Bernhard Rüth und Armin Braun (Hrsg.): Kleindenkmale im Landkreis Rottweil.

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Bernhard Rüth und Armin Braun (Hrsg.): Kleindenkmale im Landkreis Rottweil.

Verlag regionalkultur Ubstadt-Weiher 2018. 320 Seiten mit 532 Farbabbildungen. Gebunden € 24,80. ISBN 978-3-89735-973-4

Titelblatt

Da hat sich der Landkreis Rottweil ein tolles Geschichtsbuch der besonderen Art geleistet, das sicher viele Jahre als Dokumentation, Bildband und vor allem als Nachschlagewerk dienen wird! Den Begriff Kleindenkmal, der bekanntlich nicht scharf umrissen ist, hat man in Rottweil allerdings sehr, sehr weit gefasst. Das sieht man schon am Titelbild, das den ganz und gar nicht kleinen Rottweiler Marktbrunnen zeigt – eine sechsstöckige kunstvolle Pyramide, die eigentlich aus zwei Dutzend Kleindenkmalen zusammengesetzt ist. Auch die Vorsatzbilder zeigen Bauwerke, die man wirklich nicht als klein bezeichnen kann. Erwähnenswert ist das aber eigentlich nur deshalb, weil andere Landkreise, die statistisch gesehen hinter Rottweil mit 6.667 dokumentierten Kleindenkmalen rangieren, bei derart weiter Auslegung des Begriffs sicher auch aufrüsten könnten.

Das stattliche und gut ausgestattete Buch, das nach Abschluss der Rottweiler Aktion im Rahmen der landesweiten Dokumentation von Kleindenkmalen in mehrjähriger Arbeit entstanden ist, hat einen etwas anderen Aufbau als andere Kleindenkmalbücher: Einleitenden Beiträgen folgen nämlich vier Großkapitel, überschrieben Kleindenkmal-Landschaften , Kleindenkmal-Gattungen , Kleindenkmale erzählen Geschichte(n) und Kleindenkmale in den Städten und Gemeinden von A bis Z. Diese systematisch nach Landschaften und exemplarisch nach Gattungen aufgebauten Kapitel machen das Buch zum einen sehr lebendig und haben zum anderen den Vorteil, dass man sich im topographischen Teil des Buches auf herausragende Kleindenkmale, gegliedert nach Gemeinden, in repräsentativer Auswahl beschränken konnte, ohne dass dabei Zusammenhänge verloren gegangen sind. Ein neuartiger Ansatz in der Kleindenkmalliteratur, der dank guter Koordination durch die Herausgeber auch kaum Doppelungen aufweist.

Einem Überblick über das Kreisgebiet und seine Besonderheiten von Martina Blaschka, der Kleindenkmalkoordinatorin beim Landesamt für Denkmalpflege, folgt die Schilderung der Vorgehensweise der Dokumentation mit rund 140 Ehrenamtlichen durch Kreisarchivar Bernhard Rüth. Wie fast überall beim landesweiten Projekt war auch im Landkreis Rottweil die Begeisterung der ehrenamtlichen Kleindenkmalerfasser das A und O der Dokumentation und die Grundlage des von 26 Autoren und Autorinnen verfassten Buches. Die Vielzahl der Autoren bietet die Gewähr, dass das Thema wirklich aus allen erdenklichen Blickwinkeln beleuchtet wird. Umfassende Recherchen waren notwendig, die ein Einzelner gar nicht hätte leisten können. Egal, ob Minnesängerdenkmal, Bergfelder Salzstock oder die Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg, die Fliegersperre in Oberndorf oder die Erinnerungsstätten an Zwangsarbeit und unrühmliche Zeiten – das Buch gibt umfassend Auskunft über geschichtliche Zusammenhänge und Hintergründe. Oft wird in der Presse so einfach daher gesagt: Kleindenkmale erzählen Geschichte – dass dieses Schlagwort aber weit mehr umfasst als es Inschriften an Kleindenkmalen und Erläuterungstäfelchen vermögen, dafür ist dieses Buch ein gutes Beispiel.

Der Rezensent, Kenner der Kleindenkmalliteratur, stellt fest, dass das Rottweiler Buch unter den bisherigen Landkreis-Kleindenkmalbüchern dasjenige ist, welches das Thema am umfassendsten behandelt. Das soll keineswegs die Messlatte für weitere Bücher hoch legen, aber zum Ausdruck bringen, was man aus dem vielen Leuten doch zunächst recht bieder oder gar spröde erscheinenden Thema Kleindenkmale alles machen kann: zum Beispiel ein facettenreiches Abbild der Kultur-, Wirtschafts- und Territorialgeschichte des Landkreises Rottweil (S. 27). Ein hoher Anspruch, dem das Buch aber vollauf gerecht wird!

Ein Kritikpunkt, der sich aber an den Verlag, nicht die Autoren richtet, ist das Fehlen von Bildlegenden zu einem knappen Dutzend meist ganzseitiger Fotos, in der Regel der Kapitel-Eingangsbilder. Als Nicht-Ortskenner findet man nur durch Zufall bei den Ortsbeschreibungen des jeweiligen Rätsels Lösung, und das nicht immer. Auch dass auf einer Doppelseite (120/121) zweimal dasselbe Foto abgedruckt ist und sich S. 14 und 22 ein großformatiges Foto wiederholt, sind Schönheitsfehler, die dem hervorragenden Gesamteindruck aber keinen Abbruch tun. Alles in allem: unzweifelhaft ein Glanzpunkt im Bücherregal von Kleindenkmal-Liebhabern!

Reinhard Wolf