Werner Konold, Roland Heinzmann, Wolfram Grönitz (Bearb.): Kulturlandschaften in Baden-Württemberg

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Werner Konold, Roland Heinzmann, Wolfram Grönitz (Bearb.): Kulturlandschaften in Baden-Württemberg

Titelblatt

Braun Karlsruhe 2014. 272 Seiten mit 257 Farbabbildungen und 15 Karten. Gebunden 39,95. ISBN 978-3-7650-8438-6

Bildbände über Baden-Württemberg gibt es viele: Die meisten sind bunte Bilderbögen für Geschenkkörbe. Der hier zu besprechende neue Bildband hebt sich davon ab, sowohl was die Bildauswahl als auch was die tiefschürfenden Texte betrifft. Werner Konold, Professor für Landespflege in Freiburg, sowie die beiden anderen Bearbeiter von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg haben 30 Mitautoren aus dem ganzen Land zusammengetrommelt, um dieses umfassende Buch zu verfassen. Wie der Mensch die Naturlandschaft gestaltet hat, ist das Leitbild für alle Beiträge, die sich an der naturräumlichen Gliederung des Landes orientieren und ausführlich die kulturelle Überprägung der Naturlandschaft schildern.

Die Bearbeiter waren sich der Schwierigkeit ihrer Aufgabenstellung bewusst und schreiben schon im Geleitwort, dass es nahezu unmöglich ist, die naturkundliche und kulturhistorische Vielfalt des Landes in durchgängigem Rotem Faden abzuarbeiten. Der deutlich erkennbare Bruch in der Gliederung des Buches ist jedoch keineswegs ein Notbehelf, sondern bringt die Profile der sieben Großlandschaften Neckarland, Franken, Schwäbische Alb, Alpenvorland, Bodenseegebiet, Schwarzwald und Oberrheingebiet um so schärfer zur Geltung. Siebenfach werden die Unterschiede der Großlandschaften herausgestellt, anschließend wird in einem Dutzend Beschreibungen einzelner Landschaftselemente das Verbindende, Überlagernde herausgestellt, angefangen von Böden über Heiden, Hecken und Obstwiesen bis zu den Bergbau- und Klosterlandschaften. Das befremdet zunächst und klingt kompliziert, liest sich aber flüssig und ergibt ein Gesamtbild des Landes, wie es bislang noch nie zustande gekommen ist.

Dieses Buch muss man genießen. Man kann darin blättern und sich an Einzelbeiträgen festlesen, man kann es aber auch in einem Zug durcharbeiten. Tut man dieses, wird einem klar, was Landeskenner wissen: Baden-Württemberg besitzt eine nicht zu überbietende landschaftliche Vielgestaltigkeit, sowohl im Hinblick auf Oberflächenformen und Landnutzung, als auch bezüglich des geschichtlichen Werdens unseres heutigen Bundeslandes, was sich dem Kundigen auf Schritt und Tritt zeigt.

Dass die Ballungsräume ausgeklammert wurden, mag mancher als Makel oder aber als Unvollständigkeit empfinden, ist aber verständlich: Schon so wird der Leser von der Komplexität unserer Kulturlandschaften schier erschlagen. Würden auch die Stadtlandschaften dargestellt, würden die vielfältigen Natur- und Kulturelemente, die unser Land prägen und ihm Struktur und Charakter verleihen, untergehen - wie es ja in Wirklichkeit auch oft genug geschieht.

Ein Satz soll herausgegriffen werden, weil er für Leser der Schwäbischen Heimat interessant sein dürfte. Die Bearbeiter beschäftigen sich eingangs mit dem Begriff Kulturlandschaft und fragen, ob eine Landschaft einen Eigennamen - zum Beispiel Heckengäu - tragen muss, um als eigenständige Kulturlandschaft wahrgenommen zu werden. Ganz sicher sind sie sich offenbar nicht, denn sie geben die Antwort in Form einer Frage: Oder ist Kulturlandschaft nicht etwas sehr Individuelles, eine Gegend, in der man sich wohlfühlt? Im Sinne von Heimat? Heimatbundmitglieder würden das nicht als Frage formulieren, sie wissen: Unsere Heimat ist - mit oder ohne Namen - etwas Einmaliges, ganz Besonderes! Deshalb heißt unser Verein auch Heimatbund und nicht "Verband für Kulturlandschaften"!

Der hervorragend aufgemachte Bildband "Kulturlandschaften in Baden-Württemberg" ist unbedingt empfehlenswert - als Geschenk für Leute, denen man seine Heimat samt Umgebung näher zeigen will und für einen selber, wenn man sich für Gegenden interessiert, die man nicht so gut kennt. Hervorragend geschriebene Texte, hervorragende Bilder in trefflicher Auswahl und guter Qualität - mit Ausnahme von einem (Seite 14), das an Druckqualitäten vor 50 Jahren erinnert -, das alles zeichnet dieses Buch als etwas aus, was vom Geschenkkorb nicht in die Schublade wandert, sondern angeschaut und gelesen wird, und das nicht nur einmal, sondern immer wieder

Reinhard Wolf