Walther-Gerd Fleck: Die Württembergischen Herzogschlösser der Renaissance

. . . . . .

Walther-Gerd Fleck: Die Württembergischen Herzogschlösser der Renaissance

Titel der beiden Bände mit württembergischen Wappen

Band 1: Text, 148 Seiten. Band 2: Bilder und Pläne, 502 Abbildungen auf 191 Seiten (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung, Reihe A, Band 8).
Braubach 2003. Dt. Burgenvereinigung. 75,- Euro. ISBN 3-927558-19-2

Schlossbauten in Altwürttemberg, zwischen Neuenstadt am Kocher und Tuttlingen, zwischen Freudenstadt und Heidenheim sowie im Elsass (Horburg) und in der Grafschaft Mömpelgard/Montbeliard, sind in eindeutiger Mehrheit im Stil der Renaissance erbaut. Doch die prachtvollen Barockschlösser von Ludwigsburg, Stuttgart (Neues Schloss) und Solitude verstellen den Blick auf diese wahrheitsgemäße Feststellung. Der anerkannte Bauhistoriker Walther-Gerd Fleck, der sich seit seiner Promotion 1952 in Tübingen über «Schloss Weikersheim und die hohenlohischen Schlösser der Renaissance» intensiv mit den Herrschaftsbauten im Land beschäftigt, versucht in seinem neuesten Werk, wieder den Blickwinkel auf die Zeit vor dem Barock zu erweitern.

Fünf Herzöge regierten von 1503 bis 1628 in Württemberg, und in dieser Zeitspanne wurden regelmäßige Schlossbauten in der Formensprache der Renaissance errichtet: von Herzog Ulrich über Herzog Christoph (1550 bis 1568), über Ludwig und Friedrich I. (1593 bis 1608) bis hin zu Johann Friedrich. Wobei sich von Anfang an repräsentative Komplexe wie Stuttgart, Böblingen oder Nürtingen nicht trennen lassen von Festungsschlössern wie Hohentübingen, Hellenstein über Heidenheim, Hohenneuffen, Hohenurach und Hohentwiel oder Schorndorf, wo das Schloss als Reduit der Landesfestung diente.

Die umfangreichste Bautätigkeit ist unter Herzog Christoph zu registrieren, der an den genannten Plätzen weiterbauen ließ und noch Hohenasperg, Kaltenstein über Vaihingen/Enz und Grafeneck anfügte, weiterhin Göppingen, Pfullingen, Neuenbürg, Brackenheim, Leonberg, Neuenstadt und Einsiedeln bei Tübingen. Jetzt treten mit Aberlin Tretsch und Blasius Berwart, um nur zwei zu nennen, auch formende Baumeister hervor. Herzog Christoph verfolgte damit eindeutig die staatspolitische Absicht, den Rang und die Geltung des Hauses Württemberg zur Schau zu stellen, Symbole seiner Herrschaft zu schaffen, wie Werner Fleischhauer feststellte, als 1971 sein Standardwerk Renaissance im Herzogtum Württemberg erschien.

Herzog Ludwig vollendete mit Georg Beer seinen Stuttgarter Hauptsitz, baute in Tübingen das collegium illustre, das heutige Wilhelmsstift, in Hirsau und in Mömpelgard. Herzog Friedrich hatte den hochbegabten und rastlos tätigen Heinrich Schickhardt als Baumeister zur Hand, der in Mömpelgard baute, aber auch in Leonberg und Neuenstadt sowie bei den Festungen Hohentübingen und Hellenstein. Schickhardts Entwürfe für Calw und Freudenstadt wurden nicht ausgeführt; in Freudenstadt hätte diagonal zu den Häuserfronten am weiten Marktplatz ein Schlossgeviert mit rechteckigen Ecktürmen sich erheben sollen.

Walther-Gerd Fleck hat für alle herrschaftlichen Bauten in den Archiven und in der Literatur gesucht und gesichtet und viele der noch stehenden Gebäude vermessen und aufgenommen. Seine gut lesbaren Baugeschichten sind in die Landesgeschichte eingebettet, und der Autor versucht immer wieder eine Über- oder Zusammenschau, um nicht nur Einzelobjekte aneinanderzureihen. Die Gärten nimmt er ausdrücklich aus. Innerhalb der Herrschaftszeiten der einzelnen Herzöge ordnet er nach den Daten des Baubeginns, wobei selbstredend die großen Baustellen wie Stuttgart oder Hohentübingen mehrfach vorkommen. Zugleich bedauert er, dass dort, wo die Archive nichts oder kaum etwas überliefern, zu wenige intensive Bauuntersuchungen vorhanden sind. Den Textband muss man parallel zum Band mit den mehr als 500 Abbildungen (Grundrisse, Bauaufnahmen und Fotos) lesen. Der Bildband ist im einfachen Offset-Druck vervielfältigt; aber wo steht geschrieben, dass jedes Grundlagenwerk im Hochglanz erscheinen muss?

(Martin Blümcke)