Heidrun Lichner: Steinerne Zeugen in Zaberfeld, Leonbronn, Michelbach und Ochsenburg.

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Heidrun Lichner: Steinerne Zeugen in Zaberfeld, Leonbronn, Michelbach und Ochsenburg.

Verlag regionalkultur Ubstadt-Weiher 2017. 180 Seiten mit 361 Fotos. Gebunden 22.80. ISBN 978-3-95505-027-6

Titelblatt

Wer im oberen Zabergäu wandert, also in der Gegend, von wo aus die Höhenrücken von Strom- und Heuchelberg V-förmig nach Osten zum Heilbronner Becken streben, kommt immer wieder an alten, längst aufgegebenen und von Waldbäumen eingenommenen Steinbrüchen vorbei. Der Schilfsandstein des mittleren Keupers liefert ausgezeichnete Werksteine, die nicht nur für Weinbergmauern, Grenzsteine und Haussockel taugten, sondern auch zu kunsthandwerklicher Bearbeitung brauchbar waren. Und so sieht derjenige, der sich in Zaberfeld und seinen Ortsteilen umschaut, zahlreiche Hausinschriften, Denksteine und figürliche Darstellungen aus eben diesem recht dauerhaften, hellbraunen Stein. Rund 60 Steinhauer gab es im 19. Jahrhundert in Zaberfeld, und diese lieferten Steine nicht nur für Kirchenbauten, öffentliche Bauten und Brücken, sondern wussten auch selbst im Ort dieses und jenes zu gestalten. Und so kann man ohne weiteres sagen, dass dieses heimische Gestein dem oberen Zabergäu seinen Charakter verleiht. Bis heute gibt es zahlreiche stumme Zeugen aus vergangenen Tagen, die demjenigen, der sie zu deuten weiß, viel zu erzählen wissen.

Dass da ein Schatz schlummert, hat die Autorin Heidrun Lichner, zweite Vorsitzende des Zabergäuvereins und im Ort in verschiedenen Bereichen engagiert, erkannt. Bei der vom Schwäbischen Heimatbund initiierten Kleindenkmal-Dokumentation hat sie sich des Zabergäus angenommen und hunderte von Objekten dokumentiert. Nun ist ein ansehnliches Buch daraus geworden.

Die steinernen Zeugnisse von Zaberfeld und Umgebung auf den gängigen Begriff Kleindenkmal zu reduzieren, wäre schade gewesen, und so gibt das Buch erfreulicherweise sehr umfassend nicht nur über Grenzsteine, Sühnekreuze, Grugstätten und Gedenksteine in Weinbergmauern, sondern auch über Epitaphe, Friedhofs-Denkmale und Grabplatten, Berufs- und Hauszeichen und vieles andere Auskunft, was einem erst auf den zweiten Blick bei einem Ortsrundgang auffällt. Ergänzt wird die Dokumentation durch archivalische Quellen und Zeitzeugenberichte. Genau darin liegt der eigentliche Wert dieses Buches: Entstanden ist hier eine umfassende Kulturgeschichte, die sich nicht an Jahreszahlen seit der ersten urkundlichen Erwähnung, an prächtigen Bauten und großen Namen orientiert, sondern die das Kleine, Alltägliche, für jeden Sichtbare in den Fokus der Betrachtung stellt. Und so wird sich jeder Leser, ob einheimisch oder nicht, wundern, was es in Zaberfeld und Umgebung alles zu sehen gibt, und was einem diese Denkmale alles erzählen können, wenn man sich mit ihnen beschäftigt.

Beispielhaft seien die Backhäuser des Gemeindegebietes genannt (S. 42 ff.): Bilder der einst unverzichtbaren, wegen der Brandgefahr ganz aus Sandstein erbauten Häuschen werden gezeigt - sowohl solche aus guten Tagen als auch aus Zeiten, wo sie verwahrlost waren und die einen abgerissen, andere aber liebevoll renoviert worden sind. Dann natürlich Fotos aus dem Inneren und während des Betriebs - wer weiß heute noch, wie das Schüren, das Auswischen mit dem Besen und das Einschießen des Brots funktioniert hat? Hochinteressant zu lesen, in welcher Reihenfolge Brot, Brötchen und Kuchen gebacken wurden, was das alles kostete, und was alles notwendig war, um die Backhäuser in Schuss zu halten. Hier finden sich auch Zeitzeugenberichte - wie lange wird es dauern, bis das alles niemand mehr weiß Oder aber, und das ist eben auch nur möglich, wenn die Geschichte gut dokumentiert ist, es kommt wieder Leben in die Häuschen, wie es in manchen Gemeinden ja schon funktioniert, wo jemand den Abriss verhindert, sich der Sache angenommen und engagiert hat, bis wieder Rauch aus dem Kamin steigen konnte.

Man kann der Gemeinde nur gratulieren zu diesem Buch (und dieser Autorin); hier ist ein lebendiges, überaus vielfältiges Geschichtsbuch entstanden, das sich vom Klischee des trockenen Heimatbuches erfrischend abhebt. Man kann dieses Buch auch allen empfehlen, die mal abspicken wollen, wie man ähnliches für andere Gemeinden machen kann; lohnenswerte Objekte finden sich in (nahezu) jeder Gemeinde!

Reinhard Wolf