Heimatbund fordert den Erhalt historischer Bausubstanz in Reutlingen

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Heimatbund fordert den Erhalt historischer Bausubstanz in Reutlingen

(Pressemitteilung vom 15.1.2015)

abgestütztes historisches Gebäude

abgestützt! Oberamteistraße 32
(Alle Fotos Januar 2015)

historisches Gebäude

Oberamteistraße 32 und 30 (re.)

Häuserzeile

von rechts: Oberamteistraße 28–32

Häuserzeile

wie zuvor mitr dem Heimatmuseum rechts, Oberamteistraße 22

Fachwerkhaus

Heimatmuseum Reutlingen, Oberamteistraße 22

Mit einem offenen Brief an Oberbürgermeisterin Barbara Bosch und an die Fraktionsvorsitzenden im Reutlinger Gemeinderat macht der Schwäbische Heimatbund auf die prekäre Lage von drei denkmalgeschützten Gebäuden in der Reutlinger Oberamteistraße aufmerksam. Durch den von der Verwaltung vorgesehenen Verkauf an einen privaten Investor sei ein Abriss der Kulturdenkmale zu befürchten.

Mit Sorge beobachtet der Heimatbund, der in Reutlingen zahlreiche Mitglieder hat, die Diskussion um die Erhaltung und zukünftige Nutzung der Häuserzeile in der Oberamteistraße 28 - 32. Bei der Einbringung des Doppelhaushaltentwurfes für 2015/2016 hatte Frau Oberbürgermeisterin Bosch vorgeschlagen, die zusammenhängende Fachwerkhauszeile, eine der ältesten Deutschlands, an einen Investor zu verkaufen. Die Gebäude im historischen Stadtkern haben den verheerenden Stadtbrand von 1726 überstanden. Allerdings sind die in Teilen fast 700 Jahre alten Häuser in schlechtem Zustand und dringend sanierungsbedürftig.

Sanierung wirtschaftlich unzumutbar?

Ein Verkauf an einen privaten Investor könnte allerdings den Verlust der historischen Bausubstanz bedeuten, befürchtet der Denkmalexperte Dr. Günter Kolb, der bis zu seiner Pensionierung Referent für Bau- und Kunstdenkmalpflege beim Regierungspräsidium Tübingen war. Denn laut Gesetzeslage ist ein Abriss möglich, wenn dem Investor eine Sanierung aufgrund denkmalschützerischer Auflagen nicht zumutbar ist.

Der Heimatbund schlägt stattdessen eine Sanierung durch die Stadt und eine anschließende Nutzung der Gebäude als Erweiterung des Heimatmuseums vor, wie es bereits in der 1986/87 verabschiedeten Museumskonzeption vorgesehen ist.

Den finanziellen Aufwand von mehreren Millionen Euro für die Sanierung der lange nicht ausreichend unterhaltenen Häuserzeile sieht der Verein durchaus und begrüßt es ausdrücklich, dass die Stadt 2012 durch bauhistorische Voruntersuchungen den Zustand der Gebäude klären und in einer Machbarkeitsstudie Nutzungsalternativen aufzeigen ließ. Wir sind zuversichtlich, dass Verwaltung und Gemeinderat für die Häuserzeile Oberamteistraße eine dem geschichtlichen Erbe der Stadt Reutlingen angemessene Lösung zugunsten des Heimatmuseums finden werden, schließt Fritz-Eberhard Griesinger, der Vorsitzende des Schwäbischen Heimatbundes, sein Schreiben. Er verweist in diesem Zusammenhang auf eine Schrift des baden-württembergischen Städtetags zur Kulturpolitik. Darin heißt es unter anderem: Die Kulturverwaltungen bewahren außerdem die Erinnerung an stadt- und kultur-historische Entwicklungen durch das Sammeln und Erschließen von Zeugnissen und Dokumenten in kommunalen Archiven und Museen und legen damit eine Grundlage für die unverwechselbare Identität einer jeden Stadt. Kulturelle Räume, , führen zu einer Verbesserung von Stadtquartieren, sind ein wichtiger Standortfaktor und zugleich eine Grundlage für die Stadtentwicklung. Und weiter: Die Kommunen und das Land sind aufgefordert, die überkommene Bausubstanz vieler Kultureinrichtungen zu erhalten und die notwendigen Sanierungsmaßnahmen finanziell zu ermöglichen. Vorsitzende des Städtetages Baden-Württemberg ist seit 2011 die Reutlinger Oberbürgermeisterin Barbara Bosch.