichtiges Gebäude in der Stadt handelte. Trotz der Lagernutzung als ehemaliger Salzstadel ist das Fachwerkgebäude auf Repräsentationswirkung und Raumwirkung gebaut. Seine Fachwerkkonstruktion zeigt die typischen Elemente des Fachwerks des 16. Jahrhunderts mit seinen geschweiften Streben und Fußbändern. Im Inneren imponieren die mächtigen Stützen mit ihren Kopfbügen, die den Grundriss eindeutig bestimmen und gliedern, dreifeldrig an der Traufseite und zweizonig an der Giebelseite.

Typisch für Scheunen und Speichergebäude wie hier in der Jakobsgasse in Tübingen sind kleine Fensteröffnungen in den Fachwerkwänden und kleine Dachgauben auf den Dächern die überwiegend zur Belüftung des Gebäudes vorhanden sind. Die Umnutzung solcher Gebäude z.B. zu Wohnzwecken bringt, wenn die ursprüngliche Funktion nicht mehr weitergeführt werden kann, Belichtungsprobleme mit sich. Von daher zählt die Umnutzung solcher Gebäudetypen zu den anspruchsvollen denkmalpflegerischen Aufgaben, die von den Bewohnern Einschränkungen vor allem bezüglich der Belichtung verlangen, die aber auch bei den Denkmalpflegern Kompromisse voraussetzen, Belichtungsöffnungen zuzulassen, die vorher so nicht vorhanden waren.

Die gelungene Renovierung wird daran gemessen, wieweit ein solches Gebäude noch seinen ursprünglichen Charakter bewahren kann sowie die frühere Funktion ablesbar bleibt und die neuen Bewohner mit ihrer Wohnung trotz aller Einschränkungen zufrieden sind, sie ihre modernen Wohnansprüche in die vorhandene Bausubstanz integrieren können. Dies gelang hier in beispielhafter Form.

Für die Eigentümer noch in guter Erinnerung ist die fast eineienhalb Jahre währende Gebäudereinigung. Die gesamte Holzkonstruktion musste von einer dicken Schmutzschicht von Hand abgekratzt werden. Dann eine Bauunterbrechung, da im Erdgeschoss - das Gebäude ist wegen des hohen Grundwasserstandes in diesem Gebiet nicht unterkellert - Fundamentreste und ein Skelett gefunden wurden. Nach Aussage der Mittelalterarchäologen steht das Gebäude teilweise auf Resten eines vermutlich frühmittelalterlichen Kirchturmfundaments und im Bereich eines Friedhofes.

All die Schwierigkeiten und Detailprobleme während der Bauzeit sieht man dem Gebäude heute nicht mehr an. Es zeigt sich im äußeren Erscheinungsbild als ein Speichergebäude mit einer Fachwerkkonstruktion des 16. Jahrhunderts. Im Inneren ist die originale Holzkonstruktion in die neue Wohnnutzung integriert. Das Gebäude bleibt weiterhin das Speichergebäude.

Gerberhaus in Biberach/Riß, Weberberggasse 31

Vorderansicht mit Freitreppe

Das sanierte Haus mit dem Gigelturm im Hintergrund

Biberach ist eine der letzten noch erhaltenen Webersiedlungen in Deutschland. Bis ins 19. Jahrhundert arbeiteten und lebten hier überwiegend Weber, aber auch sonstige Handwerker, nach denen dieser Stadtteil genannt wurde. Es handelt sich hier um eine Folge zwei- und dreigeschossiger Häuser des 16. und 17. Jahrhunderts mit überwiegend giebelständiger Orientierung zur Straße. Charakteristisch für diese Gebäude sind die im Sockelgeschoss untergebrachten sogenannten "Weberdunken", in denen die Webstühle der Weber aufgestellt waren. Dies bedingte hochgelegene Eingänge zu den Wohngeschossen, die über Außentreppen erreicht wurden.

Laut dendrochronologischer Untersuchung ist die Gebäudeerstellung auf 1621 datiert. Aus der Kleindienst'schen Häuserchronik wissen wir von den Besitzern des Gebäudes, die überwiegend Leineweber waren. Es sind aber auch Handwerker, wie Nadler, Zeugmacher oder ein Schreinerzunftmeister, darunter.

Das Wohnhaus Weberberggasse 31 ist eines der charakteristischen Weberhäuser am Weberberg, das dominant die Gasse prägt, und ist eines der wenigen Häuser, die noch in ihrem Gefüge erhalten sind. Es zeigt heute im renovierten Zustand ein Erscheinungsbild des 18. Jahrhunderts mit originalen, reparierten Bauteilen, wie das Türgewände im EG oder die barocken Fenster im OG. Eine von außen gut belichtete und belüftete "Weberdunk" im Halbkeller dokumentiert die frühere Nutzung des Gebäudes. Diese Weberdunk, ein gemauerter und gewölbter Halbkeller, besitzt einen Lehmfußboden, um das Raumklima für die Weberei feucht zu halten. Ein recht ungemütlicher und ungesunder Arbeitsplatz. Weberdunken gibt es in Biberach nur noch in den Häusern Weberberggasse 13 und 25.

Trotz des sehr schlechten Gebäudezustandes mit starken Schäden, die z.B. eine vollständige Erneuerung der rückwärtigen Umfassungswände erforderlich machten, konnten wesentliche Bauteile im Inneren erhalten werden. Die historische Grundrisseinteilung konnte weitgehend beibehalten werden, das äußere Erscheinungsbild wurde nach Freilegungsbefunden an Putz und Farbe wiederhergestellt.

Mit großem persönlichen Engagement der Eigentümergemeinschaft und beispielhafter Unterstützung durch die Stadt und die Architekten ist es gelungen, das Gebäude Weberberggasse 31 zu renovieren und der zukünftigen Sanierung des Weberberges in Biberach Vorbild zu sein.

Wohnhaus in Überlingen, Luziengasse 8

Außenansicht des Fachwerkgebäudes

Das sanierte Gebäude unweit des Überlinger Münsters

Das ehemals unscheinbare Gebäude war bereits zum Abbruch freigegeben, als ein neuer Eigentümer das Wagnis einer Erhaltung auf sich nahm und mit viel handwerklichem Geschick und hohem persönlichen Engagement eine erhaltende Erneuerung durchführte.

Bei den Auskernungsarbeiten wurden eine Bestandsaufnahme und durch einen Bauforscher Befunduntersuchungen mit dendrochronologischer Datierung der Hölzer durchgeführt. Die Sensation war perfekt, als die Erbauungszeit ins Jahr 1314 anzusetzen war, handelt es sich doch damit um eines der ältesten Fachwerkhäuser im Land. Einer der datierten Balken stammt von einem Holzeinschlag im Sommer 1292. Damit errang das Gebäude öffentliches Interesse, wie viele Zeitungsausschnitte aus der Umbauzeit belegen. Es hat sicher auch dazu beigetragen, dassdie Eigentümerfamilie ob der Schwierigkeiten und Widrigkeiten am Gebäude nicht verzagte und die Erneuerung in weitestgehenden Eigenleistungen geschafft hat.

Das Fachwerkgebäude auf massivem Sockelgeschoss mit darunterliegendem Keller war ursprünglich wohl als Speicher genutzt und erst später gegen 1650 zum Wohnhaus umgenutzt. Der Keller ist älter und stammt vermutlich aus der Erstbebauung am Rande der Altstadt von Überlingen und Teilen der früheren Stadtmauer. Aufgrund seiner Stellung in der Stadt wird von einem Lagerturm gesprochen. Der im Gewölbekeller aufgefundene Bauschutt aus mehreren Jahrhunderten zeugt von verschiedenen Berufen ehemaliger Hausbesitzer wie Töpfer, Schuster, Winzer oder Bauern.

Besonders beeindruckend ist die Fachwerkkonstruktion mit innenliegender Bundseite auf allen 4 Außenwänden und den verplatteten Streben, die eine extrem sparsame Holzkonstruktion ergeben. Die Erhaltung der Grundkonstruktion war damit vorgegeben und der ursprüngliche Plan, im Gebäude drei Eigentumswohnungen unterzubringen, wurde aufgegeben, so dassdie Schönheiten dieser frühen Fachwerkbauweise soweit als möglich auch im Inneren in die neue Wohnnutzung integriert wurden und wieder erlebt werden können. Die Haustechnik konnte weitgehend in einem Anbau untergebracht werden, der einen alten Schopf ersetzt und als Ergänzung des Hauptbaus gestaltet wurde.

(Texte und Bilder: Ulrich Gräf)

Hinweise

In Heft 1 eines jeden Jahrgangs berichten wir in der Schwäbischen Heimat ausführlich über die aktuelle Preisverleihung und die Preisträger. Sonderdrucke können Sie kostenlos bei der Geschäftsstelle bestellen.

Die Preisträger werden im Spätsommer eines jeden Jahres bekanntgegeben. Die Preisverleihung findet üblicherweise im Herbst in der Stadt oder Gemeinde eines der Preisträger statt.

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern