Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2016

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Die Preisträger des Kulturlandschaftspreises 2016

Erhalt der Kulturlandschaft als gesellschaftliche Aufgabe

Schafe auf der Weide

Man schätzt und schützt nur was man kennt. Die Abwandlung des bekannten Spruchs ist das Motto der Jugendgruppe des Naturschutzbundes NABU in Lauda-Königshofen. Seit mehr als 40 Jahren erhalten hier Kinder und Jugendliche ganz praktische Einblicke in ökologische Zusammenhänge und Traditionen vor Ort. Jetzt wurde das Engagement mit dem Jugend-Kulturlandschaftspreis 2016 ausgezeichnet. Fünf weitere Initiativen erhalten ebenfalls einen Kulturlandschaftspreis, zudem wurden drei Sonderpreise für Kleindenkmale vergeben.

Mit dem Jugendpreis wollen der Schwäbische Heimatbund und der Sparkassenverband Baden-Württemberg als Auslober gezielt die Begegnung junger Menschen mit der Kulturlandschaft in Württemberg fördern. Wer wie der NABU in Lauda so lange bei einem Thema wie dem Streuobstanbau bleibt, hat ganze Generationen positiv und mit viel Spaß an der Sache für die Besonderheiten und Schönheit unserer Landschaft geprägt, betont Dr. Bernd Langner, Geschäftsführer des Schwäbischen Heimatbundes. Wie tief die typischen Streuobstbäume in der schwäbischen Seele wurzeln, zeigt das Engagement von gleich drei weiteren Preisträgern: In Mössingen (Kreis Tübingen), in Bisingen (Zollernalbkreis) sowie in Salem (Bodenseekreis) kümmert man sich vorbildlich um die Bäume und Wiesen, die für die Verarbeitung des Obstes entstandene Infrastruktur und die Vermarktung der Produkte. Eingebunden ist der Schutz zehntausender Bäume in eine intensive Öffentlichkeitsarbeit sowie ganz praktische Hilfen, etwa eine Verpachtungsbörse für Baumwiesen im Internet oder dem Verleih von Geräten, von der Astsäge bis zum Balkenmäher.

Ökologische Kleinode und traditionelles Handwerk

Welche Kostbarkeiten eine traditionelle Bewirtschaftung hervorbringen kann, zeigt das Beispiel der Schäferei Rieger in Brastelburg bei Aalen im Ostalbkreis. Seit 20 Jahren bewirtschaftet die Familie eine Wacholderheide, auf der die Waldweide und der Abbau von Dolomitsand die Landschaft über Jahrhunderte geprägt haben. Neben botanischen Kostbarkeiten hat sich hier eine große, sogenannte Ameisenstadt der Gelben Wiesenameise entwickelt, die ihresgleichen sucht. Prägend für viele Landstriche in Württemberg sind auch die Steillagenweinberge. Für ihren Erhalt und Wiederaufbau wurde der Esslinger Staffelsteiger Verein ausgezeichnet. Als eine Art Förderverein bündelt er Mittel aus bestehenden Förderprogrammen für den Wiederaufbau bedrohter Mauern und gewinnt Sponsoren und Spender. Ziel ist es, das Thema im Bewusstsein der Öffentlichkeit zu verankern, damit sich auch Nicht-Wengerter mit der Hand am Arm im Mauerbau engagieren.

Zeitzeugen am Wegesrand

Mit dem Sonderpreis Kleindenkmale und jeweils 500 Euro ausgezeichnet werden zwei Vereine in Frittlingen (Kreis Tuttlingen) und Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen) sowie eine Einzelperson in Freudenstadt für die Dokumentation, den Erhalt und die Öffentlichkeitsarbeit zu Kleindenkmalen. Mit handwerklichem Geschick aber auch in Wort und Bild in Form von Büchern und Öffentlichkeitsarbeit vermitteln die Zeitzeugen am Wegesrand spannende Einblicke in die Vergangenheit und das Leben früherer Generationen.

Festveranstaltung

Jeder der genannten Haupt-Preisträger erhält ein Preisgeld von 1.500 Euro.Die Sonderpreise Kleindenkmal sind mit jeweils 500 Euro dotiert. Insgesamt beträgt die Preissumme 10.500 Euro, die von der Sparkassenstiftung Umweltschutz zur Verfügung gestellt wird.

Überreicht wurden die Preise am 11. Oktober 2016 in der in Mössingen (Kreis Tübingen) von Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch MdL, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz, Peter Schneider, Präsident des Sparkassenverbands Baden-Württemberg und Josef Kreuzberger, Vorsitzender des Schwäbischen Heimatbundes.

Falls sie an der Preisverleihung teilnehmen möchten, melden Sie sich bitte verbindlich mit Ihrer vollen Adresse an unter shb[a]kulturlandschaftspreis.de.

Übersicht

Jugend-Kulturlandschaftspreis

Die Hauptpreisträger 2016 (von Nord nach Süd)

Sonderpreis Kleindenkmale

Jugend-Kulturlandschaftspreis 2016

Jugendgruppe NABU Lauda e.V., 97922 Lauda-Königshofen (Main-Tauber-Kreis)

Kinder tragen Steine

Die Kinder lernen, wie man eine Trockenmauer aufbaut.

Vermittlung von naturkundlichem Wissen und Zusammenhänge in Natur und Kulturlandschaft - ohne dass dabei der Spaß zu kurz kommt - war die Motivation zur Gründung der eigenständigen Kindergruppe des NABU Lauda im Jahr 1974. Mit ihren Aktionen und Aktivitäten im Themenbereich Streuobstwiese hat sich die Gruppe nun erfolgreich um den Sonderpreis Jugend des Kulturlandschaftspreises beworben. Das reicht von der Wiesenmahd über die Apfelernte und einen öffentliches Most-Event zu Aktionen, die sich mit den tierischen Bewohnern der Streuobstwiesen befassen. Unter Beteiligung auch gehandicapter Kinder und Jugendlicher werden Nistkästen gebaut, gepflegt und betreut, die Technik des Trockenmauerbaues praktisch vermittelt und gemeinsame naturkundliche Wanderungen zu Schwerpunktthemen veranstaltet.

Kulturlandschaftspreis 2016

(von Nord nach Süd)

Schäferei Markus Rieger, 73432 Aalen-Brastelburg (Ostalbkreis)

Schäfer mit seiner Herde

Schäfer Rieger mit seiner Herde.

Das Naturschutzgebiet Dellenhäule auf dem Härtsfeld östlich von Aalen ist ein Stück Kulturlandschaft mit vielen interessanten Besonderheiten und einem einzigartigen Landschaftsbild. Vor allem Waldweide und Dolomitsand - Abbau über Jahrhunderte haben deutliche Spuren hinterlassen und die Landschaft geprägt. Inzwischen hat sich hier neben botanischen Kostbarkeiten eine sogenannte Ameisenstadt der Gelben Wiesenameise in einer Ausdehnung entwickelt, wie sie nirgends sonst bekannt ist. Seit 1997 schon beweiden Markus Rieger und sein Vater Stefan Rieger mit ihrer Schaf- und Ziegenherde die empfindlichen Flächen mit großer Sorgfalt, Behutsamkeit und dem Fachwissen, das notwendig ist, um dieses Stück Kulturlandschaft zu erhalten und für die nächsten Jahrzehnte zu sichern.

Staffelsteiger Verein e.V., 73733 Esslingen (Kreis Esslingen)

neu errichtete Weinbergmauer

Qualitätsarbeit, nachdem der Staffelsteiger Verein Hand angelegt hat.

Seit beinahe 1000 Jahren, seit der Stauferzeit ist das Stadt- und Landschaftsbild von Esslingen durch den Steillagenweinbau mit seinem verzahnten Wechsel von gewachsenem Fels und von Hand aufgerichteten Trockenmauern geprägt. Diese kulturhistorisch bemerkenswerte Terrassenlandschaft mit ihren unzähligen Trockenmauern, Spannbögen und Staffeln steht zwar unter Denkmalschutz, trotzdem müssen Jahr um Jahr eingestürzte oder von Unwettern weggespülte Mauern wieder aufgebaut werden - eine so intensive und aufwendige Arbeit, dass sie die den Weinbau in diesen Lagen unrentabel werden lässt. Im Staffelsteiger Verein e.V. haben sich Wengerter, fachkundige Senioren und andere an der Erhaltung dieser einmaligen Kulturlandschaft Interessierte zusammengeschlossen, um als eine Art Förderverein Mittel aus bestehenden Förderprogrammen für den Wiederaufbau bedrohter Mauern zu bündeln, Sponsoren und Spender zu gewinnen, das Thema in das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen und sich auch selber mit der Hand am Arm im Mauerbau zu engagieren.

Netzwerk Streuobst Mössingen, 72116 Mössingen (Kreis Tübingen)

Personen mit Rechen

Intensive Wiesenpflege gehört ebenfalls zu den Aufgaben des Netzwerks.

Aus einem Agendaprojekt der Stadt Mössingen entstanden, engagieren sich die Aktiven des Netzwerkes Streuobst Mössingen seit 2005 dafür, den 40.000 Streuobstbäumen rund um ihre Stadt eine Zukunft zu sichern. Mit Mitmachaktionen, Apfelfesten und -wochen, mit Streuobstpatenschaften, neuen Produktkreationen und Grundstücksverpachtung über das Internet haben sie viele neue Wege beschritten. Landesweit beispielhaft ist das Projekt Energiebündel & Flowerpower. Mit Angeboten zur organisierten Schnitt- und Mähgutabfuhr samt anschließenden energetischen Verwertung, aber auch einem Geräteverleih von der Säge über den Hochentaster bis zum Balkenmäher bieten sie Lösungsansätze für genau die Probleme, die die Zukunft des Streuobstbaues seither unsicher machen. Das erfolgreiche Projekt hat seine ersten Testläufe erfolgreich hinter sich und bereits auch Nachahmer gefunden.

Schwäbischer Albverein (SAV) Ortsgruppe Bisingen, 72406 Bisingen (Zollernalbkreis)

Personen verbrennen Äste und Gestrüpp

Entbuschung dient der nachhaltigen Landschaftspflege und dem Naturschutz.

Das NSG Zollerhalde zu Füssen der Burg Hohenzollern ist Teil des Natura2000-Netzwerkes der EU zu Schutz und Entwicklung des europäischen Natur- und Kulturerbes. Wie diese Kronjuwelen der europäischen Kulturlandschaften zu erhalten sind, dafür gibt es Managementpläne, in denen die notwendige Bewirtschaftung und Pflege vorgegeben ist. Mit der Erfahrung aus 25 Jahren Landschaftspflege im Zollernalbkreis, für die die Ortsgruppe Bisingen des SAV bereits 1994 und 2000 mit dem Kulturlandschaftspreis ausgezeichnet wurde, hat die Ortsgruppe im Jahr 2012, als der Managementplan gerade fertig geworden war, die Pflege von etwa 5 ha Kulturlandschaft in der Zollerhalde übernommen. Unter fachlicher Anleitung des Kreisnaturschutzbeauftragten entbuschen sie seither zugewachsene Allmendflächen, mähen Streuobstwiesen und sorgen mit Baumschnittkursen und Nachpflanzungen hochstämmiger Obstbäume dafür, dass diese Kulturlandschaftsteile auch für die Generationen nach uns gesichert bleiben.

Ulrike und Kurt Lenski, 88682 Salem (Bodenseekreis)

Schafe auf einer Wiese

Beweidung der Streuobstwiesen mit Schafen.

Gleich nach der Übernahme des elterlichen Betriebes im Jahr 2004 haben sich die Eheleute Lenski daran gemacht, den übernommenen und sehr ansehnlichen Streuobstbestand zu pflegen, ihn durch Umstieg auf biologische Bewirtschaftung und Zertifizierung in seiner ökologischen Bedeutung weiter aufzuwerten und in den betrieblichen Ablauf des Hofes zu integrieren. Mit der liebevollen Sanierung des alten Brennhäusles, dem Neubau einer Holzbackofens als Angebot unter dem Stichwort Lernort Bauernhof und mit der Beweidung der Streuobstwiesen durch Schafe hat Familie Lenski aufgezeigt, wie man es machen kann und damit einen beispielhaften Beitrag zur Sicherung der typischen Kulturlandschaft am Bodensee geleistet.

Sonderpreis "Kleindenkmale" 2016

Verschönerungsverein Kirchheim u.T. e.V., 73230 Kirchheim unter Teck (Kreis Esslingen)

Mann repariert Fachwerkgebäude

Das 200 Jahre alte Haus musste von Grund auf saniert werden.

Es ist ein besonderes Kleinod, das auf der ehemaligen Allmende-Obstanlage am Rande von Kirchheim steht. 1815 zum ersten Mal in der Flurkarte erwähnt, lässt die Bauart des letzten Feldhäusles aber durchaus auf eine ältere Herkunft schließen. Durch Bausünden der Vergangenheit aber war es vor wenigen Jahren so marode geworden, dass der Abriss erwogen wurde. Die Mitglieder des Verschönerungsvereins haben sich jedoch dieses Zeugen vergangener Zeiten angenommen und es in über 300 Arbeitsstunden grundlegend und mit fachkundiger Liebe zum Detail restauriert - sie haben es in letzter Minute gerettet. Nun kann das Feldhäusle auch in Zukunft Spaziergängern und Wanderern von der Geschichte und Bewirtschaftung der Kirchheimer Kulturlandschaft erzählen.

Hans Rehberg, 72250 Freudenstadt (Kreis Freudenstadt)

zwei Männer halten einen Stein im Wald

Auch das Neuausrichten eines Steines gehört zur Aufgabe eines Kleindenkmalfreundes.

Mit seinen Forschungen zu ganz unterschiedlichen Objekte und Kleindenkmalen seines Heimatortes Obermusbach und deren Veröffentlichung auf einer Homepage schafft es Hans Rehberg, aus ganz unterschiedlichen Aspekten und Objekten ein ganzheitliches Bild der Geschichte des Ortes zusammen zu tragen, das Mitbürgern und Mitbürgerinnen einen spannenden Einblick in die eigene Vergangenheit ermöglicht. Wohngebäude, Wasserversorgungen, Brunnen, öffentliche, aber auch private Grenzsteine mit den Hofzeichen der einstigen Besitzer lassen die längst vergangenen Strukturen wieder deutlich werden.

Geschichts- und Heimatverein Frittlingen e.V., 78665 Frittlingen (Kreis Tuttlingen)

Seite aus einem Buch mit einem Kreuz

Ausschnitt aus dem Buch des Geschichts- und Heimatvereins Frittlingen.

Die Mitglieder des Geschichts- und Heimatvereins Frittlingen haben es sich schon seit langem zur Aufgabe gemacht, alle Feldkreuze auf ihrer Gemarkung zu betreuen, zu pflegen und - wo nötig - liebevoll und originalgetreu zu restaurieren. Dabei ist es ihnen gelungen, zu eigentlich allen Kreuzen Informationen zu deren Geschichte und den Gründen zusammen zu tragen, warum sie und von wem gestiftet und errichtet wurden. In einem gelungenen und hervorragend bebilderten Büchlein haben sie nun dieses Wissen anschaulich und lesenswert veröffentlicht und ihren Mitbürgerinnen und Mitbürgern zugänglich gemacht.

Hinweise

Hier finden Sie Informationen über die Ausschreibung und Bewerbungskriterien sowie Hinweise zu den am Preis beteiligten Partnern

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