Rüdiger Krause: Der Ipf - Fürstensitz im Fokus der Archäologie.

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Rüdiger Krause: Der Ipf - Fürstensitz im Fokus der Archäologie.

Titelblatt

Belser-Verlag 2015, 168 Seiten, 140 Abbildungen. Gebundener Pappband, € 24,99. ISBN 978-3-7630-2725-5

Der Ipf bei Bopfingen ist eine nicht zu übersehende Landmarke und ein Monument der Erdgeschichte am Rand des Nördlinger Rieses. Dass er einst als Befestigung diente, liegt auf der Hand, sieht man doch von weither mächtige Wälle und Gräben. Will man allerdings Genaueres wissen, stößt man in der bisherigen Literatur, auf Informationstafeln und in Broschüren auf ziemlich vage Vermutungen; urkundlich ist überhaupt nichts überliefert.

Seit über 100 Jahren ist der Ipf Objekt archäologischer Forschung; seit dem Jahr 2004 sind im Rahmen eines groß angelegten Forschungsprojektes der Deutschen Forschungsgemeinschaft neue Ausgrabungen vorgenommen worden, die vieles Interessante zu Tage gefördert haben, wenngleich nichts Sensationelles, das der landschaftlichen Bedeutung des Berges adäquat wäre. Merkwürdigerweise ist der Berg und seine Umgebung einst mehr oder weniger besenrein verlassen worden, sodass sich die Forscher mit Kleinstfunden wie Tonscherben begnügen müssen. Diese allerdings haben es in sich, stammen sie doch eindeutig aus dem mediterranen Raum und beweisen damit, dass die einstigen Besitzer der Gefäße Handelsbeziehungen dorthin gehabt haben müssen.

Der Autor, Leiter der Ausgrabungen, hat nun alle Forschungsergebnisse aus früheren Jahren und die aktuellen Erkenntnisse zusammengetragen und dem Ipf und seiner Umgebung eine umfassende Monographie gewidmet. Mosaikartig werden die Erkenntnisse vom Berg selbst, vor allem aber auch aus der Umgebung des Weilers Osterholz im Osten des Ipfs zusammengetragen und gedeutet. Wenn auch nicht ganz frei von Vermutungen und Annahmen, so steht für Rüdiger Krause nun eindeutig fest: Der Ipf war ein keltischer Fürstensitz und gehört in die Reihe vergleichbarer mitteleuropäischer Fürstensitze.

Großartig sind die zahlreichen exzellenten großartigen Luftbilder, die den Ipf von allen Seiten, zu allen Jahreszeiten, im Ganzen und im Detail zeigen. Bilder von einer Schärfe, dass man darauf die Schafe einer Schafherde und die Wacholderbüsche zählen könnte. Jede noch so kleine Bodenunebenheit wird sichtbar und lässt die Überformung des Berges durch den Menschen sichtbar werden: das eingeebnete Gipfelplateau, die Hauptwälle und -gräben und zahlreiche kleinere Terrassen, von denen noch nicht ganz klar ist, ob sie keltischen Ursprungs sind oder aber späterer landwirtschaftlicher Nutzung entstammen.

Die Besiedlung des Ipfs steht im Zusammenhang mit neuerdings bekannt gewordenen und untersuchten Rechteckhöfen, Viereckschanzen und Grabhügelfeldern der Umgebung. Eine ganz merkwürdige Fundsituation fand man beim Weiler Osterholz: ein offensichtlich gezielt abgebrochenes, vermutlich kultischen Zwecken dienendes Holzhaus, das mit einer flächigen Steinlage abgedeckt, also quasi beerdigt worden ist. Es ist das Verdienst Krauses, alle Informationen hierüber zu veranschaulichen und ihre Verknüpfung mit dem Ipf darzulegen. Dabei haben neuere Grabungsergebnisse manche seitherigen Vermutungen bestätigt, andere haben sich hingegen als unzutreffend herausgestellt, da die Funde nicht aus gleicher Zeit stammen.

Das Buch ist eine großartige Monographie, an der niemand vorbeikommt, der sich über den Ipf und den Raum um Bopfingen informieren möchte. Wenn es etwas zu kritisieren gibt, dann das, dass sich derjenige, der nicht in- und auswändig weiß, wann die ältere Eisenzeit und wann die frühe Latènezeit war, schwer tut, die einzelnen Fundplätze besiedlungsgeschichtlich einzuordnen; eine Art Zeitleiste bei den einzelnen Kapiteln, wie sie auf archäologischen Schautafeln Brauch ist, wäre sinnvoll gewesen. Ja, und dann ist, wie bei nicht wenigen neuen Büchern, ein unzureichendes Lektorat festzustellen: Seite 64 ist der Goldberg 513 Meter hoch, fünf Seiten weiter 524 Meter. Mancher grammatikalisch verschraubte Satz hätte eine Glättung verdient und mancher kryptisch klingende Bericht eine leichtere Lesbarkeit (z. B. Seite 42 Mitte). Auch die Bildlegenden hätten nochmals kritisch durchgeschaut gehört: Auf Seite 140 ist beispielsweise von Gräbern die Rede, gemeint sind jedoch offensichtlich Gräben. Ein Lektor müsste auch merken, dass das Bild Seite 40 schattenfrei ist, sodass man in der Legende nicht gut das Schräglicht als besonderes Kennzeichen des Bildes herausstellen kann. So was ist einfach schade, aber letztlich nicht dem Autor anzulasten und tut dem insgesamt großen Wurf kaum Abbruch.

Reinhard Wolf