Waltraud und Friedrich Pfäfflin: Die Gräber der Dichter auf dem Stuttgarter Hoppenlau-Friedhof.

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Waltraud und Friedrich Pfäfflin: Die Gräber der Dichter auf dem Stuttgarter Hoppenlau-Friedhof.

Titelblatt

2., durchgesehene und erweiterte Auflage, Edition Vincent Klink, Stuttgart 2015. 419 Seiten mit einigen Abbildungen. Kartoniert 24.-. ISBN 978-3-927350-54-0

Grabstätten berühmter Männer, wie man früher zu sagen pflegte, ohne dabei etwas "politisch inkorrekt " zu finden, konzentrieren sich häufig auf einzelne Friedhöfe, über die dann auch Monographien erscheinen, in denen Biographisches neben denkmalpflegerischen Aspekten im Zentrum stehen. Was für Wien der Zentralfriedhof, für Rom der Cimitero degli Stranieri Acattolici bei der Cestius-Pyramide und für Heidelberg der Bergfriedhof ist, das ist für Stuttgart der Hoppenlau-Friedhof, der älteste noch bestehende, der 1626 eröffnet und 1882 geschlossen wurde. Bombenschäden gegen Ende des Zweiten Weltkriegs und Zerstörung des ältesten Teils durch einen Hochhausbau der Nachkriegszeit haben den Bestand an Grabstätten reduziert, so wie die aus Anlass der Bundesgartenschau 1961 vorgenommenen tiefgreifenden Veränderungen wenig vom ursprünglichen Eindruck übriggelassen haben. Auch sind viele Grabmäler durch Verwitterung in sehr schlechtem Zustand, weshalb die verbliebenen 1674 Grabmale des inzwischen unter Denkmalschutz stehenden Friedhofs zwischen 2014 und 2020 restauriert werden sollen. Die Fakten zum Friedhof findet man in der Wikipedia, einschließlich einer tabellarischen und sortierbaren Liste der Gräber.

Die monographische Literatur über den Hoppenlau-Friedhof ist nicht üppig, und unter den biographisch orientierten Führern gilt der zuerst 1992 in der Reihe Marbacher Magazin als Nr. 59 erschienene Band Der Stuttgarter Hoppenlau-Friedhof als literarisches Denkmal als erste Wahl. Er wird jetzt außerhalb der Reihe und unter dem neuen Titel Die Gräber der Dichter auf dem Stuttgarter Hoppenlau-Friedhof in einer um 30 Gräber erweiterten, mit veränderter und vermehrter Bebilderung und auch sonst im Text z. T. beträchtlich erweiterten und aktualisierten Ausgabe erneut vorgelegt. Der Begriff "Dichter" im neuen Titel ist weniger glücklich, da es sich bei den hier behandelten Personen, die ihre letzte Ruhestätte auf dem Hoppenlau-Friedhof fanden, keineswegs nur um "Dichter" i.e.S. und auch nicht bloß um Literaten handelt, sondern um einen sehr breiten Personenkreis, den das Vorwort zur Neuausgabe wie folgt umschreibt: "Schriftsteller , ihre Familien, Freunde und Förderer, die Illustratoren und Porträtisten der Dichter und die von den Dichtern Porträtierten, ihre Verleger, Buchhändler, Musiker und Theaterleute, die das öffentlich machten, was jene zu Papier gebracht hatten", insgesamt "fast 200" Namen (S. 5). Wie in der Vorauflage ordnen die Eintragungen nach den laufenden Nummern des Inventars Historische Friedhöfe Alt-Stuttgarts (1991) mit vorangestellter Sigle der Gräberfelder, die in zwei Übersichtsplänen (S. 390-393) eingezeichnet sind.

Die, wie nicht anders zu erwarten, höchst unterschiedlich ausführlichen Biographien beginnen mit einem Artikelkopf mit der Angabe von Gräberfeld und Nummer, Kurzangaben zur Person (Name, Geburts- und Todesdatum und -grund, Wohnadresse in Stuttgart und Beruf) und einem "Kasten " mit der Beschreibung des Grabsteins und Wiedergabe der Grabinschrift, was zuweilen wegen völliger Verwitterung gar nicht möglich ist. So z.B. - um nur ein willkürliches Beispiel zu nennen - für Ludwig Eberhard Fischer, über die es in der Vorauflage nur hieß "Großes Epitaph aus grauem Sandstein. 1992 wegen Verwitterung nicht mehr zu entziffern" (S. 174), während jetzt wesentlich mehr Informationen unter Berufung auf eine ältere Publikation von 1912 geboten werden. Auch der Biographientext ist von einer dreiviertel Seite (plus einem ganzseitigen Foto mit der abgegangenen Inschrift, das jetzt weggefallen ist) auf knapp zwei Seiten vermehrt worden. Auch die Literaturangaben wurden um die Fundstelle in einem neueren biographischen Lexikon vermehrt. Auf den ausführlichen Biographientext folgen die Literaturangaben, beginnend mit - soweit nachweisbar - Todesnachrichten und -anzeigen (häufig mit Faksimiles) aus den Zeitungen und Journalen, sodann Fundstellen in den Nachschlagewerken sowie Sekundärliteratur oder Erwähnungen in Werkausgaben der Dichter. Beigaben: zwei Beiträge von Udo Dickenberger, dessen Dissertation von 1990 galt bereits dem Hoppenlau-Friedhof, über die literarischen Inschriften des Hoppenlau-Friedhofs (S. 11-42) und über Symbole auf klassizistischen Friedhöfen (S. 385-389), ein Beitrag der beiden Autoren über die Gräber der Dichter (S. 43-56) mit einer Folge von historischen Fotos einzelner Grabmale (S. 57-72) sowie, zwischen die Biographien in eigenen "Kästen" eingestreut, fünf zeitgenössische Texte (darunter ist einer zu Hölderlin) über Sterben, Tod und Begräbnis. Das knappe Literaturverzeichnis (S. 397-398) löst zugleich die verwendeten Abkürzungen auf, und im Personenregister (S. 399-420) sind die Namen der behandelten Personen und die Seiten der Grabbeschreibungen typographisch hervorgehoben.

Ein für Interessenten an der (literarischen) Lokal- und Regionalgeschichte ebenso wie für Friedhofgänger unverzichtbares Handbuch, das mit Förderung der Berthold-Leibinger-Stiftung in einem Verlag erscheint, dessen Häuptling bekanntlich am eigenen Herd steht, weshalb diese schöne Publikation aus dem Rahmen des Verlagsprogramms fällt; aber man muss ja nicht gleich einen Leichenschmaus damit assoziieren.

Klaus Schreiber

Diese Rezension erschien in vollständigerer Form zuerst in: Informationsmittel (IFB): digitales Rezensionsorgan für Bibliothek und Wissenschaft.